Wie hängen Kriminalitätsentwicklungen und subjektives Sicherheitsempfinden zusammen? Das Ziel der Arbeit ist es, im Folgenden verschiedene Erklärungsansätze und Theorien bezüglich des (Un-)Sicherheitsempfindens der deutschen Bevölkerung aufzuzeigen, zu gewichten und kritisch aufzuarbeiten. Dabei werden empirische Forschungen und Statistiken eingebunden. Zu Beginn sollen die zentralen Begriffe Kriminalität und subjektives Sicherheitsempfinden erläutert werden. Hierbei werden die aktuellen Kriminalitätsentwicklungen skizziert. Weiterhin wird die Abgrenzung zu objektiver Sicherheit vorgenommen sowie auf die Mehrdimensionalität der subjektiven Sicherheit eingegangen.
Den Kern der Arbeit bildet die Vorstellung drei zentraler Forschungsperspektiven zur Beantwortung der Forschungsfrage sowie eine kritische Auseinandersetzung mit diesen. Abschließend soll die Arbeit mit einer kurzen Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und einem Ausblick auf mögliche weitere Forschungsansätze beendet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Begriffe
2.1 Kriminalität
2.2 Subjektives Sicherheitsempfinden
3 Sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze zum (Un-)Sicherheitsempfinden
3.1 Mikro-Ebene
3.1.1 Viktimisierungstheorie
3.1.2 Vulnerabilitätshypothese
3.2 Meso-Ebene
3.2.1 Theorie der sozialen Desorganisation
3.2.2 Modell der sozialen Integration
3.3 Makro-Ebene
3.3.1 Generalisierungsthese
3.3.2 Die Bedeutung der Medien
3.4 Interaktives Verständnismodell
3.5 weitere Modelle und Theorien
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen tatsächlichen Kriminalitätsentwicklungen und dem subjektiven Sicherheitsempfinden (Kriminalitätsfurcht) der Bevölkerung. Dabei steht die zentrale Frage im Fokus, warum trotz zum Teil sinkender objektiver Kriminalitätsraten eine subjektive Unsicherheit in der Gesellschaft besteht und durch welche theoretischen Perspektiven sich dieses Phänomen erklären lässt.
- Kriminalitätsfurcht als soziales Phänomen
- Empirische Einordnung von objektiver und subjektiver Sicherheit
- Sozialwissenschaftliche Erklärungsmodelle auf Mikro-, Meso- und Makro-Ebene
- Kritische Analyse des Kriminalitätsfurcht-Paradoxons
- Einfluss von Medienberichterstattung und sozialer Integration
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Viktimisierungstheorie
Die Viktimisierungstheorie geht davon aus, dass subjektives Unsicherheitsempfinden mit persönlichen Kriminalitätserfahrungen zusammenhängt. Dabei wird differenziert zwischen eigenen Erfahrungen (direkter Viktimisierung) und Erfahrungen von Menschen aus dem persönlichen Umfeld und den Medien (indirekte Viktimisierung). Dieser Ansatz wurde mehrfach seit den 1960er Jahren untersucht (z. B. Boers,1991; Boers, 1993) (Bals,2004).
Dabei entstanden unterschiedliche Ergebnisse, was zu Kritik an der Theorie führte. Einerseits wurde bei Menschen, die Opfer schwerer Straftaten, wie beispielsweise extreme Körperverletzung, eine sehr ausgeprägte Kriminalitätsfurcht festgestellt (BMI/BMJ, 2006). Andererseits zeigten sich bei zahlreichen Studien, dass es auf der Ebene der affektiven Dimension kaum signifikante Unterschiede zwischen Betroffenen und Nicht-Betroffenen einer Straftat gibt (Boers, 1991; BMI/BMJ, 2006).
Gründe dafür könnten nach Reuband (2008) in der methodischen Umsetzung liegen. So ist es wichtig, ob man nach einer Viktimisierung in der letzten Woche oder in den letzten zehn Jahren fragt. Denn je länger das Ereignis zurückliegt, desto geringer könnten die emotionalen Folgen oder der Einfluss auf das Unsicherheitsgefühl und das daraus resultierende Verhalten sein. Weiterhin können verschiedene Faktoren unbedacht bleiben, wie der Bildungsstand, das Alter einer Person, die Schwere des Deliktes oder die persönlichen Coping-Fähigkeiten eines Menschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hier wird die Relevanz des Themas Sicherheit als zentraler Wert einer Demokratie dargelegt und die Forschungsfrage zur Beziehung zwischen Kriminalitätsentwicklung und subjektiver Kriminalitätsfurcht formuliert.
