Diese Hausarbeit zeigt die Potenziale und Grenzen von Ganztagsschulen hinsichtlich der Verringerung von sozialer Ungleichheit im Bildungssystem auf.
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird zunächst eine genaue Definition von sozialer Ungleichheit gegeben. Anschließend wird Bildung als eine zentrale Dimension von sozialer Ungleichheit eingeordnet. Weiterhin werden aktuelle exemplarische Befunde zur ungleichen Bildungsbeteiligung und zum ungleichen Bildungsgeschehen entlang des Migrationshintergrundes und des sozioökonomischen Status in Deutschland aufgezeigt. Im dritten Kapitel werden zwei Theorien aufgeführt, welche die soziale Ungleichheit im deutschen Bildungssystem auf verschiedene Weise erklären. Zuerst wird die Theorie von Raymond Boudon erläutert, welcher sich auf primäre und sekundäre Herkunftseffekte beruft. Daraufhin wird die institutionelle Diskriminierung als Erklärung angeführt.
Im vierten Kapitel wird kurz das Konzept der Ganztagsschulen in Deutschland erklärt. Basierend auf den genannten Theorien werden die Potenziale und Grenzen von Ganztagsschulen hinsichtlich der Verringerung von sozialer Ungleichheit im deutschen Bildungssystem aufgezeigt. Hierbei werden besonders Ergebnisse der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) berücksichtigt, welche sich seit 2005 intensiv mit den Potenzialen von Ganztagsschulen in Deutschland beschäftigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Soziale Ungleichheit im Bildungskontext
2.1 Definition Soziale Ungleichheit
2.2 Bildung als eine zentrale Dimension sozialer Ungleichheit
2.2.1 Ungleiche Bildungsbeteiligung in Deutschland
2.2.2 Ungleiches Bildungsgeschehen in Deutschland
3 Theorien zur Erklärung von sozialer Ungleichheit im Bildungssystem
3.1 Primäre und sekundäre Effekte familiärer Herkunft nach Boudon
3.2 Institutionelle Diskriminierung
4 Das Konzept von Ganztagsschulen in Deutschland
5 Potenziale und Grenzen der Ganztagsschule
5.1 Elterliche Entlastung
5.2 Schulleistungen
5.2.1 Lesekompetenz
5.2.2 Allgemeine Schulleistungen
5.3 Institutionelle Diskriminierung in der Ganztagsschule
5.4 Unterstützung beim Übergang in die ganztägige Sekundarstufe
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit des Ausbaus von Ganztagsschulen als Instrument zur Verringerung sozialer Ungleichheit im deutschen Bildungssystem. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Potenziale und Grenzen Ganztagsschulen hinsichtlich der Kompensation sozialer Benachteiligungen aufweisen.
- Soziale Ungleichheit und ihre Determinanten im Bildungssystem
- Theoretische Erklärungsmodelle nach Boudon (primäre/sekundäre Herkunftseffekte)
- Wirkung von Ganztagsangeboten auf Schulleistungen und elterliche Entlastung
- Herausforderungen der institutionellen Diskriminierung und Kooperation
- Gestaltung des Übergangs von der Grundschule in die Sekundarstufe
Auszug aus dem Buch
3.1 Primäre und sekundäre Effekte familiärer Herkunft nach Boudon
Zur Erklärung der aufgezeigten sozialen Ungleichheit im deutschen Bildungssystem werden in der Forschung mehrere Faktoren aufgeführt. Es besteht jedoch Einigkeit darüber, dass „[…] soziale Ungleichheiten von Bildungschancen von der Elterngeneration auf die Generation der Kinder weitergegeben werden […]“ (Becker & Lauterbach 2016: 10). Im Erklärungsansatz des französischen Soziologen Raymond Boudon lassen sich hierfür zwei Mechanismen aufweisen: Die primären und sekundären Herkunftseffekte.
Primäre Herkunftseffekte sind zunächst soziale Ungleichheiten, welche abseits des Bildungssystems, vor Beginn der schulischen Bildungsphase innerhalb der Familien entstehen (vgl. Hillmert 2014: 77). Nach Boudon haben Schüler*innen aus höheren sozialen Schichten Eingliederungsvorteile in die Gesellschaft, die sich positiv auf den Erwerb schulischer Kompetenzen und Zertifikate auswirken (vgl. Boudon 1974: 29). Diese sind beispielsweise für den Schuleintritt und spätere Bildungsübergänge relevant (vgl. Watermann et al. 2014: 236).
