In diesem Essay soll zunächst auf die Struktur des anselmischen Gottesbeweises eingegangen werden und infolgedessen die Kritik an ihm dargestellt werden. Die ausgeführte Kritik wird einerseits von Seiten wichtiger philosophischer/theologischer Denker näher beleuchtet, andererseits aber findet meine eigene Kritik an gesonderter Stelle Platz. Am Ende des Essays werden alle wichtigen Argumente zusammenfassend dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Auseinandersetzung mit Anselms Gottesbeweis
2.1 Erläuterung des Beweises
2.2 Die Kritik an Anselms Gottesbeweis
3. Resümee
Zielsetzung & Themen
Dieses Essay verfolgt das Ziel, die Struktur des ontologischen Gottesbeweises von Anselm von Canterbury im Proslogion zu analysieren und die daraus resultierende philosophische sowie theologische Kritik kritisch zu beleuchten.
- Die ontologische Argumentationsweise von Anselm von Canterbury
- Das Verhältnis von Glauben und Vernunft (fides quaerens intellectum)
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Gottesbeweis durch historische Denker
- Die Analyse der "Quasi-Definition" Gottes und deren logische Implikationen
- Gegenüberstellung von a priori und a posteriori Argumentationen
Auszug aus dem Buch
2.1 Erläuterung des Beweises
Sowohl im Monologion als auch geringfügig im Proslogion stützt sich Anselm auf platonisch-augustinische Traditionen: Da es Gutes, Wahres und Schönes auf der Welt gibt, schließt er daraus, dass ein Maximum an diesen guten, wahren und schönen Verhältnissen existiert. Der Begriff des Maximums an Größe und Wert wird hier relativ auf alle anderen Seienden (Wesen) formuliert. Das relative Maximum scheint durch Steigerung empirischer Eigenschaften gedacht werden zu können, das absolute Maximum dagegen nicht.
Anselm versucht somit ein Argument a priori, also vor jeglicher Erfahrung, für die Existenz Gottes zu finden, da das Proslogion Glaube ist, der nach Einsicht sucht. So sucht Anselm nach dem unum argumentum, aufgrund der größeren Überzeugungs- und Einleuchtungskraft. Dieses Argument bewegt sich in einem Kontext einer Rückkehr zu Gott. Auch ist solch ein Argument philosophisch interessanter und dessen Einfachheit und quasi logischer Charakter spiegeln die Einheit und Absolutheit Gottes wider. Das ontologische Argument zeigt also auf, dass der Glaube eine Orientierung geben soll, man selbst sollte jedoch philosophische Argumente geben. So geht es von einer Beschreibung und Erklärung dessen aus, woran wir glauben.
Der anselmische Gottesbeweis kann als analytischer Satz gesehen werden. So ist das Prädikat bereits im Subjekt enthalten. Anselm beschreibt in seinem Beweis Gott als etwas, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann: Et quidem credimus te esse aliquid quo nihil maius cogitari possit (II, 2). Mit dieser Definition entfernt sich Anselm in seinem Proslogion von der bloßen Theologie und rückt der philosophischen Überlegung näher. In seinem Gottesbeweis vermeidet Anselm den Umweg über die sichtbare Schöpfung. Ohne Beziehung zur Außenwelt will er die Existenz Gottes aus bloßem philosophischen Denken heraus beweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des ontologischen Gottesbeweises im Proslogion ein und erläutert Anselms Ansatz, die Existenz Gottes allein durch das Denken zu beweisen.
2. Auseinandersetzung mit Anselms Gottesbeweis: Dieser Hauptteil analysiert die logische Struktur des Beweises anhand der zentralen Definition und stellt die historische Kritik daran gegenüber.
2.1 Erläuterung des Beweises: Hier wird die Herleitung des Arguments aus platonisch-augustinischen Traditionen dargelegt und die Bedeutung des Begriffs von Gott als das Wesen, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, hervorgehoben.
2.2 Die Kritik an Anselms Gottesbeweis: Dieser Abschnitt behandelt die Einwände bedeutender Philosophen, beginnend bei Gaunilos Insel-Argument bis hin zur Kantschen Kritik, dass Existenz kein Prädikat sei.
3. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die Kerngedanken von Anselms Argumentation zusammen und bewertet die fortdauernde Bedeutung der Debatte über das Verhältnis von Glauben und intellektueller Einsicht.
Schlüsselwörter
Anselm von Canterbury, Proslogion, Ontologischer Gottesbeweis, Fides quaerens intellectum, A priori, A posteriori, Scholastik, Gottesbegriff, Existenz, Prädikat, Gaunilo von Marmoutier, Thomas von Aquin, Immanuel Kant, Denken, Sein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den ontologischen Gottesbeweis von Anselm von Canterbury, wie er im Werk Proslogion formuliert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die philosophische Struktur der Gottesbeweise, das Verhältnis von Glaube und Vernunft sowie die historische Kritik an Anselms Argumentationsweise.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage des Essays?
Das Ziel ist es, die Struktur des anselmischen Arguments offenzulegen und die kritische Auseinandersetzung durch bedeutende Denker der Philosophiegeschichte nachzuzeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wendet eine analytische und historisch-philosophische Methode an, um die Argumentationslogik Anselms zu rekonstruieren und mit kritischen Gegenpositionen zu kontrastieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Erläuterung der "Quasi-Definition" Gottes sowie eine umfassende Darstellung der Kritik, etwa durch Gaunilo, Thomas von Aquin und Immanuel Kant.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen ontologischer Gottesbeweis, fides quaerens intellectum, Existenz als Prädikat, A-priori-Argumentation und die scholastische Tradition.
Warum benötigt Anselm laut dem Autor die Position des "Toren" für seinen Beweis?
Anselm benötigt den Toren, da nur unter der Voraussetzung, dass jemand Gott denkt (auch wenn er ihn verneint), das Wesen, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, einen Platz im Intellekt erhält.
Wie unterscheidet sich die Kritik von Thomas von Aquin von der Anselms?
Thomas von Aquin lehnt Anselms a-priori-Ansatz ab und argumentiert stattdessen a posteriorisch, indem er Gottes Existenz aus den Wirkungen in der Welt ableitet.
Warum ist laut Kant die Existenz kein Prädikat?
Kant argumentiert, dass Existenz lediglich die Voraussetzung dafür ist, dass ein Ding Eigenschaften besitzen kann, und somit nicht als bloßes Merkmal oder Eigenschaft in eine Definition einfließen darf.
- Quote paper
- Ahmad Sadik Saqqar (Author), 2014, Auseinandersetzung mit Anselms Gottesbeweis. Analyse und Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1134839