Die vorliegende Arbeit behandelt die radikale Partei der „Narodnaya Wolya“. Die Arbeit nimmt die Anfänge der sozialistischen Denker in Augenschein und erläutert, wie sich letztendlich einige zum Terrorismus bekehrten und welche Nachwirkungen dies für das ganze Volk Russlands bedeutete. Wer sich mit der Geschichte Russlands befasst, kommt nicht darüber hinweg, sich auch mit den Revolutionen dieses Landes zu befassen, angefangen mit der um 1905 und später mit der Februarrevolution 1917. Doch vielen ist nicht bekannt, dass den Revolutionen eine Zeit vorausging, wo Mitglieder des Volkes in der Mitte des 19ten Jahrhunderts den Terrorismus einsetzten, um genau diese Revolutionen in Gang zu setzen.
Dabei war der Begriff des modernen Terrorismus zu dieser Zeit sehr neu. Er beschreibt die Attentate einzelner Bürger, die durch versuchte Mordschläge auf Mitglieder des Regimes ihre Missbilligung für das politische System zum Ausdruck brachten. Später entstanden ganze Parteien, die sich gegen das Zarenregime in Russland wehrten und verschiedene Mittel versuchten, auch andere Volksmitglieder von der Unterdrückung und Ungerechtigkeit des Staates zu überzeugen. Denn sie alle wollten einen Umsturz, welcher aber nur funktionieren würde, wenn das Volk einen Aufstand plant, eine Revolution, welche das Zarenregime beenden sollte. Während die einen es mit der Aufklärung des Volkes versuchten, waren andere der Meinung, der Terrorismus wäre effektiver.
Die bekannteste Partei hierfür ist die in den 1870er- Jahren gegründete „Narodnaya Wolya“, welche insgesamt zwar nur drei Jahre bestand, aber eine große Rolle in der späteren Entwicklung Russlands in Bezug auf die Revolutionen einnehmen sollte. Sie waren es nämlich, die so strukturiert in ihren Attentaten vorgingen, dass sie bis heute ein Vorbild für den modernen Terrorismus darstellen. Ihr Ziel war der aller damaligen Revolutionäre, nämlich einen Umsturz des alten Regimes herbeizuführen. Trotz weitgehendem terroristischem Erfolg fand die erste Revolution erst fast zwanzig Jahre nach deren Auflösung statt, demnach scheint die Partei der „Narodnaya Wolya“ auf dem ersten Blick gescheitert zu sein. Doch ungeachtet dessen haben die Mitglieder der radikalen Partei eine größere Wirkung auf die späteren Geschehnisse in Russland als zunächst angenommen und ihr Mittel zum Terror war indirekt ein Wegbereiter der späteren Revolutionen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ideen der „Narodniki“
3. Die Anfänge des Terrorismus
4. Von der „Zemlya i volya“ zur „Narodnaya Wolya“
4.1 Der Terror als Mittel
5. Nachwirkungen der „Narodnaya Wolya“
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Rolle der russischen Organisation „Narodnaya Wolya“ und analysiert inwiefern deren terroristische Strategien als Wegbereiter für die späteren Revolutionen im 20. Jahrhundert betrachtet werden können.
- Die Entstehung revolutionärer Gedanken in der russischen Intelligenzija des 19. Jahrhunderts.
- Die Entwicklung und Radikalisierung des politischen Terrors als Mittel zum politischen Umsturz.
- Die programmatische Ausrichtung und das Selbstverständnis der „Narodnaya Wolya“.
- Die Auswirkungen der staatlichen Repression auf die revolutionäre Stimmung im Volk.
- Die Langzeitwirkung terroristischer Taktiken auf die spätere politische Entwicklung Russlands.
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Terror als Mittel
Die russischen terroristischen Attentate wurden erstmals geplant und strukturiert von einem Kollektiv durchgeführt. Vor allem hatten es die Mitglieder der terroristischen Partei auf die Ermordung des Zaren Alexander II. abgesehen, denn sie befürchteten, dass durch die Reformbemühungen des Zaren der revolutionäre Umsturz verzögert werden würde. Ihr oberstes Ziel war nicht die Besserung des Zarenregimes, sondern die komplette Abschaffung. Der Zar stellte den Repräsentanten der Monarchie dar, mit seiner Ermordung sollte deutlich gemacht werden, dass sie gegen das gesamte System kämpften und nicht etwa gegen eine einzelne Person. Die Mitglieder kamen zu der Auffassung, dass die grundlegende Veränderung der Verhältnisse erst nach der Beseitigung der Zarenherrschaft möglich sei. Die Ermordung bildete dabei nur den ersten Schritt, der nächste wäre der revolutionäre Umsturz, denn die Freiheit könne nur dann erlangt werden, wenn jegliche Form von Herrschaft zerstört sein würde.
