Diese Arbeit befasst sich mit der Mesoebene der Median-Budgetierung. Um die Entstehung und das System der Berliner Median-Budgetierung bezirklicher Produkte zu verstehen, ist es wichtig zu erläutern, wie und warum die Berliner Verwaltung ihre Rechnungslegung vollzieht. Mit der Wiedervereinigung der Bundesrepublik Deutschland (BRD) kamen sowohl Chancen als auch Herausforderungen auf die Berliner Verwaltung zu. Die Verwaltungsstrukturen der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) mussten an die Strukturen der BRD angepasst werden, die Verwaltungsvereinigung. Zusätzlich zu den organisatorischen Herausforderungen kam das Haushaltsdefizit der DDR. Damit diese Herausforderungen bewältigt werden konnten und um die Neustrukturierung voranzutreiben, wurde die Einheitsgemeinde Berlin durch den Bund subventioniert. Jedoch war die Subventionierung nicht von langer Dauer und der Bund kürzte diese um 70%, sodass für Berlin eine wesentliche Einnahmequelle für die nächsten Jahre wegfiel.
Inhaltsverzeichnis
1. Historische Einordnung
2. Was ist eine Median-Budgetierung?
2.1 Budgetierung in den öffentlichen Verwaltungen
2.2 Median-Budgetierung der Berliner Bezirke
2.3 Anreize der Median-Budgetierung
3. Ergebnisse zu den Fallstudien zu dem Berliner Median-Budgetierungsverfahren
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das System der Berliner Median-Budgetierung für bezirkliche Produkte, um dessen Entwicklung, Funktionsweise und Auswirkungen auf die Verwaltungseffizienz zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Implementierung betriebswirtschaftlicher Steuerungsinstrumente zu den angestrebten Zielen der Kostensenkung und Transparenz beigetragen hat.
- Historische Entstehung der Berliner Median-Budgetierung nach der Wiedervereinigung
- Systematik der Budgetformen in öffentlichen Verwaltungen
- Prozessuale Abwicklung der Median-Budgetierung in den Berliner Bezirken
- Anreizstrukturen und deren Einfluss auf das Verwaltungshandeln
- Empirische Analyse dysfunktionaler Verhaltensweisen und erzielter Ergebnisse
Auszug aus dem Buch
2.2 Median-Budgetierung der Berliner Bezirke
Die Median-Budgetierung verläuft in vier Phasen ab, in der die Senatsverwaltung und danach die Bezirke die Finanzmittel Schritt für Schritt zu teilen. Diese Prozesse haben die vorher geplanten Budgets der einzelnen Bezirke als Grundlage. In der Planungsphase legt die Senatsverwaltung einen für den Berliner Haushalt geltenden Finanzrahmen fest, die Bezirks- und Gesamtplafonds, die als Vorbereitung für die Vorhaben der Politik dienen sollen. In der nächsten Phase finden die Berechnungen der vorher einheitlich definierten Produkte statt und diese werden mit dem Zuweisungspreis budgetiert. Der ermittelte Median aus dem hier gezeigten Beispiel, für das Produkt Knöllchen aus dem Jahr 2018, zeigt einen Wert von 4,11€. Dieser Medianwert bildet sich aus dem Mittelwert des sechsten und siebten Bezirkes mit den höchsten Ausgaben. In diesem Beispiel ist es Tempelhof-Schöneberg mit 4,06€ und Treptow-Köpenick mit 4,16€. Der daraus resultierende Mittelwert wird nochmalig um die budgetunwirksamen (buw) Kosten reduziert. Die buw-Kosten sind bspw. kalkulatorische Kosten von Zinsen und Pensionszuschläge sowie Abschreibungen. Diese buw-Kosten belaufen sich auf circa fünf Prozent des jeweiligen Medianwertes. Somit sind die restlichen 95 Prozent budgetwirksam (bw) und gelten als Zuweisungspreis. Diese sind dienstleistungsbezogene und sonstige Transferkosten und Personal- und Sachkosten. Am Ende wird der Zuweisungspreis mit der Produktmenge multipliziert und im Ergebnis somit das Produktbudget erhalten. (Medianwert - buw = Zuweisungspreis x Planmenge = Produktbudget) Dieses Produktbudget, für alle Produkte zusammenaddiert, wird als Globalsumme zugewiesen. In der