Was bedeuten die Aspekte von Human Enhancement und hier im Besonderen von psychischen Enhancement für die menschliche Selbstbestimmtheit im Bereich Bildung?
Das Beantworten dieser umfangreichen Frage kann nur tendenziell erfolgen, weshalb ich mir Schwerpunkte hinsichtlich der zu durchleuchtenden Facetten setze: Im ersten Kapitel wird die Genealogie von Human Enhancement durchleuchtet, um ein grundlegendes Verständnis hinsichtlich des Phänomens Enhancement zu erlangen. Dabei werde ich den Schwerpunkt auf geschichtliche Gegebenheiten, die mit der Thematik der Fragestellung hinsichtlich psychisches Enhancement einhergehen, legen und nur diese anführen. Im zweiten Kapitel werden Kategorien von Enhancement überblicksmäßig dargelegt, wobei das besondere Augenmerk dem psychischen Enhancement – in der Literatur auch Neuro- Enhancement oder pharmakologisches Enhancement genannt – gilt, da davon auszugehen ist, dass diese Perspektive für die Problematik, die mich zur Forschungsfrage gelangen lässt, bedeutsamer ist und ein Bearbeiten mehrerer Blickwinkel die Arbeit sprengen würden. Im Absatz drei werden Bildung und psychisches Enhancement hinsichtlich ihrer Facette der Selbstbestimmung durchleuchtet und dargelegt, da einerseits psychisches Enhancement als „Dopingmittel“ zur Leistungssteigerung Verwendung findet und sich daher die Frage stellt, woher das Verlangen nach Steigerung kommt und andererseits der (neuhumanistische) Bildungsbegriff hinsichtlich posthumanistischer Ausrichtung und wirtschaftsliberaler Bildungsansprüche im Umbruch ist. Hier ist ein Zusammenspiel von wirtschaftspolitischen Begehrlichkeiten, bildungspolitischen Zugeständnissen und individuellen Verbesserungsbestrebungen und zu erwarten. Das Fazit dient einer Zusammenfassung der Erkenntnisse und einem kritischen Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
PROBLEMAUFRISS UND FRAGESTELLUNG
1 GENEALOGIE DES BEGRIFFS HUMAN ENHANCEMENT
1.1 CHRISTIAN GOTTHILF SALZMANN (1744-1811)
1.2 FRIEDRICH NIETZSCHE (1844-1900)
1.3 FRANCIS GALTON (1822-1911)
1.4 JOHN BURDON SANDERSON HALDANE (1892-1964)
1.5 JOHN DESMOND BERNAL (1901-1971)
1.6 JULIAN SORELL HUXLEY (1887-1975)
2 KATEGORISIERUNG VON ENHANCEMENT
2.1 PHYSISCHES ENHANCEMENT
2.2 GENETISCHE ENHANCEMENT
2.3 PSYCHISCHES ENHANCEMENT
3 DIE FACETTE DER SELBSTBESTIMMTHEIT BEI BILDUNG UND ENHANCEMENT
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen transhumanistischer Optimierungsprozesse, insbesondere des psychischen Enhancements, auf das Verständnis von Bildung und die menschliche Selbstbestimmung in einer zunehmend neoliberal geprägten Gesellschaft.
- Historische Entwicklung und Genese des Begriffs Human Enhancement
- Systematische Kategorisierung verschiedener Enhancement-Methoden
- Analyse des Spannungsfelds zwischen Bildungsauftrag und technischer Selbstoptimierung
- Einfluss ökonomischer Anforderungen auf das menschliche Selbstbild
- Kritische Reflexion über pharmakologische Leistungssteigerung in Bildungskontexten
Auszug aus dem Buch
2.3 Psychisches Enhancement
Eine Kategorie molekularbiologischer Eingriffe stellt das psychische oder auch pharmakologische oder Neuro- Enhancement dar. Im Fokus steht hier der nicht medizinisch indizierte Konsum von verschreibungspflichtigen oder illegalen Medikamenten mit der Absicht der kognitiven Leistungssteigerung oder Stimmungsaufhellung.
