In der folgenden Arbeit soll aufgezeigt werden, in welchen Teilaspekten sich die Reproduktion von Bildungsungleichheit äußert und wie die jeweiligen Teilaspekte auf die Reproduktion der Bildungsungleichheit wirken.
Die theoretische Grundlage bilden dabei die Kapitalformen, der Habitus und die Klasse nach Pierre Bourdieu.
Bildungsungleichheit und deren Reproduktion, bildet trotz Schulpflicht, Bildungsexpansion und Bildungsreform weiterhin ein Strukturmerkmal moderner Gesellschaften. Wobei sich insbesondere eine soziale Ungleichheit von Bildungschancen zwischen den Sozialschichten beobachten lässt und weiterführende Bildung ein Privileg höher gestellten Schichten darstellt (Müller und Pollak 2016: 380). In der Regel sind höher gestellte Kinder mittels dieser Bildungsabschlüsse in der Lage vergleichsweise günstige Lebenschancen und eine privilegierte Lebensführung zu realisieren. Die Diskussion über die Existenz und die Folgen von Bildungsungleichheit sind dabei nicht nur im wissenschaftlichen Diskurs, sondern auch in der medialen Berichterstattung allgegenwärtig. Dies zeigt beispielsweise die Debatte über die Ungleichheit zwischen eingewanderten und einheimischen Kindern beim Bildungserfolg, welche durch die Flüchtlingskrise an Aktualität gewann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Begriffe Pierre Bourdieus
2.1. Die Kapitalarten als Ausdruck der sozialen Position
2.2. Der Habitus und Klassen im sozialen Raum
3. Reproduktion der sozialen Ungleichheit
3.1. Ressourcenaspekt
3.2. Regelaspekt
3.3. Machtaspekt
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Mechanismen, durch die Bildungsungleichheit in modernen Gesellschaften reproduziert wird, wobei der theoretische Fokus auf den zentralen Begriffen von Pierre Bourdieu liegt. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, aufzuzeigen, in welchen Teilaspekten sich diese Reproduktion äußert und wie die Verteilung von Kapital sowie habituelle Dispositionen dabei wirken.
- Die theoretische Konzeption der Kapitalformen (ökonomisch, kulturell, sozial) nach Bourdieu.
- Die Funktion des Habitus als Vermittlungsinstanz zwischen sozialer Struktur und individuellem Handeln.
- Der Ressourcenaspekt als Bedeutungsträger für Bildungserfolg und Ungleichheitsreproduktion.
- Der Regelaspekt, der die Rolle klassenspezifischer habitueller Voraussetzungen im Bildungssystem beleuchtet.
- Der Machtaspekt und die symbolische Gewalt als Instrumente der kulturellen Dominanz.
Auszug aus dem Buch
2.1.Die Kapitalarten als Ausdruck der sozialen Position
Bourdieu richtet sein Augenmerk auf die Akkumulationsweise und Transformierbarkeit von Ressourcen, weshalb er um deren Logik und Dynamik herauszuarbeiten sich an Marx‘ Kapitalbegriff anlehnt (Müller 2016: 47). Dabei bildet das Kapital als akkumulierte Arbeit, entweder in Form von Materie oder in verinnerlichter, inkorporierter Form, die Grundlage dafür, dass die Wechselspiele des gesellschaftlichen Lebens nicht wie einfache Glückspiele verlaufen (Bourdieu 2009: 111). Vielmehr benötige die Akkumulation von Kapital ob nun in Form von Materie oder in verinnerlichter, inkorporierter Form, vor allem Zeit. Dabei kann das Kapital sowohl Profite produzieren, sich selbst reproduzieren oder auch wachsen. Mithilfe des Konzepts der Kapitalakkumulation möchte Bourdieu laut Fröhlich (1994: 34): „das theoretische Problem der Erklärung von objektiver wie subjektiver Persistenz lösen“.
