Ziel der Arbeit ist es, praktische Implikationen zur Minimierung der betrieblichen Risiken während der Verlagerung der beruflichen Tätigkeiten in das Homeoffice zu beleuchten. Denn bei der Durchführung des Homeoffice und der Teleheimarbeit ergeben sich vielfältige arbeitsrechtliche und datenschutzrechtliche Fragen und Herausforderungen. Diese beziehen sich auf die aktuelle Situation der Corona-Pandemie, wie auch weiterführend auf die Phasen, in denen die Arbeitnehmer innerhalb der alternierenden Telearbeit teilweise wieder in die Betriebsstätte zurückkehren können, sowie auf die weitere Zukunft des Homeoffice in der modernen Arbeitswelt. Im Zusammenhang der aktuellen Corona-Krise und der Förderung der Telearbeit nehmen die politischen und arbeitsrechtlichen Forderungen nach einem Rechtsanspruch auf das Arbeiten im Homeoffice zu.
Seit mehr als eineinhalb Jahren prägt die Corona-Pandemie nicht nur das gesellschaftliche Zusammenleben, sondern auch die wirtschaftliche Situation der Unternehmen in Deutschland. Das Instrument des Homeoffice ist in der vergangenen Zeit nicht nur für jedermann ein Begriff, sondern auch für Millionen Arbeitnehmer in Deutschland zur Gegenwart geworden. Durch die Einführung der „Heimarbeit“ während der Pandemie rücken vermehrt arbeitsrechtliche Problematiken in den Fokus. Insbesondere die Pflicht zur Einführung von Schutzmaßnahmen für Arbeitnehmer werden in Zeiten der Corona-Pandemie im Rahmen der arbeitsrechtlichen Fürsorgepflicht relevant. Diese Fürsorgepflicht beinhaltet u. a. die Gewährleistung und Einhaltung der infektionsschutzrechtlichen Abstandsgebote.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Telearbeit
2.2 Begriff des Homeoffice
3 Der gesetzliche Anspruch auf Homeoffice
4 Einführung von Homeoffice
4.1 Einseitige Anordnung des Arbeitgebers durch Direktionsrecht
4.2 Loyalitätspflicht des Arbeitnehmers
4.3 Fürsorgepflicht des Arbeitgebers
5 Rechtsanspruch des Arbeitnehmers auf Homeoffice
5.1 Während der Pandemie
5.2 Nach der Pandemie
6 Bestimmungen zur Arbeitszeit im Homeoffice
6.1 Lage der Arbeitszeit
6.2 Arbeitszeitgesetz
6.3 Erfassung der Arbeitszeit
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Projektarbeit befasst sich mit der Analyse der arbeitsrechtlichen Grundlagen des Homeoffice in Deutschland, insbesondere unter dem Einfluss der Corona-Pandemie, um praktische Implikationen für die Minimierung betrieblicher Risiken bei der Verlagerung der beruflichen Tätigkeit in das häusliche Umfeld aufzuzeigen.
- Rechtliche Einordnung von Telearbeit und Homeoffice
- Möglichkeiten und Grenzen der einseitigen Anordnung von Homeoffice durch den Arbeitgeber
- Die arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht in Pandemiezeiten
- Arbeitszeitregelungen und Dokumentationspflichten im Homeoffice
- Der Diskurs um einen gesetzlichen Anspruch auf mobiles Arbeiten
Auszug aus dem Buch
4.1 Einseitige Anordnung des Arbeitgebers durch Direktionsrecht
Es ist zu fragen, inwiefern der Arbeitgeber ohne eine vertragliche Absprache oder eine Betriebsvereinbarung die Berechtigung zur einseitigen Anordnung des Arbeitens im Homeoffice durch sein Direktionsrecht gemäß § 106 GewO aufweist.
Nach Urteil des LAG Berlin-Brandenburg (LAG Berlin-Brandenburg 2019: 47) unterfällt die Versetzung eines Arbeitnehmers in das Homeoffice nicht dem Direktionsrecht des Arbeitgebers gemäß § 106 GewO. Hier könne eine Tätigkeit im Homeoffice keinesfalls mit der Tätigkeit im Rahmen einer Betriebsstätte verglichen werden, weil der Arbeitnehmer hierbei seinen unmittelbaren Kontakt zu den Kollegen verliere. Ferner reduzierten sich die Möglichkeiten zum kommunikativen Austausch mit seinen Kollegen und ergäbe sich eine Verwischung der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit und eine schwerere Erreichbarkeit des Arbeitnehmers, für den Betriebsrat sowie die Gewerkschaft (LAG Berlin-Brandenburg, ArbRAktuell 2019: 47). Jedoch ist die Begründung des Gerichts im Kontext der Krisensituation wie der Corona-Pandemie nicht überzeugend. So ist ein Großteil der Belegschaft schon freiwillig im Homeoffice tätig, während in den Betrieben regelmäßig lediglich ein Notdienst aufrechterhalten wird (vgl. Fuhlrott et al. 2020: 345).
