Es geht um die Frage, wie Sharon Dodua Otoo in ihrem Text Liebe und dem Roman Adas Raum mit dem Identitätsbegriff, insbesondere mit dem Schwarzer Figuren umgeht. Inwiefern erleben die Protagonistinnen ihre Identität als ‚Zuschreibung‘? Was machen sie aus diesen Zuschreibungen, – werden sie in eigene Annahmen formuliert? Und inwiefern haben sich Stereotype und Zuschreibungen im Laufe der Jahrhunderte wiederholt? Inwiefern verändert? Kann sich daraus befreit werden? Eine Öffnung des Themas für das weibliche Identitätserleben, also die Verknüpfung des sexistischen mit dem rassistischen System, wäre zusätzlich sinnvoll, jedoch würde diese den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
Um das nötige Hintergrundwissen für ein umfassendes Verständnis der Analyse dieser Arbeit zu bekommen, wird zunächst in die beiden Werke Otoos sowie in verschiedene Identitätsbegriffe eingeführt. Die Analyse wird in verschiedene geschichtliche Ereignisse gegliedert. Zunächst soll das Identitätserleben der Figuren in Adas Raum im Erzählstrang, der geschichtlich dem Kolonialismus zugeordnet ist, hinterfragt werden. Daraufhin wird der Erzählstrang aus Adas Raum, der zur Zeit des Nationalsozialismus spielt, im Hinblick auf Identität analysiert. Zuletzt wird das Identitätserleben der Figuren, die in der heutigen Zeit kontextualisiert sind, genauer betrachtet. Der erste Teil wird sich auf Adas Raum beziehen, der zweite auf Liebe. In einem Fazit werden die Forschungsfragen dieser Arbeit beantwortet und ein Resümee gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einführung
2.1. Adas Raum
2.2. Liebe
2.3. Identitäts-Begriffe
3 Identität in Otoos Werken: Wie aus Zuschreibungen eigene Annahmen werden (können)
3.1 Identität(en) im Kolonialismus – Adas Raum
3.2 Identität(en) im Nationalsozialismus – Adas Raum
3.3 Identität(en) im Alltags-Rassismus heute – Adas Raum und Liebe
3.3.1. Adas Raum – „In Deutschland wurde Ada schlagartig zur Schwarzen“
3.3.2. Liebe – „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Sharon Dodua Otoo in ihren Werken Adas Raum und Liebe Identitätskonzepte thematisiert und wie ihre Protagonistinnen mit externen Zuschreibungen und Rassismus-Erfahrungen umgehen, um daraus eigene Identitätsentwürfe zu entwickeln.
- Identitätskonstruktion durch externe Zuschreibungen
- Einfluss von kolonialen und nationalsozialistischen Kontinuitäten auf Identität
- Alltagsrassismus und Mikroaggressionen in der Gegenwart
- Weibliche Identitätsentwürfe und Selbstbehauptung
- Das Konzept der "Schleife" als erzählerisches Mittel zur Zeitverknüpfung
Auszug aus dem Buch
3.1. Identität(en) im Kolonialismus – Adas Raum
Otoos Roman spielt in einer der Erzählschleifen in Totope, dem Land, das heute Ghana ist. 1820 wurde Ghana von den Briten unter dem Namen ‚Goldküste‘ zu ihrer Kolonie. Doch schon viel früher begann das Leid. Der Erzählstrang Otoos beginnt im Jahre 1459. Otoo erzählt nicht nur von der Ankunft der Portugiesen, sondern auch, von den Bedingungen, die derzeit in Totope vorherrschten. Denn auch innerhalb Afrikas war Sklavenhandel üblich. Ohne diesen wäre der transatlantische Sklavenhandel wohl gar nicht möglich gewesen. Auch die Protagonistin Ada wurde als Kind versklavt, innerhalb Afrikas verschleppt und muss sich seitdem in der neuen Dorfgemeinschaft herumschlagen. Der Reisebesen, das Erzählende-Ich des Erzählstrangs, steht symbolisch für die Gewalt und Unterdrückung, die auch die Sklaven innerhalb Afrikas erleiden mussten. Sie wird nicht nur von den „Zahnlosen“ ausgelacht als ihr Baby stirbt, sie wird auch geschlagen, wenn sie den Fehler macht, ihre linke Hand zu benutzen (sie ist wohl Linkshänderin). Sie muss funktionieren. Auch wenn sie teilweise ein familiäres Verhältnis mit den älteren Frauen hat, ist sie doch nicht befugt, ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu leben.
Doch wird im Roman auch klar, dass diese Gewalt innerhalb des Sklavenhandels Afrikas nichts gegen die Gewalt der Kolonialisten ist. Die kommen nämlich mit anderen Geschützen und vor allem kommen sie einzig, um Unheil anzustiften, um zu stehlen, sich zu bedienen und zu vernichten. „Sie [Ada] schielte immer noch, als der Stock mit einem lauten Knall plötzlich Feuer und Rauch ausspuckte. Im nächsten Moment sackte Ada auf die Knie und dann zu Boden.“ Ada stirbt durch die Hand eines Portugiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Autorin Sharon Dodua Otoo und ihre zentralen Themen wie Identitätsfindung und Empowerment vor, leitet in die Analyse der Werke Adas Raum und Liebe ein und formuliert die Forschungsfrage zur Verarbeitung von Zuschreibungen.
