Was genau definiert eine Person als Autor:in und was passiert mit diesem Konstrukt im Web 2.0, in den sozialen Medien, in denen auch die Möglichkeiten für Veröffentlichungen und Publikationen zahlreich erweitert werden? Die Arbeit sucht Antworten auf diese Fragen. Hierzu wird zunächst der Begriff der Autorschaft definiert. Es werden verschiedene Theorien aus der Literaturwissenschaft zur Autorschaft hinzugezogen. Im weiteren Verlauf wird das Social Web betrachtet, um anschließend die Rolle der digitalen Autorschaft zu untersuchen. Dies erfolgt am Beispiel des Instagram-Accounts @vonkopfbisfuss_. Die Influencerin Jana Huhn nutzt die Plattform Instagram unter anderem für Micro-Kolumnen. Die Bilder fungieren als Titel der Texte in den eigentlichen Bildunterschriften. Die Influencerin wurde also über eine einst reine Bilderplattform zu einer Autorin, oder?
In Zeiten der Digitalisierung verändern sich nicht nur das soziale Miteinander der Gesellschaft sowie die Informationsbeschaffung und Kommunikation, sondern auch der Zugang und Umgang mit der Kultur, einschließlich der Literatur. Durch die Möglichkeiten, die die Digitalisierung mit sich bringt, werden viele Texte und literarische Werke digital am Bildschirm rezipiert. Das Internet, das Web 2.0, beeinflusst jedoch nicht nur den Umgang und die Art des Rezipierens des Geschriebenen, darüber hinaus entwickelt sich auch das Schreiben selbst. Alle, ob klassische:r Autor:in oder nicht, haben durch das Web 2.0 die Möglichkeit in verschiedenen Formen, Texte zu schreiben, zu editieren und zu veröffentlichen, ganz ohne Verlag. Wenn also das sich stets weiterentwickelnde Internet Einfluss auf die Literatur nimmt, so werden auch die Autorschaft und der Werksbegriff nicht unberührt bleiben können.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Autorschaft
II.I. Der Tod der Autor:innen
II.II. Autorschaft nach Weimar
III. Das Web 2.0
III.I. Soziale Medien im Web 2.0
III.II. Digitale Literatur
III.III. Instagram als Plattform für Autor:innen
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konstrukt der digitalen Autorschaft im Web 2.0. Ausgehend von klassischen literaturwissenschaftlichen Theorien zur Autorschaft wird analysiert, wie sich die Möglichkeiten der digitalen Partizipation und Veröffentlichung – insbesondere am Beispiel des Instagram-Profils @vonkopfbisfuss_ – auf das Verständnis von Autorschaft und literarischen Werken auswirken.
- Konzepte der klassischen Autorschaft und deren Wandel
- Einfluss des Web 2.0 auf die Entstehung von Netzliteratur
- Die Rolle von Sozialen Medien als Publikationsplattformen
- Die Verschiebung der Grenzen zwischen Autor:innen und Rezipient:innen
- Analyse des Instagram-Accounts @vonkopfbisfuss_ als Fallbeispiel
Auszug aus dem Buch
III.III. Instagram als Plattform für Autor:innen
Die gelernte Krankenschwester Jana Huhn, auf Instagram bekannt als @vonkopfbisfuss_, teilt auf der Plattform Fotos, Videos und Texte zu den Themen Interior, Fashion, Feminismus, Selbstliebe und Lifestyle. Mit ihren Postings erreicht sie über 111 Tausend Follower:innen (Stand 27.10.20). Die einst reine Bilderplattform Instagram nutzt sie nicht nur, um visuelle Reize zu setzen, ihre Bilder und Videos fungieren vielmehr als Titel für die jeweiligen Bildunterschriften. Ihre Bildunterschriften beschreiben oder kommentieren dabei nicht das Bild in wenigen Wörtern, Sätzen oder Hashtags, ihre Bildunterschriften lassen sich mit kleinen Kolumnen vergleichen. Jana Huhn erzählt aus ihrem Leben, erzählt ihre Geschichte, was sie liebt und was sie bewegt. Dabei gibt sie Denkanstöße, die ihren Rezipient:innen helfen können sich weiterzuentwickeln. Vor allem aber publiziert sie Texte, sie schreibt diese, hat die Urheberschaft an diesen und veröffentlicht diese, damit sie gelesen werden. Im Zuge ihrer Zusammenarbeit mit @thefemalecompany auf Instagram wurde sie Autorin für deren Blogazine und schreibt Kolumnen. Ist sie denn nun wirklich eine Autorin? Schließlich schwindet doch die Relevanz von Autor:innen in der Netzliteratur. Ihre Art der Veröffentlichung auf Instagram zählt durch die Intermedialität und Inszenierung eindeutig zur Netzliteratur.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themen Autorschaft und Web 2.0 ein und stellt das Instagram-Profil von Jana Huhn als zentrales Analysebeispiel vor.
