Zu Beginn dieser Arbeit stelle ich Ihnen die Institution vor, in welcher ich in den vergangenen beiden Semestern mein Projektpraktikum absolviert habe. Außerdem gewähre ich einen Einblick in meine Tätigkeiten und die dort gesammelten Erfahrungen. Anschließend gebe ich einen Abriss über das systemische Denken und Handeln. Der Hauptteil dieser Arbeit besteht aus der Erörterung der von mir gewählten Frage:
"Wie lässt sich der systemische Arbeitsansatz in ein Mutter-Vater-Kind-Haus integrieren?"
Ich möchte hiermit dem Leser einen Einblick in das systemische Arbeiten in einer Mutter-Vater-Kind-Einrichtung gestatten.
Meine Praktikumsstelle, für das Projekt Frühe Hilfen und Kinderschutz, im Mutter-Vater-Kind-Haus wählte ich, weil ich durch meine Vollzeitbeschäftigung als Nachtbereitschaft im Kinder- und Jugendhilfezentrum bereits aushilfsweise in dieser Gruppe eingesetzt war. Jetzt wollte ich tiefere Einblicke in die Tätigkeit der Pädagog*innen in diesem Bereich erhalten. Die betreuende und unterstützende Arbeit in der Nacht unterscheidet sich gravierend von der pädagogischen Arbeit am Tag. Das Leitmotiv in diesem Mutter-Vater-Kind-Haus lautet:
"Ich helfe dir, es selbst zu tun!"
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung der Einrichtung
2.1. Der Träger der Jugendhilfe
2.2. Mutter-Vater-Kind-Haus (MuK)
3. Systemisches Denken und Handeln – Ein Abriss
3.1. Grundlagen des systemischen Arbeitens
3.2. Systemisches Arbeiten
4. Systemisches Arbeiten mit den Klient*innen
4.1. Die Genogrammexploration
4.2. Reflecting Team
4.3. Entwicklungs- und Beratungsgespräche
4.4. Tagesreflexion und Gruppenabende
5. Systemisches Arbeiten im Team
5.1. Fallgespräch – Fallberatung
5.2. Team Intervision
6. Fallvorstellungen aus dem Mutter-Kind-Haus im Kontext systemischen Arbeitens
6.1. Fall I: Anja und Luigi
6.2. Fall II: Sophie und Jana
6.3. Fall III: Celia und Lisa
7. Fazit
8. Reflexion
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der systemische Arbeitsansatz in den Alltag einer Mutter-Vater-Kind-Einrichtung integriert werden kann, um betroffene Familien in einem oftmals von Zwängen geprägten Kontext ressourcenorientiert zu unterstützen und ihre Selbstwirksamkeit zu stärken.
- Grundlagen des systemischen Denkens und Handelns in der sozialen Arbeit.
- Methoden der systemischen Klientenarbeit (Genogrammarbeit, Reflecting Team, Gesprächsführung).
- Systemische Ansätze in der Teamarbeit (Intervision, Fallberatung).
- Praktische Anwendung systemischer Instrumente anhand konkreter Fallbeispiele.
- Reflektion der pädagogischen Rolle und der Wirksamkeit systemischer Unterstützungsprozesse.
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Genogrammexploration
Die Genogramm Arbeit ist eine bewährte Methode der Familientherapie und wird deshalb auch in anderen Bereichen angewendet. Sie gehört zu den rekonstruktiven Methoden und ist auf Ressourcenorientierung ausgelegt. Wenn eine Klient*in in das Mutter-Kind-Haus aufgenommen werden soll, geht eine Fallanfrage durch das Jugendamt voraus. Die zuständigen Sozialarbeiter*innen werden mit den potenziellen Klient*innen zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Das Vorstellungsgespräch beginnt in der Regel mit einem Joining. Das ist eine Anwendungstechnik von systemischen Berater*innen und Therapeut*innen und ist als ein therapeutisches Bündnis zwischen Klient*innen, ihren Familienmitgliedern und der systemischen Fachkraft zu verstehen. Direkt nach der Begrüßung wird die Klient*in mit der Sozialarbeiter*in durchs Haus geführt, sodass sich beide einen ersten Eindruck über die Räumlichkeiten machen können. Ein Ziel dieser Joinings ist es, dass die systemische Berater*in beobachten kann, wie sie auf die Mitbewohner*innen zugeht, wie sie auf die neuen Eindrücke reagiert und was die Körpersprache aussagt.
