Bildeten Frauen, die über eigene Vermögenswerte verfügten und einer gewerblichen Tätigkeit nachgegangen sind, die Ausnahme in einer patriarchalischen Gesellschaftsordnung und inwieweit wurde der Gelderwerb von Frauen in der römischen Gesellschaft akzeptiert? Die Quellenlage ist dabei etwas schwierig, denn wir finden nur sehr wenige Belege dafür, dass Frauen der Oberschicht in bestimmten Berufen vertreten waren und ihre Involvierung in Geschäfte meisterhaft verschleiern konnten.
Zu Beginn wird sich mit der rechtlichen Stellung von Frauen zur Zeit des Prinzipats befasst, wo nicht nur ihre Rechte näher erläutert werden, sondern auch ihre Aufgaben und Pflichten, die sie von der Gesellschaft zugeordnet bekommen hatte. Darauf folgen römische Frauen als Bankiers, inwieweit Frauen in dieser Berufsbranche vertreten waren und auch offiziell als solche auftreten konnten. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird auf Frauen die im Darlehensgeschäft und in Reedereiunternehmen vertreten waren, eingegangen um sich dann den Ziegeleien und der Baustoffbranche zuzuwenden. Bei diesem Punkt wird auf die Weitervererbung einer Ziegelei zwischen Mutter und Tochter eingegangen, was insoweit von Interesse ist, dass Erbschaften zwischen Mutter und Tochter nicht häufig Beleg in den Quellen finden. Bis zu diesem Punkt stehen vor allem Frauen aus der Oberschicht im Fokus, der letzte Punkt der Arbeit befasst sich mit dem Berufsfeld des Handwerks und Gewerbe, wo vor allem Frauen aus der Unterschicht vertreten waren, die häufig Freigelassene oder Sklavinnen waren. Am Ende wird die Fragestellung noch mal aufgegriffen und ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Die Stellung der Frauen in der römischen Gesellschaft
3) Römische Frauen als Bankiers?
3.1.) Frauen im Darlehensgeschäft und als Reedereiunternehmerinnen
4) Ziegeleien und Baustoffbranche
5) Handwerk und Gewerbe
6) Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die wirtschaftliche Rolle von Frauen während der Zeit des römischen Prinzipats und geht dabei der zentralen Fragestellung nach, ob Frauen mit eigenem Vermögen und gewerblicher Tätigkeit eine Ausnahme in der patriarchalen Gesellschaftsordnung darstellten oder inwieweit ihr wirtschaftliches Handeln akzeptiert war.
- Rechtliche Stellung der Frau im römischen Prinzipat
- Beteiligung von Frauen an Darlehensgeschäften und Reedereiunternehmen
- Wirtschaftliche Bedeutung von Ziegeleien und der Baustoffbranche
- Soziale Unterschiede zwischen Unternehmerinnen der Ober- und Unterschicht
- Verschleierungstaktiken römischer Frauen zur Ausübung geschäftlicher Aktivitäten
Auszug aus dem Buch
3.1.) Frauen im Darlehensgeschäft und als Reedereiunternehmerinnen
Wie zuvor schon naher erläutert, konnten Frauen ihr Vermögen Privat verleihen und taten dies wohl auch im großen Stil. Dabei wurde das Verleihen von Geld nicht nur in der Oberschicht praktiziert, sondern unabhängig vom gesellschaftlichem Stand. Der Althistoriker Karl- Sigurd Gödde verweist in seiner Dissertation darauf, dass Frauen überdurchschnittlich häufig im Darlehensgeschäft vertreten waren und sich darüber hinaus in dem mit großen Risiko behafteten Seedarlehensgeschäft betätigten. Dies lag dem wirtschaftlichen Zweck zugrunde, dass Vermögen noch weiter zu mehren.15 Das sich Frauen im Seedarlehensgeschäft so häufig wagemutig betätigen, lag wohl an den hohen Gewinnen, die diese bei einem erfolgreichen Ausgang mit sich brachten.