II. Autorschaft: Hier werden die historischen und theoretischen Grundlagen des Autorenbegriffs beleuchtet, inklusive der Dekonstruktion durch Roland Barthes und der Perspektive von Weimar.
II.I. Der Tod der Autor:innen: Dieser Abschnitt erläutert die Theorie von Roland Barthes, die den Fokus von der Person des Autors auf die Autonomie des Textes und die Rolle der Leserschaft verschiebt.
II.II. Autorschaft nach Weimar: Klaus Weimar bietet einen ergänzenden Ansatz, indem er die Schrift als Produkt analysiert und das Konzept der „doppelten Autorschaft“ einführt.
III. Das Web 2.0: Es erfolgt eine Definition des Web 2.0 als interaktiven Kommunikationsraum, der neue Möglichkeiten der Mediennutzung und Partizipation eröffnet.
III.I. Soziale Medien im Web 2.0: Hier wird untersucht, wie soziale Netzwerke als Plattformen für den Austausch und die Selbstpräsentation im digitalen Lebensstil funktionieren.
III.II. Digitale Literatur: Dieses Kapitel differenziert zwischen Literatur im Netz und eigentlicher Netzliteratur und benennt deren spezifische Merkmale wie Interaktivität und Intermedialität.
III.III. Instagram als Plattform für Autor:innen: Am Beispiel des Profils @vonkopfbisfuss_ wird untersucht, wie soziale Netzwerke die Rolle der Autorin erweitern und verändern.
IV. Fazit: Die abschließenden Überlegungen fassen zusammen, dass das Web 2.0 die klassische Autorschaft nicht verdrängt, sondern sie durch neue Ausdrucksmöglichkeiten und eine aktivere Rolle der Rezipient:innen transformiert.
Schlüsselwörter
Autorschaft, Web 2.0, Digitale Literatur, Instagram, Netzliteratur, @vonkopfbisfuss_, Jana Huhn, Rezipient:innen, Literaturwissenschaft, Intermedialität, Soziale Medien, Medialer Wandel, Schreiben, Urheberschaft, Transformation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation des Autorenbegriffs im Zeitalter des Web 2.0 und untersucht, wie digitale Plattformen das Schreiben und Veröffentlichen beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der literaturwissenschaftlichen Theorie der Autorschaft, der Charakterisierung des Web 2.0 sowie der spezifischen Rolle von Instagram als Ort für digitale Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie Influencer:innen oder Nutzer:innen durch Plattformen wie Instagram den Status einer Autorin erreichen und wie sich ihr Wirken in das bestehende Konstrukt der Autorschaft einordnen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von Theorien zur Autorschaft mit einer medienpraktischen Untersuchung eines aktuellen Fallbeispiels aus den sozialen Medien verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung des Autorenbegriffs, die Analyse von Web 2.0-Strukturen und eine Fallstudie zu den "Micro-Kolumnen" auf dem Instagram-Profil @vonkopfbisfuss_.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Autorschaft, Web 2.0, Digitale Literatur, Intermedialität, Inszenierung und Netzliteratur.
Warum wird Roland Barthes in der Arbeit zitiert?
Barthes dient als theoretischer Ausgangspunkt, um die klassische "Bedeutungshoheit" des Autors zu hinterfragen und die Bedeutung der Rezipient:innen bei der Interpretation von Texten hervorzuheben.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Jana Huhn von einer klassischen Autorin?
Jana Huhn kombiniert visuelle Medien (Bilder) mit Texten zu Kolumnen, wodurch ihre Autorschaft stark von der Intermedialität und der direkten Interaktion mit ihrer Follower-Community geprägt ist.
Was versteht man unter „doppelter Autorschaft“ bei Weimar?
Weimar unterscheidet zwischen den Schriftautor:innen, die den Text verfassen, und den Rezipient:innen, die beim Lesen des Textes durch ihren eigenen Input (Interpretation, Emotion) zu einer Art Sprachautor:innen werden.
Welche Rolle spielt die „Inszenierung“ bei der Arbeit von Jana Huhn?
Die Inszenierung findet durch die Verknüpfung von Bildinhalt und textlicher Bildunterschrift statt, wodurch die Influencerin ihre persönlichen Inhalte zielgerichtet für ihre Leserschaft aufbereitet.
- Quote paper
- Lisa-Marie Osterhaus (Author), 2020, Digitale Autorschaft im Web 2.0 am Beispiel eines Instagramprofils, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1158221