In der vorliegenden Arbeit wird der Textverstehensvorgang im Fremdsprachenunterricht
behandelt.
Im ersten Kapitel wenden wir uns den allgemeinen Grundlagen des Textverstehens zu, das
seine Basis in der Interaktion von Leser und Text hat.
Gegenstand weiterführender Überlegungen bildet das Weltwissen des Lesers. Hier soll geklärt
werden, welchen Einfluss die so genannten „Informationen aus eigenem Besitz“ auf den
Verstehensprozess in der Fremdsprache haben. Die Leser verstehen gewöhnlich viel mehr als
in einem Text tatsächlich gesagt wird und diese Fähigkeit beruht auf dem Wissen des Lesers
über „die Welt“.
Des Weiteren widmen wir uns der Tatsache, dass der Leser auf Grund seines Vorwissens
Lücken in einem Text ergänzen und auch einen begonnenen Text fortsetzen kann. Diese
Fähigkeiten werden in der Fachliteratur mit den Begriffen „Inferenz“ und
„Antizipation“ umschrieben (vgl. dazu Solmecke 1993: 18).
Im letzten Kapitel der vorliegenden Arbeit soll der Beweis dafür erbracht werden, dass die
genannten Verarbeitungsprozesse ein besseres Verstehen und Behalten von Informationen
bewirken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeine Charakteristik des Textverstehens
3 Aussersprachliches Wissen und das Textverstehen
3.1 Schematheorie
3.2 Zur Klärung der Frames- und Scriptsbegriffe
3.3 Auf- und absteigende Verstehensprozesse
4 Rolle der horizontalen semantischen Verarbeitungsprozesse
4.1 Inferenzen als Basis des Sprachverstehens
4.2 Zur Klärung des Elaborationsbegriffs
4.3 Antizipation als Bildung von Hypothesen
5 Analytischer Teil
5.1 Ziel der Untersuchung
5.2 Allgemeine Beschreibung der Untersuchung
5.2.1 Differenzierung des Untersuchungsverfahrens
5.3 Auswertung der Untersuchungsergebnisse
5.4 Durchführung des Experiments
5.4.1 TEXT 1: Das finde ich nicht gut: Junge gegen Mädchen („Tip“, S. 36)
5.4.2 TEXT 2: Ursulanovata („Juma“, S. 40)
5.4.3 Arbeitsblatt zum Text „Ursulanovata“
5.5 Ergebnisse
6 Fazit
7 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, den Nachweis zu erbringen, dass gezielte kognitive Verarbeitungsprozesse maßgeblich zu einem tieferen Textverständnis und einem nachhaltigeren Behalten von Informationen in einer Fremdsprache beitragen.
- Rolle des Weltwissens und von Schemata beim Textverstehen
- Funktionsweise von Inferenzbildung und Elaborationsprozessen
- Unterscheidung zwischen top-down und bottom-up Verstehensprozessen
- Experimentelle Analyse von Textverarbeitungsmethoden bei Schülern
- Einfluss von Antizipation auf die gezielte Informationsverarbeitung
Auszug aus dem Buch
3.1 Schematheorie
Unter dem Begriff „Schema“ kann man nach Bussmann (1990: 665) ein generalisiertes Wissen über Abfolgen von Ereignissen in bestimmten sozio-kulturellen Kontexten fassen . Den Begriff prägte schon vor ca. 200 Jahren der Philosoph Immanuel Kant. 1932 wurde der Terminus zum ersten Mal von Barlett benutzt. Er erweiterte und modifizierte die Bedeutung des Schemas zu einer „grundlegenden Organisationseinheit des Gedächtnisses“ und verbreitete es so in der Psychologie (vgl. Vogel 1990: 161).
Schema im Barletts Sinne können verstanden werden als „organisierte Strukturen relativ stereotyper und genereller Kenntnisse über Zusammenhänge, Handlungsabläufe und Sinneinheiten, die im Alltag häufiger auftreten. Als solche haben sie zum Inhalt die im jeweiligen Lebenszusammenhang einer Person allgemein übliche Interpretation dieser Ereignisse“ (Solmecke 1992: 61; Gienow/Hellwig 1993: 161; Wolff 1987: 1311)5. Nach Auffassung von Mandl (1981) ist ein Schema :
„eine nichtsprachliche Wissensstruktur im Gedächtnis, in der auf Grund von Erfahrungen typische Zusammenhänge eines Realitätsbereichs repräsentiert sind. Ein Schema vereinigt Konzepte über Gegenstände, Zustände, Ereignisse und Handlungen.“ (Mandl 1981: 6)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Textverstehens im Fremdsprachenunterricht ein und stellt die Bedeutung von Vorwissen und kognitiven Prozessen wie Inferenz und Antizipation vor.
