Inwieweit handelt es sich bei dem Wahlsieg von Wolodymyr Selenskiy bei den Präsidentschaftswahlen 2019 und dem darauffolgenden Erfolg seiner Partei „Diener des Volkes“ bei den vorgezogenen Parlamentswahlen um ein populistisches Phänomen?
Der erste Teil dieser Arbeit gibt zunächst einen Überblick über die einschlägige wissenschaftliche Literatur im Populismusdiskurs. Ziel ist es dabei, für die zentralen Theorien der Populismusforschung jeweils einen Analyserahmen mit klaren Kriterien herauszuarbeiten, nach denen politische Akteure und Parteien hinsichtlich ihrer populistischen Beschaffenheit bewertet werden können. Im zweiten Teil dieser Arbeit wird Wolodymyr Selenskiys politischer Werdegang und die Entstehungsgeschichte seiner Partei „Diener des Volkes“ kurz skizziert. Zum allgemeinen Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Situation in der Ukraine werden in diesem Zusammenhang auch die historischen Rahmenbedingungen erklärt, unter denen der Machtwechsel in der Ukraine stattfand.
Anschließend soll im analytischen Teil dieser Arbeit anhand der zuvor aufgestellten Kriterien untersucht werden, inwieweit sich Wolodymyr Selenskiy und seine Partei „Diener des Volkes“ in die jeweiligen theoretischen Konzepte der Populismusforschung einordnen lassen. Als empirische Daten für die Analyse werden vor allem Primärquellen wie etwa die Inaugurationsrede des neuen Präsidenten oder das Wahlprogramm der Partei „Diener des Volkes“ herangezogen. Verwendung finden aber auch Sekundärquellen, die den jüngsten politischen Machtwechsel in der Ukraine thematisieren. Schließlich werden in der Zusammenfassung die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung nochmal festgehalten und die Forschungsfrage wird beantwortet. Ein kurzer Ausblick richtet sich in diesem Zusammenhang auch auf möglichen weiteren Forschungsbedarf zu diesem Thema.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Populismus als Ideologie
2.2. Populismus als Strategie
2.3. Populismus als Denkstil
3. Historischer Kontext
3.1. Die Ukraine im Spannungsfeld zwischen Russland und der EU
3.2. Euromaidan-Revolution und ihre Folgewirkungen
3.3. Post-Maidan: Regierung Poroschenko
3.4. Wolodymyr Selenskiy und „Diener des Volkes“
4. Analytischer Teil
4.1. Analyse: Populismus als Ideologie
4.2. Analyse: Populismus als Strategie
4.3. Analyse: Populismus als Denkstil
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der Wahlsieg von Wolodymyr Selenskiy bei den ukrainischen Präsidentschaftswahlen 2019 und der darauffolgende Erfolg seiner Partei „Diener des Volkes“ bei den Parlamentswahlen als populistisches Phänomen eingeordnet werden können.
