Bei der Arbeit handelt es sich um eine historisch kritische Exegese der Josephsgeschichte mit Schwerpunkt auf Genesis 40. Insgesamt umfasst die Exegese den Kontext der Josephsgeschichte, Textkritik, Literarkritik, Überlieferungskritik, Redaktionskritik, Gattungskritik, Traditionskritik und die klassische Pentateuchkritik.
Thema dieser Arbeit ist die Josephsgeschichte, wobei der Fokus auf der Deutung der Träume des Mundschenks und Bäckers durch Joseph in Genesis 40 liegt. Entschieden wurde sich für ein Ausschnitt der Josephsgeschichte, weil diese meist fester Bestandteil des Religionsunterrichts der Primarstufe ist. Vor allem in der ersten und zweiten Klasse wird die Geschichte gerne erzählt, da sie eine spannende, in sich geschlossene Handlung besitzt, weswegen Friedrich Johannsen sie auch als "Meisterstück der Erzählkunst" bezeichnet. Das Ziel dieser Arbeit ist es den geschichtlichen Hintergrund, die Verfasserschaft und die prägenden Traditionen dieses Bibelabschnittes zu untersuchen. Außerdem werden die ältere und die neuere Forschung bezüglich der Autorenschaft gegenübergestellt, wobei der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der klassischen Kritik liegt. Zunächst wird jedoch auf den Inhalt der Josephsgeschichte und deren Kontext eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG
2 DIE JOSEPHSGESCHICHTE UND IHR KONTEXT
3 TEXTKRITIK
4 LITERARKRITIK
4.1 DIE JOSEPHSGESCHICHTE
4.2 GENESIS 40
5 ÜBERLIEFERUNGSKRITIK
6 REDAKTIONSKRITIK
6.1 JAHWIST
6.2 ELOHIST
6.3 J-E-KOMBINATION
6.4 VERKNÜPFUNG MIT DER PRIESTERSCHRIFT
6.5 SCHLUSSREDAKTION
7 GATTUNGSKRITIK
8 TRADITIONSKRITIK
9 DIE „KLASSISCHE PENTATEUCHKRITIK“ UND IHRE PROBLEME
10 JÜRGEN EBACH ALS BEISPIEL NEUERER FORSCHUNG
11 FAZIT
12 LITERATURVERZEICHNIS
12.1 GEDRUCKTE LITERATUR
12.2 ONLINE-LITERATUR
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht den geschichtlichen Hintergrund, die Verfasserschaft und die prägenden Traditionen der Josephsgeschichte mit einem spezifischen Fokus auf Genesis 40. Ziel ist es, die klassische Pentateuchkritik durch eine Gegenüberstellung älterer und neuerer Forschungsergebnisse zu hinterfragen und die Bedeutung der Traumdeutungen für den Erzählverlauf sowie die Intention des Textes, insbesondere im Hinblick auf familiäre Konflikte und deren Lösung, aufzuzeigen.
- Exegese von Genesis 40
- Quellenkritische Untersuchung (Jahwist, Elohist, Priesterschrift)
- Die Rolle der Traumdeutung in der Josephsgeschichte
- Vergleich klassischer Pentateuchkritik mit neuerer Forschung (Beispiel Ebach)
- Theologische und historische Einordnung des Textes
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Josephsgeschichte
Eins der markantesten Merkmale für die Quellenscheidung in Genesis ist die Verwendung der Namen „Jakob“ und „Israel“ für dieselbe Person: den Erzvater Jakob. Walter Dietrich ist der Meinung der Jahwist nenne Jakob seit der feierlichen Umbenennung in Genesis 32,23ff „Israel“, wohingegen der Elohist ihn durchgehend als „Jakob“ bezeichne. Eine weitere Spannung der Erzählung ist ein sich wandelndes Bild von Ägypten. Genesis 39 zeichnet ein recht negatives Ägypterbild, in welchem sich ein Sklave um das ganze Haus kümmert, während sein Herr nur darauf bedacht ist was er essen kann (vgl. Gen 39,4f). Außerdem lässt dieser seinen Sklaven, lediglich aufgrund einer erfundenen Anschuldigung seiner Frau, ins Gefängnis werfen. Im Kontrast dazu wird in Genesis 40 und 41 in einer sehr positiven Weise von Ägypten berichtet. Zum einen ist keine Herablassung gegenüber dem Bäcker und dem Mundschenk des Pharaos zu finden. Zum anderen wird der Pharao als Rat suchender, vernünftiger, Argumenten zugänglicher und entscheidungsfähiger Regent dargestellt.
Des Weiteren kann Joseph in Genesis 37 nicht von Midianitern und von Ismaelitern nach Ägypten gebracht worden sein, da die beiden Volksstämme ihr Blütezeit nicht gleichzeitig, sondern nacheinander hatten. Die Midianiter hatten diese im zweiten Jahrtausend, die Ismaeliter im ersteren Jahrtausend v. Chr. In Richter 8,22.24 werden die beiden Völker gleichgesetzt, um Lesern aus der späteren Ismaeliterzeit zu erklären, dass die Midianiter ein, den Ismaelitern ähnliches, Volk gewesen sind. Darauf aufbauend kann die Vermutung aufgestellt werden, dass in der Josephsgeschichte dasselbe Motiv zu finden ist. Demnach berichte eine ältere Fassung von midianitischen Kaufleuten, welche in einer jüngeren Fassung durch eine Ismaeliterkarawane ergänzt wurde. Eine weitere Unebenheit der Erzählung sind die Rollen Rubens und Judas. Ruben wird in allen Stämmelisten als Erstgeborener Jakobs genannt und handelt in der Josephsgeschichte dieser Rolle entsprechend, indem er gegenüber seinem Vater die Verantwortung für seine Brüder trägt. Allerdings wird ihm diese Rolle durch Juda streitig gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG: Die Einleitung legt den Fokus der Arbeit auf die Traumdeutung in Genesis 40 und stellt das Ziel dar, den geschichtlichen Hintergrund und die Verfasserschaft der Josephsgeschichte zu untersuchen.
