Diese Arbeit möchte die jeweiligen Naturrechtstheorien nachzeichnen, ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausarbeiten und einen Lösungsansatz auf die Frage geben, warum Hobbes und Pufendorf trotz unterschiedlicher Prämissen dieselbe Staatsform bevorzugten.
Die Naturrechtstheoretiker der Frühen Neuzeit orientierten sich an den modernen Naturwissenschaften, um Gesetzmäßigkeiten aufzustellen, anhand derer Sie bestehendes positives Recht messen wollten. Ihre theoretischen Konstruktionen eines vorgesellschaftlichen Zustands, den sie aus ihren anthropologischen Bestimmungen abzuleiten versuchten, unterschieden sich teilweise frappant. Offenbar wird diese allgemeine Tendenz an den Philosophen Thomas Hobbes und Samuel Pufendorf. Doch so unterschiedlich ihr Menschenbild und der jeweilige erdachte Naturzustand auch war, beide tendierten realpolitisch zu ganz ähnlichen Staatskonzeptionen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Frühneuzeitliches Naturrecht
1.1 Thomas Hobbes und der sterbliche Gott
1.2 Pufendorfs Naturrechtstheorie
2 Hobbes und Pufendorf im Vergleich
3 Fazit
4 Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1 Quellenverzeichnis
4.2 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Naturrechtstheorien von Thomas Hobbes und Samuel Pufendorf vergleichend gegenüberzustellen, um zu ergründen, warum beide Denker trotz unterschiedlicher anthropologischer Ausgangsannahmen und Menschenbilder zu realpolitisch ähnlichen Konzepten eines absolutistischen Staates gelangten.
- Philosophischer Überblick über das Naturrecht der Frühen Neuzeit
- Analyse des Menschenbildes und Naturzustands bei Hobbes und Pufendorf
- Kritische Auseinandersetzung mit der Bloch’schen Interpretation von Hobbes
- Vergleich der staatsrechtlichen Konsequenzen beider Theorien
- Untersuchung der Rolle von Sicherheit und Ordnung als Staatszweck
Auszug aus dem Buch
1.1 Thomas Hobbes und der sterbliche Gott
Einer der wichtigsten modernen Naturrechtstheoretiker war der 1588 in Westport, England geborene Thomas Hobbes. Er studierte etwa ab dem 15. Lebensjahr an der Universität Oxford und genoss eine puritanische Erziehung. Ab 1607 hielt er Vorlesungen über die Logik und wurde dann Hauslehrer des Barons Cavendish of Hardwicke. Gemeinsam mit dem Herzogssohn reiste Hobbes drei Jahre durch Europa und blieb nach der Rückkehr nach England Privatsekretär der Familie Cavendish. Durch seine Verbindung mit der Familie Cavendish konnte er Bekanntschaft mit führenden Persönlichkeiten Englands schließen. In seinen mittleren Lebensjahren verstrickte sich Hobbes in die politischen Auseinandersetzungen zwischen Parlament und König. In diesem Zeitraum fand er jedoch auch sein zentrales wissenschaftliches Thema, nämlich „Moral und Politik, das Verhältnis von Staat und geistlicher Gewalt, das Handeln des Staatsmannes und die Gesetzmäßigkeiten des öffentlichen Lebens“.
Da Hobbes sich 1640 für die Souveränität des Königs und gegen das Parlament aussprach, fürchtete er die Rache des Langen Parlaments und floh nach Paris. In Paris, das damals eine Hochburg der Wissenschaft und Kunst war, lebte Hobbes elf Jahre. Im Jahre 1642 veröffentlichte er in kleiner Auflage seine Schrift De Cive und verfolgte gleichzeitig aufmerksam die Ereignisse in England. Die Hinrichtung König Karls I. im Jahr 1649 bewog Hobbes, seine Rückkehr nach England vorzubereiten. Zu dieser Zeit entstand sein Werk Leviathan, das 1651 erschien. Da er von einem äußerst pessimistischen Menschenbild ausgeht, gilt Hobbes als radikalster Vertreter des neueren Naturrechts: Demnach sei der menschliche Charakter durch Konkurrenz, Misstrauen, Neid und Ruhmsucht geprägt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung der frühneuzeitlichen Naturrechtsdiskussion und legt die Forschungsfrage dar, wie unterschiedliche anthropologische Prämissen zu ähnlichen Staatskonzeptionen führen konnten.
