Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der nationalen Sicherheitspolitik und der Sicherheitsstrategie, sowie den dahinter stehenden Motiven der Islamischen Republik Iran seit der „Brandmarkung“ ein Teil der „Achse des Bösen“ zu sein durch US-Präsident George W. Bush am 29. Jänner 20022 auseinander. Besondere Berücksichtigung wird den aktuellen Entwicklungen in der Frage des Nuklearprogramms gewidmet.
Ausgehend von der Annahme, dass sich auf Grund dieser Rede von US-Präsident Bush die iranische Sicherheitspolitik verändert hat, stellt sich die Frage, ob dies zu einer militärischen und bzw. oder nuklearen Aufrüstung geführt hat. Mein Untersuchungsfeld wird sich hierbei vor allem auf die ansteigenden nuklearen Bestrebungen der Islamischen Republik Iran seit der Präsidentschaftswahl des Jahres 20053 beziehen, wo mit Mahmoud Ahmadinejad4 der Vertreter einer konservativ harten religiös motivierten politischen Linie an die Macht gelangte. Ahmadinejad verfolgt eine wenig kompromissbereite Linie im Konflikt um das iranische Atomprogramm und ist auf Grund einiger umstrittener Aussagen über den Holocaust in die Kritik der Weltgemeinschaft geraten. Der Sieg Ahmadinejads stellt eine Zäsur im Verhältnis der westlichen Staaten zum Iran dar.
Die leitenden Forschungsfragen dieser Arbeit lauten:
• Was kennzeichnet die Iranische Sicherheitsstrategie seit dem 11.9?
• Welche Faktoren führen zu der Angst vor einer Bedrohung und dem Bedürfnis nach Aufrüstung?
• Kam es zu Veränderungen, und vor allem stellt sich die Frage ob die „Brandmarkung“ der USA als „Achse des Bösen“ dazu beigetragen hat?
• Fand eine Transformation der Streitkräfte statt? – Führte dies zu einer Verbesserung bzw. Aufstockung der Kapazitäten?
• Warum besteht die iranische Führung auf der Option zur eigenen Anreicherung von Uran?
Meine These, dass die Brandmarkung ein Teil der „Achse des Bösen“ zu sein, zu einem ansteigenden Sicherheits- und Verteidigungsbedürfnis der Iranischen Führung und somit zu einer Wiederaufnahme der Uran Anreicherung zur möglichen Herstellung von Nuklear Waffen, führt, wird handlungsleitendes Prinzip zur Beantwortung dieser Fragestellungen sein.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Fragestellung
1.2 Methodik
1.3 Zielsetzung der Arbeit
1.4 Aufbau der Arbeit
1.5 Definition „Die Achse des Bösen“
2 THEORIE: NEOREALISMUS
2.1 Der Realismus von Hans J. Morgenthau als Hintergrund des Neorealismus von Kenneth N. Waltz
2.2 Der Begriff der Macht
2.3 Die Struktur des Internationalen Systems
2.3.1 Die Systeme Staat und Internationale Politik
2.3.2 Ordnungsprinzipien
2.3.3 Der Charakter der Einheiten und ihre Funktionsdifferenzierung
2.3.4 Die Aufteilung der Kapazitäten
2.4 Der Zustand der Anarchie und ihre Wirkung
2.5 Balance of Power
2.5.1 Bandwagoning
2.6 Interdependenz und Integration: Die Wechselbeziehungen der Staaten im Waltz’schen System
2.6.1 Strukturelle Effekte
2.7 Multipolare versus Bipolare Weltordnung
2.8 Nuklearwaffen
3 DIE STREITKRÄFTE DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
3.1 Die Bedeutung des Revolutionsführers „Faqih“ im Militär
3.2 Entscheidungsfindung im Bereich der Sicherheit und Verteidigung
3.3 Die Institutionen der Islamischen Republik Iran für Sicherheit und Verteidigung
3.3.1 Der Hohe Nationale Sicherheitsrat (SCNC)
3.3.2 Das Verteidigungsministerium: Ministry of Defense and Armed Forces Logistics (MODAFL)
3.3.3 Das Ministerium für Nachrichtenwesen/Geheimdienst und Sicherheit (MOIS)
3.4 Die Streitkräfte des Iran
