Diese Hausarbeit soll sich mit der Frage auseinandersetzen, warum die Bildungsbenachteiligung für Kinder und Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland so ausgeprägt ist und erläutern, wie die interkulturelle Pädagogik als Teildisziplin der Erziehungswissenschaft versucht, dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken. In Kapitel 1 der Hausarbeit wird die interkulturelle Pädagogik auf ihre akademische Identität hin untersucht, das heißt auf ihren Ursprung und ihre Entwicklung. Zusätzlich werden Aufgabenbereiche und Zielsetzungen der interkulturellen Pädagogik sowie Prinzipien und Wertvorstellungen genauer in den Blick genommen. Im zweiten Kapitel wird der Begriff der Bildungsbenachteiligung definiert, da dieser für die interkulturelle Pädagogik von fundamentaler Bedeutung ist. Zudem werden Ursachen und Risikofaktoren für Bildungsbenachteiligung benannt.
In Kapitel 3 werden Ursachen für Bildungsbenachteiligung bei Kindern mit einem Migrationshintergrund und die Rolle, die interkulturelle Pädagogik bei der Verbesserung ihrer Chancen einnimmt, untersucht. Kapitel 4 befasst sich mit dem Begriff „Diskriminierung“, bevor in Kapitel 5 der Begriff der „institutionellen Diskriminierung“ definiert und erläutert wird. Im Zuge der Relevanz für das Thema der Hausarbeit wird der Begriff der „institutionellen Diskriminierung“ daraufhin in noch einmal in „direkte institutionelle Diskriminierung“ und „indirekte institutionelle Diskriminierung“ aufgespalten. Kapitel 6 beschäftigt sich Rassismus im Hinblick auf institutionelle Diskriminierung, wobei hier die Zusammenhänge zwischen den beiden Begriffen näher beleuchtet werden.
Daraufhin wird in Kapitel 7 der speziellen Fokus der interkulturellen Pädagogik auf Bildungsbenachteiligung untersucht, wobei es hier vor allem darum geht, wie diese Fokussierung entstanden ist und sich weiterentwickelt hat. Ab dem 8. Kapitel stehen Pierre Bourdieu und seine Theorie der Kapitalsorten im Vordergrund. Dabei geht es um die Entstehung seiner Theorie, die Reproduktion der Sozialstruktur sowie die einzelnen Kapitalsorten. Das neunte Kapitel liefert eine Erklärung darüber, inwiefern das kulturelle Kapital die Reproduktion der Sozialstruktur beeinflusst, bevor die Hausarbeit schließlich mit einem abschließenden Resümee endet, indem noch einmal der Fokus auf Bildungsbenachteiligung als Element der interkulturellen Pädagogik liegt und eine weiterführende Fragestellung entwickelt wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Interkulturelle Pädagogik und ihre akademische Identität
2. Bildungsbenachteiligung
3. Gründe und Ursachen für die Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund (und die Rolle der interkulturellen Pädagogik)
4. Diskriminierung
4.1 Institutionelle Diskriminierung
4.2 Direkte institutionelle Diskriminierung
4.3 Indirekte institutionelle Diskriminierung
5. Rassismus und institutionelle Diskriminierung
6. Interkulturelle Pädagogik und ihr Fokus auf Bildungsbenachteiligung
7. Die Kapitalsorten nach Pierre Bourdieu
7.1 Das kulturelle Kapital und die Reproduktion der Sozialstruktur
8. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Ursachen der ausgeprägten Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland und analysiert, wie die interkulturelle Pädagogik als Teildisziplin der Erziehungswissenschaft dieser Entwicklung entgegenwirken kann.
- Akademische Identität und Entwicklung der interkulturellen Pädagogik
- Einfluss von sozioökonomischen Faktoren und Migrationsstatus auf den Bildungserfolg
- Mechanismen der institutionellen Diskriminierung und Rassismus im Bildungssystem
- Theoretische Fundierung durch Bourdieus Theorie der Kapitalsorten zur Erklärung sozialer Ungleichheit
Auszug aus dem Buch
4.1 Institutionelle Diskriminierung
Wie der Begriff bereits suggeriert, versteht man unter institutioneller Diskriminierung solche diskriminierenden Handlungen, die ihren Ursprung nicht in individuellen Einstellungen, sondern in gesellschaftlichen und institutionellen Strukturen haben. Institutionelle Diskriminierung ist häufig schwerer erkennbar, jedoch höchst folgenreich; denn sie führt dazu, dass sich diskriminierende Strukturen in öffentlichen Institutionen (Schulen, Betrieben, Behörden), verfestigen (vgl. Scherr, Diskriminierung, S.25). Die Ursachen für institutionelle Diskriminierung sieht Mechthild Gomolla im „(…) organisatorischen Handeln im Netzwerk zentraler gesellschaftlicher Institutionen (z.B. Bildungs- und Ausbildungssektor, Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen und Polizei)“ (Gomolla 2005, S.57). Ein Großteil der Gelegenheiten zur Diskriminierung von Personen anderer Kulturen und Nationalitäten entstehen also „(…) in formalen Rechten und in den „normalen“ organisatorischen Strukturen, Programmen und Routinen in den Basisinstitutionen des gesellschaftlichen Lebens (z.B. im Bildungsbereich, im Beschäftigungssystem und auf dem Wohnungsmarkt)“ (vgl. ebd.). Obwohl die entsprechenden Institutionen ihre Regeln, Routinen und Handlungsabläufe meist lediglich im Hinblick auf ihre eigenen Ziele festlegen, kommt es bei genauerem Hinsehen häufig zu Diskriminierungen und Ungleichbehandlungen (vgl. Gomolla/Radtke 2009, S.18). Während im Berufsalltag beispielsweise besonders häufig Frauen und/oder Alleinerziehende unter institutioneller Diskriminierung leiden, möchte ich in dieser Hausarbeit den Fokus vor allem auf die Diskriminierung von Kindern mit Migrationshintergrund durch die Institution Schule richten, um später auch den Einfluss der interkulturellen Pädagogik auf diese zu untersuchen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt über ein Fallbeispiel aus einer Dokumentation in die Thematik der Bildungsbenachteiligung ein und legt den Aufbau sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.
