[...] Der Sportler trainiert, investiert weite Teile seines Lebens für den Erfolg und stellt sich endlich mit seinen Leistungen ins Rampenlicht. Doch plötzlich stehen nicht nur seine Muskeln und Fähigkeiten im Rampenlicht
sondern auch seine Persönlichkeit, sein Privatleben und sogar sein Umgang mit der intensiven Beleuchtung wird beleuchtet. Ein Ereignis dort oder ein kleiner Zufall da, und er wird plötzlich noch bekannter und enteilt in dieser Disziplin seinen Kollegen. Ein neuer Star ist geboren. Ein Liebling der Massen. Der Versuch einer Begründung für plötzlich zuströmende Sympathien würde wohl auch die Ausnahmeathleten vor einige Rätsel stellen. Eine Liste von hilfreichen Eigenschaften ließe sich schon erstellen, in dieser würden vielleicht Mut, Fleiß, Talent und viele andere mehr auftauchen, jedoch wäre diese Liste von Zutaten, ohne Mengenangabe und auch ohne Gewähr gegenüber der Vollständigkeit, ein nur ungenaues Rezept. Moderne Helden haben ihre Vorgänger im Wandel der Zeit abgelöst und ein wachsender Anteil unserer heutigen Idole kommt aus dem Bereich des Spitzensports. So waren es zum großen Teil egoistische Antriebe, die die vorliegende Arbeit entstehen ließen, um meinen, bei dieser Thematik stets hochschnellenden Puls, wenigstens um ein paar Schläge reduzieren zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. PROBLEMSTELLUNG
1.2. GLIEDERUNG DER ARBEIT
1.3. GESCHICHTE UND ENTWICKLUNG DES TERMINUS „Sport“.
2. INDIVIDUUM und andere soziale Phänomene
2.1. TYPOLOGIE SOZIALER GEBILDE
2.2 EXISTENZFORMEN von GRUPPEN
2.2.1 DIE SPORTGRUPPE
2.3. SYSTEME als soziale Gebilde
2.4. UMWELT VERSUS SYSTEM
2.4.1. STRUKTURELLE KOPPLUNG und das System SPORT
3. INDIVIDUEN im SPITZENSPORT
4. PSYCHODYNAMISCHE GRUNDPROBLEME im SPITZENSPORT
4.1. FUNKTIONSLUST und SPORT
4.2. ANGSTLUST, Philobatismus und SPORT
4.2.1. REGRESSION im Spitzensport
4.3. NARZISSMUS und LEISTUNGSSPORT
4.4. MOTIVATIONALE KONZEPTE: Das Anspruchsniveau im Spitzensport
4.5. AUSWIRKUNGEN des Leistungssports: UNGLEICHHEIT
4.5.1 STRATEGIEN der UNGLEICHEN
4.5.2 WAHRSCHEINLICHKEIT des SCHEITERNS
4.6. ANTIHELDEN: Ein Unfall?
5. DER MENSCH IN MASSEN
5.1. ENSTEHUNGSBEDINGUNGEN KOLLEKTIVEN VERHALTENS
5.2. KOLLEKTIVES VERHALTEN
5.2.1. NORMORIENTIERTE BEWEGUNGEN
5.2.2. MANIE
5.3. MASSE und ZEIT
6. SPORT und KOMMERZIALISIERUNG
6.1. BERICHTERSTATTUNG – BEKANNTHEITSGRAD - MASSENMEDIEN
6.1.2. REALITÄT und MASSENMEDIEN
6.1.2.1 NACHRICHTEN als Realitätskonstrukt
7. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexe psychologische und soziologische Dynamik zwischen Ausnahmeathleten im Spitzensport und der Gesellschaft. Ziel ist es, zu analysieren, welche Faktoren eine Sportkarriere beeinflussen, warum bestimmte Sportler zu Idolen werden und wie Medien sowie Massenpsychologie die Wahrnehmung von Leistung und Scheitern konstruieren.
- Soziodynamische Konzepte und Gruppendynamik im Sport
- Psychodynamische Grundprobleme: Funktionslust, Angstlust, Narzissmus
- Kollektives Verhalten und Massenphänomene im Sportkontext
- Kommerzialisierung und die Konstruktion von Realität durch Massenmedien
- Der Einfluss von individuellem Ehrgeiz, Scheitern und Verletzungen auf die öffentliche Wahrnehmung
Auszug aus dem Buch
4.1. FUNKTIONSLUST und SPORT
Die Empfindung von Lust an Bewegung hat die Entwicklung von der freudvollen, spielerischen Betätigung bis zum heutigen Stand der Entwicklung des professionellen Spitzensports stark mitbeeinflusst.
Viele von den einstigen Quellen, aus denen sich erst sportliche Betätigung entwickelte, stellen auch heute noch treibende Kräfte dar, wenn sie auch in Vergessenheit geraten sind. In dem Bereich der Lust und ihrer Befriedigung, der Freude an Aktivität als Ausdruck von Lebendigkeit und bei dem entstehenden Genuss finden sich auch die Wurzeln des Sports.
