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Videoaktivismus am Beispiel der Videoproduktion der Zapatista- Gemeinschaften in Chiapas (Mexiko)

Title: Videoaktivismus am Beispiel der Videoproduktion der Zapatista- Gemeinschaften in Chiapas (Mexiko)

Thesis (M.A.) , 2006 , 124 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: MA Karin de Miguel Wessendorf (Author)

Communications - Movies and Television

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Summary Excerpt Details

Im ersten Teil dieser Arbeit, werde ich der Frage nachgehen, ob der agitatorische Dokumentarfilm und der Videoaktivismus als radikalste Form davon, durch zunehmende Beteiligung der Betroffenen am Herstellungsprozess im Gegensatz zum sozialen Dokumentarfilm einen echten emanzipatorischen Mediengebrauch mit sich bringt. Die These, die ich dabei untersuche, ist, dass der Einsatz des Dokumentarfilms als Medium zur Veränderung der sozialen Wirklichkeit durch drei Aspekte vorangetrieben wird: 1) die Entwicklung einer vereinfachten, billigeren Technik. In diesem Sinne wäre die Videokamera die höchste Stufe der Demokratisierung der Film-Technik. 2) die Einbindung des Filmemachers in eine soziale Bewegung oder politische Gruppierung. 3) die durch die ersten beiden Voraussetzungen ermöglichte zunehmende Beteiligung der Betroffenen am Produktions- und Distributionsprozess. Für die Untersuchung von Videoaktivismus konzentriere ich mich auf zwei historische Momente: die Geburtstunde der politischen Videoarbeit in den Medienzentren und Videoinitiativen der siebziger Jahre und die aktuellen Formen von Videoaktivismus im einundzwanzigsten Jahrhundert, was die Entwicklung der politischen Videoarbeit durch die Digitalisierung veranschaulichen soll. Da die gegenwärtige Bandbreite des Videoaktivismus in diesem Rahmen nicht ausführlich behandelt werden kann, begrenze ich mich auf die Beschreibung der ausgeprägteren Tendenzen und Formen. Um die Aspekte hervorzuheben, die mir in Zusammenhang mit der historischen Entwicklung des agitatorischen Dokumentarfilms relevant erscheinen, bediene ich mich einiger Filmbeispiele aus der globalisierungskritischen Bewegung.
Im zweiten Teil der Arbeit werde ich am Beispiel der Zapatistas, der indigenen, autonomen Gemeinden aus Chiapas im Südosten Mexikos, untersuchen, welche unterschiedlichen Formen und Funktionen Videoaktivismus annimmt. Ziel ist es, am konkreten Fall der Videoarbeit innerhalb einer sozialen Bewegung der Frage nachzugehen, ob Dokumentarfilm ein Medium zur Veränderung der Wirklichkeit sein kann. Die Organisation und Struktur der Zapatista-Gemeinden und die Rolle, die die Videoarbeit als Beispiel der kollektiven Arbeit innerhalb der Zapatista-Bewegung einnimmt, werden im zweiten Teil ausführlich beschrieben. Diese Untersuchung basiert auf meinem sechswöchigen Aufenthalt in Chiapas, meiner Mitarbeit bei der Organisation Promedios und den Interviews, die ich mit den Videomachern aus den zapatistischen Gemeinden geführt habe.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