1 Frühneuzeitliches Naturrecht: Dieses Kapitel gibt einen systematischen Überblick über die Entwicklung des Naturrechts im 17. Jahrhundert, geprägt durch die wissenschaftliche Revolution und die Säkularisierung politischer Denkansätze.
1.1 Thomas Hobbes und der sterbliche Gott: Der Abschnitt beleuchtet die Biografie von Thomas Hobbes und analysiert sein pessimistisches Menschenbild sowie die daraus abgeleitete Notwendigkeit eines absoluten Souveräns.
1.2 Pufendorfs Naturrechtstheorie: Hier wird Pufendorfs Werdegang und sein systematischer Ansatz skizziert, der das Naturrecht als eine wissenschaftlich begründete Methode zur Sicherung der menschlichen Gesellschaft versteht.
2 Hobbes und Pufendorf im Vergleich: Dieses Kapitel führt die beiden theoretischen Positionen zusammen, arbeitet Gemeinsamkeiten sowie Differenzen heraus und reflektiert insbesondere die Kritik von Ernst Bloch an der Interpretation von Hobbes.
3 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass trotz divergierender Menschenbilder beide Autoren die Notwendigkeit eines staatlichen Gewaltmonopols zur Sicherung von Ordnung und Freiheit betonen.
4 Quellen- und Literaturverzeichnis: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Primärquellen und die weiterführende Sekundärliteratur auf.
4.1 Quellenverzeichnis: Auflistung der primär verwendeten Werke von Hobbes und Pufendorf.
4.2 Literaturverzeichnis: Zusammenstellung der wissenschaftlichen Sekundärliteratur zur Einordnung der behandelten Theorien.
Schlüsselwörter
Naturrecht, Frühe Neuzeit, Thomas Hobbes, Samuel Pufendorf, Leviathan, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Absolutismus, Selbsterhaltung, Souveränität, Staatsbildung, Ernst Bloch, Politische Theorie, Rechtsphilosophie, Kriegszustand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Naturrechtstheorien von Thomas Hobbes und Samuel Pufendorf im Kontext der Frühen Neuzeit und analysiert deren Einfluss auf die politische Staatsbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Begriffe der menschlichen Natur, der Naturzustand, die Funktion des Gesellschaftsvertrags sowie die Rechtfertigung absoluter staatlicher Herrschaft.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit fragt danach, warum Hobbes und Pufendorf trotz ihrer unterschiedlichen Menschenbilder und theoretischen Ausgangslagen realpolitisch zu sehr ähnlichen Staatskonzepten gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Der Autor nutzt einen vergleichenden methodischen Ansatz, der die Theorien anhand von Originaltexten und unter Einbeziehung prominenter Forschungskritik, wie etwa von Ernst Bloch, gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische und theoretische Einführung zu beiden Philosophen sowie einen dezidierten Vergleichsteil, in dem die Unterschiede in ihren Auffassungen zum Naturzustand und Widerstandsrecht diskutiert werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Naturrecht, Absolutismus, Souveränität, Selbsterhaltung, Gesellschaftsvertrag und das Menschenbild.
Warum spielt die Kritik von Ernst Bloch eine so große Rolle im Vergleich der Autoren?
Ernst Blochs Werk "Naturrecht und menschliche Würde" dient als exemplarische Referenz, um gängige Vorurteile über Hobbes zu hinterfragen und die Rezeption seines Denkens kritisch zu beleuchten.
Wie unterscheidet sich der Naturzustand bei Hobbes von dem bei Pufendorf?
Während Hobbes den Naturzustand als einen unvermeidlichen "Krieg aller gegen alle" definiert, betrachtet Pufendorf ihn als eine zwar brüchige, aber dennoch friedensorientierte Ordnung, die aufgrund menschlicher Schwäche nach gesellschaftlicher Organisation verlangt.
Welche Rolle spielt die Selbsterhaltung in der Argumentation von Hobbes und Pufendorf?
Beide sehen die Selbsterhaltung als oberstes Prinzip, ziehen daraus jedoch unterschiedliche Konsequenzen hinsichtlich der Legitimation staatlicher Gewalt und der Befugnisse des Souveräns.
- Arbeit zitieren
- Andreas Raissle (Autor:in), 2021, Menschliche Natur und Naturzustand bei Hobbes und Pufendorf, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1153445