In der folgenden schriftlichen Ausarbeitung wird sich mit dem Thema der Heimerziehung in der DDR und der psychologischen Handlungsansätze innerhalb dieser beschäftigt. Schwerpunkt hierbei ist es, folgende Fragen anhand inhaltlicher und historischer Auseinandersetzungen mit dem Themenbereich des DDR-Heimsystems zu beantworten, um somit die damaligen Ansichten mit denen der heutigen zu vergleichen: Wie wurde Psychologie – insbesondere in den Heimen – verstanden und umgesetzt? Gab es in Bezug auf der „zu bekämpfenden“ Verhaltensweisen der Eingewiesenen den (erwünschten) Erfolg oder haben sich die Handlungsweisen des Erziehungssystems negativ auf die Psyche bzw. die Entwicklung ausgewirkt?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen in der DDR
2.1 Abweichendes Verhalten
2.2 Schwererziehbarkeit
3. Das Heimsystem der DDR
3.1 Das Spezialheimsystem
3.2 Das Kombinat der Sonderheime
4. Methoden zur (Um-)Erziehung der Kinder und Jugendliche
4.1 (Entwicklungs-)Psychologie
4.2 Die Pädagogisch-psychologische Therapie
4.3 Psychopharmaka
4.4 Strafen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Heimerziehung in der DDR mit einem besonderen Fokus auf die psychologischen Handlungsansätze und deren praktische Umsetzung. Ziel ist es, die damaligen erziehungswissenschaftlichen Konzepte sowie die Rolle der Psychologie und Pädagogik zu analysieren und kritisch mit den Auswirkungen auf die betroffenen Kinder und Jugendlichen in einen historischen Kontext zu setzen.
- Historische Analyse des DDR-Heimsystems und seiner Strukturen
- Differenzierung von Begriffen wie „abweichendes Verhalten“ und „Schwererziehbarkeit“
- Die Rolle der Psychologie im Dienste der ideologischen Umerziehung
- Methoden der Disziplinierung und therapeutische Ansätze im Heimalltag
- Kritische Reflexion der Auswirkungen auf die psychische Entwicklung der Betroffenen
Auszug aus dem Buch
4.4 Strafen
Der Heimalltag bzw. die Heimstruktur war, wie schon oben erwähnt, streng geregelt und es wurden zu viele Anforderungen an die Kinder und Jugendlichen in den Heimen gesetzt, die man zu erfüllen hatte, bezüglich dessen wurde Fehlverhalten sanktioniert bzw. diese korrigieren. Die häufig eingesetzten „Methoden“ waren unterschiedliche Strafmaßnahmen. So gab es zum einen die eher mäßigen Strafen, wie z.B. Verwarnungen oder Tadel, aber auch demütigende und gewalttätige (körperlich, verbal, seelisch) Maßnahmen. Letzteres war gesetzlich verboten, gehörte dennoch zum täglichen Heimleben dazu. Es war ein offenes Geheimnis, welches nur nachverfolgt wurde, wenn es äußere Merkmale (Brüche, Flecken auf dem Gesicht) gab, die Aufmerksamkeit erzielten und danach trotzdem selten Konsequenzen mit sich zogen.
Man versuchte die Kinder und Jugendlichen mit körperlicher Züchtigung zu erziehen, indem man sie trat, schlug (mit oder ohne Schlagwerke), sie zum Strafstehen vor der Tür zwang oder ihnen die Nahrung verweigerte. Zudem wurden in Bezug auf die Kollektiverziehung Gruppenstrafen verordnet, d.h. die gesamte Gruppe musste die Strafe für das negative Handeln einer einzelnen Person ertragen. Oftmals führte das zur Gruppenfrustration, die dann als Selbstjustiz (vom Pädagogen erwünscht) ausarten konnte. Eine besondere Art der Strafe war der Arrest bzw. die Isolierung, die von jedem Kind gefürchtet wurde und sogar in einer Ordnung im Jahre 1976 legitimiert wurde. Diese Maßnahme galt offiziell für Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr, in Ausnahmefällen aber auch für 12-Jährige, und beabsichtigte, dass diejenigen, die besonders Schwierigkeiten verursachten, von der Gruppe ausgesondert werden sollten und in Arrestzellen tagelang verharren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Forschungsthema der Heimerziehung in der DDR und stellt die leitenden Fragestellungen zur Anwendung der Psychologie sowie deren erzieherischen Erfolg vor.
