Im Jahr 2006 mussten 30.757 Unternehmen in Deutschland Insolvenz anmelden . Der durch Insolvenzen bedingte Verlust von Arbeitsplätzen lag in den Jahren 1999 bis 2005 bei durchschnittlich 540.000 Stellen. Der durch Unternehmensinsolvenzen voraussichtlich verursachte Schaden wird für das Jahr 2006 auf 31,1 Mrd. Euro geschätzt. Einhergehend damit ist die Vernichtung von Vermögen durch die Zerschlagung der insolventen Unternehmen. Es liegt somit nicht nur im Interesse der Anteilseigner oder der Geschäftsführung eines Unternehmens die Insolvenz durch frühzeitiges Erkennen zu vermeiden, sondern auch externe Adressaten, wie Kreditinstitute oder Lieferanten haben ein berechtigtes Interesse dar-an eine potentielle Insolvenz ihres Geschäftspartners frühzeitig zu erkennen. Wenn davon auszugehen ist, dass sich Insolvenzen vermeiden lassen oder der sich aus ihnen resultieren-de Schaden minimiert werden kann, falls sie nur rechtzeitig erkannt werden, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie können Unternehmensinsolvenzen frühzeitiger erkannt wer-den? Unter dem Aspekt der Früherkennung von Insolvenzen werden im Rahmen der Insolvenzforschung Fallstudien und empirische Untersuchungen insolventer Unternehmen durchgeführt. Die daraus resultierenden Erfahrungswerte sollen diesbezüglich zweckdienliche Informationen liefern. Die Analyse dieser Informationen im Hinblick speziell auf ihren Aussagegehalt, unter dem Aspekt der Früherkennung ist Gegenstand dieser Seminararbeit, deren Problemstellung sich wie folgt formuliert: Sind Fallstudien-Analysen insolventer Unternehmen in der Lage Erkenntnisse zu liefern, anhand derer es möglich ist die potentielle Insolvenz eines Unternehmens frühzeitiger zu erkennen?
Gliederung
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Krisenursachen, Krisenprozess und Insolvenz
2.1 Begriffsbestimmungen
2.2 Phasenmodelle des Krisenprozesses
3. Erkenntnisse der Insolvenzforschung
3.1 Quantitative Insolvenzforschung
3.1.1 Empirische Untersuchungen
3.1.2 Zwischenergebnis
3.2 Qualitative Insolvenzforschung
3.2.1 Empirische Untersuchungen
3.2.2 Zwischenergebnis
3.3 Das Problem der Multikausalität
4. Analyse der Fallstudie von Richard Morris
4.1 Beschreibung der Fallstudien
4.2 Insolvenzen im Textilsektor
4.3 Insolvenzen im Maschinenbausektor
4.4 Analyse einzelner Insolvenzen
4.5 Zwischenergebnis
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert, inwieweit Fallstudien insolventer Unternehmen wertvolle Erkenntnisse liefern können, um eine drohende Insolvenz frühzeitiger zu erkennen. Hierbei wird kritisch hinterfragt, ob die aus der bestehenden Insolvenzforschung abgeleiteten Erkenntnisse und Methoden zur Prognose von Unternehmenskrisen geeignet sind oder ob sie lediglich Symptome statt Ursachen betrachten.
- Theoretische Grundlagen des Krisenprozesses und von Phasenmodellen.
- Kritische Gegenüberstellung von quantitativer und qualitativer Insolvenzforschung.
- Analyse der Multikausalität von Krisenursachen anhand von Fallbeispielen.
- Überprüfung der Ergebnisse von Richard Morris in Bezug auf Früherkennungspotenziale.
- Bewertung der Nutzbarkeit von Erkenntnissen für interne und externe Adressaten.
