Jürgen Friedrichs und Sascha Triemer erarbeiten in ihrem Buch "Gespaltene Städte" unter anderem, wie die soziale und ethnische Segregation miteinander zusammenhängen und wie beide Formen sich in 15 deutschen Großstädten zwischen 1990 und 2005 entwickelt haben.
In der vorliegenden Ausarbeitung soll eine Fortsetzung ihrer Arbeit in Bezug auf Bremen versucht werden. Beginnend mit einer Einführung in wesentliche Begriffe, werden anschließend die soziale und ethnische Segregation sowie mögliche Erklärungen Friedrichs‘ und Triemers Hypothesen vorgestellt. Anschließend werden drei Hypothesen aus den Erklärungen abgeleitet. Daraufhin werden die empirischen Daten aus den Jahren 2005, erfasst von Friedrichs und Triemer sowie die Daten für 2020 dargestellt und vergleichend interpretiert. Im Anschluss werden die Hypothesen bestätigt oder falsifiziert. Im schlussendlichen Fazit wird auf die Folgen der Segregationsentwicklung eingegangen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffe
3. Soziale Segregation
4. Ethnische Segregation
4.1. Segregation – ein Erklärungsversuch
5. Daten und Methoden
5.1. Vergleich der Ausprägung beider Merkmale
5.2. Inhaltliche Auswertung der Daten
5.3. Exkurs – Soziale Stadt
6. Auswirkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung der sozialen und ethnischen Segregation in der Stadt Bremen im Zeitraum von 2005 bis 2020. Ziel ist es, die räumliche Ungleichverteilung von leistungsberechtigten Personen und Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund zu analysieren, Hypothesen zur Segregationsentwicklung zu prüfen und die Auswirkungen fehlender sozialer Mischung kritisch zu beleuchten.
- Analyse der Einkommensarmut und Leistungsberechtigung (SGB II) auf Stadtteilebene
- Untersuchung der ethnischen Segregation anhand des Ausländeranteils
- Vergleich empirischer Daten zwischen den Jahren 2005 und 2020
- Überprüfung soziologischer Hypothesen zur Segregationswirkung
- Diskussion von Nachbarschaftseffekten und integrationspolitischen Maßnahmen
Auszug aus dem Buch
4. Ethnische Segregation
Von der Schließung der Werft sind viele Ausländer in Bremen betroffen. Viele Gastarbeitende sind ihres Arbeitsplatzes der Werft wegen in den Stadtteil Gröpelingen gezogen (Boeselager 2020). In diesem wohnt 2020 mit über 30 Prozent ein großer Ausländeranteil. Nach der Schließung der Werft haben sich dort Arbeitslosigkeit und Armut ausgebreitet. Ab 2015 lebt zudem eine große Zahl an Flüchtlingen in Gröpelingen (ebd.). Auch in der ethnischen Segregation spielt die Qualifikationsstruktur daher eine wesentliche Rolle. Insbesondere da Ausländer*innen haben häufiger eine nachteilige Qualifikationsstruktur aufweisen als Deutsche (Friedrichs, Triemer 2009: 30). Dies trägt zu einer hohen Quote für Arbeitslosigkeit bei und damit zu weniger Einkommen. Personen und Haushalte mit geringem Einkommen benötigen günstigen Wohnraum und ziehen daher in Stadtteile wie Gröpelingen (vergl. ebd.: 9).
Sowohl Ausländer*innen, als auch die ärmere Bevölkerung und natürlich Ausländer, welche zur ärmeren Bevölkerung gehören „sind sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt“ (ebd.). Diese Benachteiligung lässt sich nicht nur auf eine geringe Qualifikationsstruktur zurückführen, sondern bspw. auch auf niedrige Renten oder Vorurteile von Seiten der Vermietenden. Dadurch begrenzt sich die Auswahl an Wohngebieten für Ausländer*innen und ärmere Personen. Diese Strukturen führen daher zur Segregation. Daher sind die Quoten für Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger in Stadtteilen mit einem hohen Ausländeranteil entsprechend hoch. Aus diesem Grund ist der Anteil an Ausländer*innen innerhalb eines Stadtteils auch für die Erklärung der sozialen Segregation interessant (vergl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Armutsgefährdung und Segregation in Bremen ein und erläutert die methodische Herangehensweise sowie die Hypothesen der Arbeit.
