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Zur Musikanschauung Jean Pauls in seinem Erziehungsroman "Flegeljahre"

Titel: Zur Musikanschauung Jean Pauls in seinem Erziehungsroman "Flegeljahre"

Examensarbeit , 1986 , 86 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Detlef Rüdiger (Autor:in)

Musik - Sonstiges

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel dieser Arbeit ist es, einige Aspekte der Musikanschauung Jean Pauls vorzustellen. Skizziert werden Parallelen gezeigt zu Elfriede Jelineks Roman "Die Klavierspielerin". Semantischer Doppelsinn verweist auf die oft auch pekuniär prekäre Lage von Berufsmusikern. Eine beobachtbare Heterogenität von Körperlichkeit und Stimme läßt auf eine zunehmende Komplexität der Lebenswelt schließen. Phonetische Nuancen vermitteln hier zwischen Sinnlichkeit (Resonieren) und (Un)Sinn (Räsonieren).

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1) Werkimmanente Mehrfachorientierung

2) Historisch-epochale Mehrfachorientierung

3) Produktion und Rezeption von Musik

Interpretation

1) Reaktionen auf die Krise der Musikkultur um 1800. Zuschauer und Zuhörer

2) Das Reich des Romantischen: Auge und Ohr

3) Heimweh nach Zukunft

4) Die "List" des Humors (und der Musik)

5) Hörertypologie. Entwurf einer Rezeptionsästhetik der Musik: Vermittlung zwischen dem "Besonderen" und dem "Allgemeinen"

6) Herzensgenuß und Kunstgenuß

7) Vereinigung des Organischen und Mechanischen (oder: die Vorzüge einer Prügel-Partie unter Musikern)

8) "Vokalmusik"

9) Masken-Tanz-Musik

10) Traum-Musik

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Musikanschauung Jean Pauls innerhalb seines Erziehungsromans "Flegeljahre" und analysiert insbesondere seinen innovativen Entwurf einer Rezeptionsästhetik. Dabei wird die Dialektik zwischen "Kunstgenuß" und "Herzensgenuß" sowie die Rolle der Musik als Vermittlerin zwischen einer als krisenhaft empfundenen Gegenwart und einer utopischen Zukunft beleuchtet.

  • Rezeptionsästhetik und Musikverständnis bei Jean Paul
  • Die Charakterduplizität der Protagonisten Vult und Walt
  • Musikkultur und Publikumsmentalität um 1800
  • Das Spannungsfeld zwischen Poesie und Wirklichkeit
  • Die Funktion des Humors als Korrektiv in der Musikwahrnehmung

Auszug aus dem Buch

Die "List" des Humors (und der Musik)

Die "List des Humors" besteht darin, daß Scherz (Spiel) und Ernst nur als voneinander abhängig erfahren werden können. So wird Jean Pauls Vorwurf verständlich: "Der Mensch ist im Ernst nicht humoristisch genug und im Scherze nicht ernsthaft genug." Der Humor bewirkt aber "jenes Lachen, worin noch ein Schmerz und eine Größe ist."

Ebenso verhält es sich mit der Wirkung der Musik: sie changiert zwischen Freude und Schmerz, vereinigt aber alle Emotionen in jener Größe, die als Heimweh sich im Seufzer mitteilt.

Nach Beendigung des Konzerts fragt Vult seinen Bruder: "Aber wie hörest du? Voraus und zurück, oder nur so vor dich hin? Das Volk hört wie das Vieh nur Gegenwart, nicht die beiden Polarzeiten, nur musikalische Sylben, keine Syntax. Ein guter Hörer prägt sich den Vordersatz eines musikalischen Perioden ein, um den Nachsatz schön zu fassen."

Vult unterscheidet zwei Hörertypen: der eine erlebt die Musik auf animalische Weise ausschließlich präsentisch und ist nicht in der Lage, einen musikalischen Zusammenhang herauszuhören. Der andere Hörer vermag einzelne musikalische Momente einer umfassenderen Struktur zuzuordnen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Romanhandlung der "Flegeljahre" und die Charakterduplizität der Brüder Vult und Walt im Kontext von Jean Pauls Ästhetik.

Interpretation: Systematische Analyse der im Romantext verankerten musikästhetischen Probleme, insbesondere der Krisensituation der Musikkultur und der Rezeptionsästhetik.

Schlüsselwörter

Jean Paul, Flegeljahre, Musikästhetik, Rezeptionsästhetik, Humor, Vult, Walt, Kunstgenuß, Herzensgenuß, Instrumentalmusik, Vokalmusik, Sphärenmusik, Romantik, Idealismus, Musiksoziologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Musikanschauung Jean Pauls in seinem Roman "Flegeljahre" und stellt Bezüge zu seiner poetologischen Schrift "Vorschule der Ästhetik" her.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Musikrezeption, die ästhetischen Kategorien des Humors und die Rolle der Musik als Vermittlerin zwischen Realität und Utopie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Hauptziel ist es, Jean Pauls bis dato in der Sekundärliteratur kaum beachteten Entwurf einer Rezeptionsästhetik der Musik freizulegen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Untersuchung folgt einem werkimmanenten Interpretationsansatz, der durch die Einbeziehung Jean Pauls poetologischer Schriften und historischer Kontexte fundiert wird.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil befasst sich mit der Konzertkrise um 1800, der Abgrenzung von "Kunstgenuß" und "Herzensgenuß" sowie der Bedeutung von "Vokalmusik" und "Tanz" als Mittel der Lebensbewältigung.

Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?

Sie zeichnet sich durch die Verknüpfung literaturwissenschaftlicher Analyse mit musikästhetischen und -soziologischen Fragestellungen aus.

Welche Bedeutung kommt der Figur Vult in Bezug auf die Musik zu?

Vult repräsentiert das fachlich versierte, aber auch zynisch-strategische Künstlertum, das die Musik als "Kunst" von der profanen Lebenswirklichkeit abgrenzen möchte.

Wie unterscheidet sich Walts Musikverständnis von dem seines Bruders?

Walt hört mit "Herzohren" und ist auf eine emotionale, subjektive Aneignung der Musik fokussiert, statt auf formale musiktheoretische Strukturen zu achten.

Ende der Leseprobe aus 86 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zur Musikanschauung Jean Pauls in seinem Erziehungsroman "Flegeljahre"
Hochschule
Folkwang Universität der Künste
Note
1,0
Autor
Detlef Rüdiger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1986
Seiten
86
Katalognummer
V113564
ISBN (eBook)
9783640141500
ISBN (Buch)
9783640141623
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musikanschauung Jean Pauls Erziehungsroman Flegeljahre
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Detlef Rüdiger (Autor:in), 1986, Zur Musikanschauung Jean Pauls in seinem Erziehungsroman "Flegeljahre", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/113564
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  86  Seiten
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