Der Wiener Psychologe Karl Bühler widmet sich in seinen Werken „Die geistige Entwicklung des Kindes“ sowie „Die Krise der Psychologie“ in mehreren Kapiteln verstärkt den Antrieben für menschliches Tun.
Als Grundlage für seine Erläuterungen geht er von der „hedonalgischen Reaktion“ aus, die eine Trennung von ungereizten Lebewesen (Insekten und wirbellosen Tieren) und empfindsamen Lebewesen ermöglicht.
Bühler wirft die Frage auf, welchen Einfluss der Mangel bzw. Reichtum an Komplexität der hedonalgischen Reaktion auf die Lebenswerte haben kann. Je nach Ausstattung gestaltet sich nach seiner Sicht ein Leben ärmer oder reicher und eröffnet den verschiedenen Lebewesen einen größeren oder kleineren Zugang zum Empfinden von Lust und Unlust. Die Frage der biologischen Leistung von Lust und Unlust rückt so in den Focus. (vgl. Bühler, 1930. S. 454)
Bühler räumt keiner der beiden Empfindungen Priorität ein, sondern affirmiert hier die Existenz eines neutralen Zustands, von dem sich Lust und Unlust in entgegengesetzter Richtung unterscheiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. PROBLEMSTELLUNG: Einführung in die persönliche Motivation und die Dynamik zwischen Ausnahmeathleten und der Gesellschaft.
2. INDIVIDUUM und andere soziale Phänomene: Abgrenzung des Individuums gegenüber sozialen Gebilden wie Mengen, Massen und Gruppen unter systemtheoretischen Gesichtspunkten.
3. INDIVIDUEN im SPITZENSPORT: Analyse des Athleten als singuläres Phänomen, der sich innerhalb des Systems Sport behaupten muss.
4. PSYCHODYNAMISCHE GRUNDPROBLEME im SPITZENSPORT: Untersuchung psychischer Antriebe und Risiken wie Funktionslust, Narzissmus und dem Umgang mit Misserfolg.
5. DER MENSCH IN MASSEN: Erläuterung kollektiven Verhaltens und der Mechanismen, die Menschen in Massen formen.
6. SPORT und KOMMERZIALISIERUNG: Untersuchung der ökonomischen Einflüsse und der Rolle der Massenmedien bei der Realitätskonstruktion im Sport.
7. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Erkenntnisse über die Verflechtungen von Sport, Psychologie, Soziologie und ökonomischen Faktoren.
Schlüsselwörter
Spitzensport, Soziodynamik, Gruppendynamik, Funktionslust, Narzissmus, Massenpsychologie, Leistungssport, Kommerzialisierung, Medienrealität, Identität, Philobatismus, Angstlust, Anspruchsniveau, Sportlerkarriere, Kollektives Verhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Dissertation im Kern?
Die Arbeit untersucht die psychologischen und soziologischen Faktoren, die hinter einer erfolgreichen Spitzensportkarriere stehen, und wie diese Individuen in Wechselwirkung mit der Gesellschaft und den Medien stehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Gruppendynamik, die Psychodynamik (wie Narzissmus oder Antriebslust), die Massenpsychologie sowie die zunehmende Kommerzialisierung und Medialisierung des Sports.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, die Dynamik zwischen dem Einzelsportler und seiner Umwelt zu beleuchten und zu verstehen, warum Sportler als Idole oder Antihelden wahrgenommen werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verknüpft systemtheoretische und psychoanalytische Theorien mit einer Auswertung exklusiv für diese Arbeit geführter Experteninterviews mit ehemaligen Aktiven, Trainern und Managern.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert psychodynamische Probleme, das Anspruchsniveau im Sport, die Mechanismen von Massenverhalten sowie die Rolle der Massenmedien bei der Konstruktion medialer Realitäten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Spitzensport, Narzissmus, Medienwirklichkeit, Gruppensoziologie und psychische Antriebe wie Funktionslust definieren.
Welche Rolle spielt Hermann Maier in der Analyse?
Hermann Maier dient als zentrales Fallbeispiel, an dem Konzepte wie der "philobatische Sportler", der narzisstische Erfolg und der Umgang mit Medien und Ruhm illustriert werden.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Medien?
Die Medien werden als "hungriges Raubtier" beschrieben, das Karrieren fördern oder vernichten kann und das sportliche Ereignisse nach spezifischen Selektoren in eine mediale Realität transformiert.
Was besagt die Theorie der "Gruppenfantasien" in diesem Kontext?
In Anlehnung an Lloyd deMause wird aufgezeigt, wie Sportfans in Zyklen nach starken oder schwachen Anführern suchen und wie dies die Popularität von Sportlern wie Goldberger oder Maier beeinflusst.
- Arbeit zitieren
- Dr. Jörg Habenicht (Autor:in), 2002, Psycho- und Soziodynamik im Spitzensport, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/115891