1. Interkulturelle Pädagogik und ihre akademische Identität: Dieses Kapitel erläutert den Ursprung, die Zielsetzungen und die Aufgabenbereiche der interkulturellen Pädagogik als erziehungswissenschaftliche Teildisziplin.
2. Bildungsbenachteiligung: Hier wird der Begriff der Bildungsbenachteiligung definiert und der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft bzw. Migrationsstatus und Bildungserfolg aufgezeigt.
3. Gründe und Ursachen für die Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund (und die Rolle der interkulturellen Pädagogik): Das Kapitel untersucht spezifische Risikofaktoren wie die Sprachbeherrschung der Eltern und die Rolle des sozialen Umfelds für den Schulerfolg.
4. Diskriminierung: Der Begriff Diskriminierung wird allgemein definiert, wobei ein besonderer Fokus auf die institutionellen Ausprägungen gelegt wird.
5. Rassismus und institutionelle Diskriminierung: Dieses Kapitel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen strukturellem Rassismus und institutioneller Diskriminierung sowie deren wechselseitige Verstärkung.
6. Interkulturelle Pädagogik und ihr Fokus auf Bildungsbenachteiligung: Hier wird der Wandel der interkulturellen Pädagogik hin zu einer stärkeren Berücksichtigung institutioneller Faktoren analysiert.
7. Die Kapitalsorten nach Pierre Bourdieu: Bourdieu wird als Theoretiker eingeführt und seine Theorie der Kapitalsorten (ökonomisches, kulturelles, soziales Kapital) wird detailliert dargestellt.
8. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und formuliert eine weiterführende Fragestellung für zukünftige empirische Forschung.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Pädagogik, Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Institutionelle Diskriminierung, Soziale Herkunft, Pierre Bourdieu, Kulturelles Kapital, Soziale Ungleichheit, Bildungssystem, Rassismus, Chancengleichheit, Bildungssoziologie, Integration, Habitus, Reproduktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der ausgeprägten Bildungsbenachteiligung von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland und analysiert, wie die interkulturelle Pädagogik auf dieses Problem reagiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf Bildungsungleichheit, institutioneller Diskriminierung, Rassismustheorien und der theoretischen Perspektive von Pierre Bourdieu zur Reproduktion von Sozialstrukturen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Ursachen der Bildungsbenachteiligung zu ergründen und zu erläutern, wie die interkulturelle Pädagogik versucht, durch gezielte Ansätze Chancengleichheit zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und theoretischen Reflexion. Für weiterführende Forschung schlägt die Autorin eine methodische Kombination aus quantitativen Fragebögen und qualitativen Interviews vor.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Einführung, eine Ursachenanalyse für Bildungsbenachteiligung, eine tiefgehende Diskussion über Diskriminierungsmechanismen und die Anwendung der Bourdieuschen Kapitalsorten auf den Bildungserfolg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Interkulturelle Pädagogik, Bildungsbenachteiligung, institutionelle Diskriminierung, soziales/kulturelles Kapital und Chancengleichheit.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen direkter und indirekter institutioneller Diskriminierung?
Direkte Diskriminierung ist intentional und regelbasiert, während indirekte Diskriminierung durch unreflektierte institutionelle Routinen entsteht, die faktisch zur Benachteiligung führen, auch wenn sie nicht beabsichtigt sind.
Welche Rolle spielt Pierre Bourdieu in der Argumentation?
Bourdieus Theorie der Kapitalsorten dient als Erklärungsmodell, um aufzuzeigen, wie soziale Herkunft und der Mangel an kulturellem Kapital zur Reproduktion von Ungleichheit im Bildungssystem beitragen.
- Arbeit zitieren
- Jana Vigelius (Autor:in), 2021, Interkulturelle Pädagogik und Bildungsbenachteiligung. Diskriminierung, Rassismus und Pierre Bourdieus Kapitalsorten als mögliche Ursachen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1149914