In dem vorliegenden Essay wird sich dem Thema der Ästhetik im Islam genähert. Demnach soll die Fragestellung erörtert werden, inwiefern differente Vorstellungen von Ästhetik in gegenwärtigen muslimischen Gesellschaften konkret im Ausleben von Kleidergeboten bestehen und individuell ausgehandelt werden. Diese thematische Beschränkung sei der Tatsache geschuldet, dass eine umfassende Darlegung der Ästhetik nicht das Ziel dieser Arbeit ist. Ferner sei angemerkt, dass – wegen des wenig theoretischen Rahmens dieses Themengebiets – Aussagen einer Modedesignerin konsultiert werden, welche lediglich als Unterstützung für den Gesamtdiskurs fungieren und nicht den Zweck einer wissenschaftlichen Studie erfüllen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Begriffsdefinitionen
2.2 Funktionen von Kleidung
2.3 Die Sunna des Propheten als Leitbild
3. Empirische und praktische Perspektiven
3.1 Modest Fashion in Deutschland
3.2 Integrität und gesellschaftliches Aushandeln
3.3 Konträre Auffassungen: Burka und Niqab
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Vorstellungen von Ästhetik im Islam und deren Einfluss auf die Kleidungspraktiken muslimischer Gesellschaften in Deutschland. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie individuelle Bedürfnisse nach modischer Entfaltung mit religiösen Geboten sowie gesellschaftlichen Werten in Einklang gebracht und ausgehandelt werden.
- Verhältnis zwischen religiösen Geboten und ästhetischem Anspruch
- Bedeutung der "Modest Fashion"-Bewegung für die Identitätsfindung
- Spannungsfeld zwischen Integration und konservativen Kleidungsnormen
- Rolle der gesellschaftlichen Wahrnehmung und individuellen Sozialisation
- Einfluss der Sunna auf zeitgenössische Schönheitspflege
Auszug aus dem Buch
Inwiefern entsprechen diese Überlegungen dem Verständnis von Mode in Deutschland?
Meriem Lebdiri zumindest, eine 29-jährige deutsche Modedesignerin, die Modest Fashion für muslimische Frauen entwickelt, überträgt die Idee der Schlichtheit, die nach ihren Auffassungen typisch für deutsche Schnitte seien, auf ihre eigene Arbeit. In einem Interview erzählt Lebdiri, wie sie Ende 2012 ihre erste Kollektion auf den deutschen Markt bringt. Ihre Modelle seien edel und stilvoll. Zudem würden sie von denjenigen Frauen hochgeschätzt, die in Sachen Bekleidung aufgrund ihrer religiösen Orientierung auf Bedeckung setzen (vgl. Lebdiri, zit. n. Müller, o. J: o. S.). Lebdiri erläutert, dass ihre Kundinnen häufig aus Ländern wie Frankreich und Großbritannien stammen, woraus eine große Zielgruppe hervorgeht. Sie beschreibt diese Personengruppe als zielstrebige Frauen, die „[…] das Außergewöhnliche“ (ebd.) suchen und sich deutsche Einwirkungen, wie die qualitativen Stoffe und schlichten Modelle wünschen. Sie möchte den Frauen in westlichen Ländern „schöne Kleidung anbieten“ (ebd.) und führt an, wie mühsam es sein kann, in ‚normalen‘ Bekleidungsgeschäften, ihren eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen entsprechende Kleidung zu finden. Häufig seien die Klamotten knapp, eng oder durchsichtig, was die Möglichkeiten der muslimischen Frauen bei ihrer modischen Entfaltung enorm einschränke. Lebdiri zählt zu den Zielen ihrer Arbeit, dass ihre Mode das Zugehörigkeits- und Wohlgefühl muslimischer Frauen erzeugen soll. Das Stichwort hierbei ist „[sich] zur Gesellschaft zugehörig“ (ebd.) zu fühlen (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Ästhetik im Islam und Darlegung der Fragestellung bezüglich der Aushandlung von Kleidergeboten in Deutschland.
2. Theoretischer Rahmen: Erläuterung grundlegender Begriffe wie Ästhetik und Kallistik sowie Analyse der Funktionen von Kleidung und der Bedeutung der Sunna.
3. Empirische und praktische Perspektiven: Untersuchung der Modest Fashion-Bewegung, des Konzepts der Integrität und der gegensätzlichen Wahrnehmung konservativer Kleidungsformen wie Burka und Niqab.
4. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der hybriden Identitätsbildung und der Brückenfunktion von Mode zwischen Kulturen.
Schlüsselwörter
Ästhetik, Islam, Modest Fashion, Kleidung, Kopftuch, Identität, Integration, Sunna, Musliminnen, Gesellschaft, Kulturkampf, Integrität, Balance, Mizaan, Bekleidungsmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Ästhetik im Islam und der Art und Weise, wie muslimische Frauen in Deutschland individuelle Modevorstellungen mit religiösen Geboten und gesellschaftlichen Erwartungen in Einklang bringen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen islamischer Ästhetik, die moderne Modest Fashion-Bewegung, die soziale Funktion von Kleidung sowie das Spannungsfeld zwischen religiöser Identität und gesellschaftlicher Integration.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Vorstellungen von ästhetischer und islamisch begründeter Kleidung in der Praxis ausgehandelt werden und welche Rolle dabei die individuelle Sozialisation spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die durch Aussagen und Fallbeispiele von Modedesignerinnen sowie statistische Daten ergänzt wird, um einen fundierten Gesamtdiskurs zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Verständnis von Mode im deutschen Kontext, die Relevanz der Sunna, die Strategien von Modedesignerinnen wie Meriem Lebdiri und die kontroversen Debatten um Verschleierung und Integration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ästhetik, Modest Fashion, Identität, Integration, Integrität und das Spannungsfeld zwischen westlichen Werten und islamischen Traditionen charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von "Modest Fashion" von konservativer Verschleierung?
Während Modest Fashion oft als moderne Handlungsstrategie zur Integration und ästhetischen Entfaltung wahrgenommen wird, steht die Verschleierung durch Burka oder Niqab häufig im Fokus gesellschaftlicher Konflikte und wird von der Mehrheitsgesellschaft teils als Provokation oder Unterdrückung gedeutet.
Warum ist das Konzept des "Aushandelns" für die Arbeit so wichtig?
Das Konzept verdeutlicht, dass Identität nicht starr ist, sondern von Musliminnen in westlichen Ländern aktiv gestaltet wird, um ein Gleichgewicht zwischen ihrer religiösen Zugehörigkeit und den Werten der Mehrheitsgesellschaft zu finden.
- Arbeit zitieren
- Özge Sakalar (Autor:in), 2017, Ästhetik im Islam. Vorstellungen von Kleidung und Mode muslimischer Gesellschaften in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1194628