In der vorliegenden Arbeit habe ich mich mit Pflegenden unterschiedlicher Qualifikationsniveaus
auseinandergesetzt. Ziel meiner Arbeit ist herauszustellen, dass vor allem durch die kurze
Verweildauer im Beruf (Vgl. bpa 2007), eine deutlich reduzierte Anzahl junger Menschen, die den
Pflegeberuf ergreifen (Vgl. CDU 2003, S.3), einen offensichtlichen Geburtenrückgang in den
vergangenen Jahren (Vgl. Sommer 2003) und die für das Gesundheitswesen und die Pflege
problematische demographische Entwicklung (ebd.) ein Mangel an qualifiziertem Personal in der
Pflege jetzt und in Zukunft besteht und wahrscheinlich bestehen wird. Experten bezeichnen dies
als Pflegenotstand, sie prophezeien diesen bereits seit Jahren (Vgl. ver.di 2007, KDA 2001, DEVAP
2003). Die demographische Entwicklung und die Alterung unserer Gesellschaft wird ein Mehr an
entsprechend qualifizierten Mitarbeitern in der Pflege unentbehrlich machen. Meines Erachtens
wird die Gesellschaft in Zukunft noch verstärkter als im Augenblick auf den Einsatz geringer
Qualifizierter in der Pflege angewiesen sein, um dem zukünftigen Versorgungsauftrag überhaupt
gerecht werden zu können.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung der Situation in Deutschland
2.1. Zur demographischen Entwicklung in Deutschland
2.2. Stellenabbau und fehlender Nachwuchs vs. Forderungen nach Pflegequalität
3. Pflegefachkraft vs. Pflegehilfskraft
3.1. Die Pflegefachkraft
3.2. Die Pflegehilfskraft/ PflegehelferInnen
3.3. Pflegefachkräfte sind für die Behandlungspflege verantwortlich, Pflegehilfskräfte nur für die Grundpflege?
4. Droht der Pflegenotstand auf uns zuzukommen?
5. Diskussion
6. Fazit
Zielsetzung und Themenbereiche
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik des Pflegenotstands in Deutschland vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und unterschiedlicher Qualifikationsniveaus in der Pflege. Ziel ist es aufzuzeigen, dass der verstärkte Einsatz gering qualifizierter Hilfskräfte zukünftig unumgänglich ist und durch eine stärkere Anleitung sowie neue Personalplanungsinstrumente wie PLAISIR© professionell gestaltet werden muss.
- Analyse der demografischen Entwicklung bis 2050
- Gegenüberstellung von Pflegefachkraft und Pflegehilfskraft
- Auswirkungen von Stellenabbau und Personalmangel auf die Pflegequalität
- Bedeutung der Professionalisierung und Akademisierung
- Einsatz von bedarfsgerechter Personaleinsatzplanung in der Praxis
Auszug aus dem Buch
3.3. Pflegefachkräfte sind für die Behandlungspflege verantwortlich, Pflegehilfskräfte nur für die Grundpflege?
Durch meine aktuelle Berufstätigkeit im Bereich der stationären Altenhilfe weiß ich, dass grundpflegerische Tätigkeiten gern an geringer Qualifizierte und Auszubildende delegiert werden, während sich viele Pflegefachkräfte neben der grundpflegerischen Versorgung vor allem für die Behandlungspflege verantwortlich fühlen (müssen). Auch stehen zunehmend organisatorische und Managementaufgaben im Mittelpunkt des Aufgabenfeldes der Pflegefachkräfte. Ich frage mich ob es Sinn macht, die Grundpflege an Pflegehilfskräfte zu delegieren und den Pflegefachkräften allein die behandlungspflegerische Versorgung, sowie organisatorische Tätigkeiten zu überlassen. Bevor ich mich mit dieser Frage auseinandersetze, möchte ich eine kurze Definition der Begriffe vornehmen:
„Die Begriffe Grundpflege, Behandlungspflege wurden in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts durch den Krankenhausökonomen Eichhorn in die bundesdeutsche Fachdiskussion eingeführt“ (Eichhorn 1967, 1975, in: Entzian 2004, S. 2). Mit dem Begriff Behandlungspflege sind alle medizinisch-therapeutischen Hilfestellungen und Ausführungen ärztlicher Anordnungen gemeint. Die Grundpflege wird als Unterstützung bei Alltagsaktivitäten beschrieben. Diese Unterscheidung war von der Annahme geleitet, dass behandlungspflegerische Tätigkeiten große Kompetenz erfordern und daher ausschließlich von examinierten Pflegekräften zu erledigen seien. Bei der Grundpflege wurden die Experten von der Annahme geleitet, dass diese bei allen Patienten und Bewohnern gleich sei und diese wenig Bedeutung für den Gesundheitsverlauf hätten. 1989 wurden die Begriffe Grund- und Behandlungspflege im Rahmen der Einführung des § 37 SGB V des Gesundheitsreformgesetzes in die Sozialgesetzgebung übernommen. Die Grundpflege wurde als eine Aufgabe definiert, für die der Erwerb spezifischer Kompetenzen nicht notwendig sei. (Vgl. Entzian 2004, S.2f)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die akute Problematik des Pflegenotstands, verursacht durch demografischen Wandel und Personalmangel, und führt in das Ziel der Arbeit ein, die Rolle verschiedener Qualifikationsniveaus zu untersuchen.