I. Videoaktivismus und die Tradition des politischen Dokumentarfilms

2. Das Verhältnis zwischen Dokumentarfilm und sozialen Bewegungen

2.1. Die Tradition des sozialen Dokumentarfilms

2.2. Dokumentarfilm als Agitationsmedium

2.2.1. Revolutionärer Film in den zwanziger Jahren: Dziga Vertov und das Kino-Glaz

2.2.2. Militanter Dokumentarfilm in den dreißiger Jahren: The Worker‘s Film and Photo League und Frontier Films

2.2.3. Die 16mm Technik und der dissidente Film in den sechziger Jahren

2.2.3.1. Frankreich: Provokation statt Beobachtung im cinéma vérité

2.2.3.2. Kanada: Der National Film Board. Training von Mohawk- Indianern

2.2.3.3. USA: Der dissidente Film zum Vietnam Krieg

2.2.3.4 Lateinamerika: Kino-Aktion, Kino-Guerrilla und „drittes Kino“

2.3. Technische und ökonomische Aspekte

3. Videoaktivismus

3.1. Die Entdeckung der Videotechnik für die politische Arbeit in den siebziger Jahren

3.2 Die „Camcorder Revolution“

3.3. Das heutige Verständnis von Videoaktivismus

3.4. Typen von Videoaktivismus

3.4.1. Witness-Video: Die Kamera als Schutz vor Menschenrechtsverletzungen

3.4.2. Video als Mittel zur politischen Mobilisierung

3.4.3. Video als Aufklärungsmedium

3.5. Die Bildung einer Gegenöffentlichkeit

II. Die Videoarbeit der Zapatistas

4. Mediennutzung als politische Strategie der Zapatista Bewegung

5. Die Videoarbeit innerhalb der Organisationsstrukturen der Zapatista-Gemeinden

5.1. Organisation und Strukturen

5.2. Vorführung und Vertrieb

5.3. Finanzierung des Projektes

6. Die Videoproduktion der Zapatistas

6.1. Die Kamera als Waffe

6.2. Video als Kommunikationsmedium: Die Vermittlung der eigenen Realität

6.3. Video als Mittel zur politischen Mobilisierung

6.4. Video als kollektives Gedächtnis

6.4.1. Geschichte der Zapatista Bewegung

6.4.2. Erhalt der Traditionen und der indigenen Identität

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Videoaktivismus als emanzipatorisches Medium sozialer Bewegungen, wobei der Fokus auf der Videoproduktion der zapatistischen Gemeinschaften in Chiapas (Mexiko) liegt. Ziel ist es, die Frage zu beantworten, ob der Dokumentarfilm in Form von Videoaktivismus als Medium zur tatsächlichen Veränderung sozialer Wirklichkeit und zur Schaffung einer Gegenöffentlichkeit dienen kann.

  • Historische Entwicklung des politischen Dokumentarfilms und dessen Agitationspotenzial
  • Die technologische Demokratisierung durch tragbare Video- und Camcorder-Technik
  • Die Rolle des Videoaktivismus als Mittel zur politischen Mobilisierung und zum Empowerment
  • Die spezifische Medienarbeit der Zapatista-Bewegung und deren organisatorische Einbindung
  • Bedeutung der kollektiven Produktion und Archivierung für die Identitätsstiftung

Auszug aus dem Buch

2.2.1. Revolutionärer Film in den zwanziger Jahren: Dziga Vertov und das Kino-Glaz

Dziga Vertovs filmisches Schaffen findet überwiegend in einem institutionalisierten Kontext statt. Dennoch weist die in Vertovs theoretischem Werk enthaltene Konzeption über den Film sehr viele Aspekte auf, die relevant für eine Diskussion über die politische Kraft des Mediums sind und auf die sich zukünftige Dokumentarfilmemacher und Videoaktivisten fortlaufend bezogen haben. Der wesentliche Aspekt davon ist, dass Vertov und die jungen sowjetischen Filmemacher zum ersten Mal in der Geschichte des Genres den Dokumentarfilm als Agitationsmedium behandeln und ihm eine zentrale Rolle in der Bildung einer neuen revolutionären Gesellschaft zuweisen. Damit der Dokumentarfilm seine soziale Funktion erfüllen kann, sieht Vertovs Theorie des Kino-glaz eine Demokratisierung der Rezeption und des Produktionsprozesses vor.

Die agitatorische Kraft sieht Vertov in der filmischen Sichtbarmachung der gesellschaftlichen Prozesse, die zur aktiven Erziehung der Massen, zur Indoktrinierung und Politisierung führen sollen. Diese Funktion des Films kann seiner Theorie nach nur vom Dokumentarfilm erfüllt werden, da dieser durch das Aufnehmen, Sortieren und Verbreiten von Fakten auf das Bewußtsein der Zuschauer wirkt, ihnen die Augen öffnet und das Sehen aufklart. Spielfilme, dagegen, wirken vor allem auf das Unterbewußtsein des Zuschauers und umgehen auf jegliche Weise sein protestierendes Bewußtsein. Der Spielfilm verhindert die Analyse der revolutionären Gesellschaft und ist daher ein Überrest der vorrevolutionären Welt.

Die gesellschaftliche Aufgabe des sowjetischen Films besteht demzufolge im Dokumentieren der revolutionären Realität als Mittel zur Politisierung. In der ersten Phase seiner Arbeit, während der ersten Jahre der Revolution, ist Vertov zuständig für die Montage der Wochenschau Kino-Nedelia (ab 1918). In dieser Zeit wird der Dokumentarfilm als Mittel zur Steigerung der Aufmerksamkeit entwickelt und eingesetzt. In „Agit-Züge“ und „Agit-Bote“ werden Kameramänner durch das ganze Territorium der Sowjetunion geschickt, mit der Aufgabe, Bilder von der Kriegsfront zurückzubringen; Wochenschau-Material aus dem ganzen Land, das später von Vertov montiert und mit denselben Agit-Zügen und Agit-Boten bis in die entferntesten Gegenden geschickt und vorgeführt wird, damit Bauern und Soldaten fortwährend ein Panorama der Kämpfe im Land zu sehen bekommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung definiert Videoaktivismus als unabhängige Nutzung von Dokumentarfilm durch soziale Bewegungen und stellt die Forschungsfrage nach seinem emanzipatorischen Potenzial.