3.4.1 Die Armee Artesh
3.4.2 Die Iranischen Revolutionsgarden IRGC
3.4.3 Qods (Jerusalem) Streitmacht
3.4.4 Basij
3.4.5 Ashura Brigaden
3.4.6 Andere paramilitärische Gruppierungen
3.4.6.1 Ansar-e Hezbollah
3.4.6.2 Bonyads
3.4.7 Marine
3.5 Vergleich der Sicherheitsinstitutionen
4 DIE SICHERHEITSSTRATEGIE DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
4.1 Ebenen der Sicherheitsstrategie, Faktoren und Hintergründe
4.2 Beeinflussungsfaktoren der Iranischen Sicherheitsstrategie
4.2.1 Der Iran-Irak Krieg und dessen Konsequenzen
4.2.2 Die Probleme des Iranischen Militärs
4.2.2.1 Ökonomische Schwierigkeiten
4.3 Die Sicherheitsstrategie der Islamischen Republik Iran
4.3.1 Charakteristika der Sicherheitsstrategie der Islamischen Republik Iran
4.4 Bedrohungswahrnehmungen und Konfliktszenarien
4.4.1 Das Kaspische Meer
4.4.2 Turkmenistan
4.4.3 Afghanistan
4.4.4 Pakistan
4.4.5 Die Golfstaaten
4.4.6 Der Irak
4.4.7 Die Türkei
4.4.8 Armenien, Aserbaidschan und der Kaukasus
4.4.9 Israel
4.4.10 Palästina
4.4.11 USA
4.5 Die Iranische Militärdoktrin
5 DAS IRANISCHE ATOMPROGRAMM
5.1 Der historische Hintergrund: die Geschichte des iranischen Atomprogramms
5.2 Die Motive für ein Atomprogramm und die iranische Position
5.3 Das Atomprogramm
5.3.1 Die Islamische Republik Iran und ihre Vertragsbindungen
5.3.2 Argumente gegen ein iranisches Nuklearprogramm
5.3.3 Argumente für ein iranisches Nuklearprogramm
5.3.4 Auswirkungen eines nuklear bewaffneten Iran
5.3.5 Das iranische Raketenprogramm
5.4 Problemlösungsansätze
6 KONKLUSION
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die nationale Sicherheitspolitik und Sicherheitsstrategie der Islamischen Republik Iran seit der Einordnung als Teil der „Achse des Bösen“ durch die US-Regierung zu analysieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich diese „Brandmarkung“ auf die iranische Verteidigungsplanung ausgewirkt hat und inwiefern sie zu einer nuklearen oder militärischen Aufrüstung geführt hat.
- Analyse der theoretischen Grundlage des Neorealismus nach Kenneth N. Waltz
- Untersuchung der iranischen Sicherheitsinstitutionen und Streitkräfte
- Evaluierung der iranischen Sicherheitsstrategie unter Berücksichtigung regionaler Bedrohungswahrnehmungen
- Detaillierte Auseinandersetzung mit dem iranischen Atomprogramm
- Diskussion von Lösungsansätzen für den internationalen Nuklearkonflikt
Auszug aus dem Buch
1.5 Definition „Die Achse des Bösen“
Die Anschläge auf das Pentagon und das World Trade Center am 11.. September 2001 führten zu einer Verhärtung der US-Politik gegenüber einigen Staaten im Nahen- und Mittleren Osten sowie zum „Krieg gegen den Terror.“ Infolge dieser Katastrophe verurteilte auch der Iran die Ereignisse und erinnerte daran, dass er Al Qaeda schon immer als Gefahr gesehen hat. Außerdem half der Iran den USA in ihrem Feldzug gegen die Taliban in Afghanistan Ende 2001 und ermutigte seine Alliierten, in diesem Land mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten.
In der Rede zur „Lage der Nation“ vor beiden Häusern des Kongresses am 29. Jänner 2002 bezeichnete US-Präsident George W. Bush eine Gruppe innerhalb der von der Regierung in Washington als „Schurkenstaaten“ definierten Staaten Nord-Korea, Irak und Iran als Teil einer Allianz- der sogenannten „Achse des Bösen“. Dadurch bekam das „Böse“ ein Angesicht. Diesen Ländern wird vor allem die Unterstützung des internationalen Terrorismus angelastet. Obwohl der Iran nichts mit den Attentaten zu tun hatten wurde das Land „gebrandmarkt“.