Ein Seedarlehen war im Vergleich zu einem einfachen Darlehen etwas anders aufgebaut, denn ein Seedarlehen wurde vom Schiffseigentümer zum Ausrüsten eines Schiffes und zum Ankauf von Waren aufgenommen und nur bei einem erfolgreichen Ausgang der Reise zurückgezahlt. Andererseits musste bei einem einfachen Darlehen die Summe an den Darlehensgeber in jedem Fall zurückgezahlt werden; „Durch die Hingabe eines Geldbetrages entsteht eine Verpflichtung des Empfängers zur Rückerstattung der gleichen Summe. Die Leistungspflicht des Darlehensschuldners ist unabhängig vom Schicksal der empfangenen Sache.“16 Gerade für die Frauen aus der Oberschicht stellte das Darlehensgeschäft einen lukrativen Anreiz dar, denn die Geschäfte konnten von zu Hause aus geführt werden und die Frau musste sich nicht der Öffentlichkeit preisgeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Diese Einleitung führt in die Genderforschung innerhalb der Altertumswissenschaften ein und umreißt die rechtliche sowie soziale Situation römischer Frauen zur Zeit des Prinzipats.
2) Die Stellung der Frauen in der römischen Gesellschaft: Das Kapitel beleuchtet das Bild der Frau als Hausfrau und Mutter sowie die rechtlichen Einschränkungen und Möglichkeiten, die sich durch die Manus-freie Ehe ergaben.
3) Römische Frauen als Bankiers?: Hier wird untersucht, inwieweit Frauen trotz gesellschaftlicher Widerstände privat als Geldverleiherinnen aktiv waren und wie sie ihre Involvierung verschleierten.
3.1.) Frauen im Darlehensgeschäft und als Reedereiunternehmerinnen: Dieser Abschnitt widmet sich den spezifischen Risikogeschäften wie dem Seedarlehen und der Reederei, die auch von Frauen aus der Oberschicht im Hintergrund geführt wurden.
4) Ziegeleien und Baustoffbranche: Das Kapitel analysiert die Eigentümerschaft von Ziegeleibetrieben durch Frauen der Elite und das bemerkenswerte Beispiel der Erbschaft von Mutter zu Tochter.
5) Handwerk und Gewerbe: Hier liegt der Fokus auf der wirtschaftlichen Tätigkeit von Frauen der Unterschicht, insbesondere Sklavinnen und Freigelassenen im Textil- und Handwerkssektor.
6) Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass unternehmerische Aktivitäten von Frauen keineswegs die Ausnahme waren, sondern in allen sozialen Schichten aus unterschiedlichen Motiven vorkamen.
Schlüsselwörter
Prinzipat, Römische Frauen, Genderforschung, Manus-freie Ehe, Darlehensgeschäft, Seedarlehen, Reedereiunternehmen, Ziegeleien, Baustoffbranche, Handwerk, Sklavinnen, Oberschicht, Unterschicht, Wirtschaftsgeschichte, Rechtsstellung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ökonomische Rolle und Geschäftsfähigkeit von Frauen während der Zeit des römischen Prinzipats.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Untersuchung deckt das Bank- und Darlehenswesen, die Reedereibranche, die Baustoffindustrie sowie handwerkliche Tätigkeiten von Frauen ab.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Autorin fragt, ob gewerblich tätige Frauen eine Ausnahme in der damaligen patriarchalen Gesellschaft bildeten und wie ihr Gelderwerb gesellschaftlich bewertet wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse althistorischer Quellen und der Auswertung moderner Forschungsliteratur, um die ökonomische Realität römischer Frauen zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung rechtlicher Grundlagen, spezifischer Berufsfelder wie Banken und Ziegeleien sowie der wirtschaftlichen Betätigung der Unterschicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Manus-freie Ehe, Sui Iuris, Ius Liberorum, sowie die ökonomische Partizipation in verschiedenen sozialen Schichten.
Wie gingen Frauen mit dem Vorwurf des „unweiblichen“ Bankgeschäfts um?
Frauen nutzten Sklaven als offizielle Vertreter oder Unternehmensführer, um nach außen hin den Anschein zu wahren, während sie die Geschäfte im Hintergrund selbst steuerten.
Welche Rolle spielte die Ziegelei für die römische Oberschicht?
Ziegeleien galten als Nebenprodukt der Landwirtschaft und waren somit eine für den Senatorenstand legitime und lukrative Erwerbsquelle, die auch von Frauen genutzt wurde.
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- Anonym (Autor:in), 2018, Römische Frauen als Investoren und Unternehmer zur Zeit des Prinzipats, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1134903