„Im Falle der frühneuzeitlichen Konfessionalisierung scheint der Gegenwartsbezug in dem Maße verloren zu gehen, in dem die christlichen Konfessionen im öffentlichen und privaten Leben der europäischen Gesellschaften an Bedeutung verlieren. Doch auch in einem entchristlichten, säkularen oder laizistischen Europa wird die frühneuzeitliche Konfessionalisierung fortwirken und daher weiterhin die Aufmerksamkeit der Historiker finden. Denn in der Frühzeit der europäischen Moderne war sie einer der mächtigsten Motoren politischer und kultureller Differenzierung, und in einem sehr komplexen Geschehen trieb sie längerfristig sogar die Säkularisierung voran. Der durch Rationalität, Säkularität und Toleranz charakterisierte europäische Zivilisationstypus der Gegenwart ist ohne die Konfessionalisierung des 16. und 17. Jahrhunderts nicht vorstellbar.“
Der Aktualitätsbezug der Konfessionalisierungsforschung ist nicht immer augenfällig und versteckt sich unter für den heutigen Betrachter alltäglich gewordenen politischen und sozialen Geschehen. Diese sind jedoch unter anderem Resultate verschiedener frühneuzeitlicher Prozesse. Die Konklusion lautet also, zeitgenössische Zeugnisse dieser Prozesse in den Blickpunkt historischer Forschung zu rücken.
Thema dieser Arbeit ist das Epitaph für Moritz von Donop, welches dem lippischen Ritter zu Ehren 1587 gestiftet wurde und sich in der St. Nicolai-Kirche in Lemgo befindet. Das Erkenntnisinteresse an diesem Epitaph, welches das cranachsche Motiv „Gesetz und Gnade“ aufgreift, basiert auf der Frage nach dem Zusammenhang mit dem und der Bedeutung für den Prozess der lutherischen Konfessionalisierung in Lippe und Lemgo. Die Leitfrage für die folgende Untersuchung soll sein, warum zu diesem späten Zeitpunkt das alte reformatorische Kampfbild wieder aufgegriffen wurde und ob, oder in wie weit, das Epitaph eine Besonderheit darstellt. Daraus resultiert die Frage nach Intention der Gedenktafel und Motivation der Stifter: was sollte das Epitaph aussagen und bezwecken?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Konfessionalisierung und Kunst
- Das Epitaph für Moritz von Donop
- Epitaphe: von der Antike bis zur Renaissance
- Das Donop-Epitaph
- Aspekte der Gedenksteinsetzung
- Eine Merkwürdigkeit in der Nicolai-Kirche
- Die Eigentümlichkeiten des Epitaphs
- „Gesetz und Gnade“
- Lucas Cranach d.Ä., Luther und die „Gesetz und Gnade“ Bilder
- Vorbilder Cranachs
- Die Vorbilder des Epitaphs
- Analogien und Brüche, Bezugspunkte und Abgrenzung
- Die Familie von Donop
- Aus dem Leben Moritz von Donops und seiner Familie
- Der Achtzigjährige Krieg
- Die letzten Zeugnisse
- Reformation und Konfessionalisierung
- Konfessionsbildungen und die Confessiones
- Die Reformation in der Grafschaft Lippe
- Die Reformation in der Grafschaft Ravensberg und Herford
- Fazit: Ein Epitaph und viele Intentionen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Epitaph für Moritz von Donop (1587) in der Lemgoer St. Nicolai-Kirche. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen dem Epitaph, dem „Gesetz und Gnade“-Motiv und dem Prozess der lutherischen Konfessionalisierung in Lippe und Lemgo zu ergründen. Die Arbeit fragt nach den Intentionen der Stifter und der Bedeutung der Wiederaufnahme des reformatorischen Kampfbildes zu einem späten Zeitpunkt.
- Das Epitaph als Zeugnis der lutherischen Konfessionalisierung
- Analyse des „Gesetz und Gnade“-Motivs im Kontext des Epitaphs
- Die Bedeutung des Epitaphs im lokalen Kontext von Lippe und Lemgo
- Intentionen und Motivationen der Stifter des Epitaphs
- Die Familie von Donop und ihr historischer Kontext
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet den aktuellen Bezug der Konfessionalisierungsforschung. Kapitel 2 beschreibt das Donop-Epitaph im Detail, beginnend mit einer allgemeinen Betrachtung von Epitaphen und eingehend auf die Besonderheiten des Donopschen Epitaphs. Kapitel 3 analysiert das „Gesetz und Gnade“-Motiv im Kontext von Lucas Cranach d. Ä. und vergleicht es mit Vorbildern des Epitaphs. Kapitel 4 befasst sich mit der Familie von Donop und ihrem Umfeld, Kapitel 5 mit der Reformation in Lippe und angrenzenden Gebieten.
Schlüsselwörter
Konfessionalisierung, Lutherische Reformation, Epitaph, Moritz von Donop, Lemgo, Lippe, „Gesetz und Gnade“, Lucas Cranach d. Ä., Gedenkkultur, Frühneuzeitliche Kunst.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Thema dieser historischen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Epitaph für Moritz von Donop (1587) in Lemgo im Kontext der lutherischen Konfessionalisierung.
Welches Bildmotiv wird auf dem Epitaph verwendet?
Das Epitaph greift das cranachsche Motiv „Gesetz und Gnade“ auf, ein zentrales reformatorisches Kampfbild.
Warum ist der Zeitpunkt der Entstehung (1587) von Bedeutung?
Die Arbeit fragt, warum dieses alte reformatorische Motiv zu einem so späten Zeitpunkt der Konfessionalisierung erneut aufgegriffen wurde.
In welcher Kirche befindet sich das Donop-Epitaph?
Es befindet sich in der St. Nicolai-Kirche in Lemgo.
Was war die Intention der Stifter dieses Epitaphs?
Die Arbeit untersucht, was die Gedenktafel aussagen sollte und welche Rolle sie im religiösen und politischen Gefüge von Lippe spielte.
Welche Rolle spielt Lucas Cranach d. Ä. in diesem Kontext?
Cranach d. Ä. entwickelte zusammen mit Luther die Bildsprache von „Gesetz und Gnade“, die als Vorbild für das Epitaph diente.
- Quote paper
- Christina Warneke (Author), 2008, "Siste parum, viator" - Das Epitaph für Moritz von Donop in Lemgo im Kontext lutherischer Konfessionalisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/119280