Der World Happiness Report (WHR) zeigt ein Zufriedenheitsranking von Staaten auf. Vergleicht man die Suizidrate „zufriedener“ Länder mit jener "unzufriedener" Länder, so wird das Paradoxon deutlich. Die Suizidrate in zufriedenen Ländern wie Finnland liegt deutlich höher als die Rate in unzufriedenen Ländern wie dem Südsudan. Doch gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und Suizidalität oder handelt es sich um eine zufällige Korrelation? Und falls es eine Verbindung gibt, wie wird das Paradoxon begründet? Diesen Fragen geht die vorliegende Arbeit nach.
Glück als "höchstes Gut", Bruttonationalglück als Rechtskodex oder "the pursuit of happiness" als Grundrecht. Schon 350 vor Christus galt Glück nach Aristoteles als erstrebenswert (ebd.). Das Staatsziel Butans ist das Streben nach Glück und auch die Unabhängigkeitserklärung der USA basiert auf dem Grundsatz der Glücksverfolgung. Das Streben nach Glück scheint zeitlos und Glück hat seine eindeutig positive Konnotation bis heute nicht verloren. Folglich erscheint eine Korrelation zwischen Zufriedenheit und Suizidalität paradox. Doch ebendieses Paradoxon wurde empirisch bewiesen, wenn auch die Gründe dafür bislang nicht hinreichend erforscht wurden. Eine Annahme von US-amerikanischen Forschern lautet, dass es möglicherweise qualvoller sei, in Gegenwart zufriedener Menschen unzufrieden zu sein, als in Gegenwart unzufriedener Menschen unzufrieden zu sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Abgrenzung und Erklärung zentraler Begriffe
3. Soziologische Suizidtheorie nach Durkheim
3.1 Theoretische Grundannahme der Suizidtypen
3.2 Der egoistische Selbstmord als Erklärung der Suizidraten in Afghanistan und Litauen
3.2.1 Afghanistan
3.2.2 Litauen
3.3 Analyse der Suizidraten in unzufriedenen und zufriedenen Ländern
4. Der World Happiness Report als Risikofaktor für Suizid?
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Paradoxon, warum in gesellschaftlich als „zufrieden“ geltenden Ländern häufig höhere Suizidraten zu verzeichnen sind als in „unzufriedenen“ Staaten. Anhand der soziologischen Suizidtheorie von Emile Durkheim wird die Forschungsfrage erörtert, ob der World Happiness Report (WHR) selbst als Risikofaktor für Suizidalität fungieren könnte, indem er das Empfinden von Unzufriedenen in einer zufriedenen Umgebung verstärkt.
- Anwendung soziologischer Suizidtheorien auf moderne Zufriedenheitsrankings
- Vergleichende Analyse der Suizidraten in Afghanistan und Litauen
- Einfluss von Pluralismus und sozialer Integration auf das Suizidrisiko
- Kritische Reflexion des World Happiness Reports als Glücksindikator
- Diskussion der „relativen Unzufriedenheit“ in Wohlstandsgesellschaften
Auszug aus dem Buch
Der egoistische Selbstmord
Im Gegensatz zum altruistischen Selbstmord steht der egoistische Selbstmord. Denn hier erhebt sich das „individuelle Ich“ über das „soziale Ich“. Nach Durkheim bilden Kirche, Familie und Staat ein Gefüge suizidvorbeugender Faktoren, denn sie beabsichtigen eine hohe Integration (Durkheim, 1999). „Der Selbstmord variiert im umgekehrten Verhältnis zum Grad der Integration der sozialen Gruppen, denen der einzelne [sic] angehört“ (ebd., S. 232). Daraus resultiert, dass eine beständige soziale Gruppierung Suizid unterbindet. Je höher die Identifikationsmerkmale, desto vereinigter ist eine Gemeinschaft. Ebendiese Vereinigung bietet eine hohe Schutzfunktion gegen Suizidversuche (ebd. f). Dabei ist hier – im Gegensatz zu Krisen beim anomischen Selbstmord – der Krieg zu betrachten: „Wenn alle Menschen zusammenstehen müssen, um einer gemeinsamen Gefahr die Stirn zu bieten, dann denkt der einzelne [sic] weniger an sich selbst und mehr an die gemeinsame Sache“ (ebd., S. 231). Statistisch sinkt nach Durkheim die Suizidrate während Kriegen. Der egoistische Selbstmord wird dann zur Option, wenn keine Identifikation mehr mit dem sozialen Gefüge besteht. Treten die eigenen Interessen in den Vordergrund, so sieht sich die Person nicht mehr in das Gefüge integriert. Dieser übermäßige Egoismus könne nach Durkheim zu Suizid führen (ebd).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Paradoxon ein, dass Glücksrankings wie der World Happiness Report eine Korrelation zwischen hoher Zufriedenheit und erhöhter Suizidalität aufzeigen können.
