Wer nach dem Schulalter eine Sprache erlernt, wird feststellen, dass sich Fortschritte langsamer als während des Schulunterrichts einstellen. Im Folgenden wird eine Studie, die dieses Phänomen anhand von mehr als einer halben Millionen Proband*innen und derer syntaktischen Kompetenzen untersucht, zusammengefasst und die darin aufgeführten Argumente und angewendeten Methoden diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Studie von Hartshorne, Tenenbaum & Pinker (2018)
3. Diskussion
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Studie von Hartshorne, Tenenbaum & Pinker (2018) zur kritischen Periode beim Zweitspracherwerb. Dabei wird untersucht, inwiefern die methodische Herangehensweise und die theoretischen Annahmen der Studie valide sind, um allgemeine Aussagen über den L2-Erwerb zu treffen.
- Kritische Analyse der methodischen Vorgehensweise (Online-Quiz)
- Untersuchung der Definition muttersprachlicher Kompetenz
- Diskussion der Trennung von syntaktischer und allgemeiner Sprachkompetenz
- Bewertung der Stichprobenauswahl und der Ausschlusskriterien
- Reflexion über die Generalisierbarkeit der Ergebnisse auf den L2-Erwerb
Auszug aus dem Buch
2. Die Studie von Hartshorne, Tenenbaum & Pinker (2018)
In ihrer Studie befassen sich Hartshorne, Tenenbaum & Pinker (2018), im Folgenden mit HTP (2018) abgekürzt, mit der Frage, warum muttersprachliche Kompetenzen seltener erreicht werden, wenn später mit dem Zweitspracherwerb begonnen wird. Ausgehend von dieser Frage wird untersucht, wie sich die Lernfähigkeit im Alter verändert und in welchem Alter muttersprachliche Kompetenzen im Englischen als Erstsprache (L1) und als Zweitsprache (L2) erreicht werden. Im Rahmen eines Online-Quiz, das vermeintlich die L1 und den Dialekt der Teilnehmer*innen einschätzt, sollen die Teilnehmenden eine Reihe von Sätzen hinsichtlich derer Grammatik beurteilen. Auf das Quiz folgt ein Fragebogen über demografische Daten, um vermeintlich den Algorithmus des Quiz zu verbessern. Dieser Fragebogen umfasst die Fragen, in welchen Ländern die Proband*innen wohnten, wo sie sich derzeit befinden sowie welche Sprachen sie seit der Geburt sprechen. Die Nicht-Muttersprachler*innen werden zudem gefragt, in welchem Alter sie mit dem Englischerwerb begannen, wie viele Jahre sie in einem englisch sprachigen Land lebten und ob enge Familienangehörige englische Muttersprachler*innen seien (vgl. HTP 2018: 1ff.).
Welche Items sich für die Studie eignen, wird durch frühere Pilotstudien erfasst. Das daraus resultierende, etwa zehnminütige Quiz umfasst 132 Items in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, wovon 95 sogenannte kritische Items sind, d.h. wofür mindestens 70% der erwachsenen Englischmuttersprachler*innen die gleiche Antwort auswählen. Anhand der kritischen Items werden syntaktische Phänomene wie Passivierung, Spaltsätze, Kongruenz, Relativsätze, der Gebrauch von Pronomina, syntaktische Subkategorisierungen von Verben, Genus und Kasus von Pronomina, Modalverben, Determinierer und Subjektauslassungen untersucht. Diese Phänomene werden erforscht, indem die Proband*innen im Rahmen eines Multiple-Choice-Tests die Grammatikalität von Sätzen mit den eben genannten Konstruktionen beurteilen (vgl. HTP 2018: 4f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen ein, dass der Zweitspracherwerb nach dem Schulalter schwieriger verläuft, und kündigt die kritische Diskussion der Studie von Hartshorne, Tenenbaum & Pinker (2018) an.
2. Die Studie von Hartshorne, Tenenbaum & Pinker (2018): Dieses Kapitel fasst das methodische Design der Studie, die Probandengruppen sowie die zentralen Untersuchungsergebnisse zur Lernfähigkeit im Alter zusammen.
3. Diskussion: Hier findet eine kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Validität, den theoretischen Annahmen und den Schlussfolgerungen der HTP-Studie statt.
4. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Kritik zusammen und weist auf den Bedarf an weiteren, differenzierteren Studien zu kritischen Phasen im Spracherwerb hin.
Schlüsselwörter
Zweitspracherwerb, kritische Periode, Syntaxerwerb, Sprachkompetenz, Hartshorne, Grammatikalität, Lernfähigkeit, Online-Quiz, Muttersprachlichkeit, L1, L2, methodische Kritik, Sprachdidaktik, Fehleranalyse, Empirie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Prüfung der linguistischen Studie von Hartshorne, Tenenbaum & Pinker aus dem Jahr 2018, welche die kritische Periode beim Spracherwerb untersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Zweitspracherwerb, die syntaktische Kompetenz, die wissenschaftliche Methodik der Datenerhebung durch Online-Tests und die theoretische Fundierung der kritischen Phase.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Argumente und Methoden der Studie von HTP (2018) zu hinterfragen und Schwachstellen in deren Schlussfolgerungen zum L2-Erwerb aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse und Kritik, die das methodische Vorgehen der HTP-Studie (Online-Quiz mit 132 Items) evaluiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Zusammenfassung der HTP-Studie und eine detaillierte Diskussion methodischer und theoretischer Schwachstellen, wie etwa die Repräsentativität der Stichprobe und die Verallgemeinerung von Syntax auf allgemeine Sprachkompetenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Zweitspracherwerb, kritische Periode, syntaktische Kompetenz, Lernfähigkeit, methodische Kritik und empirische Forschung.
Warum wird die Definition von "muttersprachlicher Kompetenz" in der Arbeit kritisiert?
Die Arbeit kritisiert, dass HTP muttersprachliche Kompetenz primär über eine niedrige Fehlerrate bei syntaktischen Items definiert, während phonologische, semantische und pragmatische Aspekte außer Acht gelassen werden.
Welche methodischen Probleme werden bei der Datenerhebung durch das Online-Quiz angeführt?
Die Autorin/der Autor bemängelt unter anderem den fehlenden Ausschluss von Beeinflussung durch Dritte (insbesondere bei Kindern), die exklusive Erreichbarkeit von Personen mit Internetzugang und die fehlende Kontrolle der Lernumgebung.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Textkritik zu Hartshorne, Tenenbaum & Pinkers "A critical period for second language acquisition", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1176542