Das Land Bhutan hat 800 000 Einwohner und ist geographisch vom Himalaya geprägt. Ich hatte nie Kontakt, geschwiege denn eine Ahnung, was dieses Land so besonders macht. Ausgerechnet meine große Leidenschaft - der Fußball - brachte mir den ersten Kontakt dorthin. Ein Fußballprofi Namens Yeshi Dorji, welcher ein Hoffnungsträger der bhutanischen Nationalmannschaft war, kontaktierte mich und bat um Hilfe. Als Fußballprofi aus diesem sehr kleinen und in der Fußballbranche eher unbekannten
Land erfolgreich zu werden ist schwer, wenn nicht sogar unmöglich.
Über unsere SpielerInnenberatungsagentur „TF Sport“ konnten wir zu einem Bielefelder Fußballverein Kontakt aufnehmen, welcher Interesse bekundete, einem jungen Nationalspieler die Möglichkeit zu geben, Profi zu werden. Während der Zeit in Deutschland weckte Yeshi immer mehr die Neugier in mir, mehr über Bhutan und dessen Menschen zu erfahren. Dabei fiel auf, dass die Mentalität in Bhutan eine völlig andere ist als die des Westens. Machtverhältnisse, Identität und die Wahrung von Kultur spielen dabei eine wichtige Rolle, was bereits auch Marchart (2018) im Rahmen der Cultural Studies intensiv beleuchtete. Warum es jedoch so schwierig ist, als bhutanischer Fußballprofi in Europa Fuß zu fassen und welche Herausforderungen ihn in seinem Alltag begleiten werden im Verlauf dieses Essays weiter aufgeführt.
Inhaltsverzeichnis
Das Dokument enthält kein explizites Inhaltsverzeichnis im PDF, daher wird nach Anweisung eine logische Struktur gemäß der inhaltlichen Gliederung abgebildet:
1. Einleitung und Fragestellung
2. Das Konzept des Bruttonationalglücks in Bhutan
3. Bildung und Gesundheit als gesellschaftliche Säulen
4. Definitionen von Glück im sportlichen und persönlichen Kontext
5. Gesellschaftliche Struktur und Wohlstand
6. Ost vs. West: Herausforderungen für den Profisport
7. Leistungsbegriff im kulturellen Vergleich
8. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie es dem bhutanischen Fußballprofi Yeshi Dorji gelingt, trotz des hohen Leistungsdrucks im Profisport ein persönliches Glücksempfinden zu bewahren. Dabei wird das Spannungsfeld zwischen der bhutanischen Kultur, die auf dem Bruttonationalglück basiert, und den Anforderungen des westlichen Profifußballs analysiert.
- Das Konzept des Bruttonationalglücks (Gross National Happiness)
- Einfluss der bhutanischen Kultur und Spiritualität auf die Identität
- Vergleich der Bildungssysteme und Leistungsbegriffe zwischen Bhutan und Deutschland
- Herausforderungen durch Bürokratie und westliche Erwartungshaltungen
- Die Rolle von intrinsischer Motivation im Leistungssport
Auszug aus dem Buch
Ost vs. West – hemmt die westliche Welt Yeshi in der Erfüllung seiner Träume Fußballprofi zu werden?
Bei der Überlegung, was am Westen Yeshi evtl. hemmen könnte, gab es viele verschiedene Aspekte, die mit einfließen könnten. Was mir ohne weitere Recherche auffiel, war die Bürokratie. Wie bereits erwähnt, musste ich mich zunächst als moralisch einwandfreien Berater gegenüber der bhutanischen Federation beweisen. Danach musste Yeshi nach Neu-Delhi, um sein Visum in Indien zu holen. Dafür nahm er viel Geld und Aufwand in Kauf. Auch mussten wir uns um einwandfreie Einladungen des deutschen Vereins kümmern, damit diese bewilligt werden würden. Besonders problematisch erwies sich die Dauer des Visums. Die deutsche Botschaft hatte lediglich drei Monate bewilligt, was gegen eine Verpflichtung sprach. Leider konnte auch in Deutschland angekommen keine Erweiterung erlangt werden, da sie keine feste Anstellung, geschweige denn einen Profivertrag unterzeichnen konnten, da es sich nicht um einen Profiverein handelte. Somit bedeutete die fehlende Kulanz oder gar das fehlende Recht, dass ein längerer Aufenthalt in Deutschland nicht möglich war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Der Autor führt in die Thematik ein und erläutert den Kontakt zu Yeshi Dorji sowie die zentrale Forschungsfrage bezüglich der Vereinbarkeit von Profisport und Glück.