2 Einführung: In der Einführung werden die beiden Romane kurz vorgestellt, das Konzept der „Schleifen“ in Adas Raum erläutert und erste begriffliche Grundlagen zu Identität geschaffen.
3 Identität in Otoos Werken: Wie aus Zuschreibungen eigene Annahmen werden (können): Das Hauptkapitel analysiert auf Basis historischer Kontexte (Kolonialismus, Nationalsozialismus) und aktueller Alltagsphänomene, wie rassistische Zuschreibungen die Identität der Figuren prägen und beeinflussen.
3.1 Identität(en) im Kolonialismus – Adas Raum: Dieses Unterkapitel beleuchtet anhand der Figur der Ada, wie Gewalt und Versklavung im Kontext des Kolonialismus die Identität bereits in frühen historischen Phasen maßgeblich bestimmt und eingeschränkt haben.
3.2 Identität(en) im Nationalsozialismus – Adas Raum: Es wird untersucht, wie im KZ-Erzählstrang das Täter-Opfer-Schema Identitäten auslöscht und wie die traumatischen Erfahrungen des Nationalsozialismus das Identitätsverständnis der Figuren zerstören.
3.3 Identität(en) im Alltags-Rassismus heute – Adas Raum und Liebe: Dieser Abschnitt thematisiert strukturellen Rassismus und Mikroaggressionen, die zeigen, wie nationale und rassistische Konstruktionen auch in der Gegenwart als Ausschlussmechanismen fungieren.
3.3.1. Adas Raum – „In Deutschland wurde Ada schlagartig zur Schwarzen“: Hier wird analysiert, wie die Figur Ada durch den Blick der Anderen in Deutschland mit einem neuen, rassistisch konnotierten Identitätsmerkmal konfrontiert wird.
3.3.2. Liebe – „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“: Das Kapitel betrachtet die Perspektive der männlichen Schwarzen Identität und den Umgang von Eltern mit der rassistischen Erziehung ihrer Söhne.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Identität stets im Abgleich zwischen Selbstbild und den Zuschreibungen des sozialen Umfelds entsteht, wobei Otoo eindrucksvoll verdeutlicht, wie Identitätskonstruktionen Machtverhältnisse stabilisieren oder herausfordern.
Schlüsselwörter
Sharon Dodua Otoo, Adas Raum, Liebe, Identität, Zuschreibung, Kolonialismus, Nationalsozialismus, Alltagsrassismus, Empowerment, Weiblichkeit, Mikroaggression, Rassismus, Intersektionalität, Identitätskonstitution, soziale Konstruktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Werke Adas Raum und Liebe der Schriftstellerin Sharon Dodua Otoo unter der Fragestellung, wie Identität in einer von rassistischen und diskriminierenden Zuschreibungen geprägten Gesellschaft konstruiert und erlebt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von Kolonialismus, Nationalsozialismus und heutigem Alltagsrassismus auf die Selbstwahrnehmung von Schwarzen Identitäten sowie der Aspekt des weiblichen Empowerments.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie Protagonistinnen und Protagonisten in Otoos Romanen auf externe rassistische Zuschreibungen reagieren und inwieweit sie diese als eigene Annahmen internalisieren oder ihnen Widerstand entgegensetzen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die Romane in einen historischen und soziologischen Kontext (Identitätstheorien) einbettet, um die Mechanismen von Macht und Alterität aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei historische und gesellschaftliche Ebenen: Identität im Kolonialismus, im Nationalsozialismus sowie im heutigen Alltagsrassismus, wobei spezifische Textstellen und Erzählstränge als Beispiele dienen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identitätskonstitution, rassistische Zuschreibung, Machtkonstruktion, Trauma und Empowerment charakterisiert.
Welche besondere erzählerische Struktur nutzt Otoo in Adas Raum?
Otoo verwendet die Struktur von "Schleifen", in denen verschiedene Frauen über Jahrhunderte hinweg durch Schmerz und Gewalt miteinander verbunden sind, was die Kontinuität von Unterdrückung verdeutlicht.
Warum wird im Buch das Konzept der „Schleife“ als zentral angesehen?
Die Schleife verknüpft historisch unterschiedliche Orte und Epochen (vom Kolonialismus bis zum modernen Berlin) und zeigt, wie sich Traumata wiederholen und identitätsstiftend oder -zerstörend wirken.
Welche Rolle spielt die „Zuschreibung“ für die Identität?
Zuschreibungen von außen fungieren als machtvolle Konstruktionen, die Individuen in Kategorien zwängen, gegen die sie sich mühsam behaupten müssen, um eine eigene Identität zu entwerfen.
Was schlussfolgert die Autorin hinsichtlich des Identitätsbegriffs?
Die Autorin plädiert abschließend für eine gelassenere Haltung gegenüber dem Identitätsbegriff und schlägt vor, Identität weniger als fraglosen Wert, sondern als etwas Vorläufiges zu begreifen, um der Ambivalenz des menschlichen Seins gerecht zu werden.
- Quote paper
- Sophie Vogt (Author), 2022, Identität als Zuschreibung. ('Schwarzes') Selbstbewusstsein in Otoos Roman "Adas Raum" und ihrem Text "Liebe", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1194534