Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Bedeutung des Maskenmotivs in Immermanns „Der Karneval und die Somnabule“ und Schnitzlers „Traumnovelle“.
In der heutigen Gesellschaft werden Masken unmittelbar mit der Zeit des Karnevals oder Faschings in Verbindung gebracht. Der Karneval ist ein „Pendant zur fiktiven Wirklichkeit“1 und die damit einhergehende Festlichkeit und Ausgelassenheit ist für beide Werken, deren Handlungen sich zur Karnevalszeit ereignen, von tragender Bedeutung, was im Folgenden herausgestellt wird.
Masken werden darüber hinaus häufig im Zusammenhang von Verhüllung und Verstellung des Selbst thematisiert, was mit einem unwillkürlichen Einbezug von Scham einhergeht.2 Dieser Konnotation wird eine zentrale Rolle in beiden Werken zuteil, die ebenfalls im weiteren Verlauf dieser Arbeit näher beleuchtet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Maskenmotiv in Schnitzlers „Traumnovelle“
2.1. Demaskierung erotischer Sehnsüchte
2.2. Fridolin als Arzt
2.3. Vorbereitungen auf den Maskenball
2.4. Der geheime Maskenball
2.5. Die Maske auf dem Bett
3. Die Bedeutung der Maske in Immermanns „Der Karneval und die Somnabule“
3.1. Adolphine vor der Maske
3.2. Adolphine hinter der Maske
3.3. Der Magnetiseur
3.4. Sidonies verschiedene Rollen
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische Funktion und Bedeutung des Maskenmotivs in den Erzählungen „Der Karneval und die Somnabule“ von Karl Immermann und „Traumnovelle“ von Arthur Schnitzler. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Maskieren als Instrument zur Verhüllung der Identität, zur Enthemmung sowie als Grenzlinie zwischen Innen- und Außenwelt in beiden literarischen Werken eingesetzt wird.
- Die Funktion der Maske als Mittel zur Identitätsverhüllung und Schamdarstellung.
- Die Rolle der Maskierung bei der Demaskierung verdrängter erotischer Sehnsüchte.
- Einfluss der gesellschaftlichen Rollenbilder und des Berufsstandes (Arzt-Rolle).
- Vergleich der psychologischen Wirkung von Verkleidung und Maskerade auf die Protagonisten.
Auszug aus dem Buch
2.1. Demaskierung erotischer Sehnsüchte
Bereits im ersten Kapitel von Schnitzlers „Traumnovelle“ wird der Rezipient mit dem Maskenmotiv konfrontiert. Das Ehepaar Albertine und Fridolin besuchte am Abend zuvor in der Karnevalszeit einen Maskenball auf dem Fridolin von zwei verkleideten Frauen empfangen wurde. Es wird ersichtlich, dass deren geheimnisvolles Auftreten eine starke Anziehung auf ihn ausübte, da er angestrengt versuchte sie erneut zu erblicken3.
Die Geschehnisse der letzten Nacht geben Albertine und Fridolin Anlass sich in einem intimen Gespräch voreinander im Symbolischen zu demaskieren. Sie gestehen sich gegenseitig bis zu jenem Zeitpunkt geheime erotische Sehnsüchte, die sie im gemeinsamen Urlaub in Dänemark empfunden haben, deren Bedürfnis nach Erfüllung aber beide nicht nachgegangen sind. Albertine erzählt von einem erregenden Blickwechsel mit einem Dänen und anschließend berichtet ihr Fridolin von einer lustvollen Begegnung mit einem jungen Mädchen am Strand.4
Im Kontext dieser vertrauten Unterredung zeichnet sich ein Tausch der Geschlechterrollen, die als durch die Gesellschaft auferlegte Masken verstanden werden können, ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Maskierung als Motiv für Verhüllung und Verstellung in den gewählten Erzählungen.
2. Das Maskenmotiv in Schnitzlers „Traumnovelle“: Untersuchung der psychologischen Prozesse und erotischen Entdeckungen des Ehepaares Albertine und Fridolin im Rahmen des Maskenballs.