Am Ende des Rundgangs begeben sich alle in den Besprechungsraum. Dort erläutert die systemische Berater*in die Methode der Genogrammexploration. Es ist hierbei besonders wichtig, der Klient*in zu vermitteln, dass dieses Instrumentarium angewendet wird, weil das Team Interesse an ihr hat und deshalb mehr über sie erfahren möchte. Auch ist es eine Möglichkeit zu erkennen, welche Unterstützung sie benötigt und ob die Unterstützung, die konzeptionell verankert ist, die Richtige für sie ist. Die Klient*in darf entscheiden, ob während der Exploration ein Genogramm erstellt werden darf. Die meisten Klient*innen entscheiden sich dafür zuerst von sich erzählen zu dürfen, weil sie dadurch einen Raum für sich haben, in dem sie von sich erzählen können und sich wertgeschätzt fühlen. Bei allem was in Bezug auf die Klient*innen geschieht ist es wichtig, sie zu beobachten. Anhand von Körpersprache und Sitzposition ist zu erkennen ob noch immer eine Anspannung besteht oder ob sich die Klient*in schon langsam etwas entspannt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Interesse an der systemischen Arbeitsweise im Mutter-Vater-Kind-Haus und definiert die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
2. Vorstellung der Einrichtung: Dieses Kapitel beschreibt die Organisationsform des Jugendhilfeträgers sowie das spezifische Betreuungskonzept des Mutter-Vater-Kind-Hauses.
3. Systemisches Denken und Handeln – Ein Abriss: Es werden die theoretischen Wurzeln und das grundlegende Verständnis systemischen Arbeitens als lösungsorientierter Ansatz dargelegt.
4. Systemisches Arbeiten mit den Klient*innen: Das Kapitel erläutert konkrete systemische Methoden wie Genogrammexploration und Reflecting Teams in der direkten Arbeit mit den Müttern.
5. Systemisches Arbeiten im Team: Hier wird die Bedeutung von kollegialer Fallberatung und Team-Intervision für die Psychohygiene der Pädagogen und die Fallqualität hervorgehoben.
6. Fallvorstellungen aus dem Mutter-Kind-Haus im Kontext systemischen Arbeitens: Anhand von drei anonymisierten Fallbeispielen wird die Anwendung systemischer Methoden in der Praxis analysiert.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt die Eignung des systemischen Ansatzes für die Arbeit in Mutter-Kind-Wohnformen.
8. Reflexion: Der Autor reflektiert seine persönliche Praktikumszeit, die Integration ins Team und die praktische Umsetzung des systemischen Ansatzes.
Schlüsselwörter
Systemisches Arbeiten, Mutter-Vater-Kind-Haus, Jugendhilfe, Genogrammexploration, Reflecting Team, Hilfe zur Selbsthilfe, Ressourcenorientierung, Fallberatung, Intervision, Familienbeziehung, Kindeswohl, Bindungsaufbau, pädagogisches Handeln, systemische Beratung, SGB VIII.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Integration systemischer Arbeitsansätze in eine vollstationäre Mutter-Vater-Kind-Einrichtung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Arbeit mit jungen Müttern im Zwangskontext, die Anwendung systemischer Methoden und die kollegiale Teamarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu erörtern, wie systemisches Arbeiten dabei hilft, tragfähige Mutter-Kind-Bindungen aufzubauen und lebenspraktische Kompetenzen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturauswertung und der Sekundärauswertung vorhandener Daten sowie einer Praxisreflexion.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Beschreibung der Einrichtung, der theoretischen Herleitung des systemischen Ansatzes sowie der praktischen Anwendung verschiedener Methoden mit Klienten und im Team.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Systemisches Arbeiten, Ressourcenorientierung, Genogramm, Fallberatung und Mutter-Kind-Bindung.
Warum ist die Genogrammarbeit für die Mütter so wertvoll?
Sie ermöglicht den Frauen, ihre Lebensgeschichte bildlich darzustellen, Zusammenhänge zu erkennen und sich im Beratungsprozess wertgeschätzt zu fühlen.
Welche Bedeutung hat das Reflecting Team im Kontext dieser Arbeit?
Es dient dazu, Perspektivwechsel zu ermöglichen und festgefahrene Verhaltensmuster der Klientinnen durch wertschätzende Beobachtung zu lockern.
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- Steffi Gesser (Author), 2020, Systemisches Arbeiten in einem Mutter-Kind-Haus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1138904