In dieser Krisensituation wird die vom LAG Berlin-Brandenburg (vgl. Fuhlrott et al. 2020: 20f.). aufgeführte Begründung der Reduktion der Kommunikation sowie des sozialen Austausches im Unternehmen durch das wichtigere Argument des Gesundheitsschutzes überwogen. Im Rahmen der Corona-Pandemie wäre die soziale Interaktion der Arbeitnehmer mit ihren Kollegen und Vorgesetzen sowieso überhaupt nicht oder lediglich unter erschwerten Bedingungen durchführbar, weil zwingend ein Mindestabstand untereinander eingehalten werden muss. So ergäbe sich in diesem Kontext stattdessen ein gesundheitsrelevanter Vorteil durch die Tätigkeit im Homeoffice in Relation zu der Tätigkeit im Unternehmen (vgl. Günther, Böglmüller 2020:345).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die arbeitsrechtliche Problematik der massiven Verlagerung von Tätigkeiten ins Homeoffice infolge der Corona-Pandemie ein.
2 Begriffsbestimmungen: Hier werden die zentralen Termini Telearbeit und Homeoffice definiert und voneinander sowie vom Oberbegriff der mobilen Arbeit abgegrenzt.
3 Der gesetzliche Anspruch auf Homeoffice: Dieses Kapitel behandelt die politischen Bestrebungen und den Diskurs um die Schaffung eines gesetzlich verankerten Rechts auf mobiles Arbeiten in Deutschland.
4 Einführung von Homeoffice: Es wird erörtert, unter welchen Voraussetzungen Arbeitgeber Homeoffice anordnen können und welche Pflichten bezüglich Loyalität und Fürsorge dabei bestehen.
5 Rechtsanspruch des Arbeitnehmers auf Homeoffice: Das Kapitel analysiert, ob ein unmittelbarer Anspruch auf Homeoffice während und nach der Pandemie besteht und unter welchen Bedingungen Leistungsverweigerungsrechte möglich sind.
6 Bestimmungen zur Arbeitszeit im Homeoffice: Hier werden die Anwendung des Arbeitszeitgesetzes, die Festlegung von Kernzeiten und die Anforderungen an eine rechtssichere Zeiterfassung im Homeoffice diskutiert.
7 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der aktuellen Rechtslage und einem Ausblick auf den Reformbedarf sowie ergonomische Mindestanforderungen an den häuslichen Arbeitsplatz.
Schlüsselwörter
Homeoffice, Telearbeit, Arbeitsrecht, Corona-Pandemie, Direktionsrecht, Fürsorgepflicht, Arbeitszeitgesetz, Zeiterfassung, Arbeitsschutz, mobiles Arbeiten, Rechtsanspruch, Betriebsvereinbarung, Gesundheitsschutz, Homeoffice-Gebot, Unternehmenskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Projektarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen und Herausforderungen, die mit der Verlagerung von Tätigkeiten in das Homeoffice verbunden sind.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den Begriffsdefinitionen, der Anordnungskompetenz des Arbeitgebers, den arbeitsvertraglichen Nebenpflichten sowie der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, praktische Implikationen zur Minimierung betrieblicher Risiken bei der Verlagerung von Tätigkeiten ins Homeoffice zu beleuchten und die aktuelle Rechtslage zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine juristische Facharbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung aktueller arbeitsrechtlicher Rechtsprechung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die gesetzliche Einordnung, die Einführung von Homeoffice durch Direktionsrecht, Fragen zur Loyalitäts- und Fürsorgepflicht sowie spezifische Arbeitszeitbestimmungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen unter anderem Homeoffice, Telearbeit, Arbeitsrecht, Fürsorgepflicht, Arbeitszeitgesetz und Zeiterfassung.
Kann der Arbeitgeber einseitig Homeoffice anordnen?
Das LAG Berlin-Brandenburg verneint dies zwar im Grundsatz, doch wird in der Arbeit argumentiert, dass der Gesundheitsschutz in Krisenzeiten wie der Pandemie ein gewichtiges Argument für eine solche Anordnung darstellen kann.
Warum ist die Zeiterfassung im Homeoffice rechtlich relevant?
Aufgrund aktueller EuGH-Rechtsprechung und der Beweislastverteilung bei Überstunden ist ein objektives und zuverlässiges System zur Arbeitszeiterfassung für Unternehmen zwingend erforderlich geworden.
- Arbeit zitieren
- Marion Strutz (Autor:in), 2021, Arbeitsrechtliche Grundlagen des Homeoffice unter besonderer Berücksichtigung der Corona Pandemie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1167609