2. Das Konzept des Bruttonationalglücks in Bhutan: Dieses Kapitel erläutert die vier Säulen des bhutanischen Staatsmodells, die das Wohlergehen der Bevölkerung sichern sollen.
3. Bildung und Gesundheit als gesellschaftliche Säulen: Es wird analysiert, wie das Bildungssystem in Bhutan den Leistungsdruck minimiert und eine ganzheitliche Entwicklung fördert.
4. Definitionen von Glück im sportlichen und persönlichen Kontext: Der Begriff Glück wird hier philosophisch und sportpsychologisch im Kontext von Yeshi Dorji beleuchtet.
5. Gesellschaftliche Struktur und Wohlstand: Untersuchung der sozialen Kohäsion in Bhutan und der Abwesenheit einer ausgeprägten gesellschaftlichen Schere.
6. Ost vs. West – hemmt die westliche Welt Yeshi in der Erfüllung seiner Träume Fußballprofi zu werden?: Fokus auf bürokratische Hürden und kulturelle Diskrepanzen bei der Integration in den europäischen Profifußball.
7. Leistungsbegriff im kulturellen Vergleich: Kontrastierung des westlichen Outcome-orientierten Leistungsbegriffs mit der intrinsisch motivierten Herangehensweise des Protagonisten.
8. Zusammenfassung und Fazit: Abschließende Betrachtung der Erkenntnisse über die kulturellen Unterschiede und das Potenzial des Glücksmodells für westliche Gesellschaften.
Schlüsselwörter
Bhutan, Bruttonationalglück, Yeshi Dorji, Profifußball, Leistungsdruck, Kulturvergleich, Spiritualität, Bildungssystem, Sportpsychologie, Identität, Bürokratie, intrinsische Motivation, Lebensqualität, Ost-West-Vergleich, Wohlbefinden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Lebensrealität des bhutanischen Fußballers Yeshi Dorji und untersucht, wie er seine kulturelle Prägung aus einem Land, das auf Bruttonationalglück setzt, mit den Anforderungen des europäischen Profisports in Einklang bringt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das bhutanische Gesellschaftssystem, die Bedeutung von Glück und Spiritualität, Bildungs- und Gesundheitspolitik sowie der Vergleich zwischen östlichen und westlichen Leistungsbegriffen im Sport.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie Yeshi Dorji als bhutanischer Fußballprofi trotz des hohen Leistungsdrucks in der westlichen Welt glücklich bleiben kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor nutzt einen qualitativen Ansatz, basierend auf Interviews, persönlichen Gesprächen mit Yeshi Dorji und der Anwendung von Cultural Studies zur theoretischen Einordnung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die vier Säulen des Bruttonationalglücks, das Schulsystem Bhutans, die bürokratischen Schwierigkeiten bei der Einreise nach Deutschland sowie die unterschiedliche Wahrnehmung von Leistung und Erfolg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Bruttonationalglück, kulturelle Identität, Leistungsbegriff, Profisport und Glücksempfinden.
Wie unterscheidet sich der Leistungsbegriff in Bhutan von dem im Westen?
Während im Westen Leistung oft als ökonomische Outcomeanalyse verstanden wird, betrachtet Yeshi Dorji Leistung als durch persönliches Können und das „Tagesglück“ geprägte Variable, ohne sich externem Druck zu beugen.
Welche Rolle spielt der Buddhismus für Yeshi Dorji?
Die buddhistische Spiritualität dient ihm als Kraftquelle in schwierigen Lebensphasen und hilft ihm dabei, seine Emotionen zu zügeln und trotz sportlicher Rückschläge eine positive Grundeinstellung zu bewahren.
Warum war die Bürokratie ein Hindernis für den Fußballer?
Die starren Visabestimmungen und die fehlende Kulanz bei der Einreise nach Deutschland, kombiniert mit hohen Anforderungen an Profisportler, stellten für den aus einem weniger bürokratisch geprägten Umfeld stammenden Yeshi eine große Hürde dar.
- Arbeit zitieren
- Pascal Carlmeyer (Autor:in), 2021, Fußballprofi in Bhutan. Zwischen glücklich sein und Leistungsdruck anhand von Yeshi Dorji, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1169924