Die Gruppe selbst entstand aus vielfältigen politischen Strömungen mit unterschiedlichen Beweggründen der Aktivisten. Sie ordneten sich von daher keiner poltischen Strömung ein, sondern setzte sich hauptsächlich mit Fragen hinsichtlich der Gewalt auseinander. Hier waren sich alle einig, dass Gewalt und der Terror, der damit einherging, die einzige Möglichkeit verkörpere gegen die repressive Staatsmacht anzugehen. Außerdem seien die Opferzahlen terroristischer Attentate geringer als die eines Volksaufstandes. Trotzdem sei der Terrorismus auch nur ein Mittel, um den großen Massenaufstand vorzubereiten. Sie schafften es sogar, dass eine breite Bevölkerungsschicht, vor allem das Bildungsbürgertum, mit ihnen sympathisierte und konnten sogar trotz der Anwendung des Terrors einstige Anhänger der „Zemlya i volya“ an sich binden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung der „Narodnaya Wolya“ ein und erläutert die zentrale Fragestellung zur Rolle des Terrorismus als Wegbereiter der russischen Revolutionen.
2. Die Ideen der „Narodniki“: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung der revolutionären Intelligenzija sowie die Hintergründe der „Narodniki“-Bewegung und deren gescheiterte Versuche, das Volk durch Aufklärung zu mobilisieren.
3. Die Anfänge des Terrorismus: Der Fokus liegt hier auf dem Wandel der revolutionären Taktik hin zur Gewaltanwendung sowie den ideologischen Rechtfertigungen für Attentate auf Staatsvertreter.
4. Von der „Zemlya i volya“ zur „Narodnaya Wolya“: Das Kapitel beschreibt die Spaltung der ursprünglichen Organisation und die Konstituierung der radikaleren „Narodnaya Wolya“.
4.1 Der Terror als Mittel: Hier wird analysiert, wie die „Narodnaya Wolya“ gezielte Gewalt als strukturiertes politisches Instrument einsetzte, um das Zarenregime zu destabilisieren.
5. Nachwirkungen der „Narodnaya Wolya“: Diese Sektion beleuchtet das Scheitern des direkten Umsturzversuchs, verweist aber auf die langfristige Radikalisierung des politischen Klimas durch staatliche Repression.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die „Narodnaya Wolya“ zwar keine unmittelbare Revolution auslöste, aber durch ihre Methoden indirekt den Weg für spätere revolutionäre Ereignisse ebnete.
Schlüsselwörter
Narodnaya Wolya, Zarenregime, Terrorismus, Russland, Revolution, Intelligenzija, Narodniki, Zemlya i volya, politischer Umsturz, Alexander II., Radikalisierung, Sozialismus, Bauernbefreiung, politisches Attentat, Aufstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle der Untergrundorganisation „Narodnaya Wolya“ und ihren Einsatz von politisch motiviertem Terror im 19. Jahrhundert in Russland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören die Entstehung der Narodniki-Bewegung, der Wandel von friedlicher Propaganda zu terroristischen Attentaten und das Verhältnis der Revolutionäre zum russischen Volk.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Aktivitäten der „Narodnaya Wolya“ als Wegbereiter für die späteren russischen Revolutionen des 20. Jahrhunderts gesehen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Quellen und Lebenserinnerungen von Beteiligten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der revolutionären Ideengeschichte, die interne Spaltung der Organisation „Zemlya i volya“ sowie die Analyse des Terrors als methodisches Instrument gegen das Zarenregime.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Narodnaya Wolya, Terrorismus, Zarenreich, politische Radikalisierung, Revolution und gesellschaftliche Transformation im 19. Jahrhundert.
Warum war die „Narodnaya Wolya“ trotz ihrer kurzen Existenz historisch so einflussreich?
Obwohl die Organisation nach drei Jahren zerfiel, hinterließ sie erprobte revolutionäre Techniken und löste durch ihre Aktionen eine Verschärfung der staatlichen Unterdrückung aus, die das gesellschaftliche Klima für zukünftige Umstürze maßgeblich prägte.
Wie stand die Bevölkerung dem Terror der Organisation gegenüber?
Das Volk blieb weitgehend teilnahmslos oder reagierte teilweise feindselig, da die Ziele der meist intellektuellen Revolutionäre nur geringe Berührungspunkte mit den tatsächlichen Bedürfnissen der breiten Bauernschichten hatten.
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- Anonym (Autor:in), 2021, Narodnaya Wolya. Inwiefern kann die radikale Partei als Wegbereiter der späteren Revolutionen in Russland gesehen werden?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1168512