2 Allgemeine Charakteristik des Textverstehens: Das Kapitel erläutert den komplexen Vorgang des Lesens als Interaktion zwischen Leser und Text, bei der Aufmerksamkeit und Vorwissen eine zentrale Rolle spielen.
3 Aussersprachliches Wissen und das Textverstehen: Hier wird die fundamentale Bedeutung des Vorwissens und der Schematheorie für die Interpretation von Texten und das Schließen von Kohärenzlücken dargelegt.
4 Rolle der horizontalen semantischen Verarbeitungsprozesse: Dieses Kapitel analysiert spezifische Prozesse wie Inferenzbildung, Elaboration und Antizipation, die über die reine Textaufnahme hinausgehen.
5 Analytischer Teil: Der empirische Teil beschreibt eine Untersuchung mit 47 Schülern, bei der verschiedene Techniken der Textverarbeitung hinsichtlich ihrer Behaltensleistung getestet werden.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Bestätigung, dass die Aktivierung von relevanten Schemata das Textverständnis und Behalten signifikant verbessert.
7 Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und Studien zum Thema Textverarbeitung.
Schlüsselwörter
Textverstehen, Fremdsprachenunterricht, Schematheorie, Inferenz, Elaboration, Antizipation, kognitive Verarbeitungsprozesse, Weltwissen, Gedächtnis, Kohärenz, Textrezeption, empirische Untersuchung, Lernpsychologie, Sprachkenntnisse, mentale Repräsentation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den kognitiven Prozessen, die beim Verstehen und Behalten von fremdsprachigen Texten eine Rolle spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Schematheorie, die Inferenzbildung, Elaborationsstrategien sowie die Bedeutung des Vorwissens des Lesers.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der empirische Nachweis, dass durch die Aktivierung kognitiver Verarbeitungsprozesse eine tiefere Verarbeitung und ein besseres Behalten von Textinhalten erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Untersuchung mit 47 Schülern durchgeführt, bei der zwei verschiedene Gruppen unterschiedliche Methoden der Textarbeit (traditionell vs. Elaboration) anwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die theoretischen Grundlagen des Textverstehens, einschließlich mentaler Repräsentationen und Verstehensprozesse, und stellt das Experiment und dessen Ergebnisse vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Textverstehen, Schematheorie, Inferenz, Elaboration, Antizipation und kognitive Verarbeitung.
Warum spielt das "Weltwissen" eine so große Rolle beim Textverstehen?
Das Weltwissen ermöglicht es dem Leser, Informationen, die nicht explizit im Text stehen, durch logische Schlussfolgerungen zu ergänzen und den Text in einen persönlichen Wissenskontext einzuordnen.
Was ist der Unterschied zwischen "starken" und "schwachen" Scripts?
Starke Scripts weisen eine feste, stereotype Handlungsabfolge auf (z.B. Restaurantbesuch), während schwache Scripts kaum festgelegt sind und dem Leser mehr Raum für Interpretationen lassen.
Wie unterscheiden sich A-Gruppe und B-Gruppe in der Untersuchung?
Die A-Gruppe arbeitete mit traditionellen W-Fragen zum Textinhalt, während die B-Gruppe Elaborationstechniken nutzte, um ihr eigenes Vorwissen gezielt zu aktivieren.
Was war das Hauptergebnis des Experiments?
Die B-Gruppe zeigte eine deutlich höhere Reproduktionsleistung (62% gegenüber 41%), was die Wirksamkeit der Elaborationstechniken für die Textbehaltung unterstreicht.
- Quote paper
- Margit Molenda (Author), 2008, Der Einfluss von kognitiven Verarbeitungsprozessen auf das Verstehen und Behalten von fremdsprachigen Texten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/117079