Ronald Hitzler hat unter dem Titel "Grenzen der disziplinären 'Ökumene'. Zur fundamentalen Differenz von Jugendsoziologie und Pädagogik" die grundsätzliche Abgrenzung zwischen den verschiedenen Bereichen der Wissenschaft, der Soziologie und Erziehungswissenschaft/Pädagogik hervorgehoben und verfestigt. Als Anlass hierfür dient die umstrittene Grenze zwischen den Wissenschaften der Soziologie und der Pädagogik.
Peter Vogel befasst sich in seinem Kapitel "Erziehungswissenschaft und Soziologie – Grenzen und Grenzübergänge" aus dem Buch: "Fragile Sozialität – Inszenierung, Sinnwelten, Existenzbastler" von Anne Horner, Michael Meuser und Michaele Pfadenhauer ( Hrsg.) mit der Grenze und Grenzüberschreitung zu dieser Thematik aus dem erziehungswissenschaftlichen
Blickwinkel.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erziehungswissenschaft und Soziologie – Grenzen und Grenzübergänge
2.1 Das Wissenschaftliche Dilemma
2.2 Historische Entwicklung und die drei Hypotheken
2.3 Profession vs. Disziplin
2.4 Die Werturteilsproblematik
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Portfolios ist die kritische Auseinandersetzung mit der fachlichen Abgrenzung zwischen Erziehungswissenschaft und Soziologie, insbesondere im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen pädagogischer Praxis und wissenschaftlicher Disziplin.
- Grundlegende Differenzen zwischen soziologischem und pädagogischem Blickwinkel
- Historische Entwicklung der Erziehungswissenschaft in drei Hypotheken
- Unterscheidung zwischen Professionswissen und wissenschaftlichem Disziplinwissen
- Die Problematik der Werturteilsfreiheit in der wissenschaftlichen Forschung
- Konfliktlinien zwischen moralisch handelnder Pädagogik und werturteilsfreier Soziologie
Auszug aus dem Buch
Erziehungswissenschaft und Soziologie – Grenzen und Grenzübergänge
Peter Vogel beschreibt ein „Wissenschaftliches Dilemma“, welches aus der „Fundamentale[n] Differenz“ der Soziologie und Erziehungswissenschaft/Pädagogik entsteht. Der Zwiespalt wird zunächst mit den verschiedenen Betrachtungsweisen auf die Moral aufgezeigt. Ein (Jugend-)Soziologe muss die eigenen Moralismen meiden und ihnen gleichgültig gegenüberstehen, um den soziologischen Blick nicht zu verfälschen „[…], der es rechtfertigt, gesellschaftlich subventioniert zu werden“. Hitzler benutzt das Zitat von Robert Ezra Park „a moral man cannot be a sociologist“ als Vorlage, um zu verdeutlichen „[…], dass die moralische Überzeugung des Forschers im Falle der soziologischen Forschung keinerlei Rolle spielen darf, allenfalls ein zu kontrollierender Störfaktor ist […]“.
Ein Pädagoge hingegen muss seine Moral und Wertevorstellungen in seine Arbeit einfließen lassen um „[…] pädagogisch wirken [zu können]“. Laut Vogel entsteht hier ein Konflikt der Erziehungswissenschaft, denn auf der einen Seite kommt sie ohne moralische Urteile nicht aus und andererseits muss sie Moralismen meiden, um als wirkliche Wissenschaft anerkannt zu werden.
Vogel arbeitet den Weg der Erziehungswissenschaft in der Geschichte auf und unterteilt diese in drei Hypotheken der Erziehung, von welchen er ausgeht. Die erste Hypothek entstand in Zusammenarbeit mit der Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Besonders hebt Vogel die enorme Zentralisierung der Erziehung in dieser Zeit hervor, welche durch Leitbilder wie von Kant getragen wurden. Das Zitat „Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als das was die Erziehung aus ihm macht […]“ betont die Wichtigkeit der Erziehung der Eltern in dieser Zeit, welche stetig als Vorbilder für die eigenen Kindern dienen sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die thematische Auseinandersetzung zwischen Soziologie und Erziehungswissenschaft anhand der Arbeiten von Hitzler und Vogel ein.
2. Erziehungswissenschaft und Soziologie – Grenzen und Grenzübergänge: Dieses Kapitel analysiert das Spannungsverhältnis der beiden Disziplinen, wobei insbesondere die moralischen Anforderungen und die wissenschaftlichen Selbstansprüche gegenübergestellt werden.
2.1 Das Wissenschaftliche Dilemma: Hier wird der Grundkonflikt zwischen dem Gebot der Wertneutralität in der Soziologie und der notwendigen moralischen Einflussnahme in der Pädagogik erörtert.
2.2 Historische Entwicklung und die drei Hypotheken: Dieses Kapitel zeichnet die Genese der Erziehungswissenschaft nach und gliedert diese in drei aufeinanderfolgende historische Hypotheken.
2.3 Profession vs. Disziplin: Es erfolgt eine klare Trennung zwischen dem handlungsorientierten Professionswissen der Pädagogik und dem theoretisch-analytischen Wissen der Disziplin.
2.4 Die Werturteilsproblematik: Das Kapitel diskutiert die Auswirkungen der Werturteilsfreiheit auf die Distanzierung der Wissenschaft von der praktischen Anwendung.
Schlüsselwörter
Erziehungswissenschaft, Soziologie, Pädagogik, Werturteilsfreiheit, Professionswissen, Disziplin, Moral, Wissenschaftliches Dilemma, Historische Hypotheken, Grenzziehung, pädagogischer Optimismus, Wissenschaftstheorie, Werturteilsproblematik, soziale Arbeit, Handlungsfeld.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die fachwissenschaftliche Abgrenzung und die wechselseitigen Spannungsfelder zwischen der Disziplin der Soziologie und der Erziehungswissenschaft/Pädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die Themenbereiche der moralischen Urteilsbildung in der pädagogischen Praxis, die wissenschaftliche Objektivität sowie die historisch gewachsenen Unterschiede in den Wissensstrukturen beider Disziplinen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Verdeutlichung des „wissenschaftlichen Dilemmas“, das entsteht, wenn pädagogische Professionalität auf soziologische Ansprüche nach Werturteilsfreiheit trifft.
Welche wissenschaftliche Methode liegt dem Portfolio zugrunde?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die sich primär auf die theoretischen Ausführungen von Peter Vogel und Ronald Hitzler stützt.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung historischer Hypotheken der Erziehung, die Differenzierung zwischen Profession und Disziplin sowie die Analyse der Werturteilsfreiheit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Besonders prägend sind Begriffe wie „Wissenschaftliches Dilemma“, „Professionswissen“, „Werturteilsfreiheit“ und die historische Einordnung der Erziehungswissenschaft.
Warum wird die „erste Hypothek“ der Erziehung besonders hervorgehoben?
Sie wird hervorgehoben, weil sie die aufklärerische Zentralisierung der Erziehung und die Bedeutung der Eltern als moralische Vorbilder in den Fokus stellt.
Wie unterscheidet Vogel die „Profession“ von der „Disziplin“?
Vogel definiert die Profession als praktisches, erfahrungsbasiertes Wissen für den Berufsalltag, während die Disziplin als wissenschaftliches, theoriegeleitetes Unterfangen zur Ergründung von Gesetzmäßigkeiten fungiert.
- Arbeit zitieren
- David Müller (Autor:in), 2021, Erziehungswissenschaft und Soziologie nach Peter Vogel, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1185627