Ein „Schurkenstaat“ charakterisiert sich durch direkten oder indirekten Terrorismus der politischen Führung- auch gegen die eigene Bevölkerung, Aggression gegenüber Nachbarstaaten, Entwicklung von Massenvernichtungswaffen sowie der Unterwanderung friedlicher Regierungen. Die Liste der Schurkenstaaten ist erweiterbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert die Forschungsfragen sowie die theoretische Basis des Neorealismus und umreißt den Aufbau der Diplomarbeit.
2 THEORIE: NEOREALISMUS: Hier werden die Grundlagen des Neorealismus nach Kenneth Waltz dargelegt, insbesondere Konzepte wie Macht, Anarchie, Balance of Power und die Rolle von Nuklearwaffen.
3 DIE STREITKRÄFTE DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN: Dieses Kapitel beschreibt die militärische Architektur des Iran, einschließlich des Revolutionsführers, der verschiedenen Sicherheitsinstitutionen sowie der unterschiedlichen Streitkräfte wie Armee und Revolutionsgarden.
4 DIE SICHERHEITSSTRATEGIE DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN: Hier wird die nationale Sicherheitsstrategie analysiert, wobei Faktoren wie die historischen Folgen des Iran-Irak-Krieges und spezifische Bedrohungsszenarien gegenüber Nachbarstaaten, Israel und den USA untersucht werden.
5 DAS IRANISCHE ATOMPROGRAMM: Das letzte inhaltliche Kapitel erörtert die Geschichte, Motive und strategische Bedeutung des Atomprogramms sowie die Problematik des internationalen Konflikts und mögliche Lösungsansätze.
6 KONKLUSION: Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengeführt und die zentrale These zur Veränderung der iranischen Sicherheitsstrategie nach der Rede von George W. Bush evaluiert.
Schlüsselwörter
Iran, Sicherheitspolitik, Sicherheitsstrategie, Neorealismus, Kenneth Waltz, Atomprogramm, Nuklearwaffen, Islamische Republik Iran, Revolutionsgarden, IRGC, US-Außenpolitik, Achse des Bösen, Bedrohungswahrnehmung, Regionale Hegemonie, Rüstungsindustrie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit untersucht die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Islamischen Republik Iran vor dem Hintergrund ihrer Einstufung als Teil der „Achse des Bösen“ durch die USA im Jahr 2002.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die neorealistische Theorie der internationalen Politik, die Struktur der iranischen Sicherheitsinstitutionen, die nationale Sicherheitsstrategie sowie das iranische Atomprogramm.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Beweggründe und Strategien des iranischen Regimes zu erklären und zu untersuchen, ob die politische Rhetorik der USA zu einer realen militärischen oder nuklearen Aufrüstung des Iran geführt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Inhaltsanalyse, um Aufsätze von sicherheitsstrategischen Forschungsinstituten und internationale Politikberichte im Kontext des Neorealismus auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Institutionen der iranischen Sicherheit (z. B. SCNS, Artesh, IRGC), die Einflussfaktoren auf die Sicherheitsstrategie seit dem Iran-Irak-Krieg sowie die technologischen und politischen Aspekte des umstrittenen Atomprogramms.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Iran, Sicherheitspolitik, Neorealismus, Atomprogramm, Nuklearwaffen, Revolutionsgarden (IRGC) und regionale Stabilität.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Präsidenten Ahmadinejad?
Die Autorin sieht in der Amtsübernahme von Ahmadinejad eine Zäsur, die zu einer aggressiveren Rhetorik und einer Verschärfung des Konflikts mit dem Westen geführt hat.
Warum spielt die Geschichte des Iran-Irak-Krieges für die heutige Strategie eine Rolle?
Die traumatischen Erfahrungen dieses Krieges, insbesondere die Isolation und der Einsatz chemischer Waffen gegen den Iran, sind zentrale Treiber für das heutige Streben nach autarker Waffenproduktion und Abschreckungsfähigkeit.
Welche Bedeutung haben informelle Netzwerke im iranischen Sicherheitsapparat?
Informelle Netzwerke, die auf persönlichen Beziehungen, religiösen Verknüpfungen und gemeinsamen revolutionären Hintergründen basieren, durchziehen die formalen Institutionen und machen Entscheidungsprozesse oft undurchsichtig.
- Quote paper
- Mag. phil. Elisabeth Maria Wagner (Author), 2007, Die Sicherheitsstrategie / Sicherheitspolitik der Islamischen Republik Iran seit der Benennung ein Teil der "Achse des Bösen" zu sein mit besonderer Berücksichtigung der Atompolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/115793