Diese Arbeit widmet sich der Frage, inwiefern sich Sport als Integrationsmaßnahme für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund eignet. Das Thema Integration hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Aufmerksamkeit gewonnen. Spätestens seit Beginn der sozialen Gastarbeiterbewegung in den 1950er Jahren haben sich das soziale und kulturelle Leben in der Bundesrepublik geändert: Deutschland ist multikulturell geworden. Zuletzt kam es auch durch die europäische Flüchtlingskrise 2015/2016 zu einem Zuzug von 2,1 Millionen Asylsuchenden nach Deutschland. Allerdings gingen diese hohen Zahlen wieder zurück. Im Jahr 2019 verzeichnet Deutschland lediglich einen Zuzug von 1,6 Millionen Menschen. Dies bedeutet aber trotzdem, dass von den 81,8 Millionen lebenden Menschen in Deutschland (Stand 2019) jeder vierte einen Migrationshintergrund aufweist, das sind 26,1% beziehungsweise 21,2 Millionen Menschen. Hier liegt der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit einem Migrationshintergrund bei 40%.
Laut Ingo Weiss, erster Vorsitzender der deutschen Sportjugend, ist aufgrund der hohen Anzahl von Migranten, die Integration von zugewanderten Kindern und Jugendlichen eine grundlegende Herausforderung, sowie Zukunftsaufgabe für die Gesellschaft. Somit wird die Integration zur Schlüsselaufgabe. Dies gilt damit auch für den Sport. Denn der "Sport (wird) als bedeutender gesellschaftlicher Kontaktraum identifiziert", in dem Kinder und Jugendliche eine zweite Heimat finden und soziale Kontakte schließen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff Migrationshintergrund, organisierter Sport und Integration
2.1 Begriffserklärung Migrationshintergrund
2.2 Begriffserklärung Organisierter Sport
2.3 Begriffserklärung Integration
2.3.1 Integrationstheorien mit dem Fokus auf das Medium Sport
3. Möglichkeiten und Grenzen des organisierten Sports zur Beteiligung junger Migrantinnen und Migranten am Vereinssport in Deutschland
3.1 Situation in Deutschland
3.2 Zugang zum organisierten Sport
3.3 Der Organisationsgrad im Sportverein bei Kindern und Jugendlichen
3.4 Die Sportbeteiligung nach sozialer Herkunft
3.5 Organisationsgrad im Sportverein nach Migrationshintergrund und sozialer Schichtzugehörigkeit
3.6 Mitgliedschaft im Sportverein und Akkulturation
4. Resümee über Möglichkeiten und Grenzen des organisierten Sports zur Sozialisation von Migranten in die Gesellschaft
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Potenzial des organisierten Sports als Integrationsplattform für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit sportliche Aktivitäten tatsächlich zur Sozialisation in die Aufnahmegesellschaft beitragen und welche Barrieren sowie Grenzen diesen Prozess beeinflussen.
- Soziologische Grundlagen von Migration und Integration
- Die Rolle des organisierten Sports als Integrationsinstrument
- Analyse des Organisationsgrads nach Herkunft, Geschlecht und Sozialschicht
- Einfluss von Akkulturation und Sprachpraxis auf die Vereinszugehörigkeit
- Identifikation von Zugangsbarrieren und Handlungsfeldern für Sportvereine
Auszug aus dem Buch
3.3 Der Organisationsgrad im Sportverein bei Kindern und Jugendlichen
Bei einheimischen Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren (siehe Abb.1) ist eine erstaunliche Verbundenheit zum Vereinssport festzuhalten. Insgesamt ergibt sich für das Kindesalter, unabhängig vom Geschlecht, ein Anteil von 71 Prozent, also sieben von zehn Kindern sind aktiv Mitglied in einem Sportverein. Der Organisationsgrad bei den altersgleichen Kindern mit Migrationshintergrund im Sportverein liegt bei lediglich 55 Prozent. Kinder sind Mitglied in einem Vereinssport und zwar unabhängig vom Geschlecht. Etwas mehr als die Hälfte dieser Kinder sind einem Sportverein angegliedert. Vergleicht man diese Angaben zu den autochthonen Kindern ist ein deutliche Abweichung zu erkennen. Kinder ohne Migrationshintergrund liegen um 16 Prozentpunkte über dem Grad der fremdstämmigen Kinder. Mit Blick auf die Geschlechterverteilung ist festzustellen, dass bei den interkulturellen geringe Unterschiede auffallen. Sechs von zehn Jungen mit Migrationshintergrund sind einem Sportverein angegliedert, das sind 58 Prozent, während es sind es bei den Mädchen mit Migrationshintergrund fünf von zehn , also nur 51 Prozent (Mutz, 2013, S. 12f).