Kinder aus niederen sozialen Schichten haben demgegenüber Eingliederungsnachteile in die Gesellschaft. Familien aus unteren sozialen Schichten weisen beispielsweise ein niedriges Sprachniveau auf, das auf die Kinder übergeht. Von dieser Problematik sind besonders Kinder mit Migrationshintergrund betroffen. Sprache stellt den zentralen Zugang zu Wissenserwerb und dadurch zum Bildungserfolg dar. Dadurch kommt der Sprachvermittlung durch das Elternhaus eine besondere Bedeutung zu (vgl. Watermann & Maaz 2010: 313; Kuhnt 2017: 234-235).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Bildungsgerechtigkeit in Deutschland und Vorstellung der Forschungsfrage.
2 Soziale Ungleichheit im Bildungskontext: Definition von sozialer Ungleichheit und Analyse der Bildungsbeteiligung sowie des Bildungsgeschehens.
3 Theorien zur Erklärung von sozialer Ungleichheit im Bildungssystem: Theoretische Fundierung durch das Modell von Boudon und den Ansatz der institutionellen Diskriminierung.
4 Das Konzept von Ganztagsschulen in Deutschland: Erläuterung der Entstehung und der verschiedenen Organisationsformen von Ganztagsschulen.
5 Potenziale und Grenzen der Ganztagsschule: Untersuchung der Wirksamkeit von Ganztagsangeboten hinsichtlich Leistung, Entlastung und institutioneller Aspekte.
6 Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse und kritischer Ausblick auf das Potenzial zur Verringerung sozialer Ungleichheit.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Bildungssystem, Ganztagsschule, primäre Herkunftseffekte, sekundäre Herkunftseffekte, Bildungschancen, institutionelle Diskriminierung, Migrationshintergrund, sozioökonomischer Status, Schulleistungen, Lesekompetenz, Übergangsempfehlung, Bildungsbeteiligung, StEG-Studie, Kompensationspotenzial
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern der Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland dazu beitragen kann, die starke Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufzubrechen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf die Auswirkungen von Ganztagsangeboten auf Schulleistungen, die elterliche Entlastung sowie die institutionellen Rahmenbedingungen an Schulen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage ist, welche Potenziale und Grenzen Ganztagsschulen hinsichtlich der Verringerung von sozialer Ungleichheit im deutschen Bildungssystem aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur theoretischen Herleitung genutzt?
Die Arbeit stützt sich primär auf Literaturanalysen soziologischer Theorien, insbesondere der Theorie primärer und sekundärer Herkunftseffekte nach Raymond Boudon, sowie auf Ergebnisse der empirischen Ganztagsforschung (StEG).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Erläuterung des Ganztagsschulkonzepts sowie eine detaillierte Auswertung von Potenzialen (z.B. Förderung der Lesekompetenz, elterliche Entlastung) und Grenzen (z.B. institutionelle Diskriminierung).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe soziale Ungleichheit, Ganztagsschule, Bildungsbeteiligung und institutionelle Diskriminierung definiert.
Wie wirkt sich die Hausaufgabenbetreuung konkret auf Schüler aus benachteiligten Verhältnissen aus?
Die Hausaufgabenbetreuung dient als Kompensationsleistung für fehlende Ressourcen im Elternhaus, was insbesondere Schüler aus sozioökonomisch schwachen Familien und mit Migrationshintergrund bei der schulischen Entwicklung unterstützt.
Warum stoßen Ganztagsschulen bei der institutionellen Diskriminierung an ihre Grenzen?
Obwohl multiprofessionelle Teams zusammenarbeiten, zeigen Studienergebnisse, dass die ungleiche Vergabe von Übergangsempfehlungen durch Lehrkräfte nach wie vor ein strukturelles Problem darstellt, das bisher kaum kompensiert werden kann.
- Arbeit zitieren
- Sophia Linten (Autor:in), 2021, Die Verringerung sozialer Ungleichheit im deutschen Bildungssystem durch Ganztagsschulen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1134665