Im Laufe dieser Seminararbeit soll verständlich gemacht werden, inwiefern die Funktionsweise des Bitcoins und damit verbunden der Blockchain für ein Grundverständnis der Datenschutzproblematik essentiell ist. Des Weiteren soll erarbeitet werden, inwiefern die Blockchain und somit auch der Bitcoin mit dem Datenschutzrecht und der DSGVO vereinbar ist, insbesondere auch bezogen auf die in §5 ff DSGVO erläuterten Grundsätze. Anschließend wird kritisch betrachtet, welche rechtlichen Problematiken es bezogen auf einzelne Recht der Betroffenen gibt und wie diese mit den Eigenschaften der Blockchain harmonieren.
Das Ziel der neuen Datenschutz-Grundverordnung ist es, datenschutzrechtliche Belange innerhalb Europas zu vereinheitlichen, um dem einzelnen gewährleisten zu können, dass er mehr Kontrolle über seine eigenen Daten hat. Dies hat zum Ergebnis, dass alle EU-Staaten sich an dieselben Standards bezogen auf den Datenschutz halten müssen. Die Datenschutz-Grundverordnung hat unter anderem sich zur Aufgabe gemacht, offen für Technologie zu sein und Problematiken bezogen auf neue Technologien lösen zu können. Dementsprechend gilt sie auch für die Blockchain-Technologie, die in dieser Arbeit in Bezug auf den Datenschutz thematisiert wird.
Die Blockchain ist eine Art der Technologie des dezentralen Transaktionsregisters. Im englischsprachigen Raum redet man auch von „Distributed Ledger Technology“, DLT genannt. Am einfachsten ist zu sagen, dass die Blockchain ein digitales Buchführungssystem ist, dass kein Gebrauch von einem zentralen Register macht.5 Den aktuellen Bekanntheitsgrad genießt die Blockchain durch die Kryptowährung Bitcoin, die die Blockchain als technische Basis benutzt. DLT, wie Bitcoin, lassen jedoch verschiedenste datenschutzrechtliche Fragen, bezogen auf die DSGVO, entstehen. Es besteht eine Problematik, da sich die DSGVO hauptsächlich auf herkömmliche zentralisierte Datenverarbeitungsverfahren beschränkt. Trotz dessen, dass sich das Europäische Parlament und der Rat darum bemühen, den datenschutzrechtlichen Gefahren von dezentralen Systemen zu entgegnen, ist zu sagen, dass die DSGVO diese nicht explizit anspricht. Hierdurch entsteht im Ergebnis ein Mangel an Rechtssicherheit unter anderem für Intermediäre von Digital Ledger-Ökosystemen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Blockchain
2.1 Funktionsweise des Bitcoins und der Blockchain
2.2 Arten der Blockchain
3. Datenschutzrechtlicher Rahmen der Blockchain
3.1 Die Vereinbarkeit mit den Grundsätzen der DSGVO
3.2 Die Vereinbarkeit mit den Betroffenenrechten
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die datenschutzrechtliche Kompatibilität der Blockchain-Technologie, insbesondere von Bitcoin, mit der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Im Fokus steht dabei die Analyse, inwiefern dezentrale, unveränderliche Transaktionsregister mit den Grundprinzipien des europäischen Datenschutzes sowie spezifischen Betroffenenrechten vereinbar sind.
- Grundlagen der Funktionsweise von Bitcoin und Blockchain-Technologien.
- Klassifizierung verschiedener Blockchain-Arten (Permissionless vs. Permissioned).
- Analyse der Vereinbarkeit von Blockchain-Eigenschaften mit den Grundsätzen nach Art. 5 DSGVO.
- Kritische Betrachtung der Betroffenenrechte, insbesondere Auskunfts- und Löschungsanspruch, im DLT-Kontext.
Auszug aus dem Buch
2.1 Funktionsweise des Bitcoins und der Blockchain
Übliche Währungen werden im Normalfall über eine Bank oder auch durch direkte Transaktionen, wie bei einem Baraustausch ausgetauscht, im Gegensatz hierzu werden Bitcoins mithilfe eines sogenannten Peer-to-Peer Netzwerks transferiert. Das Peer-to-Peer Netzwerk, auch „P2P“ genannt, ist ein Modell, das auf einem Netzwerk basiert, in dem Computer-Ressourcen, aber auch Dienste über den direkten Handel geteilt werden können. Jegliche teilnehmenden Computer können Dienste in Anspruch nehmen aber auch anbieten, hierbei ist essentiell, dass keine Abhängigkeit von zentralen Servern besteht. Demnach wird das Netzwerk durch teilnehmende Nutzer gebildet, die eine bestimmte Software nutzen, die sich Bitcoin-Client nennt. Daraus kann geschlossen werden, dass es keinen zentralen Verwaltungsserver gibt und der Bitcoin keiner Aufsicht einer bestimmten Behörde oder auch Regierung unterliegt.