dritten Phase findet im Anschluss die Verteilung der Globalsumme statt und die Bezirke können mit diesen Finanzmitteln die bezirklichen Produkte ausstatten. Diese Kostenstellenbudgets werden von den Bezirksleitungen auf die Leistungs- und Verantwortungszentren zugewiesen. Die Bezirksleitungen sind in der Lage ihre politischen Kernaufgaben mit einer höheren Zuweisung zu verdeutlichen. Nach Beendigung des Haushaltsjahres können die Bezirke bei Bedarf ihre Produktbudgets erweitern bzw. nachbudgetieren. Diese vierte Phase findet lediglich in zwei Fällen ihre Anwendung. Bei nachfragebestimmten Planmengen kann es aufgrund der langen Vorausplanung eines Doppelhaushaltsjahres zu einem Mehr- oder Minderbedarf kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Historische Einordnung: Das Kapitel beschreibt die finanzwirtschaftliche Krisensituation nach der Wiedervereinigung, die Berlin zur Einführung neuer Verwaltungsmodelle und der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) zwang.
2. Was ist eine Median-Budgetierung?: Dieser Abschnitt erläutert die theoretischen Grundlagen von Budgetierungsformen im öffentlichen Sektor und detailliert den vierphasigen Prozess der Berliner Median-Budgetierung sowie die resultierenden Anreizsysteme.
3. Ergebnisse zu den Fallstudien zu dem Berliner Median-Budgetierungsverfahren: Hier werden zwei empirische Studien ausgewertet, die zeigen, dass die Budgetierung zwar Transparenz schafft und Kostenbewusstsein fördert, jedoch teils zu dysfunktionalem Verhalten führt.
Schlüsselwörter
Median-Budgetierung, Berliner Verwaltung, Haushaltssteuerung, Public Management, Kosten- und Leistungsrechnung, Benchmarking, Budgetformen, Verwaltungseffizienz, Zuweisungspreis, Produktbudget, Verwaltungsreform, Finanzplanung, Anreizsysteme, Kostensenkung, Transparenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Verfahren der Median-Budgetierung in der Berliner Bezirksverwaltung als Instrument zur Steuerung bezirklicher Produkte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die historische Genese der Berliner Haushaltsreform, die Systematik der Budgetierung, die praktische Umsetzung der Median-Zuweisung sowie die Analyse der Anreizstrukturen für die Verwaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beleuchten, wie die Einführung betriebswirtschaftlicher Instrumente wie das Benchmarking zur Effizienzsteigerung und Kostentransparenz in der öffentlichen Verwaltung beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung von zwei zentralen empirischen Studien, die sich mit der Anwendung und den Folgen der Median-Budgetierung auseinandersetzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition der Budgetierung, eine detaillierte prozessuale Beschreibung der vier Phasen des Berliner Modells und eine kritische Diskussion der empirischen Ergebnisse bezüglich der Motivation und Zielerreichung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Median-Budgetierung, Haushaltssteuerung, Benchmarking, öffentliche Verwaltung, Transparenz und Produktbudget.
Wie genau wird der Zuweisungspreis im Berliner Modell berechnet?
Der Zuweisungspreis basiert auf dem Median der Ausgaben für ein Produkt in den Berliner Bezirken, wobei budgetunwirksame Kosten wie Zinsen oder Abschreibungen (ca. 5%) abgezogen werden, um den budgetwirksamen Betrag zu erhalten.
Welche dysfunktionalen Verhaltensweisen wurden in den Fallstudien identifiziert?
Die Studien deuten darauf hin, dass die komplexe Steuerung zu intransparenten Prozessen führen kann und dass die Anreizfunktionen durch zusätzliche Verfahren teilweise abgeschwächt oder gar konterkariert werden.
- Quote paper
- Tim Heinrich (Author), 2019, Die Mesoebene. Berliner Median-Budgetierung bezirklicher Produkte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1127960