2. Darstellung der Situation in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die demografische Entwicklung bis 2050 und den paradoxen Stellenabbau in der Pflege trotz steigenden Bedarfs.
3. Pflegefachkraft vs. Pflegehilfskraft: Hier werden die unterschiedlichen Qualifikationsprofile definiert und kritisch hinterfragt, ob eine strikte Trennung von Grund- und Behandlungspflege zeitgemäß ist.
4. Droht der Pflegenotstand auf uns zuzukommen?: Das Kapitel erörtert die Unabwendbarkeit des Pflegenotstands und betont die Dringlichkeit zeitnaher Interventionen bei der Rekrutierung.
5. Diskussion: Die Diskussion reflektiert mögliche Lösungsansätze, insbesondere durch die Implementierung von Verfahren zur Personaleinsatzplanung wie PLAISIR©.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit zusammen, Pflege als facettenreichen Beruf aufzuwerten und Pflegefachkräfte verstärkt in die Organisationsverantwortung einzubinden.
Schlüsselwörter
Pflegenotstand, Demografischer Wandel, Pflegefachkraft, Pflegehilfskraft, Grundpflege, Behandlungspflege, Personalbedarfsplanung, PLAISIR, Professionalisierung, Arbeitsbedingungen, Stellenabbau, Altenpflege, Versorgungsauftrag, Qualifikationsniveaus, Pflegemanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Diskrepanz zwischen steigendem Pflegebedarf durch den demografischen Wandel und dem existierenden Fachkräftemangel in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Im Fokus stehen die demografische Entwicklung, die Abgrenzung von Qualifikationsstufen in der Pflege sowie Ansätze zur effizienten Personalplanung und Professionalisierung.
Was ist die primäre Forschungsfrage oder das Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu belegen, dass der verstärkte Einsatz gering qualifizierter Kräfte notwendig ist, um die Pflegequalität unter Anleitung von Fachkräften sicherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Die Autorin nutzt eine umfassende Literaturrecherche in Fachdatenbanken, Bibliotheken und Internetquellen, um den aktuellen Stand der Pflege und Expertenprognosen zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Situation in Deutschland, eine Differenzierung der Pflegeberufe sowie die Diskussion über Lösungsansätze durch modernes Pflegemanagement.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren den Inhalt am besten?
Die zentralen Schlagworte umfassen Pflegenotstand, Personalbedarfsplanung, PLAISIR, Professionalisierung und die Differenzierung von Pflegekompetenzen.
Welche Rolle spielt das Verfahren PLAISIR© laut der Autorin?
Das Verfahren dient als EDV-unterstütztes Planungsinstrument, um individuellen Pflegebedarf zu ermitteln und den Einsatz unterschiedlich qualifizierter Mitarbeiter bedarfsgerecht zu steuern.
Wie bewertet die Autorin die Aufgabenverteilung zwischen Fach- und Hilfskräften?
Sie kritisiert die pauschale Delegierung der Grundpflege an Hilfskräfte und fordert eine engere Begleitung und Anleitung durch Fachkräfte, um die Versorgungsqualität zu gewährleisten.
- Arbeit zitieren
- Franziska Misch (Autor:in), 2007, Unterschiedliche Qualifikationsniveaus in der Pflege und das Problem des Pflegenotstandes in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/114546