Betrachtet man das Kerncurriculum im Sekundarbereich I für die Oberschule, stellt man fest, dass die SuS zum Ende des 6. Schuljahres „unter Verwendung einer angemessenen Wortwahl deutlich und verständlich“ sprechen sollen. Dies ist so offen formuliert, dass es für die meisten SuS möglich ist, dieses Lernziel zu erreichen. Weitere Punkte im Kerncurriculum sind: „Wenden in Vorträgen grundlegende Fachbegriffe an und erklären sie“ und „erzählen Erlebnisse und Geschichten gegliedert und mithilfe einer ausdrucksstarken Wortwahl“. Es wird also deutlich, dass schon ab Jahrgang 6/7. Von SuS erwartet wird, dass sie nicht nur über einen ausreichenden Wortschatz besitzen, sondern diesen „ausdrucksstark“ anwenden können und Fachbegriffe kennen.
Die Schwierigkeiten für den Deutschunterricht ergeben sich dementsprechend in der Umsetzung. Es muss ein weitreichender Wortschatz hergestellt werden, der so abgerufen werden kann, dass die Schüler:innen einen Text verstehen können.
Da dies jedoch in vielen Fällen praktisch nicht der Fall ist, stellt sich die Frage, inwieweit der erlernte Wortschatz ausreicht.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Wortschatz
Mentales Lexikon
Rezeptiver und produktiver Wortschatz
Relevanz
Lehrwerkanalyse
Psycholinguistische Perspektive
Didaktische Perspektive
Ergebnisse
Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Angemessenheit des vermittelten Wortschatzes im Lehrwerk „Willkommen in Deutschland I“ für den Einsatz in Sprachlernklassen zu untersuchen und zu prüfen, ob dieser Wortschatz die Schülerinnen und Schüler effektiv auf den Übergang in den regulären Deutschunterricht vorbereitet.
- Theoretische Grundlagen zum mentalen Lexikon und Wortschatzerwerb
- Unterscheidung und Relevanz von rezeptivem und produktivem Wortschatz
- Analyse der psycholinguistischen und didaktischen Ansätze des Lehrwerks
- Quantitative und qualitative Überprüfung der Wortschatzfrequenz
- Eignungsbewertung für den Übergang in Regelklassen
Auszug aus dem Buch
Mentales Lexikon
Jedes Individuum besitzt, je nach sozialen und ökonomischen Voraussetzungen, über einen gewissen Wortschatz. Diese Wörter oder auch lexikalischen Einheiten genannt, repräsentieren dabei die Wortbedeutung, Informationen über die Verwendungsbedingungen des Wortes, wichtige syntaktische, lautliche und graphematische Eigenschaften, als auch das damit verbundene Konzept. Dieses lexikalische Wissen ist im Langzeitgedächtnis, im mentalen Lexikon, gespeichert. Die Speicherung erfolgt netzartig in bestimmten Einheiten (Kühn, 2007).
Eine Einheit kann als Informationsbündel verstanden werden, in dem einzelne Komponente des Wortes, sowie Relationen der Wörter untereinander enthalten sind (Dietrich, 2007). Somit erfüllt das mentale Lexikon zwar die ungefähre Funktion eines handelsüblichen Lexikons, die Organisation ist jedoch anders. Anders als in einem normalen Lexikon werden die Einträge nicht alphabetisch geordnet, sondern systematisch strukturiert und organisiert, zudem sind sie inhaltlich unbegrenzt und dynamisch. Dabei werden die Wortform und der Wortinhalt getrennt gespeichert.
Allgemein müssen bei der Ordnung innerhalb der Felder und Netzte grundlegende Unterscheidungen getroffen werden. So muss zwischen Wortformen und deren Bedeutung, den Bedeutungen der einzelnen Wörter und ihrer Beziehung untereinander sowie des Speicherns und Abrufens von Wörtern unterschieden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigenden Zahlen migrierter Kinder im schulpflichtigen Alter und leitet daraus die Notwendigkeit einer effektiven Wortschatzarbeit in Sprachlernklassen ab.
Wortschatz: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des mentalen Lexikons sowie die Differenzierung zwischen rezeptivem und produktivem Wortschatz und dessen Relevanz für den Schulerfolg.
Lehrwerkanalyse: Hier wird das Lehrwerk „Willkommen in Deutschland I“ unter psycholinguistischen und didaktischen Gesichtspunkten auf seine Eignung zur Wortschatzvermittlung untersucht.
Ergebnisse: In diesem Kapitel werden die Analyseergebnisse beurteilt, insbesondere im Hinblick auf die Frequenz und die logische Anordnung der vermittelten Wörter.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Lehrwerk zwar solide Ansätze bietet, jedoch aufgrund inkonsequenter Themenanordnung und teils geringer Frequenz der Vokabeln Schwachstellen aufweist.
Schlüsselwörter
Wortschatz, Mentales Lexikon, Sprachlernklassen, Deutsch als Zweitsprache, Lehrwerkanalyse, rezeptiver Wortschatz, produktiver Wortschatz, DaZ-Unterricht, Wortschatzfrequenz, Sprachförderung, Zweitspracherwerb, Didaktik, Kerncurriculum, Schulerfolg, Wortwissen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Qualität und Eignung des vermittelten Wortschatzes in Sprachlehrwerken für Kinder mit Migrationshintergrund, um deren Übergang in reguläre Schulklassen zu erleichtern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Prozess des Wortschatzerwerbs, das mentale Lexikon, die didaktische Struktur von Lehrwerken und die Anforderungen des Kerncurriculums für Deutsch als Zweitsprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Prüfung, ob der im Lehrwerk „Willkommen in Deutschland I“ vermittelte Wortschatz quantitativ und qualitativ angemessen ist, um den Anforderungen des Regelunterrichts gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Auseinandersetzung mit einer didaktischen Lehrwerkanalyse sowie einer quantitativen Frequenzüberprüfung ausgewählter Begriffe mittels einer Wortschatzdatenbank.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der psycholinguistischen Grundlagen, die Definition von Wortschatzarten und die konkrete Analyse des gewählten Lehrwerks unter verschiedenen Perspektiven.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Wortschatz, Mentales Lexikon, Sprachlernklassen, DaZ-Unterricht und die Analyse der Wortschatzfrequenz.
Warum wird das Lehrwerk „Willkommen in Deutschland I“ kritisiert?
Das Lehrwerk wird unter anderem wegen seiner zum Teil willkürlichen Anordnung der Themengebiete kritisiert, was die psycholinguistisch wichtige Vernetzung von Wörtern erschweren kann.
Welche Rolle spielt die Wortschatzfrequenz bei der Untersuchung?
Die Frequenzprüfung soll aufzeigen, ob die im Lehrwerk erlernten Begriffe auch im tatsächlichen deutschen Sprachgebrauch des Regelunterrichts hochfrequent und somit relevant für die Schüler sind.
Welche Empfehlungen gibt die Autorin für die Praxis?
Es wird empfohlen, die Lehrwerk-Inhalte stärker an den Bedürfnissen des Regelunterrichts auszurichten und dabei den Fokus stärker auf hochfrequente Begriffe sowie eine lernpsychologisch sinnvollere Themenabfolge zu legen.
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- Anonym (Autor:in), 2021, Lehrwerksanalyse im Zweitsprachenunterricht Deutsch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1139197