Bis heute sind die genauen Ausmaße und somit auch die exakte Lage der einstigen Hauptstadt des Alten Reiches umstritten. In dieser Arbeit soll dargelegt werden, welche Theorien bezüglich der genauen Lokalisierung der Stadt Memphis aufgestellt wurden, und welche Faktoren dahingehend in Betracht zu ziehen sind. Dafür wird zunächst die theoretische Grundlage des Urbanismus im Alten Reich betrachtet, um anschließend die relevanten Grabungsbefunde und -funde darzulegen. Darauf aufbauend sollen die verschiedenen Theorien zur genauen Lage und Ausdehnung der Stadt erläutert werden, um letztlich ein abschließendes Urteil zu fällen.
Die antike Stadt Memphis, auch Men-nefer (Mn-nfr) oder Inebu-hedj (inbw-hḏ), die den Ägyptern im Alten Reich zeitweilig als Hauptstadt diente, ist circa 27 Kilometer südlich der aktuellen Landeshauptstadt Kairo zu lokalisieren, nahe der heutigen Stadt Mit Rahina. Laut David Jeffreys, dem ehemaligen Grabungsleiter des Projekts "The Survey of Memphis", wurde die Stadt in frühdynastischer Zeit gegründet, in etwa um das Jahr 3000 vor Christus. Der genaue Ursprung der Stadt sei jedoch bis heute unbekannt, schreibt Serena Love von der Stanford University.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsgeschichte
3. Urbanität im Alten Reich
4. Grabungsbefunde und -funde
5. Die Frage der Lage
6. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Problematik der Lokalisierung der antiken ägyptischen Hauptstadt Memphis während des Alten Reiches. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen städtischer Strukturen dieser Epoche mit vorliegenden archäologischen Befunden abzugleichen, um die Hypothese eines flexiblen, sich mit den königlichen Nekropolen verschiebenden urbanen Zentrums zu bewerten.
- Methodische Herausforderungen der Siedlungsarchäologie im Niltal
- Analyse des Begriffs der Urbanität im Kontext des Alten Reiches
- Auswertung von Grabungsbefunden aus memphitischen Nekropolen
- Die Hypothese der "shifting capital zone"
- Einfluss geographischer und klimatischer Faktoren auf die Stadtentwicklung
Auszug aus dem Buch
3. Urbanität im Alten Reich
Die Präsenz urbaner Zentren sei ein allgemeines Merkmal sämtlicher früher Zivilisationen, schreibt N. Moeller einleitend, jedoch präge sich der Charakter der Urbanität von Fall zu Fall unterschiedlich aus. Die Besonderheit im Fall des Alten Reiches bestehe darin, dass die Mitglieder urbaner Gesellschaften nicht nur in urbanen Zentren anzutreffen waren, sondern auch in nicht-urbanen Gebieten. Das liege hauptsächlich daran, dass zu den staatlich gegründeten Städten wie Memphis stets groß angelegte Begräbniskomplexe im Umfeld dazugehörten, die in das ökonomische Netzwerk der Stadt mit eingebunden werden mussten.
Es entstanden in unmittelbarer Nähe der Grabanlagen Arbeitersiedlungen, teilweise auch Pyramiden-Städte genannt, die außerhalb des urbanen Zentrums lagen, aber dennoch Teile der urbanen Gesellschaft auf permanenter oder semipermanenter Basis beherbergten. Zum memphitischen Gebiet gehörten die bereits eingangs erwähnten Nekropolen bei Abu Roasch, Gizeh, Sakkara, Abusir und Dahschur. Auf dem Gizeh-Plateau wurde mit Heit el-Ghurab kürzlich eine solche Siedlung aus dem Alten Reich freigelegt, die eine dreigeteilte soziale Hierarchie aufwies. Die westliche Stadt beherbergte die Elite zur Verwaltung, die östliche Stadt war für die Nahrungsmittelversorgung zuständig, und in dem sogenannten Galeriekomplex befanden sich die Unterkünfte für die Konstruktionsarbeiter. Entdeckungen wie diese sind hilfreich, um die Begriffe Urbanismus und urbane Gesellschaft für das Alte Reich definieren zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, Eingrenzung des Untersuchungsgebiets und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Lokalisierung von Memphis.
2. Forschungsgeschichte: Überblick über die Entwicklung der Siedlungsarchäologie in Ägypten von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zu modernen Ansätzen des 21. Jahrhunderts.
3. Urbanität im Alten Reich: Erörterung der spezifischen Ausprägung urbaner Strukturen im Alten Reich unter Berücksichtigung von Arbeitersiedlungen und dem sozioökonomischen Netzwerk.
4. Grabungsbefunde und -funde: Darstellung der archäologischen Belege aus den Nekropolen und Erläuterung, warum die Siedlungsarchäologie im Schwemmland methodische Schwierigkeiten bereitet.
5. Die Frage der Lage: Untersuchung der verschiedenen Hypothesen zur Ausdehnung von Memphis, insbesondere der Theorie der sich verschiebenden Hauptstadtzone.
6. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Erkenntnisse mit dem Ergebnis, dass die Hypothese der shifting capital zone eine plausible Erklärung für die schwer greifbare Stadtstruktur bietet.
Schlüsselwörter
Memphis, Altes Reich, Siedlungsarchäologie, Urbanität, shifting capital zone, Nekropolen, Pyramidenstadt, Mit Rahina, Nil, Grabungsbefunde, Ägyptologie, Stadtentwicklung, Standortbestimmung, Urbanismus, historische Geographie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Lokalisierung der ägyptischen Hauptstadt Memphis während des Alten Reiches und untersucht die Diskrepanz zwischen ihrer historischen Bedeutung und dem schwierigen archäologischen Nachweis.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Siedlungsarchäologie, die Definition von Urbanität im Alten Ägypten und die Bedeutung der königlichen Nekropolen für die Struktur der Hauptstadt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Auseinandersetzung mit der Theorie, dass Memphis keinen festen Stadtkern hatte, sondern als dynamisches System mit den umliegenden Nekropolen verbunden war.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-archäologische Auswertung, bei der vorhandene Grabungsbefunde, Literatur und die Forschungsgeschichte synthetisiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit erläutert?
Der Hauptteil gliedert sich in die forschungsgeschichtliche Einordnung, die theoretische Definition urbaner Gesellschaften im Alten Reich sowie die detaillierte Betrachtung von Grabungsergebnissen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Memphis, Urbanismus, shifting capital zone, Siedlungsarchäologie und Nekropolen.
Warum ist es archäologisch so schwierig, Memphis zu finden?
Aufgrund der Lage im Schwemmland des Nils, der Zerstörung durch Landwirtschaft und der jährlichen Nilschwemme sind viele archäologische Spuren tief überlagert oder wurden durch menschliche Eingriffe zerstört.
Was besagt die Hypothese der "shifting capital zone"?
Diese Hypothese postuliert, dass das urbane Zentrum von Memphis nicht statisch war, sondern sich über Jahrhunderte hinweg immer um die jeweils aktive königliche Nekropole des amtierenden Pharaos herum gebildet hat.
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- Niklas Gaede (Author), 2021, Memphis die Hauptstadt im Alten Reich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1187348