2 Die Begriffe: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Konzepte Kriminalität und subjektives Sicherheitsempfinden sowie deren Dimensionen (kognitiv, affektiv, konativ) und grenzt objektive von subjektiver Sicherheit ab.
3 Sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze zum (Un-)Sicherheitsempfinden: Dieses Kernkapitel strukturiert verschiedene theoretische Modelle zur Entstehung von Kriminalitätsfurcht in drei Ebenen: das Individuum (Mikro), das soziale Umfeld (Meso) und die gesellschaftliche Ebene (Makro).
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass kein direkter Zusammenhang zwischen objektiver Kriminalität und subjektiver Furcht besteht und betont die Komplexität des Phänomens, das ein Zusammenspiel verschiedener Ebenen erfordert.
Schlüsselwörter
Kriminalitätsfurcht, Subjektives Sicherheitsempfinden, Viktimisierungstheorie, Vulnerabilitätshypothese, Soziale Desorganisation, Broken-Windows-Ansatz, Soziale Integration, Generalisierungsthese, Medienwirkungsforschung, Kriminalitätsfurcht-Paradoxon, Coping-Prozesse, Interaktives Verständnismodell, Kriminalitätsstatistik, Sicherheitsempfinden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die sozialwissenschaftliche Analyse des subjektiven Sicherheitsempfindens, oft als Kriminalitätsfurcht bezeichnet, und untersucht deren Ursachen und Dynamiken.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von objektiver und subjektiver Sicherheit, die Rolle persönlicher Viktimisierung, die Bedeutung des sozialen Umfelds sowie die mediale Vermittlung von Kriminalität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, verschiedene theoretische Erklärungsansätze zur Entstehung von Kriminalitätsfurcht aufzuzeigen, kritisch zu bewerten und zu gewichten, um die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang mit der Kriminalitätsentwicklung zu beantworten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer Sekundäranalyse existierender Studien und Statistiken, wie etwa dem Deutschen Viktimisierungssurvey (DVS).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert die Erklärungsmodelle in drei Ebenen: die Mikro-Ebene (Individuum), die Meso-Ebene (soziales Umfeld/Nachbarschaft) und die Makro-Ebene (Gesellschaft/Medien).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem das Kriminalitätsfurcht-Paradoxon, soziale Kohäsion, collective efficacy sowie verschiedene Coping-Strategien bei Gefahr.
Was besagt das Kriminalitätsfurcht-Paradoxon?
Es beschreibt das Phänomen, dass Personengruppen, die objektiv seltener Opfer von Straftaten werden – wie Senioren oder Frauen –, dennoch ein stärkeres subjektives Unsicherheitsempfinden angeben.
Welchen Einfluss haben Medien auf die Kriminalitätsfurcht?
Medien beeinflussen das Sicherheitsempfinden indirekt durch die Art der Berichterstattung. Insbesondere die überproportionale Darstellung von Gewalttaten kann Ängste verstärken, wobei die Wirkung je nach individuellem Hintergrund variiert.
Warum ist eine Unterscheidung zwischen personaler und sozialer Kriminalitätsfurcht wichtig?
Die Unterscheidung hilft dabei, zwischen persönlichen Sorgen, Opfer zu werden (personale Furcht), und der allgemeinen Einschätzung der Gesellschaft hinsichtlich Kriminalität als soziales Problem (soziale Furcht) zu differenzieren.
Welche Rolle spielt die soziale Integration nach den Modellen der Arbeit?
Eine stärkere soziale Integration sowie ein hohes Vertrauen in die Nachbarschaft können laut den untersuchten Modellen dazu beitragen, die Kriminalitätsfurcht durch informelle soziale Kontrolle zu reduzieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Die Furcht vor Kriminalität. Wie hängen Kriminalitätsentwicklungen und subjektives Sicherheitsempfinden zusammen?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1151114