Mithilfe dieser Arbeit soll festgestellt werden, ob die aktuellen Lösungsansätze grundlegenden Besteuerungsprinzipien gerecht werden und somit die Herausforderungen bei der Besteuerung digitaler Geschäftsmodelle bewältigen können. Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und Globalisierung der letzten Jahrzehnte verändern sich Wertschöpfungsprozesse von Unternehmen und neue Geschäftsmodelle entstehen. Dies hat nicht nur wirtschaftliche und gesellschaftsrechtliche Folgen, sondern betrifft auch das Steuerrecht. Internationale Besteuerungssysteme stehen vor der Herausforderung, dynamische digitale Vorgänge sachgerecht zu besteuern. Traditionelle steuerrechtliche Anknüpfungspunkte erscheinen nicht mehr zeitgemäß und die Bestimmung der Entstehung von Daten bzw. deren Wert wird durch digitales Wirtschaften erschwert.
Denn heutzutage können Geschäftstätigkeiten an weltweit beliebige Orte verlagert, bspw. in ein Niedrigsteuerland, und Geschäfte online vollzogen werden. Die geplante Verminderung der steuerlichen BMG und das grenzüberschreitende Verschieben von Gewinnen durch international tätige Konzerne stellt ein Problem für eine gerechte internationale Besteuerung dar. Maßnahmen wie die Hinzurechnungsbesteuerung oder das Steueroasen-Abwehrgesetz konnten die Probleme bislang nicht vollumfänglich lösen, es gibt weiterhin Gestaltungsspielräume für aggressive Steuergestaltungen. In den letzten Jahren hat sich die OECD verstärkt mit den Herausforderungen und der Entwicklung von Lösungsansätzen und Anpassungen des internationalen Besteuerungssystems auseinandergesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung
2 Grundlagen
2.1 Merkmale digitaler Geschäftsmodelle
2.2 Probleme der internationalen Besteuerung im Zuge des herkömmlichen Steuerrechts
3 Möglichkeiten und Grenzen der Besteuerung digitaler Geschäftsmodelle in den Marktstaaten
3.1 Digitalsteuer
3.2 Pillar One (OECD) und die Modifizierung des Betriebsstättenbegriffs
3.3 Pillar Two (OECD)
4 Bewertung der Möglichkeiten anhand von Besteuerungsgrundsätzen
4.1 Neutralität
4.2 Effizienz
4.3 Verlässlichkeit und Verständlichkeit
4.4 Wirksamkeit und Fairness
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die steuerlichen Herausforderungen, die durch die zunehmende Digitalisierung und Globalisierung entstehen, und bewertet aktuelle Lösungsansätze wie die Digitalsteuer sowie die OECD-Vorschläge (Pillar One und Pillar Two) anhand etablierter Besteuerungsgrundsätze.
- Charakteristika digitaler Geschäftsmodelle und deren Abgrenzung zur traditionellen Wirtschaft
- Defizite des herkömmlichen Betriebsstättenkonzepts im Kontext digitaler Wertschöpfung
- Analyse der Digitalsteuer als kurzfristige Übergangslösung
- Untersuchung des Zwei-Säulen-Modells der OECD zur Reform der Gewinnallokation und Mindestbesteuerung
- Kritische Bewertung der Ansätze hinsichtlich Neutralität, Effizienz, Verständlichkeit sowie Wirksamkeit und Fairness
Auszug aus dem Buch
2.1 Merkmale digitaler Geschäftsmodelle
Obwohl die Digitalisierung in immer mehr wirtschaftlichen Bereichen an Bedeutung gewinnt, sind die Begriffe der digitalen Wirtschaft und der digitalen Geschäftsmodelle bis heute nicht eindeutig definiert. Es können jedoch kennzeichnende Eigenschaften identifiziert werden. Vorab ist zu erwähnen, dass die digitale Wirtschaft nicht losgelöst von der traditionellen Wirtschaft betrachtet werden kann, da die Digitalisierung und IKT mittlerweile nahezu alle Geschäftsbereiche und -modelle beeinflusst. Geprägt wird die digitale Wirtschaft durch Merkmale wie Mobilität, wodurch einfacher grenzüberschreitende Geschäfte abgeschlossen werden können, Netzwerkeffekte und der zunehmenden Wichtigkeit von Daten, da die Datenanalyse und -nutzung einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung leistet.
