Die vorliegende Arbeit wird Sigmund Freuds Positionen zu Dichtung und Dichtenden schlaglichtartig vorstellen. Hauptbezugspunkt wird dabei sein Werk "Der Dichter und das Phantasieren" sein. Hieran sollen Freuds Überlegungen zum Wesen der Fantasie, der Dichtung und zum Dichter beleuchtet und diskutiert werden.
Die Beziehung von Literaturwissenschaft und Psychoanalyse ist eine komplexe. Sie eröffnet ein breites Spektrum an Forschungsfeldern rund um die Frage, inwieweit psychoanalytisches Wissen in literarischen Texten (und andersherum) erscheint und modelliert wird. Dabei spielt auch die Reflexion von Sigmund Freuds Ansichten über Sprachlichkeit und Phantasie sowie die Bedeutung der Literarizität seiner eigenen Schriften eine Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitendes zu Psychoanalyse & Literatur
2. Der Dichter und das Phantasieren
2.1. Fantasie & Dichtung
2.2. Zum Dichter
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Psychoanalyse und Literaturwissenschaft mit einem Fokus auf Sigmund Freuds Schriften, insbesondere seinen Aufsatz "Der Dichter und das Phantasieren". Ziel ist es zu analysieren, wie Freud literarische Texte als Ausdruck unbewusster Prozesse betrachtet und inwiefern der Dichter mittels seiner Phantasie unbefriedigte Wünsche kompensatorisch verarbeitet.
- Die wissenschaftliche Fundierung der psychoanalytischen Literaturtheorie
- Die Analyse der Analogie zwischen kindlichem Spiel und künstlerischem Schaffen
- Die Rolle der Phantasie als Brücke zwischen Realität und Wunscherfüllung
- Kritische Auseinandersetzung mit Freuds Methode der Dichter-Interpretation
Auszug aus dem Buch
2. Der Dichter und das Phantasieren
1908 verfasst Freud den Aufsatz „Der Dichter und das Phantasieren“. Den Ausgangspunkt für diesen Text bildet dabei seine folgende Überlegung:
Uns Laien hat es immer mächtig gereizt zu wissen, woher diese merkwürdige Persönlichkeit, der Dichter, seine Stoffe nimmt (...) und wie er es zustande bringt, mit ihnen so zu ergreifen, Erregungen in uns hervorzurufen, deren wir uns vielleicht nicht einmal für fähig gehalten hätten.
Freud geht dabei vornehmlich der ersten Frage auf den Grund. Zum einen sucht er nach der Inspirationsquelle des Dichters, zum anderen versucht er Grund und Ursache des Dichtens selbst zu ergründen.
2.1. Fantasie & Dichtung
Einleitend stellt er eine Analogie zwischen Spiel (er führt das Spielen von Kindern an) und Fantasie bzw. dem Fantasieren er. Er stützt dieses Argument zunächst mit korrelierenden sprachlichen Begrifflichkeiten und verweist auf das Schau-, Trauer- oder Lustspiel. Mit zunehmendem Alter nimmt das kindliche Spiel ab. „Der Heranwachsende hört also auf zu spielen (...); anstatt zu spielen, phantasiert er jetzt.“ Sigmund Freud wähnt diese Fantasien als zumeist intim und schambehaftet, weshalb sie häufig geheim gehalten im Verborgenen bleiben. Damit bleiben sie nach Freud gleichermaßen unbefriedigt. Er schlussfolgert daraus, dass der Glückliche nie phantasiert, sondern nur der Unbefriedigte. Den unbefriedigten Wünschen kommt dabei die Rolle der treibenden Kraft der Fantasie sowie der (Tag-) Träume zu. Die Fantasie wiederum imaginiert die Erfüllung eines Wunsches zur Korrektur der unbefriedigten Wirklichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitendes zu Psychoanalyse & Literatur: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen dar, indem es die Verschränkung von literaturwissenschaftlichen Ansätzen mit Freuds psychoanalytischen Theorien beleuchtet.
2. Der Dichter und das Phantasieren: Hier wird zentral Freuds Aufsatz analysiert, wobei besonders die Verbindung von Tagträumen, Wunscherfüllung und der dichterischen Tätigkeit im Mittelpunkt steht.
2.1. Fantasie & Dichtung: Dieser Abschnitt expliziert die Analogie zwischen kindlichem Spiel und kreativem Phantasieren als Mechanismus der Kompensation unerfüllter Wünsche.
2.2. Zum Dichter: Es wird die psychoanalytische Sicht auf den Künstler thematisiert, der sein persönliches Erleben durch künstlerische Arbeit transformiert und damit gesellschaftlich zugänglich macht.
3. Fazit: Die Arbeit resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und bewertet die Bedeutung von Freuds literaturanalytischer Methode sowie deren kontroverse Aufnahme in der Wissenschaft.
Schlüsselwörter
Psychoanalyse, Literaturwissenschaft, Sigmund Freud, Phantasieren, Dichtung, Wunscherfüllung, Tagtraum, Kreativität, Unbewusstes, Ersatzbefriedigung, Trieb, Symbolik, Literaturinterpretation, Autor-Werk-Beziehung, Triebtheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Schnittmenge von Psychoanalyse und Literatur, wobei der Fokus auf Sigmund Freuds literaturtheoretischen Überlegungen liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Natur des menschlichen Phantasierens, die Funktion von Tagträumen als Wunscherfüllung und die Rolle des Dichters als psychologisch interessantes Subjekt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie psychoanalytische Konzepte wie das Unbewusste und die Triebunterdrückung dazu genutzt werden können, den Prozess des literarischen Schaffens zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit nutzt eine textanalytische Methode, die Freuds Schriften zur Literatur kritisch gegen die Literaturwissenschaft hält und seine methodische Vorgehensweise reflektiert.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert Freuds Aufsatz "Der Dichter und das Phantasieren", untersucht die Analogie zwischen Spiel und Dichtung sowie die kritischen Punkte an Freuds hermeneutischer Herangehensweise.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Literaturpsychologie, Kompensationsmechanismen, Dichterbiografie und symbolische Transformation geprägt.
Wie unterscheidet Freud laut dieser Arbeit das Dichten vom reinen Tagtraum?
Während der Tagtraum ein privater, oft schambehafteter Vorgang ist, transformiert der Dichter seine Phantasien durch künstlerische Arbeit so, dass sie für ein Publikum genießbar und gesellschaftlich kommunizierbar werden.
Warum wird Freud in der Arbeit auch kritisch betrachtet?
Die Arbeit kritisiert, dass Freud bei seinen Untersuchungen bevorzugt erfolgreiche Autoren als Beweis für seine Thesen wählt und seine Methode eher eine einseitige Bestätigung seiner Theorie als eine neutrale Prüfung von Hypothesen darstellt.
- Arbeit zitieren
- Marlen Reinschke (Autor:in), 2018, Psychoanalytische Ansätze von Sigmund Freud anhand der Dichtkunst, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1128927