In dieser Hausarbeit wird der Frage nach der Darstellung der Natur in Schillers „Don Karlos“ nachgegangen. Schließlich war Schiller ein bedeutender Vertreter der Aufklärung. Auch haben sich bereits einige Literaturwissenschaftler mit dem Thema der Natur in Don Karlos beschäftigt. So schreibt beispielsweise Gottfried Willems über die von Schiller angesprochene „Doppelnatur des Menschen“. Diese sei nämlich einerseits in die Instinkt-, andererseits in die Vernunftnatur gegliedert.
Hierbei würden sich sowohl bei beiden Naturen positive als auch negative Aspekte wiederfinden. Während die Instinktnatur einerseits von egoistischer Seite sei, andererseits die Sympathie des Lesers lenke, so sei die Vernunftnatur dem reinen Verfolgen von Interessen und Vorteilen gemäß den Pflichten und Gesetzen aus. Lilli Gast differenziert in ihrem Artikel die geistige und die „thierische“ Natur, auf welche sich Schiller in seinen Werken bezieht. Dabei sei wie bei Sigmund Freud das „thierische Ich“ die rein egoistischen Bedürfnisse des Menschen, welche es zu erfüllen versucht, ohne dabei auf sein Umfeld zu achten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Explizite Darstellung der Natur
2.1 Quantitative Thematisierung der Natur
2.2 Qualitative Thematisierung der Natur
3. Formsprachliche Veranschaulichung von Natur
3.1 Naturdarstellung in den Figuren
3.2 Naturdarstellung in den Schauplätzen
3.3 Naturdarstellung in den Handlungen
4. Schluss und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit untersucht die vielschichtige Darstellung und Funktion des Naturbegriffs in Friedrich Schillers Drama „Don Karlos“. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Verbindung der Figuren zur Natur äußert und inwieweit das Motiv der „Stimme der Natur“ sowie das Spannungsfeld zwischen „Instinkt- und Vernunftnatur“ die Charakterisierung und den Handlungsverlauf des Stückes beeinflussen.
- Analyse der expliziten und quantitativen Erwähnung des Naturbegriffs
- Untersuchung der qualitativen Naturauffassung der Protagonisten
- Formsprachliche Veranschaulichung der Natur durch Regieanweisungen und Figurenrede
- Kontrastierung von „naturnahen“ und „naturfernen“ Charakteren
- Verbindung von Schauplätzen, Handlungsdichte und der Abnahme von Natürlichkeit im Verlauf des Dramas
Auszug aus dem Buch
3.2 Naturdarstellung in den Schauplätzen
Im ganzen Drama ist es bemerkenswert, dass nur zwei größere Schauplätze verwendet wurden, diese allerdings sehr unterschiedlich mit der Natur verbunden sind. So steht die Sommerresidenz Aranjuez im Kontrast zum Königshof in Madrid.
Zur Sommerresidenz werden durch die Regieanweisungen wenige Informationen gegeben. So habe die Residenz einen „königlichen Garten“ (vgl. V. 0). Genauer wiederum wird das Gebiet um die Hofhaltung der Königin erwähnt, nämlich eine „einfache ländliche Gegend, von einer Allee durchschnitten, vom Landhaus[…] der Königin begrenzt“ (V. 385f). Eine explizite Erwähnung der Natur erfolgt daher nur durch die Nennung des königlichen Gartens. Dennoch steht Aranjuez für Natur, besonders durch die Figurenrede der Königin. Diese hat sich „dies Plätzchen […] längst zum Liebling auserlesen“ (V. 396-397), denn hier „grüßt [sie ihre] ländliche Natur“ (V. 398). Auch deutet sie Bezüge zu ihrer Kindheit in Frankreich an. Demnach steht die Natur, hier vertreten durch die Sommerresidenz, für Elisabeth für ihr Heimatland Frankreich. Prinzessin Eboli beschreibt Aranjuez wiederum als „einsam, tot und traurig“ (V. 403-404). Wahrscheinlich ist das ein Hinweis auf die Ruhe, die in der Residenz herrscht.
Im Kontrast dazu beschreibt die Marquisin von Mondekar Madrid als „lebendig“ (V. 415). Dabei bezieht sich auf ein baldig stattfindendes Stiergefecht und ein Auto da Fe. Dies könnte auch wieder ein Hinweis auf den Unterschied zwischen Leben und Tod beider Schauplätze sein. Während Aranjuez voll mit Leben ist, so verbindet Schiller Madrid eher mit Kampf und Tod.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Naturbegriffs im Werk Friedrich Schillers ein und umreißt den aktuellen Forschungsstand zur „Doppelnatur des Menschen“.
2. Explizite Darstellung der Natur: Dieses Kapitel analysiert das Vorkommen des Begriffs Natur im Text, unterteilt in quantitative Häufigkeiten und qualitative Charakteristika der verschiedenen Figuren.
3. Formsprachliche Veranschaulichung von Natur: Hier wird untersucht, wie das Motiv der Natur durch die Gestaltung der Figuren, die Wahl der Schauplätze und die Verdichtung der Handlung ästhetisch umgesetzt wird.
4. Schluss und Ausblick: Der abschließende Teil fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die zentrale Rolle der Natur als ambivalentes Motiv in „Don Karlos“.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Don Karlos, Natur, Aufklärung, Sturm und Drang, Menschenbild, Instinktnatur, Vernunftnatur, Aranjuez, Marquis von Posa, Elisabeth von Valois, Schicksal, Freiheit, Regieanweisungen, Dramenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung und der Darstellung der Natur als Leitmotiv in Friedrich Schillers Drama „Don Karlos“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit thematisiert vor allem das Spannungsfeld zwischen Instinkt und Vernunft, die Rolle der Natur in der Aufklärung sowie deren Spiegelung in Figuren und Schauplätzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schiller den Naturbegriff in seinem Drama ambivalent einsetzt, um Charaktereigenschaften und zwischenmenschliche Konflikte zu charakterisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den Textbestand (Regieanweisungen, Figurenrede) als auch Fachliteratur zur Interpretation heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine explizite Untersuchung des Begriffsgebrauchs und eine Analyse der formsprachlichen Umsetzung durch Figuren, Schauplätze und Handlungsabläufe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schillers „Don Karlos“, der Naturbegriff, die „Stimme der Natur“, das Verhältnis von Vernunft und Instinkt sowie die dramaturgische Umsetzung.
Welche Rolle spielt die Figur des Marquis von Posa im Kontext der Natur?
Posa nutzt den Naturbegriff sehr individuell, um seine politischen Ideale, wie die Freiheit, zu begründen und sich von der starren Ordnung der Kirche abzugrenzen.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Großinquisitors von der „natürlichen“ Ordnung?
Der Großinquisitor wird explizit als Gegenpol zur Natur inszeniert; er ist eine unpersönliche, blinde Institution, die jegliche menschliche Regung der Natur ablehnt.
Welche Bedeutung kommt dem Schauplatz Aranjuez zu?
Aranjuez fungiert als Rückzugsort und Symbol für Natur, Ruhe und die französische Heimat der Königin, was im scharfen Kontrast zum „unnatürlichen“, kämpferischen Madrid steht.
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- Leon Kockisch (Author), 2018, Eine Darstellung des Naturbegriffs in Schillers "Don Karlos". "Das Natürliche am spanischen Hof", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1143316