Exzerpt zu "Die SED in der staatssozialistischen Gesellschaft" sowie Essay mit dem Titel "Wie die Herrschaft der SED funktionierte, wie sie diese legitimierte und wie sich die Bevölkerung positionierte".
Exzerpt (Einleitung):
Die Rolle der SED sei in zwei Perspektiven aufzuteilen, die aber nicht durch eine klare Trennungslinie getrennt werden könnten: Erstens, die Rolle der SED aus der Sicht der Partei selbst, also wie sie die Herrschaft ausübte, die Öffentlichkeit kontrollierte und die Gesellschaft grundlegend veränderte bzw. umbaute. Zweitens, aus der Sicht der Bevölkerung, in der beleuchtet wird, wie sie mit der Herrschaft der SED lebten, wie sie sie wahrnahmen, und wie sie mit den Lebensbedingungen umgingen.
Essay (Einleitung):
Wie die Umfrage zeigt [siehe oben], wurde das Leben in der DDR von Ostdeutschen rückblickend mehrheitlich eher gut bewertet, obwohl es erhebliche Grundrechtseinschränkungen gab. Dabei stellen sich folgende Fragen: Wie kann es sein, dass das Leben so gut beurteilt wurde? Wie gelang es der SED, die Herrschaft zu legitimieren und wie funktionierte sie? Wie beurteilte die Bevölkerung die Herrschaft, auch während des Bestehens der DDR?
Inhaltsverzeichnis
1. Exzerpt
2. Essay: Wie die Herrschaft der SED funktionierte, wie sie diese legitimierte und wie sich die Bevölkerung positionierte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herrschaftsmechanismen der SED in der DDR sowie die komplexe Wechselbeziehung zwischen der Partei und der Bevölkerung. Dabei wird analysiert, wie die SED ihre Macht durch eine Kombination aus totalitärer Überwachung, antifaschistischer Rhetorik und einem umfassenden Sozialstaat legitimierte und stabilisierte, während die Bevölkerung durch systemkonformes Arrangement auf diese Herrschaft reagierte.
- Strukturen und Kontrollmechanismen der SED-Herrschaft.
- Methoden der politischen Legitimierung und ideologischen Umerziehung.
- Die Rolle des Sozialstaats als Mittel der Befriedung und Ruhigstellung.
- Strategien des sozialen Arrangements und der Systemloyalität der DDR-Bürger.
- Generationale Unterschiede in der Akzeptanz und Einbindung in das politische System.
Auszug aus dem Buch
Die SED als Herrschaftsinstitution
Die Herrschaftsstruktur in der DDR sei fast vollständig von der Sowjetunion übernommen worden: An der Spitze standen das Politbüro und das Sekretariat des Zentralkomitees (ZK), die „unkontrollierbar“ (S.17) waren und das Machtzentrum bildeten. Unter ihnen war der gesamte hauptamtliche Apparat, bestehend aus Behörden, Fachressorts, Instituten und hauptamtlichen Parteibeamten, der besonders von der Spitze abhängig gewesen seien und die zentralen Charakteristika verkörperte:
• Die SED-Führung als unkontrollierbare, für sich selbst verantwortliche und totalitäre Herrschaftsinstanz, die alle Bereiche des Staates und der Gesellschaft kontrollierte,
• das Entscheidungsmonopol lag bei allen wesentlichen Feldern bei der SED (Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Parteien, Organisationen und bewaffnete Staatsgewalt),
• eine strenge Hierarchie mit eigener Nomenklatur und
• eine Vielzahl ehrenamtlicher Funktionäre, die das Gedankengut der SED in die Gesellschaft trugen.
Die SED-Führung, bestehend aus etwa 20 bis 25 Personen, hatte somit die absolute Entscheidungsgewalt über alle essenziellen Bereiche, ähnlich bzw. fast identisch wie in den anderen ostmitteleuropäischen kommunistischen Staaten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Exzerpt: Dieser Abschnitt bietet eine wissenschaftliche Analyse der SED als Herrschaftsinstitution, ihre soziale Praxis und die Erfahrungen verschiedener Generationen innerhalb der DDR-Gesellschaft.
2. Essay: Wie die Herrschaft der SED funktionierte, wie sie diese legitimierte und wie sich die Bevölkerung positionierte: Der Essay untersucht die Diskrepanz zwischen der repressiven Diktatur und der rückblickend teils positiven Bewertung des DDR-Alltags durch die Bürger, wobei der Fokus auf Sozialpolitik und systemischer Loyalität liegt.
Schlüsselwörter
DDR, SED, Sozialstaat, Herrschaftslegitimation, Systemloyalität, Überwachungsapparat, Antifaschismus, DDR-Bevölkerung, politische Umerziehung, Schattenwirtschaft, DDR-Alltag, SED-Diktatur, Mitläufertum, soziale Sicherheit, DDR-Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Funktionsweise der SED-Herrschaft in der DDR und untersucht, wie das Regime durch verschiedene Mechanismen die Unterstützung oder zumindest das Arrangement der Bevölkerung sicherstellte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Machtapparat der SED, die Legitimationsstrategien der Partei (insbesondere durch Sozialpolitik), die Rolle der Überwachung sowie die soziale Praxis der DDR-Bürger.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu erklären, wie die SED trotz erheblicher Grundrechtseinschränkungen über Jahrzehnte an der Macht bleiben konnte und warum das Leben in der DDR von vielen Zeitzeugen rückblickend nicht nur negativ bewertet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische und gesellschaftswissenschaftliche Analyse, die auf Fachliteratur (Exzerpt) sowie einer vergleichenden Betrachtung persönlicher Erfahrungen und statistischer Umfragedaten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Machtstrukturen, der sozialen Praxis und der unterschiedlichen Erfahrungen von Generationen, ergänzt durch einen Essay zur gesellschaftlichen Positionierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DDR, SED, Sozialstaat, Herrschaftslegitimation, Systemloyalität, Überwachung und antifaschistische Rhetorik.
Warum war der Sozialstaat für die SED so wichtig?
Der Sozialstaat fungierte als effizientes Mittel zur Ruhigstellung der Bevölkerung, indem er Sicherheit und materielle Leistungen bot, die das Bedürfnis nach politischer Freiheit in den Hintergrund drängten.
Welche Rolle spielten die Generationen der DDR-Bürger?
Besonders die "Hitlerjugend-Generation" war stark in die SED-Strukturen eingebunden, während nachfolgende Generationen das System oft ohne Hinterfragung akzeptierten oder aus Karrieregründen systemkonform agierten.
Wie wurde die SED-Herrschaft legitimiert?
Die Legitimierung erfolgte primär über das Bekenntnis zum Antifaschismus und die soziale Fürsorge des Staates, da die SED in freien Wahlen keine Mehrheit hätte erzielen können.
- Quote paper
- Bastian Wieland (Author), 2020, Wie die Herrschaft der SED funktionierte, wie sie diese legitimierte und wie sich die Bevölkerung positionierte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1182827