Um der Fragestellung "Welchen Handlungsraum hat die Soziale Arbeit in der Straffälligenhilfe?" gerecht zu werden wird die Autorin dieser Arbeit im Folgenden die verschiedenen Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit in der Straffälligenhilfe aufzeigen und den Bezug der Kriminalitätstheorien zur Praxis darlegen. Im Anschluss wird ein Praxisproblem und dessen Lösung erläutert.
Das Strafrecht ist für unsere Gesellschaft die Basis des Zusammenlebens. Durch das Strafgesetzbuch werden Regeln für das soziale Verhalten und Konsequenzen der Überschreitung eben dieser bestimmt. Die Grundlagen der Strafbarkeit werden in den Paragraphen 13-15 des Strafgesetzbuches aufgeführt: das Begehen durch Unterlassen, das Handeln für einen anderen, sowie vorsätzliches und fahrlässiges Handeln werden strafrechtlich verfolgt. Ebenfalls der Versuch einer Straftat wird nach § 23 StGB geahndet. Diese strafbaren Handlungen haben bei Begehen Konsequenzen
zur Folge. Je nach schwere des Verbrechens oder Vergehens kann und soll der Täter in gewissem Maße bestraft werden. Dies wird durch Freiheitsentzug, Bewährung, Geldstrafen, Nebenstrafen oder Auflagen gewährleistet.
Nach § 1 Absatz 2 des Jugendgerichtsgesetzes gelten 14–18 Jährige als Jugendliche und 18– 21 Jährige als Heranwachsende. Die Jugendlichen und Heranwachsenden werden durch das Jugendgerichtsgesetz geschützt. Sollte zwischen 14 und 21 Jahren eine Straftat begangen werden, werden Erziehungsmaßregeln angeordnet. Sollten diese Maßnahmen nicht genügen kommt eine Jugendstrafe zum Einsatz. Diese Folgen sind nach § 5 des JGG geregelt. Grundsätzlich werden Menschen jeden Alters als straffällig bezeichnet, sollte eine Straftat begangen worden sein.
Neben den unterschiedlichen Rechtsorganen spielt ebenso die Soziale Arbeit eine große Rolle im Strafprozess. Im Vordergrund steht dabei die Begleitung, die Beratung und die Resozialisierung der Straffälligen. Im Jahr 2017 berichtet das Bundeskriminalamt von insgesamt 5.761.984 erfassten Straftaten in Deutschland. Davon wurden lediglich 57,1% aufgeklärt. Zu erwähnen ist hierbei auch der Aspekt, dass die Dunkelziffer, der nicht erfassten Straftaten deutlich höher sein mag. Die vorliegenden Zahlen zeigen die Aktualität sowie die Notwendigkeit der Straffälligenhilfe in unserer Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Klassische Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit in der Straffälligenhilfe
2.1 Freie Straffälligenhilfe
2.2 Maßregelvollzug
2.3 Jugendgerichtshilfe
2.4 Weitere Arbeitsfelder
3 Kriminalitätstheorien für die Soziale Arbeit
4 Methodisches Vorgehen bei unfreiwilligen Klienten
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Handlungsraum der Sozialen Arbeit in der Straffälligenhilfe, indem sie die zentralen Arbeitsfelder analysiert und deren Verknüpfung mit kriminologischen Theorien sowie spezifischen methodischen Herausforderungen im Zwangskontext aufzeigt.
- Struktur und Definition der klassischen Arbeitsfelder in der Straffälligenhilfe
- Die Bedeutung und Anwendung von Kriminalitätstheorien in der praktischen Arbeit
- Methodische Strategien im Umgang mit unfreiwilligen Klienten
- Rolle des Sozialarbeiters als Vermittler zwischen Rechtsstaat und Klientenbedarf
- Notwendigkeit von Resozialisierung und Motivationsförderung
Auszug aus dem Buch
4 Methodisches Vorgehen bei unfreiwilligen Klienten
Trotz der Schwierigkeit die passende Theorie für die Soziale Arbeit in der Straffälligenhilfe zu finden, gibt es Strategien und Modelle für den Umgang mit den Klienten. In der Straffälligenhilfe ist besonders der Aspekt des Zwangs im Vordergrund. Somit müssen die Straffälligen oft unfreiwillig beispielsweise erzieherische Maßnahmen oder Auflagen erfüllen. Somit fehlt bei den Klienten der eigene Wille zur Erfüllung der Auflagen oder Maßnahmen und es entsteht Widerstand seitens des Klienten. Dieser stellt eine Hürde für die Unterstützung des Sozialarbeiters dar. Die Zusammenarbeit mit unfreiwilligen Klienten kann in drei methodische Strategien untergliedert werden.
Die erste Strategie ist die Auftrags- und Rollenerklärung. Dabei geht es um eine offene Aufklärung über die verschiedenen Akteure, dessen Pflichten, Handlungsspielräume und Grenzen gegenüber dem Klienten. Welche Sanktionen möglich wären und welche Rechte der Klient hat, muss klar kommuniziert werden. Transparenz in der Arbeit mit dem unfreiwilligen Klienten ist unabdingbar, um Vertrauen zu schaffen. Die zweite Strategie bezieht sich auf die Veränderungsmotivation. Hierbei soll der Klient durch Gespräche mit dem Sozialarbeiter seine eigene Motivation zur Veränderung der aktuellen Lebenslage entwickeln. Der Sozialarbeiter kann in diesem Fall die motivierende Gesprächsführung nach Miller und Rollnick oder weitere Motivationstechniken verwenden. Ohne die Motivation des Klienten wird Resozialisierung schwierig zu erfüllen.