2. Das Verhältnis zwischen Dokumentarfilm und sozialen Bewegungen: Das Kapitel beleuchtet die Tradition des politischen Dokumentarfilms und unterscheidet zwischen dem sozialen Dokumentarfilm und agitatorischen Ansätzen.

3. Videoaktivismus: Es wird die technologische Entwicklung von den siebziger Jahren bis zur Camcorder Revolution analysiert, die eine Demokratisierung der Medienproduktion ermöglichte.

4. Mediennutzung als politische Strategie der Zapatista Bewegung: Dieser Abschnitt ordnet den zapatistischen Aufstand in den Kontext der globalen Vernetzung und Medienstrategie ein.

5. Die Videoarbeit innerhalb der Organisationsstrukturen der Zapatista-Gemeinden: Das Kapitel beschreibt die praktische Arbeit, Ausbildung und kollektive Struktur der Videoproduktion in den zapatistischen Gebieten.

6. Die Videoproduktion der Zapatistas: Hier werden die spezifischen Funktionen der Videoarbeit – als Waffe, Kommunikationsmittel, Mobilisierungsinstrument und Mittel zum Erhalt des kollektiven Gedächtnisses – detailliert untersucht.

III. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Videoaktivismus ein hohes emanzipatorisches Potenzial besitzt, sofern die Akteure die Produktion und Rezeption selbst bestimmen.

Schlüsselwörter

Videoaktivismus, Dokumentarfilm, Zapatistas, EZLN, Medienstrategie, Gegenöffentlichkeit, Politisierung, Camcorder Revolution, soziale Bewegungen, Medienzentren, Agitationsmedium, Partizipation, Empowerment, indigene Identität, politische Mobilisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung und die aktuelle Praxis des Videoaktivismus als Medium sozialer Bewegungen, mit besonderem Augenmerk auf die zapatistischen Gemeinden in Chiapas.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Rolle von Dokumentarfilmen in politischen Kämpfen, die technische Demokratisierung durch Videotechnik sowie der Aufbau alternativer Informations- und Distributionskanäle.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Untersuchung, ob und inwieweit Dokumentarfilm durch Videoaktivismus ein Instrument zur sozialen Veränderung und zur Stärkung der Autonomie innerhalb politischer Bewegungen sein kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Kombination aus theoretischer Aufarbeitung der Filmgeschichte (agitationsorientierter Dokumentarfilm) und einer empirischen Untersuchung, die auf einem sechswöchigen Aufenthalt in Chiapas und Interviews mit zapatistischen Videomachern basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden sowohl die historischen Vorläufer des Videoaktivismus (z.B. Vertov, Worker's Film and Photo League) als auch die zeitgenössische Videoarbeit der Zapatistas detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben dem zentralen Begriff Videoaktivismus stehen Begriffe wie Gegenöffentlichkeit, Medienkompetenz, zapatistische Autonomie und politische Partizipation im Mittelpunkt.

Welche Bedeutung haben die "Caracoles" für die Videoarbeit?

Die Caracoles fungieren als Zentren der zapatistischen Verwaltung und beherbergen die Medienzentren, die für die Produktion und Verteilung der Filme entscheidend sind.

Warum nutzen die Zapatistas das Video auch als Mittel zur Archivierung?

Da ihre Kultur stark auf mündlicher Überlieferung basiert, dient das Video der Aufbewahrung ihrer politischen Geschichte und dem Erhalt der indigenen Identität für zukünftige Generationen.

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Details

Title
Videoaktivismus am Beispiel der Videoproduktion der Zapatista- Gemeinschaften in Chiapas (Mexiko)
College
University of Cologne  (Institut für Theater- Film- und Fernsehwissenschaften)
Grade
1,3
Author
MA Karin de Miguel Wessendorf (Author)
Publication Year
2006
Pages
124
Catalog Number
V115517
ISBN (eBook)
9783640234776
Language
German
Tags
Videoaktivismus Beispiel Videoproduktion Zapatista- Gemeinschaften Chiapas Zapatistas politischer Dokumentarfilm Kommunikationsguerrilla soziale Bewegung Medien politische dokumentarfilm dokumentarfilmgeschichte dokumentarfilm
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MA Karin de Miguel Wessendorf (Author), 2006, Videoaktivismus am Beispiel der Videoproduktion der Zapatista- Gemeinschaften in Chiapas (Mexiko), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/115517
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