Um die Entstehung und momentane Entwicklung der (parteilichen) Mädchenarbeit besser zu verstehen, soll in dieser Arbeit auf die Frage „Wie hat sich die parteiliche Mädchenarbeit historisch entwickelt?“ näher eingegangen werden.
Anfangs wird ein Einblick in die Mädchenarbeit als Teil der Kinder- und Jugendhilfe gegeben, indem gesetzliche Grundlagen, die Trägerlandschaft, Angebotsformen und Prinzipien erörtert werden. Im weiteren Verlauf soll ein Überblick über die parteiliche Mädchenarbeit von 1970 bis heute gegeben werden. Abschließend wird ein Ausblick mit dem Gedanken der reflexiven Mädchenarbeit thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: „Schein“ der Gleichberechtigung der Geschlechter
2. Mädchenarbeit als Teil der Jugendhilfe – Gesetzliche Grundlagen
2.1. Trägerlandschaft und Angebotsformen
2.2. Prinzipien der Mädchenarbeit
3. Parteiliche Mädchenarbeit im Wandel der Zeit
3.1. Die Entstehung in den 1970er/80er Jahre
3.2. 1990er und 2000er Jahren
4. Parteilichkeit in der Mädchenarbeit Heute
5. Ausblick: Reflexive Mädchenarbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung der parteilichen Mädchenarbeit in Deutschland. Ziel der Untersuchung ist es, den Wandel dieses pädagogischen Konzepts von seinen Ursprüngen in den 1970er Jahren bis zur heutigen Bedeutung innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe nachzuzeichnen und aktuelle Herausforderungen zu identifizieren.
- Historische Genese der parteilichen Mädchenarbeit seit den 1970er Jahren
- Einbettung der Mädchenarbeit in die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Kinder- und Jugendhilfe
- Analyse der Prinzipien parteilicher Mädchenarbeit und deren Wandel
- Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen auf die Mädchenarbeit
- Bedeutung von Gender Mainstreaming und dem Ansatz "doing gender"
- Zukunftsperspektiven im Kontext der reflexiven Mädchenarbeit
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Entstehung in den 1970er/80er Jahre
Im Zuge der Frauenbewegung Ende der 1970er Jahre entwickelte sich das Konzept der feministischen parteilichen Mädchenarbeit in Deutschland (Kuhlmann, 2000, S. 226). Sie bezeichnet sich auch als die ‚kleine Schwester der Frauenbewegung‘ (Schmitz, 2014, S. 98). Es entwickelten sich daraus unabhängige und selbstständige Angebote für Mädchen, die sogenannte ‚autonome Mädchenarbeit‘ (Bitzan & Daigler, 2001, S. 50). Aus dieser ging dann die parteiliche Mädchenarbeit hervor. Die Klienten wurden in der Lösungsfindung unterstützt, in ihrem Sein akzeptiert und der Bedürfnisfindung unterstützt. Publik gemacht wurde das Konzept erstmals 1978 (Schmitz, 2014, S. 99).
Hier wurde es der Öffentlichkeit im Zuge des Kölner Frauenkongresses vorgestellt. Mädchenarbeit wollte Mädchen als relevante Zielgruppe präsentieren und entstand als Reaktion auf eine „koedukative, aber jungenorientierte (offene) Jugendarbeit“ in welcher die weiblichen Fachkräfte nur wenig Präsenz hatten (Fröhlich, 2018, Absatz 2). Der Kampf um mehr Anerkennung und Raum in der KJH galt also nicht nur den Mädchen und jungen Frauen, sondern auch den Pädagoginnen. Diese konnten sich somit auch mit dem Ziel der feministischen parteilichen Mädchenarbeit identifizieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: „Schein“ der Gleichberechtigung der Geschlechter: Die Einleitung beleuchtet die Unterrepräsentanz geschlechtsbewusster Angebote in der Jugendarbeit trotz einer weiblichen Bevölkerungsmehrheit und führt in die Fragestellung zur historischen Entwicklung der parteilichen Mädchenarbeit ein.
2. Mädchenarbeit als Teil der Jugendhilfe – Gesetzliche Grundlagen: Dieses Kapitel verankert die Mädchenarbeit im gesetzlichen Kontext des SGB VIII und erörtert, wie trotz fehlender expliziter Geschlechtertrennung im KJHG eine Grundlage für diese Arbeit geschaffen wird.
