Das wirtschaftspolitische Konzept der Austerität, einer restriktiven Sparpolitik, geht auf angelsächsische Wirtschaftsliberale des 17. und 18. Jahrhunderts zurück. Heutige Ökonomen betrachten Adam Smith als Vordenker. Die Theorie: Wer spart und sich dadurch Rücklagen schafft, hat langfristig einen größeren Spielraum für Investitionen.
Spätestens seit der Finanzkrise im Jahr 2008 ist der Begriff in aller Munde. Im Zuge dieser Krise kam es zu einer drohenden Zahlungsunfähigkeit verschiedener Mitgliedsstaaten der Euro-Zone, wie zum Beispiel Portugal und Griechenland. Infolge dessen wurden 2010 zuerst die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) und 2013 der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) als Institutionen für die finanzielle Unterstützung von Mitgliedstaaten des Euroraumes gegründet. Dies kann ihm EFSF Rahmenvertrag mit Stand 2011 auf Seite 2, Absatz 2 nachgelesen werden. Verbunden mit vergebenen Hilfskrediten sind Sparpakete, also Auflagen durch die Kreditgeber, die festlegen, an welchen Stellen im Staat Einsparungen vorgenommen werden sollen. Diese Vorgaben sollten dazu dienen, das Haushaltsdefizit zu verringern und stellen gleichzeitig die Voraussetzung für weitere Kredite dar. Die Kredite und Sparauflagen sind Teil der Austeritätspolitik in der Europäischen Union.
Diese Arbeit setzt sich anhand der ausgewählten Beispielländer Portugal und Griechenland mit den Auswirkungen der aktuellen Austeritätspolitik innerhalb der Europäischen Union auseinander. Weiterhin werden die Ursachen dafür analysiert. Diese Hausarbeit soll aufzeigen, welche schädigenden Auswirkungen das gegenwärtige restriktive Sparen auf ein nachhaltiges und langfristiges Wirtschaftswachstum hat und es wird untersucht, ob es alternative Möglichkeiten gibt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriff und Definition der Austerität
3 Beschreibung der Sparpolitik in Europa
3.1 Die Finanzkrise von 2007 als Ausgangspunkt
3.2 Die Eurokrise beginnend im Jahr 2008
3.3 Kreditvergaben durch die Institutionen
4 Auswirkungen der Sparpolitik: Das Beispiel Griechenland
4.1 Bisherige Rettungspakete für Griechenland
4.2 Wirtschaftliche Folgen der Sparmaßnahmen
5 Alternativen zur Austeritätspolitik: Das Beispiel Portugal
5.1 Bisherige Rettungspakete für Portugal
5.2 Wirtschaftliche Entwicklung im Gegensatz zu Griechenland
5.3 Eine Alternative zur Austeritätspolitik
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Austeritätspolitik in der Europäischen Union am Beispiel von Griechenland und Portugal, um zu analysieren, ob restriktives Sparen ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördert oder ob alternative wirtschaftspolitische Wege existieren.
- Grundlagen und Definition des Begriffs Austerität
- Ursprünge der Finanzkrise 2007 und der Eurokrise
- Vergleich der Auswirkungen von Sparmaßnahmen in Griechenland
- Analyse der alternativen Wirtschaftspolitik in Portugal
- Diskussion über Wirksamkeit von Hilfspaketen und Reformen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Finanzkrise von 2007 als Ausgangspunkt
Den Ausgangspunkt der weltweiten Finanzkrise und der daraus resultierenden Eurokrise bildete die Pleite der kalifornischen Hypothekenbank New Century Financial im April 2007. Dies war vor allem dem Aufbau einer künstlichen Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt in den USA geschuldet.
