In dieser Hausarbeit diskutiere ich das unter Annahme des fallibilistischen Wissensbegriffs auftretende Unterscheidungsproblem ausreichender beziehungsweise nicht-ausreichender Rechtfertigung und stelle die einige einschlägige Lösungsansätze vor.
Die Frage, was Wissen ist und ob wir etwas wissen können, ist so alt wie die Philosophie selbst. Im ersten Teil der Hausarbeit wird zunächst der fallibilistische Wissensbegriff dem infallibilistischen gegenübergestellt. Im zweiten Teil wird Bonjours Kritik der fallibilistischen Wissensauffassung thematisiert, die sich am Unterscheidungsproblem zwischen „ausreichender“ zu „nicht ausreichender“ Rechtfertigung festmacht und sich konkret auf einen quantitativen Grenzwert bezieht, wie ihn Fantl und McGrath vorschlagen. Schließlich wird auf Keils Argumentation für die Fehlerquelle der „blinden Flecken“ eingegangen und diese als Lösung für die von Bonjour eingebrachte Forderung nach einem Unterscheidungskriterium diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Hauptteil
Teil I. Wissensbegriffe und ihre Implikationen
Die epistemische Debatte
Die begriffliche Debatte
Übersicht über die Positionen und ihre jeweiligen Implikationen
Zwischenergebnis des ersten Teils
Teil II. Das Unterscheidungsproblem des fallibilistischen Wissensbegriffs
Der Lösungsansatz von Fantl und McGrath
Bonjours Kritik am Lösungsvorschlag
Die bisherige Lage des Unterscheidungsproblems
Blinde Flecken und Keils Einwand
C. Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das zentrale Unterscheidungsproblem innerhalb der fallibilistischen Wissensauffassung, speziell die Frage, wie "ausreichende" von "nicht ausreichender" Rechtfertigung abgegrenzt werden kann, und bewertet dabei kritisch existierende Lösungsansätze.
- Gegenüberstellung von fallibilistischem und infallibilistischem Wissensbegriff
- Kritische Analyse des quantitativen Lösungsansatzes von Fantl und McGrath
- Untersuchung von Bonjours Einwänden gegen die Grenzwerteinführung
- Diskussion von Keils Konzept der "blinden Flecken" als Fehlerquelle
- Reflexion über die epistemische Statusbestimmung von Wissen
Auszug aus dem Buch
Die epistemische Debatte: Das menschliche Erkenntnisvermögen, fallibel oder infallibel?
Die Ausgangsfrage dieser Debatte ist, ob Menschen Überzeugungen haben können, bei denen ein Irrtum ausgeschlossen ist. Infallibilisten bejahen dies. Fallibilisten halten dem die Vielzahl von Irrtumsquellen entgegen. Für die infallibilistische Position hat Descartes in seinen „Meditationen“ ein zentrales Argument geliefert: „Ich denke, also bin ich.“ Dass wir seien, darüber könne uns sogar die Vielzahl der allzu menschlichen Fehlerquellen, ja selbst ein böser und mächtiger Dämon nicht täuschen.3
Dieses Argument hat eine Reihe von Gegenargumentationen auf den Plan gerufen, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Ohnehin ist außerhalb der Debatte um unfehlbares Selbstwissen klar: Bei wissenschaftlichen Behauptungen, der Busabfahrtszeit, dem Geburtstag der Mutter usw. sind mit Leichtigkeit eine Reihe von Irrtumsquellen denkbar. Überhaupt besteht zwischen den Rechtfertigungen zu einer Überzeugung und ihrer Wahrheit gar kein zwingender Zusammenhang. Oder wie es Neil deGrasse Tyson ausdrückte: „The universe is in no obligation to make sense to you.“ Kurzum, in allen Bereichen außerhalb des Selbstwissens steht eine infallibilistische Haltung schnell auf sehr wackeligen Beinen. Deshalb wird den folgenden Überlegungen ein fallibilistischer Standpunkt zu Grunde gelegt: „Menschen besitzen keine wahrheitsgarantierenden Rechtfertigungen.“ Diese Position wird auch von der Mehrheit der Philosophien vertreten.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische und aktuelle philosophische Debatte um den Wissensbegriff ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung zur fallibilistischen Wissensauffassung.
B. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die epistemischen und begrifflichen Grundlagen, diskutiert das Unterscheidungsproblem anhand von Fantl und McGrath sowie Bonjours Kritik und beleuchtet die Problematik durch Keils "blinde Flecken".
Teil I. Wissensbegriffe und ihre Implikationen: Dieses Kapitel stellt fallibilistische und infallibilistische Positionen einander gegenüber und begründet die Entscheidung für eine fallibilistische Wissensauffassung.
Teil II. Das Unterscheidungsproblem des fallibilistischen Wissensbegriffs: Hier wird die Schwierigkeit untersucht, "ausreichende" von "unzureichender" Rechtfertigung zu unterscheiden, wobei quantitative Lösungsansätze und deren Grenzen im Fokus stehen.
C. Ergebnis: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass das Unterscheidungsproblem trotz verschiedener Lösungsansätze weiterhin besteht und Wissen möglicherweise eher als nützliches kulturelles Konzept denn als Resultat präziser Definitionskriterien zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Fallibilismus, Infallibilismus, Wissensbegriff, Rechtfertigung, Unterscheidungsproblem, Epistemologie, Fantl und McGrath, Bonjour, blinde Flecken, Geert Keil, Irrtumsquellen, Erkenntnistheorie, wahrheitsgarantierend, Wahrscheinlichkeit, Kontextualismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Frage, wie Wissen definiert werden kann, und fokussiert sich dabei kritisch auf die fallibilistische Wissensauffassung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis zwischen fallibler und infallibler Wissenskonzeption, die methodische Abgrenzung von Rechtfertigungsgraden und die Problematik von Irrtumsquellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das sogenannte Unterscheidungsproblem innerhalb des Fallibilismus zu analysieren und zu prüfen, ob sich "ausreichende" Rechtfertigung sinnvoll von "unzureichender" abgrenzen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine philosophisch-argumentative Methode angewandt, die auf der Analyse von Positionen und Gegenpositionen (z. B. Bonjour vs. Fantl/McGrath) sowie der Formalisierung von Argumenten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung zwischen Fallibilismus und Infallibilismus sowie die detaillierte Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Quantifizierung von Rechtfertigungsqualität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Fallibilismus, Rechtfertigung, das Unterscheidungsproblem, Irrtumswahrscheinlichkeiten und die epistemische Rolle "blinder Flecken".
Warum kritisieren Skeptizisten den fallibilistischen Wissensbegriff?
Skeptizisten führen das Moore’sche Paradox an und kritisieren, dass ein Wissensbegriff, der Irrtumsmöglichkeiten zulässt, intuitiv widersprüchlich wirkt.
Welche Rolle spielt das Beispiel der "blinden Flecken" nach Keil?
Die "blinden Flecken" verdeutlichen, dass manche Irrtumsquellen sich definitionsgemäß der menschlichen Aufmerksamkeit und somit auch einer mathematischen Quantifizierung entziehen.
- Arbeit zitieren
- Max Schoen (Autor:in), 2020, Die fallibilistische Wissensauffassung und ihr Unterscheidungsproblem, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1133666