Allerdings sieht Bourdieu die ausschließlich ökonomisch-materielle Dimension des Kapitalbegriffs problematisch, denn: „dieser wirtschaftswissenschaftliche Kapitalbegriff reduziert die Gesamtheit der gesellschaftlichen Austauschverhältnisse auf den bloßen Warentausch, der […] vom Eigennutz geleitet ist (Bourdieu 2009: 112)“. Weshalb die Wirtschaftstheorie implizit alle anderen Formen sozialen Austausches zu nicht ökonomischen und somit uneigennützigen Beziehungen erklärt (Bourdieu 2009: 112). Mit diesem derart reduzierten Kapitalbegriff lassen sich jedoch nicht die Eigenarten vorkapitalistischer Wirtschaftsformen sowie auch die Besonderheiten der nicht warenförmigen Ökonomie erfassen. Somit muss eine wirklich allgemeine Wissenschaft von der ökonomischen Praxis laut Bourdieu (2009: 112) in der Lage sein, auch all die Praxisformen einzubeziehen, die zwar einen objektiv ökonomischen Charakter tragen, aber als solche im gesellschaftlichen Leben nicht erkannt werden. Diese Pluralität der Einsätze der Kapitalformen verweist demzufolge auf eine plural verfasste „Welt von Ökonomien“ (Bourdieu 2015: 96). Dabei kann das Kapital, in Abhängigkeit zum jeweiligen Anwendungsbereich und den Transaktionskosten, in drei unterschiedliche Arten auftreten: dem ökonomischen, dem kulturellen und dem sozialen Kapital.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Bildungsungleichheit ein und umreißt die theoretische Relevanz von Bourdieus Konzepten zur Analyse ihrer Reproduktion.
2. Die Begriffe Pierre Bourdieus: Dieses Kapitel expliziert die zentralen theoretischen Begriffe Kapital, Habitus und soziale Klasse als Basis für das Verständnis sozialer Ungleichheit.
3. Reproduktion der sozialen Ungleichheit: Hier werden die verschiedenen Teilaspekte wie Ressourcen, Regeln und Macht analysiert, die maßgeblich zur Verstetigung von Bildungsungleichheit beitragen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und diskutiert abschließend die Rolle politischer Kontrollen sowie die Problematik des Bildungssystems als strukturkonservierende Instanz.
Schlüsselwörter
Bildungsungleichheit, Pierre Bourdieu, Kapitalformen, Habitus, Ressourcenaspekt, Regelaspekt, Machtaspekt, soziale Ungleichheit, kulturelles Kapital, symbolische Gewalt, Klassenspezifische Herkunft, Bildungsexpansion, soziale Reproduktion, soziale Klassen, Bildungsökonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und Mechanismen, die zur Reproduktion von Bildungsungleichheit führen, und nutzt dafür das soziologische Instrumentarium von Pierre Bourdieu.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Kapitaltheorie (ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital), das Konzept des Habitus sowie die Machtstrukturen und deren Einfluss auf den schulischen Bildungserfolg.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie unterschiedliche Kapitalressourcen, klassenspezifische habituelle Muster und Machtverhältnisse ineinandergreifen, um Bildungsungleichheit dauerhaft zu reproduzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der kritischen Auseinandersetzung mit der Soziologie Pierre Bourdieus und relevanter bildungssoziologischer Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Explikation der zentralen Bourdieu’schen Begriffe und die anschließende Untersuchung der Teilaspekte der Ungleichheitsreproduktion: Ressourcenaspekt, Regelaspekt und Machtaspekt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern zählen Bildungsungleichheit, Habitus, Kapitalformen, kulturelle Dominanz und symbolische Gewalt.
Warum reicht eine bloße Bildungsexpansion laut der Arbeit nicht aus, um Bildungsungleichheit zu beseitigen?
Weil das Bildungssystem laut der Analyse strukturkonservierend wirkt und soziale Privilegien oft in als natürlich angesehene Begabungen umdeutet, wodurch bestehende Ungleichheiten eher legitimiert als aufgehoben werden.
Welche Rolle spielt die Definitionsmacht bei der Reproduktion von Bildungsungleichheit?
Die herrschende Klasse nutzt ihre Macht, um festzulegen, welche Inhalte und kulturellen Formen als legitim gelten, was dazu führt, dass benachteiligte Gruppen ihre eigene Kultur als minderwertig wahrnehmen und verinnerlichen.
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- Max Krampert (Author), 2018, Reproduktion der Bildungsungleichheit in Deutschland nach Pierre Bourdieu, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1139661