Aufgrund der Terrorangriffe vom 11.09.2001 senkte die amerikanische Notenbank FED (ausgeschrieben Federal Reserve System, Zentralbanksystem der Vereinigten Staaten von Amerika) aufgrund einer befürchteten Deflation und um den Konsum anzukurbeln, den Leitzins auf historisch niedrige 1% im Jahr 2003. In Folge des niedrigen Leitzinses sanken auch die Zinsen für langfristige Hypotheken. Viele amerikanische Haushalte nutzten die Gelegenheit, kündigten ihre bisherigen Hypotheken und refinanzierten diese mit Neuen zu niedrigeren Zinsen. Der folgende Umstand machte dies möglich: in den USA können Eigenheimbesitzer jederzeit ihre Hypotheken vorzeitig kündigen, und das ohne Zahlung von Strafzinsen. Die bisherigen Hypotheken wurden also mit neuen Krediten finanziert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Konzept der Austerität als restriktive Sparpolitik ein und erläutert die Relevanz der Arbeit vor dem Hintergrund der europäischen Finanz- und Eurokrise.
2 Begriff und Definition der Austerität: Hier wird der etymologische Ursprung sowie die aktuelle ökonomische Bedeutung der Austerität als Instrument zur Haushaltskonsolidierung definiert.
3 Beschreibung der Sparpolitik in Europa: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen der Eurokrise, angefangen bei der Finanzkrise von 2007 bis hin zur Etablierung von Rettungsinstitutionen wie EFSF und ESM.
4 Auswirkungen der Sparpolitik: Das Beispiel Griechenland: Das Kapitel beleuchtet die Rettungspakete für Griechenland und verdeutlicht die negativen ökonomischen Konsequenzen der dort umgesetzten Sparmaßnahmen.
5 Alternativen zur Austeritätspolitik: Das Beispiel Portugal: Hier wird aufgezeigt, wie Portugal durch einen abweichenden wirtschaftspolitischen Kurs eine positive Entwicklung einleiten konnte.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass massive soziale Einsparungen kein Garant für Wachstum sind, während alternative Ansätze Potenzial zeigen.
Schlüsselwörter
Austerität, Sparpolitik, Finanzkrise, Eurokrise, Griechenland, Portugal, EFSF, ESM, Haushaltsdefizit, Wirtschaftswachstum, Rettungspakete, Troika, Konjunktur, Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Vor- und Nachteile einer restriktiven Sparpolitik (Austerität) im Rahmen der europäischen Schuldenkrise.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Entstehung der Finanzkrise 2007, die Funktionsweise der europäischen Rettungsschirme sowie die wirtschaftlichen Entwicklungen in Griechenland und Portugal.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, inwieweit eine Austeritätspolitik schädliche Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum hat und welche Alternativen es dazu gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Datenanalyse, die unter anderem Statistiken und Berichte zur ökonomischen Entwicklung der Krisenländer auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Austerität, die Genese der Eurokrise sowie eine vergleichende Fallstudie zwischen Griechenland und Portugal.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Austeritätspolitik, Eurokrise, Haushaltskonsolidierung, Rettungsschirme und wirtschaftliche Erholung.
Warum wird Portugal als "Alternative" zu Griechenland dargestellt?
Portugal verfolgt seit dem Regierungswechsel 2015 eine abweichende Wirtschaftspolitik, die Konsumförderung statt strikter Sparauflagen in den Vordergrund stellt, was zu einem positiven Wirtschaftswachstum führte.
Welche Rolle spielt die Troika in der griechischen Sparpolitik?
Die Troika überwacht die Einhaltung der Sparauflagen, an welche die Auszahlung der Rettungskredite in Tranchen gebunden ist.
Welches Fazit zieht der Autor zur Austeritätspolitik?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass einseitige Kürzungen im sozialen Bereich nicht der richtige Weg sind, um eine Wirtschaft nachhaltig zu stärken.
- Arbeit zitieren
- Stefan Ramme (Autor:in), 2017, Vorteile und Nachteile einer Austeritätspolitik. Portugal und Griechenland im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1148585