Die Vertrauenswürdigkeit eines Users ist dadurch gegeben, dass Bitcoins eine elektronische Anreihung von Signaturen darstellen und diese mit Informationen verbunden sind, durch die der Ersteller der Signatur sich mit seiner abgegebenen Unterschrift identifizieren kann. Eine Übertragung des Bitcoins von einem Nutzer auf den anderen funktioniert, wie beim Online-Banking, mithilfe von Überweisungen, die mit jedem internetfähigen Gerät durchgeführt werden können. Bei Überweisungen in herkömmlichen Bankensystemen ist der Name und die IBAN des Empfängers und auch des Senders bekannt. Im Gegensatz dazu sind Bitcoin Überweisungen, dadurch, dass Sender und Empfänger nur durch einen mathematisch erstellten Schlüssel aus Ziffern und alphabetischen Werten verbunden sind, weitestgehend anonym.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Datenschutz-Grundverordnung für neue Technologien ein und definiert die Blockchain als dezentrales digitales Buchführungssystem, das datenschutzrechtliche Herausforderungen mit sich bringt.
2. Die Blockchain: Hier werden die Funktionsweise von Bitcoin, der Peer-to-Peer-Struktur und das Mining erläutert sowie die Unterscheidung zwischen öffentlichen (Permissionless) und privaten (Permissioned) Blockchains vorgenommen.
3. Datenschutzrechtlicher Rahmen der Blockchain: Dieses Kapitel prüft die Vereinbarkeit der Blockchain mit den DSGVO-Grundsätzen wie Transparenz, Datenminimierung und Integrität sowie die Umsetzbarkeit von Auskunfts- und Löschungsrechten für Betroffene.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass öffentliche Blockchains im aktuellen Regelungskonzept der DSGVO viele Fragen offenlassen und die Ausübung von Betroffenenrechten technisch kaum umsetzbar ist.
Schlüsselwörter
Blockchain, Datenschutz-Grundverordnung, DSGVO, Bitcoin, Distributed Ledger Technology, DLT, Datenschutz, Auskunftsrecht, Löschungsrecht, Datensicherheit, Transparenz, Datenminimierung, Peer-to-Peer, Kryptographie, Pseudonymität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der rechtlichen Vereinbarkeit von Blockchain-basierten Anwendungen, insbesondere Bitcoin, mit den Anforderungen der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Funktionsweise der Blockchain, der Einordnung in Permissionless und Permissioned Systeme sowie dem Vergleich mit den datenschutzrechtlichen Grundsätzen und Betroffenenrechten der DSGVO.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wo Konflikte zwischen der unveränderlichen Struktur der Blockchain und den Vorgaben des Datenschutzes existieren, ohne dabei jedoch eigene technische Lösungsansätze zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche Analyse, die technische Grundlagen der Blockchain mit den normativen Anforderungen der DSGVO vergleicht und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Funktionsweise und Arten der Blockchain sowie eine detaillierte Prüfung der Vereinbarkeit mit den Grundsätzen des Art. 5 DSGVO und den Rechten nach Art. 15 und 17 DSGVO.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Blockchain, DSGVO, Auskunftsrecht, Löschungsrecht, Pseudonymität und Datentransparenz charakterisiert.
Warum ist das Löschungsrecht bei der Blockchain so problematisch?
Da die Blockchain technisch darauf ausgelegt ist, Transaktionsdaten unveränderlich und manipulationssicher zu speichern, lässt sich eine klassische Löschung von Datensätzen nach Art. 17 DSGVO in diesem System technisch kaum umsetzen.
Wie unterscheidet sich die Permissionless von der Permissioned Blockchain in Bezug auf den Datenschutz?
Während die öffentliche Permissionless Blockchain durch ihre volle Transparenz und Dezentralität erhebliche Schwierigkeiten bei der Erfüllung von Datenschutzvorgaben aufweist, können bei einer privaten Permissioned Blockchain durch zentrale Instanzen eher Lese- und Zugriffsberechtigungen gesteuert werden.
- Arbeit zitieren
- Berkant Hilal (Autor:in), 2018, Datenschutz bei Bitcoin und anderen DLT-basierten Anwendungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1190924