In dieser Arbeit wird die Frage untersucht, welche Indikatoren dafür sorgen, dass ein Rezipient eine Märchenfigur mit dem Attribut gut oder böse belegen kann. Insbesondere soll hierbei beleuchtet werden, welche Rolle die Tugendhaftigkeit einer Figur dabei einnimmt und welche weiteren Motive eine solche Zuordnung begründen. Die essenzielle Frage ist, was sich durch die Schaffung dieser beiden Oppositionen und die Zuordnung zu diesen für die Moral des Märchens ergibt und weshalb damit in den meisten Fällen zwangsläufig das Gute über das Böse siegen muss.
Ob in Literatur, Film oder Fernsehen, kein anderes Thema ist derartig beliebt und häufig behandelt worden wie das Wechselspiel von Gut und Böse. Diese Faszination begründet sich nicht zuletzt aus den seit Jahrhunderten tradierten Sagen, Dichtungen und Volksmärchen. So verhält es sich auch bei den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Wenn im "Rotkäppchen" schlussendlich der böse Wolf stirbt, die Aschenputtel den Prinzen heiratet oder Hänsel und Gretel die Hexe verbrennen, steht fest, dass es sich um ein Märchen der Brüder Grimm handelt, in dem das Gute am Ende über das Böse die Oberhand gewinnt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Gut und Böse
2.2. Tugenden und Laster
3. Motive und Figuren
3.1 Gegensätzliche Motive
3.2 Die Rolle der Stiefmutter
4. Gut und Böse auf Textebene
4.1 Aschenputtel
4.2 Frau Holle
4.3 Schneewittchen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Indikatoren und Motive, die in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zur moralischen Zuordnung von Figuren als "gut" oder "böse" führen, wobei insbesondere die Rolle von Tugendhaftigkeit und Lasterhaftigkeit beleuchtet wird.
- Analyse der moralischen Polarisierung im Märchen
- Bedeutung der Tugend- und Laster-Konzepte für die Charakterisierung
- Funktion gegensätzlicher Motive (Schönheit/Hässlichkeit, Fleiß/Faulheit)
- Die Rolle der Stiefmutter als Personifikation des Bösen
- Untersuchung exemplarischer Märchentexte
Auszug aus dem Buch
4.1 Aschenputtel
Schon zu Beginn dieses Märchens wird die Frömmigkeit der Protagonistin herausgestellt. Damit tritt die erste Tugend zum Vorschein. Noch auf dem Sterbebett sagt die Mutter zu ihrer Tochter, dass sie fromm und gut bleiben solle, dann stünde der liebe Gott ihr immer bei und sie schaue vom Himmel auf Aschenputtel herab. „Das Versprechen der Mutter ist ein zukunftsgewisser Hinweis auf den Erfolg einer moralischen Lebensführung in Achtung vor den Mitmenschen.“, so Winfried Freund dazu in seinem Werk „Deutsche Märchen“. Nachfolgend wird weiter erklärt, dass Aschenputtel auch fromm und gut bleibt und jeden Tag an das Grab ihrer Mutter geht. „Gut und fromm zu sein heißt im Märchen dem anderen nicht zu schaden, seinem Glück nicht im Weg zu stehen, wie man umgekehrt erwartet, daß auch die anderen das eigene Glück nicht selbstsüchtig verhindern.“, so Freund. Die Figur Aschenputtel ist somit von Anbeginn mit dem Attribut „gut“ belegt.
Die Stiefschwestern andererseits bekommen eine klare Zuteilung zu den bösen Figuren in dem Märchen „Aschenputtel“. Es heißt, dass sie zwar schön und weiß vom Angesicht sind, jedoch garstig und schwarz im Herzen. In diesem Märchen ist damit die „innere Hässlichkeit“ ein Indikator für das Böse.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der moralischen Gegensätze in den Märchen der Brüder Grimm und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Definitionen: Begriffliche Klärung von Gut und Böse sowie der ethischen Konzepte von Tugenden und Lastern im Kontext der Märchen.
3. Motive und Figuren: Vorstellung typischer gegensätzlicher Motive wie Schönheit und Fleiß sowie die Funktion der Stiefmutter als zentrale Antagonistin.
4. Gut und Böse auf Textebene: Untersuchung der Märchen Aschenputtel, Frau Holle und Schneewittchen hinsichtlich der zuvor definierten Motive und Rollenbilder.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Erkenntnisse über die moralische Struktur und die belehrende Wirkung der Märchen.
Schlüsselwörter
Kinder- und Hausmärchen, Brüder Grimm, Gut und Böse, Moral, Tugend, Laster, Stiefmutter, Motive, Aschenputtel, Frau Holle, Schneewittchen, Schönheit, Fleiß, Ethik, Märchenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die moralische Einteilung von Figuren in Gut und Böse in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Begriffen Tugend und Laster, der Rolle der Stiefmutter als Antagonistin sowie dem Einsatz gegensätzlicher Motive wie Schönheit und Hässlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, welche Indikatoren und Motive eine moralische Zuordnung von Märchenfiguren ermöglichen und warum das Gute in diesen Erzählungen zwangsläufig über das Böse siegen muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse basierend auf Definitionen und Motiven, um exemplarische Märchentexte auf Textebene zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Nach der theoretischen Definition der Begriffe werden die Motive Schönheit, Hässlichkeit, Fleiß und Faulheit sowie die Stiefmutterrolle beleuchtet und anschließend in den Märchen Aschenputtel, Frau Holle und Schneewittchen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Märchenanalyse, Gut und Böse, moralische Werte, Tugendhaftigkeit, Grimm’sche Märchen und Rollenbilder charakterisieren.
Warum fungiert die Stiefmutter in den untersuchten Märchen als Personifikation des Bösen?
Die Stiefmutter wird durch ihr Verhalten, wie das Drangsalieren der Stiefkinder aus Eifersucht oder Neid, und durch ihre häufige negative Assoziation in der Gattung Märchen als klare Antagonistin dargestellt.
Inwiefern spielt der Begriff der "inneren Hässlichkeit" eine Rolle?
In den Märchen fungiert die innere Hässlichkeit, wie bei den Schwestern im Aschenputtel, als ein wesentlicher Indikator für das Böse, auch wenn die Figuren äußerlich schön sein mögen.
- Quote paper
- Ann-Marie Mau (Author), 2018, Indikatoren für Gut und Böse in ausgewählten Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Über Tugendhaftigkeit und Moral, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1139380