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Die Schuldfrage in Max Frischs "Andorra" und Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür"

Titel: Die Schuldfrage in Max Frischs "Andorra" und Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 15 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Irena Kröber (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In der vorliegenden Arbeit wird besonderes Augenmerk auf den Verlauf des Schicksals der Helden gelegt. Es soll aufgeklärt werden, ob die Schuld - wie es auf den ersten Blick scheint - allein der Gesellschaft zuzuweisen ist, oder ob die Helden in gewissem Maße eine Mitschuld an ihrem Untergang tragen.
Zunächst soll in Kapitel 2 die Entwicklung der Helden beschrieben werden, um festzustellen, welche äußeren Einflüsse ihre Identität, entsprechend ihr Verhalten, beeinflussen. Unter dem folgenden dritten Kapitel werden die Schuldzuweisungen, wie sie in den Dramen auftauchen, näher betrachtet. Kapitel 4 erörtert unter Berücksichtigung der vorhergehenden Kapitel die Frage nach der Schuld der Helden selbst. Abschließend werden Schuldzuweisungen, -abweisungen und –zugeständnisse in Bezug gebracht, gegeneinander abgewogen und auf ihre Relevanz für das Schicksal der Helden geprüft.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung der Helden

2.1 Andri

2.2 Beckmann

3. Schuldzuweisungen

3.1 Präsentationsformen

3.2 Die andorranische Strategie

3.3 „Wir“ und „Sie“ oder der „Allround-Enttäuschte“

4. Die Schuld der Helden

4.1 Andri

4.2 Beckmann

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Verarbeitung der Schuldfrage in den Nachkriegsdramen „Andorra“ von Max Frisch und „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert, mit dem Ziel zu klären, ob die Schuld am Untergang der Protagonisten primär der Gesellschaft zuzuweisen ist oder ob die Helden eine eigene Mitschuld tragen.

  • Analyse der Heldenentwicklung unter dem Einfluss äußerer Gegebenheiten.
  • Untersuchung von Präsentationsformen der Schuldzuweisung in den Dramen.
  • Kontrastierung von kollektiven Strategien der Schuldabweisung vs. individueller Schulderkenntnis.
  • Evaluation der psychischen und situativen Faktoren für das Scheitern der Protagonisten.
  • Kritische Gegenüberstellung von Opferrolle und eigener Handlungsverantwortung.

Auszug aus dem Buch

2.1 Andri

Vorweg sei anzumerken, dass Frisch den Protagonisten des Dramas als „Durchschnittsmenschen“ konzipiert hat, der sich in seinem gesamten Wesen nicht von anderen Andorranern seines Alters abhebt oder unterscheidet (vgl. Meurer, S. 43). Seine Isolation ergibt sich vielmehr aus der von Vorurteilen bedingten Ausgrenzung durch die andorranische Gesellschaft. Meurer spricht vom „Fixierungsprozeß Andris“ (Meurer, S. 75).

Im ersten Bild, der Exposition, begegnet Andri dem Soldaten Peider und dem Tischler, deren Verhalten die feindliche Stimmung der Andorraner gegen Andri repräsentiert. Entgegen aller Vorurteile zeigt Andri anfangs, dass er nicht anders sein will, indem er zum Beispiel am Fußballspiel teilnehmen möchte (30). Auch die ihm nachgesagte Geldgier bestätigt er nicht, da er stetig sein Trinkgeld ins Orchestrion wirft (8, 12, 72, 96, 101). Die Andorraner unterstellen ihm Geilheit und Gemütslosigkeit, obwohl sich seine Liebe zu Barblin eher in Innigkeit und Keuschheit äußert. Ebenso wenig ist er ehrgeizig - zumal man dies überhaupt als negative Eigenschaft bezeichnen mag - er möchte nur gern ein schlichtes Handwerk lernen. (vgl. Eckart, 58)

Meurer bezeichnet Andris Werdegang als eine Passion in acht Stationen, die sich nicht ganz mit den szenischen „Bildern“ decken (vgl. Meurer, S. 44).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die literarische Schuldfrage der Nachkriegsliteratur und Vorstellung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Mitverantwortung der Helden an ihrem Schicksal.

2. Die Entwicklung der Helden: Beschreibung der biographischen und situativen Prägung von Andri und Beckmann durch ihre jeweilige soziale Umwelt.

3. Schuldzuweisungen: Analyse der narrativen und dramaturgischen Mittel, mit denen Schuld in den Werken artikuliert, abgewiesen oder zugestanden wird.

4. Die Schuld der Helden: Untersuchung des individuellen Anteils der Protagonisten an ihrem tragischen Ende unter Berücksichtigung psychologischer Faktoren.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, die den Fokus auf die Wechselwirkung zwischen gesellschaftlicher Projektion und persönlichem Handlungsspielraum legt.

Schlüsselwörter

Andorra, Draußen vor der Tür, Schuldfrage, Nachkriegsliteratur, Max Frisch, Wolfgang Borchert, Andri, Beckmann, Schuldzuweisung, Gesellschaftskritik, Identitätsfindung, Isolation, Sündenbock, Kollektivschuld, Heimkehrer.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die moralische Dimension des Scheiterns der Hauptfiguren in zwei zentralen Dramen der deutschen Nachkriegsliteratur.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Begriffe Schuld und Mitschuld, der Einfluss gesellschaftlicher Vorurteile sowie die Isolation des Einzelnen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll geklärt werden, ob die Protagonisten Andri und Beckmann ausschließlich als Opfer gesellschaftlicher Umstände zu sehen sind oder ob sie eine aktive Mitschuld an ihrem Untergang tragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Analyse erfolgt durch eine literaturwissenschaftliche Interpretation der Dramen unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zu den jeweiligen Werken.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Heldenentwicklung, die Analyse der Schuldzuweisungs-Strategien und eine kritische Erörterung der individuellen Schuld der Helden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Schuldfrage, Andorranische Gesellschaft, Heimkehrertrauma, Identitätsverlust und gesellschaftliche Isolation.

Wie unterscheidet sich die Schulderkenntnis bei Andri und Beckmann?

Während Andri sich zunehmend in eine vorgegebene Sündenbockrolle drängen lässt, sucht Beckmann aktiv nach Verantwortlichen, um seine eigene Schuld zu entlasten, scheitert jedoch an der gesellschaftlichen Ignoranz.

Welche Rolle spielt die „andorranische Strategie“?

Sie beschreibt ein kollektives Verhaltensmuster der Gesellschaft, bei dem das Opfer für seine Ausgrenzung selbst verantwortlich gemacht wird, um das eigene Gewissen zu entlasten.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Schuldfrage in Max Frischs "Andorra" und Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür"
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Veranstaltung
Deutsche Dramen nach 1945
Note
2,0
Autor
Irena Kröber (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V115143
ISBN (eBook)
9783640165889
ISBN (Buch)
9783640166237
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schuldfrage Frischs Andorra Wolfgang Borcherts Draußen Deutsche Dramen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Irena Kröber (Autor:in), 2007, Die Schuldfrage in Max Frischs "Andorra" und Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/115143
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Leseprobe aus  15  Seiten
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