2 DIE JOSEPHSGESCHICHTE UND IHR KONTEXT: Dieses Kapitel fasst die Handlung der Josephsgeschichte zusammen und bettet sie als Brücke zwischen den Patriarchen- und Exodusüberlieferungen ein.
3 TEXTKRITIK: Dieser Abschnitt betrachtet den Wortlaut von Genesis 40 und analysiert die Unterschiede in verschiedenen Übersetzungen des hebräischen Bibeltextes.
4 LITERARKRITIK: Hier wird die Einheitlichkeit der Josephsgeschichte hinterfragt und es werden Indizien für verschiedene Quellenschichten anhand von Dubletten und Wiederholungen gesucht.
5 ÜBERLIEFERUNGSKRITIK: Das Kapitel thematisiert die mündlichen Vorstufen der Josephsgeschichte und diskutiert, ob es sich um eine Familienerzählung handelt.
6 REDAKTIONSKRITIK: Es wird der Redaktionsprozess durch Jahwist, Elohist, Priesterschrift und Schlussredaktion beleuchtet, um die Entstehung der heutigen Fassung zu erklären.
7 GATTUNGSKRITIK: Die Gattungsfrage wird diskutiert, wobei die Josephsgeschichte überwiegend als antike Novelle bzw. hochrangige Kunstprosa eingeordnet wird.
8 TRADITIONSKRITIK: Dieser Teil untersucht die Rolle der Träume als Offenbarungsmedium Gottes, das an keinen Propheten gebunden ist.
9 DIE „KLASSISCHE PENTATEUCHKRITIK“ UND IHRE PROBLEME: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Entstehung und den Grenzen des klassischen Vierquellen-Modells der Urkundenhypothese.
10 JÜRGEN EBACH ALS BEISPIEL NEUERER FORSCHUNG: Vorstellung einer modernen Position, die statt der klassischen Quellen von einer vorpriesterlichen „Diasporanovelle“ ausgeht.
11 FAZIT: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der historischen Einordnung, der Intention des Textes und der Anwendbarkeit im Religionsunterricht.
Schlüsselwörter
Josephsgeschichte, Genesis 40, Traumdeutung, Pentateuchkritik, Jahwist, Elohist, Priesterschrift, Quellenforschung, Exegese, Familienerzählung, Novelle, Altes Testament, Biblische Hermeneutik, Religionsunterricht, Diasporanovelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine exegetische Analyse der Josephsgeschichte, wobei der Fokus auf Genesis 40 und der Deutung der Träume des Mundschenks und Bäckers durch Joseph liegt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Zentrale Themen sind die literarkritische Untersuchung der Quellenschichten, die Gattungsbestimmung als Novelle, die Rolle von Träumen als Offenbarungsmittel und die spätere redaktionelle Bearbeitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung des geschichtlichen Hintergrunds, der Verfasserschaft und der prägenden Traditionen dieses Bibelabschnitts unter kritischer Würdigung klassischer und moderner Forschungsmethoden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es wird die klassische historisch-kritische Methode (Literarkritik, Redaktionskritik, Überlieferungs- und Traditionskritik) angewandt und diese mit neueren Forschungsansätzen, wie dem von Jürgen Ebach, konfrontiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte textkritische und quellenkritische Analyse der Josephsgeschichte, wobei die Quellen Jahwist, Elohist und Priesterschrift sowie deren Zusammenspiel beleuchtet werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Quellenscheidung, Josephs-Novelle, Traumdeutung, Patriarchenerzählung und alttestamentliche Exegese geprägt.
Warum spielt der Unterschied zwischen Jahwist und Elohist eine solche Rolle in der Arbeit?
Die Autorin verdeutlicht durch diese Unterscheidung unterschiedliche theologische Interessen, etwa die Hervorhebung Judas (Jahwist) versus die Hegemonie der Josephsfigur (Elohist), was das Verständnis der Redaktionsgeschichte ermöglicht.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der „klassischen Pentateuchkritik“?
Die Autorin stellt fest, dass die mechanische Zuweisung von Textteilen zu bestimmten Quellen aus heutiger Sicht wenig überzeugend ist und die moderne Forschung Gesamtkonzepte und theologische Vorstellungswelten stärker in den Fokus rücken sollte.
Inwiefern beeinflusst der Kontext von Genesis 40 das Verständnis der gesamten Josephsgeschichte?
Genesis 40 dient als Schlüsselszene, in der Joseph als Orakel-Vermittler auftritt. Die Art und Weise, wie Träume hier Gotteserkenntnis vermitteln, wird als entscheidender Übergang in der Traditionsgeschichte gewertet.
Welchen praktischen Nutzen sieht die Autorin für den Religionsunterricht?
Die Autorin schlägt vor, familienbezogene Konflikte, deren Lösung durch das Einsehen eigener Fehler sowie die politische Legitimation des Königtums als didaktische Themen aufzugreifen.
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- Marleen Hinderer (Author), 2017, Historisch kritische Exegese Josef (Genesis 40), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1190845