2. Begriffe: Hier werden die zentralen Begrifflichkeiten wie Segregation, soziale und ethnische Segregation sowie Polarisierung für den Kontext der Arbeit definiert.
3. Soziale Segregation: Dieses Kapitel befasst sich mit der Entwicklung der Arbeitslosigkeit und deren sozialräumlichen Folgen, insbesondere unter Berücksichtigung struktureller wirtschaftlicher Veränderungen.
4. Ethnische Segregation: Hier wird der Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund, Qualifikationsstruktur und Wohnortwahl analysiert, wobei der Stadtteil Gröpelingen als Fallbeispiel dient.
4.1. Segregation – ein Erklärungsversuch: Dieser Unterpunkt theoretisiert die Ursachen von Segregation, wie Einkommensungleichheit, Wohnungsmarktmechanismen und wahrgenommene Konkurrenz.
5. Daten und Methoden: Dieses Kapitel erläutert die Datengrundlage und die Indikatoren, die zur Messung der Segregation für die Jahre 2005 und 2020 genutzt wurden.
5.1. Vergleich der Ausprägung beider Merkmale: Hier werden die prozentualen Anteile von leistungsberechtigten Personen und Ausländeranteilen in den Stadtteilen gegenübergestellt und verglichen.
5.2. Inhaltliche Auswertung der Daten: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse interpretiert und geprüft, inwieweit die Hypothesen durch die erhobenen Daten gestützt oder widerlegt werden.
5.3. Exkurs – Soziale Stadt: Dieser Abschnitt ordnet die Segregationsproblematik in den Kontext politischer Förderprogramme wie „Die soziale Stadt“ ein.
6. Auswirkungen: Dieses Kapitel diskutiert die negativen Folgen fehlender sozialer Mischung, wie den Abbau von sozialen Kontakten und fehlende Rollenmodelle für Aufstiegschancen.
Schlüsselwörter
Segregation, Bremen, Armut, ethnische Segregation, soziale Segregation, Leistungsberechtigung, Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, Gröpelingen, Stadtentwicklung, Sozialpolitik, Migration, Polarisierung, Deindustrialisierung, Nachbarschaftseffekt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der räumlichen Entmischung (Segregation) in Bremen und analysiert, wie soziale und ethnische Benachteiligungen die Wohnraumverteilung über Stadtteile hinweg beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Korrelation von Armut und Migrationshintergrund, die Auswirkungen wirtschaftlicher Strukturveränderungen auf Stadtteile und die Wirksamkeit stadtplanerischer Interventionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis empirischer Daten für die Jahre 2005 und 2020 aufzuzeigen, wie sich die Segregation in Bremen verändert hat und ob soziologische Hypothesen dazu auf den lokalen Kontext übertragbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Datenanalyse durchgeführt, bei der Kennzahlen zu Leistungsberechtigten (SGB II) und Ausländeranteilen pro Stadtteil für zwei Zeitpunkte vergleichend gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die begriffliche Einordnung, die theoretischen Erklärungsansätze für Segregation, die methodische Darstellung der Daten sowie die vergleichende Auswertung der stadtteilbezogenen Entwicklungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Segregation, Soziale Stadt, Bremen, Leistungsberechtigung, Arbeitslosigkeit und ethnische Zugehörigkeit.
Warum spielt der Stadtteil Gröpelingen eine besondere Rolle in der Analyse?
Gröpelingen dient als exemplarisches Beispiel für einen "Arbeitsstadtteil", der nach der Deindustrialisierung (Werftschließung) massiv von Armut und einer überdurchschnittlichen Konzentration benachteiligter Bevölkerungsgruppen betroffen ist.
Wie unterscheidet sich die Situation 2020 von der im Jahr 2005?
Die Analyse zeigt eine zunehmende Polarisierung: Während einige Gebiete ihre Situation verbesserten, hat sich in anderen Stadtteilen die Konzentration von Armut und Migrationshintergrund im Vergleich zu 2005 weiter verschärft.
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- Anonym (Author), 2021, Soziale und ethnische Segregation. Armutsgefährdung in Bremen seit 2005, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1158118