Digitale Geschäftsmodelle weisen ebenfalls spezielle Charakteristiken auf. Zum einen kann die Wertschöpfung aufgrund einer grenzüberschreitenden Reichweite ohne lokale Substanz erfolgen. Das bedeutet, dass ein Unternehmen Geschäfte in einem Land tätigen kann, ohne eine dort vorhandene physische Präsenz. Zum anderen steigt die Bedeutung immaterieller Werte für digitalisierte Wertschöpfungsprozesse aufgrund von einer andauernden Verbesserung von Software, Algorithmen sowie Kommunikationsmitteln. Die immateriellen Werte stärken sowohl die Mobilität der Geschäftstätigkeiten als auch das wirtschaftliche Wachstum digitaler Geschäftsmodelle.
Eine drittes Merkmal digitaler Geschäftsmodelle ist die Relevanz von Daten und Nutzern. Da Netzwerke eine Kernfunktion darstellen, nimmt die Bedeutsamkeit der externen Akteure und besonders der Endkunden zu. Diese werden sogar Teil des Netzwerkes, weswegen immer häufiger statt von einer Wertschöpfungskette von einem Wertschöpfungsnetzwerk die Rede ist. Die Bereitstellung von Daten bildet die Grundlage der digitalen Geschäftsmodelle innerhalb des Wertschöpfungsnetzwerks. Allerdings bildet allein die Bereitstellung dieser Daten nicht die Wertschöpfung des Unternehmens ab. Erst durch die Vernetzung von Daten mithilfe von Algorithmen entstehen wertschöpfende Informationen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung: Das Kapitel erläutert die steuerlichen Probleme durch die Digitalisierung und definiert das Ziel, aktuelle Lösungsansätze kritisch zu bewerten.
2 Grundlagen: Hier werden die Merkmale digitaler Geschäftsmodelle beschrieben und aufgezeigt, warum das herkömmliche Steuerrecht mit seinem Fokus auf physische Präsenz an Grenzen stößt.
3 Möglichkeiten und Grenzen der Besteuerung digitaler Geschäftsmodelle in den Marktstaaten: Dieses Kapitel analysiert die Digitalsteuer sowie das Zwei-Säulen-Modell der OECD als Lösungsansätze.
4 Bewertung der Möglichkeiten anhand von Besteuerungsgrundsätzen: Die vorgeschlagenen Steuerreformen werden an den Kriterien Neutralität, Effizienz, Verlässlichkeit, Verständlichkeit, Wirksamkeit und Fairness gemessen.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine Systemreform zwar unvermeidbar ist, aber aufgrund ungeklärter Detailfragen hohe Risiken für die Komplexität und Befolgungskosten birgt.
Schlüsselwörter
Digitale Wirtschaft, Geschäftsmodelle, Betriebsstätte, Besteuerung, OECD, Pillar One, Pillar Two, Digitalsteuer, Steuergerechtigkeit, Gewinnverlagerung, BEPS, Besteuerungsgrundsätze, Wertschöpfung, Immaterielle Werte, Doppelbesteuerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die steuerliche Problematik, die durch moderne digitale Geschäftsmodelle entsteht, da diese oft keine physische Präsenz im Marktstaat erfordern und somit klassische Steuerkonzepte untergraben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Merkmale der digitalen Wirtschaft, die Defizite des bisherigen Betriebsstättenbegriffs sowie die Analyse der Digitalsteuer und der OECD-Reformvorschläge.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung, ob aktuelle internationale Lösungsvorschläge den Anforderungen grundlegender Besteuerungsprinzipien gerecht werden und die steuerlichen Herausforderungen effektiv bewältigen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der evaluierenden Untersuchung von OECD-Dokumenten sowie Entwürfen der Europäischen Kommission, angewandt auf etablierte steuerrechtliche Grundsätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der steuerlichen Probleme, die Vorstellung konkreter Lösungsansätze (Digitalsteuer, Pillar One, Pillar Two) und deren systematische Bewertung anhand von Besteuerungskriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie digitale Geschäftsmodelle, Gewinnverlagerung, BEPS, Betriebsstättenprinzip und globale Mindestbesteuerung geprägt.
Warum reicht das traditionelle Betriebsstättenkonzept für moderne Firmen nicht mehr aus?
Weil es auf physische Geschäftseinrichtungen und eine dort verortbare Tätigkeit angewiesen ist, während digitale Unternehmen ihre Wertschöpfung oft grenzüberschreitend ohne lokale Substanz erzielen.
Welche Rolle spielen Schwellenwerte bei den neuen Steuermodellen?
Schwellenwerte sollen die Effizienz sicherstellen, indem sie Bagatellfälle ausschließen und vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von unverhältnismäßig hohen Befolgungskosten entlasten.
- Arbeit zitieren
- Katharina Baumann (Autor:in), 2021, Möglichkeiten der Besteuerung digitaler Geschäftsmodelle, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1143450