2.1. Demaskierung erotischer Sehnsüchte: Analyse des intimen Austauschs des Ehepaares über bisher unterdrückte erotische Fantasien.
2.2. Fridolin als Arzt: Betrachtung, wie Fridolins berufliche Identität als Maske fungiert, um seine Triebe zu kontrollieren.
2.3. Vorbereitungen auf den Maskenball: Darstellung der Vorbereitungen und der Begegnung mit dem Maskenverleiher als Prozess des „Totentanzes“.
2.4. Der geheime Maskenball: Erörterung der maskenbedingten Enthemmung und der existenziellen Angst beim drohenden Entlarven.
2.5. Die Maske auf dem Bett: Analyse des Abschlusses des inneren Konflikts durch das Erkennen von Albertines Wissen.
3. Die Bedeutung der Maske in Immermanns „Der Karneval und die Somnabule“: Analyse des maskenhaften Lügengeflechts und der Täuschungsmanöver um die Figur Adolphine.
3.1. Adolphine vor der Maske: Untersuchung der manipulativen, maskierten Intrigen Adolphines gegenüber ihrem Ehemann Gustav.
3.2. Adolphine hinter der Maske: Analyse der paradoxen Situation, in der Adolphine hinter der Maske ihren wahren, rachsüchtigen Charakter zeigt.
3.3. Der Magnetiseur: Beleuchtung der Figur des Magnetiseurs als Betrüger, der durch Verkleidung eine professionelle Identität vortäuscht.
3.4. Sidonies verschiedene Rollen: Reflexion über die Ambivalenz der Figur Sidonie und ihre Rolle in den Täuschungen.
4. Resümee: Zusammenfassender Vergleich der Maskensymbolik und der Funktion als Enthemmungsinstrument in beiden Werken.
Schlüsselwörter
Maskenmotiv, Traumnovelle, Der Karneval und die Somnabule, Identität, Verhüllung, Erotik, Rollentausch, Schnitzler, Immermann, Maskerade, Psychologie, Scham, Enthemmung, Literaturanalyse, Karneval.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der Maske in zwei bedeutenden Texten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und analysiert deren psychologische und symbolische Funktion.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verstellung des Selbst, der Wahrung gesellschaftlicher Normen gegenüber persönlichen Begehren und der Maske als Symbol der Grenze zwischen Innen- und Außenwelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll aufgezeigt werden, wie die Autoren das Maskenmotiv verwenden, um Charaktere zu demaskieren oder ihnen eine (Schein-)Freiheit zur Enthemmung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die zentrale Textstellen unter Einbeziehung von Sekundärliteratur interpretiert.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Maskeraden bei Schnitzler (Fridolin und Albertine) und Immermann (Adolphine und der Magnetiseur).
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit zeichnet sich durch den Vergleich von Identitätskonstruktionen und das Aufdecken von Spannungsfeldern zwischen Schein und Sein aus.
Inwiefern spielt der Berufsstand des Arztes bei Schnitzler eine Rolle?
Der Arztberuf dient Fridolin als eine Art „professionelle Maske“, um seine Triebe zu unterdrücken und sein Verhalten wissenschaftlich-rational zu rechtfertigen.
Wie lässt sich Adolphines Täuschungsmanöver bei Immermann beschreiben?
Adolphines Täuschung ist ein komplexes Lügengeflecht, bei dem sie sich mehrfach maskiert (als Sidonie oder als humorvolle Person), um ihren Ehemann Gustav gezielt irrezuführen.
Warum bleibt Sidonies Rolle im Buch von Immermann ambivalent?
Da die Erzählung Sidonies Handlungen nicht abschließend aufklärt, bleibt offen, ob sie eine Täterin, eine Komplizin oder ein ausgenutztes Opfer der Intrigen des Magnetiseurs ist.
- Arbeit zitieren
- Master of Education Bianca Butterweck (Autor:in), 2019, Die Bedeutung des Maskenmotivs bei Immermanns "Der Karneval und die Somnabule" und Schnitzlers "Traumnovelle", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1185339