Von dem Vergleich zwischen Dschihad und Kreuzzug in der Hinsicht der Motive, deren Organisation und der Frage „Was ist Heiliger Krieg?“ handelt diese Arbeit. Damit soll überprüft werden, in welchen Aspekten sich diese Kriege voneinander unterschieden beziehungsweise welche Gemeinsamkeiten diese hatten.
Außerdem sollte der Begriff „Heiliger Krieg“ allgemein definiert werden, bevor es zu einer Analyse der zwei Kriege im Mittelalter kommt. Laut Erdmann dürfen Kriege, die „als religiöse Handlung aufgefasst oder sonst zur Religion in eine direkte Beziehung gesetzt“ werden, lediglich im „weitesten Sinne“ als Heilliger Krieg aufgefasst werden, da ansonsten unzählige Kriege im Mittelalter mit einem religiösen Symbol als Heiliger Krieg bezeichnet werden könnten. Wenn allerdings, so Erdmann, die „Religion eine spezifische Kriegsursache“ einnimmt und diese nicht mit „dem Volkswohl, der Landesverteidigung, dem Staatsinteresse oder der nationalen Ebene“ einhergeht, dann handelt es sich um einen sogenannten „Heiligen Krieg“.
Zum einen steht aus diesem Grund in der Überschrift dieser Arbeit nicht „zwei Heilige Kriege im Vergleich“, da erst analysiert werden sollte, ob es sich überhaupt um Heilige Kriege handelt. Zum anderen wird ein Krieg im Mittelalter in den jeweiligen Religionen unterschiedlich als „heilig“ gewertet.
Der Hauptteil lässt sich in drei größere Abschnitte gliedern. In den ersten zwei Abschnitten wird einerseits der Kreuzzug und andererseits der Dschihad in seinen Grundlagen genannt. Daraufhin werden die Motive und Gründe der jeweiligen Kämpfer und die Kriegsursache angeführt . Anschließend wird mit der Frage „Was ist ein Heiliger Krieg?“ aus den einzelnen Sichten der Religionen, die zuvor genannte Definition von Erdmann spezifischer erläutert. Der dritte Abschnitt des Hauptteils befasst sich mit den Widersprüchen und Gemeinsamkeiten der zwei Kriegsformen. Abschließend folgt der zusammenfassende Schlussteil mit einem Ausblick auf weitere Forschungsfragen zum Thema Dschihad und Kreuzzug.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Kreuzzug
2.1.1 Grundlagen eines Kreuzzugs
2.1.2 Motive
2.1.3 Was ist ein Heiliger Krieg? – Sicht Christen
2.2 Dschihad
2.2.1 Grundlagen eines Dschihad
2.2.2 Motive
2.2.3 Was ist ein Heiliger Krieg? – Sicht Muslime
2.3 Gemeinsamkeiten und Widersprüche
2.3.1 Gemeinsamkeiten
2.3.2 Widersprüche
3 Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Konzepte des Dschihad und des Kreuzzuges im Mittelalter, um deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Bezug auf Motive, Organisation und das Verständnis eines "Heiligen Krieges" herauszuarbeiten. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob und inwiefern diese kriegerischen Auseinandersetzungen tatsächlich als "Heilige Kriege" klassifiziert werden können.
- Historische Grundlagen des Kreuzzugs und des Dschihad.
- Analyse religiöser und weltlicher Motive der Akteure.
- Vergleich der Legitimationsstrategien für den Kampf.
- Untersuchung der strukturellen und organisatorischen Unterschiede beider Kriegsformen.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff "Heiliger Krieg" aus christlicher und islamischer Sicht.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Grundlagen eines Dschihad
Ein Dschihad war keineswegs ein „konkreter Kriegszug“80, sondern eine religiös begründete Kriegsführung81. Ebenfalls merkt Firestone (2016) an, dass der Dschihad nicht als kämpferische Auseinandersetzungen oder sogar Aggressionen verstanden werden darf82. Vielmehr war der Dschihad ein “striving in the path of God”83 und auch die „Mühe und Opferbereitschaft für Gott“84. Wird der Begriff Dschihad aus dem Arabischen übersetzt, so bedeutet er Anstrengung, Kampf, Bemühung oder sogar auch Einsatz85. Weiterhin konnte ein Dschihad auch als Verteidigungsfall angesehen werden, sobald die Religion oder das eigene Wohlbefinden der Gefahr ausgesetzt war. Hillenbrand (1999)86 interpretiert den Dschihad zum einen ebenfalls als eine Art Kriegsform und zum anderen als sechste Säule der wichtigsten fünf Säulen des Islams87.