- Vergleichende Analyse politikwissenschaftlicher Populismus-Konzepte
- Historische Einordnung des politischen Machtwechsels in der Ukraine
- Untersuchung der politischen Kommunikation und Programmatik von Selenskiy
- Bewertung der Anwendbarkeit verschiedener Populismus-Definitionen
- Reflexion über die strategischen Erfolgsfaktoren der Partei „Diener des Volkes“
Auszug aus dem Buch
2.2. Populismus als Strategie
Eine andere Definition von Populismus wurde insbesondere von dem deutschen Politikwissenschaftler Kurt Weyland mit Blick auf Erfahrungen in Lateinamerika entworfen. Weyland versteht Populismus nicht als eine voll entwickelte Ideologie, sondern als ein rein politisches Phänomen und konzentriert sich handlungstheoretisch vor allem auf die spezifisch populistischen Strategien zum Machterwerb, „wobei Strategien nicht mit Stil, Auftreten oder Rhetorik gleichzusetzen sind“ (Priester 2011: S.192). Ihm zufolge besteht Populismus aus dem Versuch einer ambitionierten Führungsperson, mittels einer Reihe von populistischen Methoden und Instrumenten, die Unterstützung einer nicht organisierten und sich politisch benachteiligt fühlenden Masse zu gewinnen. Der zentrale Akteur ist hierbei der Populist selbst, der in einer direkten, nicht-mediatisierten Form mit seinen Unterstützer*innen kommuniziert und sich ihnen gegenüber als Heilsbringer inszeniert. Er nutzt soziale Missstände bewusst aus und propagiert deren Ursache bei der bestehenden Elite. Der Populist positioniert sich selbst dabei stets außerhalb des Establishments und nimmt die Stellung eines politischen „Outsiders“ ein. Als „heroischer Heilsbringer“ (Jörke/Selk 2017: S 85) forciert er eine persönliche Beziehung zu seinen Unterstützern, was die Rolle von Parteien bei der Interessensartikulation und Übermittlung politischer Botschaften entkräftet (vgl. Weyland 2001: S.14f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung der Problemstellung, der Forschungsfrage und der Relevanz der Untersuchung im Kontext der modernen Populismusforschung.
2. Theoretische Grundlagen: Systematisierung der politikwissenschaftlichen Populismus-Konzepte in die Kategorien Ideologie, Strategie und Denkstil.
3. Historischer Kontext: Darstellung der ukrainischen politischen Entwicklung von der Unabhängigkeit über den Euromaidan bis zum Aufstieg von Selenskiy.
4. Analytischer Teil: Anwendung der theoretischen Kriterien auf die Inaugurationsrede und das Wahlprogramm von Selenskiy sowie dessen Partei.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der Forschungsfrage mit dem Fazit, dass primär eine populistische Strategie zum Machterwerb vorliegt.
Schlüsselwörter
Populismus, Ukraine, Wolodymyr Selenskiy, Diener des Volkes, Politische Strategie, Wahlerfolg, Politische Ideologie, Demokratische Regression, Machterwerb, Korruptionsbekämpfung, Politische Kommunikation, Transformation, Osteuropa, Politische Führung, Wahlprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob Wolodymyr Selenskiy und seine Partei „Diener des Volkes“ basierend auf wissenschaftlichen Definitionen als populistisch einzustufen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Populismusforschung, die politische Entwicklung der Ukraine nach 2014 und die Analyse von Wahlprogrammen sowie Reden des Präsidenten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Einordnung des Wahlsiegs von 2019, um zu klären, ob es sich um ein populistisches Phänomen handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoriegeleiteter Analyserahmen erstellt, der dann mithilfe von Primär- und Sekundärquellen auf das Fallbeispiel angewendet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung der Ukraine und eine detaillierte analytische Überprüfung der Populismus-Konzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Populismus, Ukraine, politische Strategie, Selenskiy und der Machtwechsel von 2019.
Wie definiert die Arbeit den „Newcomer-Effekt“ im ukrainischen Kontext?
Der „Newcomer-Effekt“ bezeichnet die Nutzung der Popularität von Selenskiy, um zahlreiche politisch unerfahrene Kandidaten in das Parlament zu befördern.
Welches Populismus-Konzept passt am besten zu den Ergebnissen der Untersuchung?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass der Erfolg am ehesten durch das Konzept des Populismus als Strategie zum Machterwerb erklärt werden kann.
Wie steht die Arbeit zur These des autoritären Populismus bei Selenskiy?
Die Arbeit stellt fest, dass sich autoritäre Tendenzen zwar in Ansätzen (z.B. dezisionistisches Vorgehen) zeigen, das Phänomen aber nicht als ideologisch-autoritär eingestuft werden kann.
- Quote paper
- Yevgen Lozynskyy (Author), 2021, Wolodymyr Selenskiy und die Partei "Diener des Volkes" - ein populistisches Phänomen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1130767