2. Abgrenzung und Erklärung zentraler Begriffe: Es werden für die Analyse fundamentale Begriffe wie World Happiness Report, Suizid nach Durkheim sowie Pluralismus definiert und in den Kontext der Arbeit gesetzt.
3. Soziologische Suizidtheorie nach Durkheim: Dieses Kapitel erläutert Durkheims Suizidtheorie und wendet diese auf den Vergleich zwischen dem als „unzufrieden“ eingestuften Afghanistan und dem „zufriedenen“ Litauen an.
4. Der World Happiness Report als Risikofaktor für Suizid?: Der WHR wird hier kritisch hinterfragt, um zu prüfen, ob die Veröffentlichung von Zufriedenheitsdaten einen direkten Einfluss auf das Suizidrisiko unzufriedener Personen haben könnte.
5. Fazit und Ausblick: Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der WHR kein unmittelbarer Risikofaktor ist, identifiziert jedoch den gesellschaftlichen Pluralismus als einen Faktor, der sowohl Zufriedenheit als auch Suizidalität beeinflusst.
Schlüsselwörter
Gesundheitssystemanalyse, Suizid, World Happiness Report, Emile Durkheim, egoistischer Selbstmord, Pluralismus, soziale Integration, psychisches Wohlbefinden, Afghanistan, Litauen, Lebenszufriedenheit, Suizidprävention, Glücksranking, gesellschaftliche Kohäsion, Individualisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der offiziell gemessenen Zufriedenheit in Staaten und deren Suizidraten, basierend auf soziologischen Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit verknüpft Erkenntnisse des World Happiness Reports mit der soziologischen Suizidtheorie nach Emile Durkheim und betrachtet gesellschaftliche Faktoren wie Religion und Familienstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu ergründen, ob ein hohes Level an gesellschaftlicher Zufriedenheit ein Paradoxon darstellt, das Suizid begünstigt, und ob der World Happiness Report dabei selbst eine Rolle spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine deduktive Herangehensweise genutzt, bei der soziologische Theorien (Durkheim) auf aktuelle statistische Daten von Ländern wie Afghanistan und Litauen angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Suizidtypen nach Durkheim, die Anwendung dieser auf Länderbeispiele sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Indikatoren des World Happiness Reports.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Suizidalität, soziale Integration, egoistischer Selbstmord, World Happiness Report und die Analyse gesellschaftlicher Strukturen.
Welche Rolle spielt die Religion in Durkheims Suizidtheorie innerhalb dieser Arbeit?
Religion wird als suizidvorbeugender Faktor angesehen, der durch hohe soziale Integration und kollektive Identität eine Schutzfunktion bietet, wie am Beispiel von Afghanistan verdeutlicht.
Warum wird Litauen als Vergleichsland herangezogen?
Litauen dient als Beispiel für eine westlich geprägte, „zufriedene“ Gesellschaft, die dennoch hohe Suizidraten aufweist, was den Kontrast zum „unzufriedenen“, aber suizidarmen Afghanistan schärft.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2020, Gesundheitssystemanalyse und Pluralismus. Ein Faktor für Zufriedenheit und Suizidalität zugleich?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1146968