Daneben galt dieser als eine „religiöse Mission“88 mit dem Ziel und der „Anstrengung zur Verbreitung des Islams“89. Desgleichen betont auch Tibi (1999) erneut, dass der Dschihad die Anwendung von Gewalt nicht ausschließt, solange diese begründet und gerechtfertigt wird90.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der religiös motivierten Kriege im Mittelalter ein und definiert den Rahmen der Untersuchung, insbesondere den Vergleich zwischen dem Dschihad und dem 1. Kreuzzug.
2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Grundlagen, Motive und das Verständnis des "Heiligen Krieges" für beide Religionen und stellt diese anschließend in einem Vergleich gegenüber.
2.1 Kreuzzug: Dieses Kapitel erläutert die Natur des Kreuzzugs als kriegerische Unternehmung und bewaffnete Pilgerreise sowie die spezifischen Motive der Kreuzfahrer und der Kirche.
2.1.1 Grundlagen eines Kreuzzugs: Hier werden die Entstehung des Kreuzzuggedankens und die Struktur der "bewaffneten Pilgerfahrt" im Kontext des 1. Kreuzzugs behandelt.
2.1.2 Motive: Dieses Unterkapitel untersucht die Beweggründe der Kreuzfahrer sowie die strategischen Ziele Papst Urbans II.
2.1.3 Was ist ein Heiliger Krieg? – Sicht Christen: Es wird analysiert, wie das Christentum den "Heiligen Krieg" als Steigerung des gerechten Krieges definierte und rechtfertigte.
2.2 Dschihad: Dieses Kapitel beleuchtet den Dschihad als religiös begründete Kriegsführung und koranische Pflicht.
2.2.1 Grundlagen eines Dschihad: Hier wird der Dschihad als Streben auf dem Weg Gottes definiert und von einer rein kämpferischen Aggression abgegrenzt.
2.2.2 Motive: Es werden die religiösen Ursprünge und die Motivation hinter der Ausrufung eines Dschihads, etwa durch Sultan Saladin, erörtert.
2.2.3 Was ist ein Heiliger Krieg? – Sicht Muslime: Das Kapitel differenziert zwischen der historischen Praxis des Dschihad als Krieg und der wörtlichen Bedeutung der Hingabe gegenüber Gott.
2.3 Gemeinsamkeiten und Widersprüche: Hier findet die vergleichende Analyse der beiden Kriegsformen statt.
2.3.1 Gemeinsamkeiten: Es wird herausgearbeitet, dass beide Konzepte Verteidigungskriege legitimierten und oft von Akteuren ohne militärisches Vorwissen getragen wurden.
2.3.2 Widersprüche: Dieses Kapitel arbeitet die Unterschiede in Bezug auf Ursprung, Autorität und die rechtliche Verankerung im Koran versus päpstlichem Aufruf heraus.
3 Schluss: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede zusammen und gibt einen Ausblick auf die Relevanz moderner Interpretationen des Dschihad-Begriffs.
Schlüsselwörter
Dschihad, Kreuzzug, Heiliger Krieg, Mittelalter, Religion, Islam, Christentum, Kriegführung, Verteidigungskrieg, Gerechter Krieg, Papst Urban II., Mudschahid, Jerusalem, Glaubenskrieg, Religionsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Konzepte des Dschihad und des Kreuzzuges im Mittelalter und untersucht deren religiöse sowie militärische Grundlagen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Motive der Kämpfer, die Rolle der Religion als Kriegsursache und die strukturelle Organisation beider Kriegsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu überprüfen, ob sich Dschihad und Kreuzzug als "Heilige Kriege" klassifizieren lassen und welche Gemeinsamkeiten bzw. Widersprüche dabei bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende historische Analyse auf Basis vorhandener Fachliteratur und Primärquellen zur Interpretation der Begrifflichkeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kreuzzug und Dschihad, ihre Motive, das jeweilige Verständnis als Heiliger Krieg sowie einen abschließenden direkten Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Dschihad, Kreuzzug, Heiliger Krieg, gerechter Krieg, Religionsgeschichte und mittelalterliche Konfliktformen.
Wie unterscheidet sich die Legitimation der beiden Kriegsformen?
Während der Kreuzzug durch eine legitimierte Autorität (Papst) gezielt erklärt und initiiert wird, ist der Dschihad im Koran als religiöse Pflicht verankert und weist eine andere Form der Ausführung auf.
Welche Rolle spielt die "Verteidigung" in beiden Konzepten?
Beide Konzepte nutzen das Argument der Verteidigung des eigenen Glaubens oder Territoriums, um Gewaltanwendung religiös zu legitimieren.
Warum wird im Titel "Dschihad versus Kreuzzug" gewählt?
Der Titel verdeutlicht den vergleichenden Ansatz der Arbeit, die Konzepte als konkurrierende oder zumindest verschiedenartige Deutungen eines "Heiligen Krieges" zu betrachten.
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- Annette Kramer (Author), 2021, Dschihad versus Kreuzzug. Zwei Konzepte eines Krieges im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1184944