Die letzte Strategie ist die Beziehungsgestaltung. Der Sozialarbeiter muss Beziehungsarbeit mit dem Klienten leisten. Ein Teil davon wird bereits durch die Auftrags- und Rollenerklärung gewährleistet, genügt jedoch nicht. Der Klient sollte im Idealfall dem zuständigen Sozialarbeiter genügend vertrauen, um dessen Rat und Hilfe annehmen zu können. Der Sozialarbeiter sollte dem Klienten Empathie und Verständnis entgegenbringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die gesetzlichen Grundlagen des Strafrechts ein und verdeutlicht die Notwendigkeit der Sozialen Arbeit im Kontext der Straffälligenhilfe angesichts aktueller Kriminalitätsstatistiken.
2 Klassische Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit in der Straffälligenhilfe: Das Kapitel definiert Soziale Arbeit als Teilhabehilfe und stellt die wesentlichen Einsatzbereiche wie die Freie Straffälligenhilfe, den Maßregelvollzug und die Jugendgerichtshilfe vor.
2.1 Freie Straffälligenhilfe: Dieser Abschnitt beschreibt die präventiven sowie unterstützenden Angebote der Freien Straffälligenhilfe und betont Prinzipien wie Freiwilligkeit und Vertrauen.
2.2 Maßregelvollzug: Es wird die Arbeit in den Unterbringungsformen Sicherungsverwahrung, forensische Psychiatrie und Entziehungsanstalt erläutert, wobei der Fokus auf der Motivationsarbeit liegt.
2.3 Jugendgerichtshilfe: Dieses Kapitel behandelt die Aufgaben der Jugendgerichtshilfe als Vermittler zwischen Jugendfürsorge und Justiz bei Straftaten durch Jugendliche und Heranwachsende.
2.4 Weitere Arbeitsfelder: Hier werden ergänzende Bereiche wie die Gerichtshilfe, Bewährungshilfe, Führungsaufsicht und die Arbeit im Strafvollzug kurz umrissen.
3 Kriminalitätstheorien für die Soziale Arbeit: Die Autorin legt dar, wie verschiedene kriminologische Theorien als Entscheidungsgrundlage für die praktische Arbeit mit Straffälligen dienen können.
4 Methodisches Vorgehen bei unfreiwilligen Klienten: Der Fokus liegt auf der Auftrags- und Rollenerklärung, der Motivationsförderung sowie der Beziehungsgestaltung als zentrale Strategien im Zwangskontext.
5 Fazit: Das Fazit resümiert die hohen Anforderungen an Sozialarbeiter in diesem Feld, insbesondere hinsichtlich psychischer Belastbarkeit und der Balance zwischen rechtlichen Vorgaben und Klientenunterstützung.
Schlüsselwörter
Straffälligenhilfe, Soziale Arbeit, Resozialisierung, Maßregelvollzug, Jugendgerichtshilfe, Kriminalitätstheorien, Zwangskontext, Auftrags- und Rollenerklärung, Motivationsförderung, Bewährungshilfe, Täter-Opfer-Ausgleich, Freie Straffälligenhilfe, Strafrecht, Klientenberatung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit im Kontext der Straffälligenhilfe und untersucht, wie Sozialarbeiter in diesem komplexen Spannungsfeld professionell agieren können.
Welche zentralen Themenfelder werden in dem Dokument behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition der Straffälligenhilfe, den gesetzlichen Rahmenbedingungen, der Bedeutung kriminologischer Theorien für die Praxis sowie dem methodischen Umgang mit unfreiwilligen Klienten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage dieser Arbeit?
Die Autorin zielt darauf ab, den konkreten Handlungsraum der Sozialen Arbeit innerhalb der Straffälligenhilfe zu definieren und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Arbeitsfelder und theoretische Ansätze in der Praxis zusammenwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Seminararbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert, um die verschiedenen Arbeitsfelder und methodischen Ansätze darzustellen.
Was bildet den inhaltlichen Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Aufarbeitung der klassischen Arbeitsfelder (wie z.B. Maßregelvollzug und Jugendgerichtshilfe), eine Diskussion über die Relevanz von Kriminalitätstheorien und eine Analyse der Strategien für die Arbeit im Zwangskontext.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe wie Straffälligenhilfe, Resozialisierung, Zwangskontext, Auftrags- und Rollenerklärung sowie Motivationsförderung fassen den Kern der Publikation zusammen.
Welche Herausforderungen nennt die Autorin für Sozialarbeiter im Maßregelvollzug?
Besonders die Arbeit an der Krankheitseinsicht bei Straftätern, die Zusammenarbeit mit verschiedenen Professionen sowie die eigene psychische Belastbarkeit werden als zentrale Herausforderungen hervorgehoben.
Warum ist die „Auftrags- und Rollenerklärung“ so wichtig für die Arbeit mit unfreiwilligen Klienten?
Sie dient laut der Arbeit dazu, Transparenz bezüglich Pflichten, Rechten und Sanktionen zu schaffen, was eine notwendige Voraussetzung ist, um Vertrauen bei Klienten aufzubauen, die unfreiwillig Maßnahmen unterliegen.
Wie unterscheidet sich die Jugendgerichtshilfe von anderen staatlichen Stellen laut diesem Text?
Die Arbeit definiert die Jugendgerichtshilfe nicht als reine staatliche Jugendfürsorge, sondern als eine notwendige Kooperation der Jugendfürsorge mit dem Staat, um auf strafrechtliche Vergehen flexibel zu reagieren.
- Arbeit zitieren
- Diana Szymanski (Autor:in), 2019, Soziale Arbeit in der Straffälligenhilfe. Arbeitsfelder und Theorien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1157877