„Selbstverständlich können auch legale (Alkohol) und illegale (Cannabis, Kokain, Amphetamin etc.) psychoaktive Substanzen, die explizit mit dem Ziel einer Verbesserung der Gehirnleistung eingenommen werden, zu Neuro- Enhancement gezählt werden (Maier et al., 2013; Middendorff et al., 2012). Medikamente, die zur Behandlung von körperlichen oder psychischen Beschwerden von einem Arzt oder Psychiater verschrieben werden, fallen nicht unter diese Bezeichnung, sofern sowohl Applikationsform als auch Menge und Einnahmedauer der Medikation gemäss Verschreibung eingehalten werden.“ (Maier/ Schaub 2014, S. 20)
Menschen betreiben Bewusstseinserweiterung mittels Drogen seit Menschengedenken. Diese Form des Rausches lässt sich mit dem vermehrten gesellschaftlichen Wunsch und der hohen Akzeptanz nach Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit durch pharmazeutisches Enhancement nicht vergleichen, ist doch an Stelle des Ausstiegs „aus“ dem Alltag ein Wunsch nach Verbesserung „für“ den Alltag getreten (vgl. Missomelius, 2016, S. 126).
Zusammenfassung der Kapitel
PROBLEMAUFRISS UND FRAGESTELLUNG: Es wird die Herausforderung durch den Transhumanismus und Enhancement-Technologien für die traditionelle humanistische Bildung skizziert, woraus sich die Forschungsfrage nach der Bedeutung für die menschliche Selbstbestimmung ableitet.
1 GENEALOGIE DES BEGRIFFS HUMAN ENHANCEMENT: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Idee der Menschenverbesserung von der Aufklärung bis hin zu Ansätzen des 20. Jahrhunderts nach.
2 KATEGORISIERUNG VON ENHANCEMENT: Hier werden verschiedene Arten von Enhancement-Technologien differenziert, mit besonderem Schwerpunkt auf physischen, genetischen und psychischen Eingriffen.
3 DIE FACETTE DER SELBSTBESTIMMTHEIT BEI BILDUNG UND ENHANCEMENT: Das Kapitel beleuchtet, wie Leistungsdruck und Neoliberalismus den Bildungsbegriff untergraben und durch pharmakologische Selbstoptimierung ersetzen.
4 FAZIT: Eine abschließende Reflexion über die ethischen Gefahren der Selbstinstrumentalisierung und die Notwendigkeit, sich wieder auf ein Bildungsverständnis zu besinnen, das Menschenwürde und Subjektivität in den Mittelpunkt stellt.
Schlüsselwörter
Transhumanismus, Human Enhancement, Psychisches Enhancement, Neuro-Enhancement, Bildung, Selbstbestimmung, Neoliberalismus, Pharmakologische Leistungssteigerung, Selbstoptimierung, Posthumanismus, Bioethik, Anthropologie, Menschenbild, Leistungsgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophischen und pädagogischen Konsequenzen von Enhancement-Technologien, die das Ziel haben, den menschlichen Körper und Geist technisch zu optimieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Historie des Begriffs Human Enhancement, der Einordnung technischer Möglichkeiten und der kritischen Auseinandersetzung mit der Veränderung des Bildungsbegriffs.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, was der Einsatz von Human Enhancement, besonders im psychischen Bereich, für die Autonomie und Selbstbestimmung des Menschen im Bildungsprozess bedeutet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung bestehender Fachliteratur und philosophischer Diskurse zum Thema Transhumanismus und Pädagogik basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Genealogie, eine methodische Kategorisierung von Enhancement-Verfahren und eine Analyse der Auswirkungen auf das humanistische Bildungsideal.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Transhumanismus, Human Enhancement, Neuro-Enhancement, Bildung, Selbstbestimmung und Neoliberalismus.
Inwiefern beeinflusst der Neoliberalismus das psychische Enhancement?
Die Autorin argumentiert, dass der ökonomische Druck in der modernen Gesellschaft das Individuum zu Selbstoptimierung zwingt, um im Wettbewerb zu bestehen, was den Griff zu leistungssteigernden Medikamenten fördert.
Wie unterscheidet sich "wahre Bildung" von der durch Technik beeinflussten Anpassung?
Während Bildung ein aktiver, entfaltender Prozess des Subjekts ist, fungiert Enhancement als technische Intervention, die eine unmittelbare, aber oft entfremdende Leistungsanpassung bewirkt.
- Quote paper
- Sabine Oberneder (Author), 2019, Transhumanistische Optimierungsprozesse. Psychisches Enhancement als Herausforderung für die Selbstbestimmtheit des Bildens, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1193132