Auszug aus dem Buch
3.3 Das Problem der Multikausalität
Das Insolvenzen fast ausschließlich in allen Fällen, das Ergebnis vom Zusammenwirken vieler endogener und exogener Krisenursachen sind, also nicht von monokausaler Natur sind, ist aus den Erkenntnissen der empirischen Studien ersichtlich. Diese Ursachenbündel werden mit dem Begriff Multikausalität beschrieben. Jedoch darf Multikausalität von Krisenursachen nicht nur so verstanden werden, dass eine Vielzahl an Ursachen kumulativ und gleichzeitig auf die Unternehmung einwirken und in ihrem Zusammenwirken die Bedrohung intensivieren, wie es beispielsweise die Darstellung von Hauschildt suggeriert.
Im Hinblick auf die Ursache-Wirkungsketten muss hier eher von einer vernetzten Ursachen-Wirkungs-Struktur ausgegangen werden. Vereinfachende lineare monokausale Darstellungen, wie sie beispielsweise Reske verwendet, können dieser Komplexität nicht gerecht werden. Diese Komplexität resultiert erstens aus der Multilokalität der Krisenursachen, die sich aus der Möglichkeit einer detaillierten Gliederung, besonders der endogenen Krisenursachenkataloge ergibt. Zweitens verursacht die Mehrstufigkeit der Ursachen-Wirkungsketten weitere Problematiken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der Früherkennung von Insolvenzen und des Gangs der Untersuchung.
2. Krisenursachen, Krisenprozess und Insolvenz: Erläuterung der theoretischen Grundlagen von Unternehmenskrisen, Insolvenzbegriffen und verschiedenen Phasenmodellen des Krisenverlaufs.
3. Erkenntnisse der Insolvenzforschung: Kritische Analyse quantitativer und qualitativer Forschungsansätze sowie Diskussion der komplexen Multikausalität von Krisenursachen.
4. Analyse der Fallstudie von Richard Morris: Anwendung der Erkenntnisse aus der Insolvenzforschung auf die britischen Fallbeispiele von Richard Morris zur Identifikation von Kausalitätsketten.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Nutzbarkeit der Erkenntnisse zur Früherkennung für interne und externe Adressaten.
Schlüsselwörter
Unternehmenskrise, Insolvenz, Krisenursachen, Früherkennung, Insolvenzforschung, Krisenprozess, Multikausalität, Fallstudienanalyse, Managementfehler, Bilanzanalyse, Unternehmenssanierung, Sanierungskonzept, Exogene Ursachen, Endogene Ursachen, Kausalitätsketten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Fallstudien insolventer Unternehmen die notwendigen Erkenntnisse bieten können, um potenzielle Insolvenzen frühzeitig zu prognostizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Phasenmodelle von Krisen, die Gegenüberstellung von quantitativer und qualitativer Insolvenzforschung sowie die Analyse von Multikausalität bei Krisenursachen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Sind Fallstudien-Analysen insolventer Unternehmen in der Lage Erkenntnisse zu liefern, anhand derer es möglich ist die potentielle Insolvenz eines Unternehmens frühzeitiger zu erkennen?“
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Analyse und eine kritische Auswertung von 25 britischen Fallstudien aus der Arbeit von Richard Morris im Kontext der Insolvenzforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Krisenursachen und -prozessen sowie die konkrete, kritische Analyse der Fallstudien von Richard Morris unter Anwendung dieser theoretischen Modelle.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Multikausalität, Krisenursachen, Früherkennung, Insolvenzprozess und qualitative vs. quantitative Insolvenzforschung.
Wie bewertet der Autor den Nutzen für externe Stakeholder?
Der Nutzen ist für externe Stakeholder wie Banken oder Lieferanten als eher gering einzustufen, da sie im Gegensatz zum Management ein Informationsdefizit haben und oft nur auf die Erkennbarkeit von Symptomen angewiesen sind.
Warum ist eine Prognose anhand von Kausalitätsketten laut Fazit schwierig?
Aufgrund der extremen Komplexität und Multikausalität der Ursache-Wirkungsketten sind eine eindeutige Quantifizierung der negativen Auswirkungen und eine sichere Prognose der zukünftigen Unternehmensentwicklung kaum möglich.
- Quote paper
- Gerrit Thorn (Author), 2007, Fallstudien-Analysen insolventer Unternehmen , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/117157