In der vorliegenden Arbeit wird die Form sowie die Funktion des Ostrakismós untersucht und der Frage nachgegangen, ob das Verfahren des Ostrakismos nur zum Zweck der Tyrannis Abwehr eingesetzt wurde.
Zuerst soll der Begriff Ostrakismós definiert und ein kurzer Einblick in die Entstehungsgeschichte gegeben werden. Der Hauptteil der Arbeit befasst sich mit den Formen, dem Verfahren und der Funktion des Scherbengerichtes, damit im letzten Teil der Zweck anhand von drei prägnanten Beispielen herausgearbeitet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historischer Kontext
3 Ostrakismós Form und Funktion
4 Umsetzung der Funktion / Intention
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das historische Verfahren des athenischen Scherbengerichts (Ostrakismós), um dessen ursprüngliche Intention als Schutzmaßnahme gegen Tyrannis den tatsächlichen Anwendungen in der Praxis gegenüberzustellen und zu analysieren, ob es primär dem Schutz der Demokratie diente oder politisch instrumentalisiert wurde.
- Ursprung und Einführung des Ostrakismós im Kontext der kleisthenischen Reformen.
- Unterscheidung zwischen dem Ostrakismós des Rates und dem Ostrakismós des Volkes.
- Verfahrensablauf, rechtliche Rahmenbedingungen und Manipulationsmöglichkeiten.
- Analyse konkreter Fallbeispiele (Aristeides, Themistokles, Hyperbolos).
- Kritische Reflexion über den Missbrauch des Verfahrens durch politische Machtinhaber.
Auszug aus dem Buch
Der Ostrakismós des Aristeides
Einer der wohl berühmtesten Politiker in Athen war Aristeides um 489/88 v. Chr.. Auch er fiel 482 v. Chr. dem Scherbengericht zum Opfer. Die Historiker Herodot und Plutarch bezeichnen ihn als den Gerechten. Neben dieser Gerechtigkeit, für welche er stand, genoss er ein hohes Ansehen in Athen. Einer Anekdote bei Plutarch zufolge soll Aristeides einem Bürger geholfen haben, seinen eigenen Namen auf die Ostraka zu schreiben.
Daran kann man die Gerechtigkeit, von welcher Herodot und Plutarch sprechen, gemessen werden, da er nicht versucht, den Bürger umzustimmen, sondern einfach seinen Namen aufschreibt. Zudem berichtet Plutarch von einer seit der Kindheit bestehenden Rivalität zwischen Aristeides und Themistokles. Diese Rivalität wurde von dort an weiter fortgesetzt, sodass die beiden während der Perserkriege gegeneinander boulten. Deutlich erkennbar wird dies bei Plutarch:
„Dem Aristeides geschah es, dass er, der zuerst beliebt war, später wegen seines Beinamens Gegenstand der Mißgunst wurde, hauptsächlich durch die Schuld des Themistokles, der unter der Menge verbreitet, Aristeides habe […] unvermerkt eine Alleinherrschaft […] für sich errichtet […] So kamen sie von allen Seiten in der Stadt zusammen und verbannten Aristeides durch das Scherbengericht, indem sie ihrem Neid auf seinen Ruhm den Namen der Furcht vor tyrannischer Herrschaft beilegten.“
Diesem Bericht des Plutarch ist zu entnehmen, dass Themistokles Schuld an der Verbannung des Aristeides trägt. Den Grund dafür sieht Plutarch darin, dass er es war, welcher die Bürger gegen Aristeides aufgehetzt hat. Dies gelang ihm durch den Neid auf die Assoziation des Gerechten, welchen er schürte. Zudem berichtet Plutarch, dass Themistokles behauptet habe, Aristeides wolle eine Alleinherrschaft errichten. Deutlich wird auch hier die Manipulation des Demos durch ihn. Er versucht den Ostrakismós, welcher den Zweck verfolgt, potenzielle Tyrannen zu verbannen, gegen Aristeides zu richten, obwohl dieser laut Herodot und Plutarch das Gegenteil davon verkörpert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung bettet den Ostrakismós in den historischen Kontext der Entwicklung der athenischen Demokratie ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der eigentlichen Zweckbestimmung des Verfahrens.
2 Historischer Kontext: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Scherbengerichts und diskutiert die schwierige Quellenlage sowie die unterschiedlichen Theorien zum exakten Zeitpunkt der Einführung.
3 Ostrakismós Form und Funktion: Hier werden die strukturellen Unterschiede zwischen dem Ostrakismós des Rates und des Volkes dargelegt und die verfahrenstechnischen Aspekte wie die Stimmabgabe und Zählung erörtert.
4 Umsetzung der Funktion / Intention: Anhand historischer Fallbeispiele von Aristeides, Themistokles und Hyperbolos wird untersucht, ob das Verfahren seinem Zweck diente oder politisch missbraucht wurde.
5 Fazit: Das Fazit beantwortet die zentrale Forschungsfrage und kommt zu dem Schluss, dass der Ostrakismós neben seiner Schutzfunktion für die Demokratie häufig als Instrument in politischen Auseinandersetzungen missbraucht wurde.
Schlüsselwörter
Athen, Demokratie, Ostrakismós, Scherbengericht, Tyrannis, Kleisthenes, Aristeides, Themistokles, Hyperbolos, Ostraka, Volksversammlung, Verbannung, Machtmissbrauch, Gleichheitsprinzip, Antike
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem antiken athenischen Scherbengericht (Ostrakismós) als politischem Instrument.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Thematisiert werden die historische Entstehung, der formale Ablauf des Verfahrens sowie dessen Funktion im Kontext der athenischen Demokratie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob der Ostrakismós tatsächlich ausschließlich zur Abwehr von Tyrannis diente oder ob er als politisches Mittel zweckentfremdet wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse antiker Quellenzeugnisse und moderner wissenschaftlicher Literatur zur antiken Geschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen (Definition, Entstehungsgeschichte, Verfahrensablauf) und die praktische Anwendung an drei zentralen Beispielen (Aristeides, Themistokles, Hyperbolos) detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ostrakismós, Tyrannis, Demokratie, Manipulation und politische Auseinandersetzung charakterisiert.
Warum war laut Aristoteles der Ostrakismós ein notwendiges Übel?
Aristoteles argumentierte, dass er der Wiederherstellung der demokratischen Gleichheit diente, wenn einzelne Individuen durch zu viel Macht oder Ansehen das Gleichgewicht des Staates gefährdeten.
Welche Rolle spielte der Neid in den untersuchten Fallbeispielen?
Der Neid der Bevölkerung, der häufig durch politische Rivalen wie Themistokles geschürt wurde, diente als wesentlicher Manipulationsfaktor, um unliebsame Politiker mittels des Scherbengerichts zu verbannen.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Taschner (Autor:in), 2021, Ostrakismós - Das Scherbengericht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1144671