Von den jugendlichen Migranten in Deutschland, macht fast jeder dritte (32%) täglich Sport (Mutz, 2012, S. 77). Im Vergleich zur Kindheitsphase, ist im Jugendalter(13-17J) (siehe Abb. 2) die Beteiligung in Sportvereinen leicht rückläufig. Die Jugendlichen ohne Migrationshintergrund sind nur noch zu zwei Dritteln in Sportvereinen vertreten (65 Prozent). Auch für die altersgleichen Zugewanderten, liegt der Organisationsgrad bei 54 Prozent, ein Prozentpunkt weniger als im Kindesalter. Bei autochthonen Jugendlichen fallen die Unterschiede bei der Geschlechterfolge adäquat aus: Die männlichen Jugendlichen sind mit 67 Prozent etwas häufiger als die weiblichen Jugendlichen, 63 Prozent, im Vereinssport anzutreffen. Die fremdstämmigen Jugendlichen sind im Vergleich zu ihren Altersgenossenen ohne Migrationshintergrund insgesamt um elf Prozentpunkte seltener im Sportverein organisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland ein und stellt die Relevanz des Sports als gesellschaftlichen Kontaktraum heraus.
2. Zum Begriff Migrationshintergrund, organisierter Sport und Integration: Hier werden die zentralen Begrifflichkeiten definiert und theoretische Grundlagen der Integration, insbesondere mit Fokus auf das Medium Sport, erörtert.
3. Möglichkeiten und Grenzen des organisierten Sports zur Beteiligung junger Migrantinnen und Migranten am Vereinssport in Deutschland: Dieses Hauptkapitel analysiert empirisch die Teilhabe am Vereinssport, unterteilt nach verschiedenen soziologischen Faktoren wie Herkunft, Geschlecht und Sozialschicht.
4. Resümee über Möglichkeiten und Grenzen des organisierten Sports zur Sozialisation von Migranten in die Gesellschaft: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und beleuchtet die sozialintegrative Kraft des Sports sowie bestehende Hindernisse für eine gelungene Integration.
Schlüsselwörter
Integration, Migration, Sportverein, Sozialisation, Migrationshintergrund, Akkulturation, Sportbeteiligung, Jugendliche, Kinder, soziale Herkunft, Vereinswesen, Gesellschaft, Inklusion, Integrationspolitik, Interkulturalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des organisierten Vereinssports als Instrument zur sozialen Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die Bedeutung der Integration in der Gesellschaft, die theoretische Verankerung des Integrationsbegriffs im Sport sowie die empirische Analyse von Beteiligungsraten in Sportvereinen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu ergründen, welche Möglichkeiten der Sport zur Sozialisation bietet, welche Grenzen dabei existieren und wie die tatsächliche Sportbeteiligung von jungen Migranten ausfällt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche sowie die Sekundäranalyse bestehender Jugendstudien (insbesondere der AID:A-Studie), um den Organisationsgrad im Sport darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert den Zugang zum organisierten Sport, die Unterschiede in der Sportbeteiligung nach Herkunft, sozialer Schicht und Geschlecht sowie den Zusammenhang zwischen Sport und Akkulturation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Migration, Integration, Sportverein, Sozialisation und der Einfluss der sozialen Herkunft auf das Sportverhalten.
Wie wirkt sich der soziale Status auf die Sportbeteiligung aus?
Die Untersuchung zeigt eine starke Korrelation zwischen der sozialen Schichtzugehörigkeit und dem Sportengagement, wobei ökonomische Hürden wie Jahresbeiträge oft den Einstieg erschweren.
Welche Rolle spielt die Sprache im Integrationsprozess durch Sport?
Es wird aufgezeigt, dass die Vereinszugehörigkeit steigt, wenn im Haushalt häufiger Deutsch gesprochen wird, was die Bedeutung des Sprachgebrauchs für die soziale Teilhabe unterstreicht.
Warum gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei jungen Migranten?
Besonders bei Mädchen werden oft kulturelle oder religiöse Vorbehalte als Gründe für eine geringere Sportbeteiligung im Vergleich zu Jungen identifiziert.
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- Anonym (Autor:in), 2021, Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den organisierten Sport. Möglichkeiten und Grenzen der Sozialisation durch Sport, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1138420