2.1. Trägerlandschaft und Angebotsformen: Hier wird die Struktur der öffentlichen und freien Trägerschaft dargestellt und aufgezeigt, in welchen Formen und Einrichtungen Soziale Arbeit mit Mädchen heute praktisch umgesetzt wird.
2.2. Prinzipien der Mädchenarbeit: Das Kapitel definiert zentrale fachliche Grundsätze wie Parteilichkeit, Ganzheitlichkeit und Partizipation und hinterfragt deren Kompatibilität mit moderner beruflicher Professionalität.
3. Parteiliche Mädchenarbeit im Wandel der Zeit: Der Abschnitt erläutert den Kernbegriff der Parteilichkeit als fachliche Parteinahme für Mädchen und setzt den historischen Rahmen für die Entwicklung des Konzepts.
3.1. Die Entstehung in den 1970er/80er Jahre: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung der feministischen Mädchenarbeit als Reaktion auf die damals jungenorientierte koedukative Jugendarbeit.
3.2. 1990er und 2000er Jahren: Es wird die Institutionalisierung nach der Wiedervereinigung sowie der Einfluss politischer Diskurse wie "Gender Mainstreaming" und "doing gender" analysiert.
4. Parteilichkeit in der Mädchenarbeit Heute: Dieses Kapitel zeigt auf, wie aktuelle Fachverbände die Bedeutung der parteilichen Mädchenarbeit unter Berücksichtigung individueller Lebenslagen neu definieren.
5. Ausblick: Reflexive Mädchenarbeit: Der Ausblick diskutiert neue Herausforderungen wie Migration und die Auswirkungen der Corona-Pandemie und plädiert für einen reflexiven Ansatz zur Qualitätssicherung.
Schlüsselwörter
Mädchenarbeit, Parteilichkeit, Jugendhilfe, feministische Pädagogik, Gender Mainstreaming, Doing Gender, geschlechtsbewusste Arbeit, Soziale Arbeit, Autonomie, Mädchen, Jugendliche, Reflexive Mädchenarbeit, KJHG, Jugendbericht, Geschlechtergerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die gegenwärtige Bedeutung der parteilichen Mädchenarbeit innerhalb der deutschen Kinder- und Jugendhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Entstehungsgeschichte, rechtliche Grundlagen im SGB VIII, fachliche Prinzipien, der Wandel von der feministischen zur reflexiven Mädchenarbeit sowie aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der zentralen Frage nach: „Wie hat sich die parteiliche Mädchenarbeit historisch entwickelt?“
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene Fachstudien, Gesetzesgrundlagen und Diskussionspapiere von Fachverbänden rekonstruiert und zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die gesetzlichen und prinzipiellen Grundlagen dargelegt, gefolgt von einer chronologischen Analyse der Entwicklung von den 1970er Jahren bis in die Gegenwart, einschließlich einer kritischen Betrachtung aktueller Diskurse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Parteilichkeit, Mädchenarbeit, Jugendhilfe, Gender Mainstreaming und eine reflexive pädagogische Grundhaltung.
Welche Bedeutung hat das KJHG für die Mädchenarbeit?
Das KJHG liefert den gesetzlichen Rahmen, der auch für die Mädchenarbeit gilt, und verpflichtet dazu, Mädchen und Jungen in ihren individuellen Lebenslagen zu fördern und Benachteiligungen abzubauen.
Wie hat sich die Bedeutung von „doing gender“ ausgewirkt?
Der Ansatz „doing gender“ hat den Fokus der pädagogischen Arbeit verschoben: Weg von der reinen Zweigeschlechtlichkeit hin zum Verständnis, dass Geschlecht durch soziales Handeln erst hergestellt wird.
Warum wird im Ausblick von „reflexiver Mädchenarbeit“ gesprochen?
Reflexive Mädchenarbeit ist notwendig, um auf sich wandelnde gesellschaftliche Bedingungen wie Migration oder die Digitalisierung flexibel reagieren zu können und eine qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit sicherzustellen.
Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie für das Thema?
Die Pandemie hat neue Problemlagen wie soziale Isolation, Mediennutzung und Zukunftsängste verschärft, auf die die Mädchenarbeit als Unterstützungsraum reagieren muss.
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- Roswitha Biebl (Author), 2022, Wie hat sich die parteiliche Mädchenarbeit historisch entwickelt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1188887