2. Begriffsbestimmungen in der DDR: Dieses Kapitel erläutert die ideologische Definition von „abweichendem Verhalten“ und „Schwererziehbarkeit“ als Störungen, die den sozialistischen Normen entgegenstanden.
3. Das Heimsystem der DDR: Hier wird der Aufbau des Heimsystems beschrieben, inklusive der Unterteilung in Normal- und Spezialheime sowie der Entstehung des Sonderheimkombinats zur Entlastung des Systems.
4. Methoden zur (Um-)Erziehung der Kinder und Jugendliche: Dieses Kapitel analysiert detailliert die eingesetzten psychologischen Ansätze, die pädagogischen Therapiemethoden, den massiven Einsatz von Psychopharmaka und die Anwendung von Strafen zur Disziplinierung.
5. Fazit: Das Fazit zieht eine kritische Bilanz und kommt zu dem Schluss, dass die psychologischen Maßnahmen eher instrumentell zur ideologischen Kontrolle als zum therapeutischen Wohl der Kinder eingesetzt wurden.
Schlüsselwörter
Heimerziehung, DDR, Psychologie, Spezialheime, Sonderheimkombinat, Schwererziehbarkeit, Sozialismus, Kollektiverziehung, Umerziehung, Psychopharmaka, Pädagogik, Disziplinierung, abweichendes Verhalten, Jugendhilfe, Stigmatisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Heimerziehung in der ehemaligen DDR und der Rolle, die psychologische Handlungsansätze innerhalb dieses Erziehungssystems spielten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Definition von Verhaltensauffälligkeiten in der DDR, die Struktur der Heime, die Rolle der Psychologie bei der Umerziehung sowie die eingesetzten Methoden der Disziplinierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu hinterfragen, wie Psychologie in DDR-Heimen verstanden wurde und ob die praktizierten Erziehungsmethoden zum Erfolg führten oder negative Auswirkungen auf die Psyche der Betroffenen hatten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer inhaltlichen und historischen Auseinandersetzung mit dem DDR-Heimsystem unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur und Zeitzeugenberichte.
Was wird im Hauptteil detailliert beleuchtet?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung der Begrifflichkeiten, die Darstellung der verschiedenen Heimarten (Spezialheime, Sonderheimkombinat) sowie eine tiefe Analyse psychologischer Interventionsformen und strafrechtlicher Sanktionen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Heimerziehung, DDR, Kollektiverziehung, Psychopharmaka-Therapie und ideologische Umerziehung.
Was war der Zweck des Sonderheimkombinats?
Das Sonderheimkombinat sollte als spezialisierte Einheit diagnostisch und therapeutisch bei Kindern und Jugendlichen intervenieren, wenn normale Spezialheime mit den Verhaltensauffälligkeiten überfordert waren.
Welchen Stellenwert hatte die Psychologie im Heimalltag laut der Arbeit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Psychologie der Pädagogik untergeordnet war und primär dazu diente, das Kind dem sozialistischen Kollektiv anzupassen, statt individuelle Potenziale zu fördern.
Wie wurden Psychopharmaka in den Heimen eingesetzt?
Psychopharmaka wurden vor allem zur Sedierung der Kinder und Jugendlichen genutzt, um den Heimalltag für das Personal zu erleichtern, oft ohne Rücksicht auf die gesundheitlichen Folgen der zum Teil aus der Erwachsenenpsychiatrie stammenden Präparate.
Warum waren kollektive Strafmaßnahmen so prägend?
Kollektivstrafen wurden genutzt, um Druck auf das Individuum durch die Gruppe auszuüben und eine Identifikation mit den Regeln des sozialistischen Zusammenlebens durch sozialen Zwang zu erzwingen.
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- Aysenur Arslan (Author), 2021, Die Rolle der (Entwicklungs-)Psychologie bei der (Um-)Erziehung "verhaltensgestörter" Kinder und Jugendlichen in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1159976