Öffentliche Kommunikation durchzieht nahezu alle Bereiche unserer modernen Gesellschaft.
Wenn man nach dem Soziologen Niklas Luhmann und seiner Systemtheorie geht, dann ist es
gar die Kommunikation, welche unsere Gesellschaft als soziales System entstehen lässt und
aufrecht erhält (vgl. Luhmann & Baecker 2002: 78). Zwei ausgenommen wichtige Typen öffentlicher
Kommunikation - die PR und der Journalismus - und ihr Verhältnis zueinander sollen
im Folgenden untersucht werden. Beide spielen in unserem alltäglichen Leben eine nicht
zu unterschätzende Rolle, denn nahezu jeder verspürt Tag für Tag dieses Informationsbedürfnis,
das uns dazu treibt, den Fernseher einzuschalten, die Zeitung aufzublättern oder durch das
Internet zu surfen, um möglichst schnell an die aktuellsten Meldungen aus aller Welt zu gelangen.
Von wem aber stammen diese Informationen, die sich in den Berichten der Fernsehnachrichten,
auf den Unmengen von Webseiten oder in der Tageszeitung finden lassen? Diese
Frage stellt sich kaum jemand, denn in den meisten Fällen werden jene Nachrichten als Tatsachen
hingenommen und nicht weiter hinterfragt, da sich das Bild des neutralen Journalisten,
dem es einzig und allein an einer objektiven Berichterstattung gelegen ist, um die Öffentlichkeit
über die ungeschönte Wahrheit zu informieren, noch immer hartnäckig zu halten scheint.
Die Quellen, aus denen der Journalist seine Informationen auswählt, spielen hierbei nur eine
untergeordnete oder gar keine Rolle. In Anbetracht der Veränderungen, welche die Medienlandschaft
durchlief, durchläuft und auch zukünftig noch durchlaufen wird, ist dieses Bild
jedoch überholt und bedarf einer neuen Sichtweise. Allerdings ist nicht nur der traditionelle
Journalismus von diesen eminenten Veränderungen betroffen, sondern auch die Public Relations
befindet sich in einem ständigen Wandel. Dieser wird jedoch noch weniger wahrgenommen,
da das Berufsbild des Öffentlichkeitsarbeiters längst nicht so geläufig ist wie das
des Journalisten.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionsansätze
2.1 Public Relations
2.2 Journalismus
3. Das Verhältnis zwischen PR und Journalismus
3.1 Theoretische Ansätze
3.1.1 Der steuerungstheoretische Determinationsansatz
3.1.2 Der handlungstheoretische Intereffikationsansatz
3.1.3 Der systemtheoretische Interpenetrationsansatz
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe und spannungsreiche Verhältnis zwischen Public Relations und Journalismus. Ziel ist es, die wechselseitige Beeinflussung, mögliche Abhängigkeiten und die zunehmende Grenzverwischung zwischen beiden Systemen wissenschaftlich einzuordnen und theoretisch zu fundieren.
- Begriffsdefinitionen und Abgrenzung von PR und Journalismus
- Analyse des gegenseitigen Einflusses und der Beziehungsarbeit
- Diskussion theoretischer Modelle zur Beschreibung der Interaktion
- Bewertung der Rolle von PR-Material in der journalistischen Praxis
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Der handlungstheoretische Intereffikationsansatz
Als Weiterentwicklung des Determinationsansatzes hat ein Forscherteam um den Leipziger Kommunikationswissenschaftler, Günter Bentele, den Intereffikationsansatz erschaffen. Der Begriff Intereffikation setzt sich aus dem lateinischen efficare und der Präposition inter zusammen. In die deutsche Sprache übersetzt bedeutet inter „zwischen, zusammen“ und efficare „etwas ermöglichen“.
Bentele hat diese Wortneuschöpfung gewählt, da sie das Verhältnis zwischen PR und Journalismus seiner Auffassung nach besser beschreibt als Interdependenz oder Determination. Denn Bentele geht nicht wie Westerbarkey, der den Begriff der Interdependenz als „Verhältnisse wechselseitiger Abhängigkeit […] aus Sicht erlebender Systeme, also aus passiver Sicht“ (Westerbarkey 1995: 152) beschreibt, von einer derart passiven Haltung eines einzelnen Systems oder gar einer einseitigen Beeinflussung, wie Barbara Baerns sie beschrieben hat, aus.
Seiner Meinung nach basiert das Verhältnis von PR und Journalismus auf gegenseitigem Einfluss, Orientierung und Abhängigkeit, die sich wiederum aus dem beiderseitigen Ermöglichen von Leistungen ergründen.
„Die Kommunikationsleistungen jeder Seite sind nur möglich, weil die jeweils andere Seite existiert und mehr oder weniger bereitwillig mitspielt“ (Bentele & Liebert & Seeling 1997: 240)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der gesellschaftlichen Bedeutung öffentlicher Kommunikation und der Problematik, die durch die Verwischung der Grenzen zwischen PR und Journalismus entsteht.
2. Definitionsansätze: Zusammenstellung und Analyse verschiedener Definitionen für PR und Journalismus, um die theoretische Komplexität beider Bereiche zu verdeutlichen.
3. Das Verhältnis zwischen PR und Journalismus: Untersuchung der Gemeinsamkeiten und Differenzen sowie der theoretischen Ansätze (Determination, Intereffikation, Interpenetration) zur Erklärung der Interaktion.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der PR-Journalismus-Beziehung und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung unter Berücksichtigung neuer Medientrends wie der Online-PR.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Public Relations, Journalismus, Intereffikation, Determination, Interpenetration, Systemtheorie, Medienlandschaft, Grenzverwischung, Kommunikationswissenschaft, Öffentlichkeitsarbeit, Massenmedien, Theoriebildung, Information, Agenda-Setting, Mediennutzung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das wechselseitige Verhältnis zwischen Public Relations und Journalismus und hinterfragt, inwieweit diese Systeme durch gegenseitige Beeinflussung und Abhängigkeit geprägt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Definitionsfindung für beide Disziplinen, die Analyse der Grenzverwischung zwischen PR und Journalismus sowie die theoretische Fundierung dieser Beziehung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, wissenschaftlich zu klären, ob PR den Journalismus dominiert, ob ein Bündnis besteht oder wie sich das Verhältnis durch verschiedene theoretische Modelle erklären lässt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich bedeutender kommunikationswissenschaftlicher Theorien, insbesondere des Determinationsansatzes, des Intereffikationsansatzes und des Interpenetrationsansatzes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition beider Bereiche, der Untersuchung der Machtverhältnisse und der detaillierten Vorstellung sowie kritischen Würdigung der drei genannten theoretischen Erklärungsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Public Relations, Journalismus, Intereffikation, Systemtheorie und Grenzverwischung.
Wie unterscheidet sich der Intereffikationsansatz vom Determinationsansatz?
Während der Determinationsansatz von einer einseitigen Steuerung des Journalismus durch PR ausgeht, postuliert der Intereffikationsansatz eine wechselseitige Beeinflussung und Abhängigkeit beider Systeme.
Was versteht man unter dem systemtheoretischen Interpenetrationsansatz?
Dieser Ansatz nach Niklas Luhmann beschreibt zwei operational geschlossene Systeme, die sich wechselseitig durch das Einbringen ihrer Eigenkomplexität ermöglichen, was eine ko-evolutionäre Entwicklung zur Folge hat.
- Arbeit zitieren
- Matthias Jahn (Autor:in), 2008, Das Verhältnis zwischen PR und Journalismus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/119581