Wer heute dem iranischen Staatspräsidenten Achmadinejad zuhört oder die Reden des berüchtigten Terroristen Osama bin Laden liest, wird immer wieder auf das Phänomen des Mahdi stoßen. Doch um wen handelt es sich dabei?
Eine andere Erscheinung: Heutige Medien paraphrasieren immer wieder gerne Karl May, indem sie z.B. ein „Massaker im Lande des Mahdi“ feststellen, wenn sie über den Sudan sprechen. Der Mahdi scheint also vor allem aus literarischen Erzeugnissen bekannt zu sein und nur wenige Sachbücher zum Thema haben eine größere Verbreitung gefunden. Das ist durchaus bemerkenswert, immerhin handelt es sich bei dem sudanesischen Mahdiaufstand um den Beginn des modernen islamischen Fundamentalismus, wie die einführende Bemerkung schon angedeutet hat und wie z.B. Wildfried Westphal umfangreich dokumentiert.
Als Frage stellt sich also, in welchem Maß das Bild des Mahdi durch die deutsche und angelsächsische Literatur geprägt wurde und als wie realitätsnah es bezeichnet werden kann. Dazu muss zunächst die Rolle des Mahdis im Islam erläutert und ein historischer Abriss des Mahdi-Aufstandes im Sudan wiedergegeben werden.
Anschließend widmet sich diese Untersuchung vier Werken der Schriftsteller Karl May („Im Lande des Mahdi“), Winston S. Churchill („Weltabenteuer im Dienst“), Arnold Höllriegel („Die Derwischtrommel“) und A.E.W. Mason („Die vier Federn“). Anhand der einzelnen literarischen Texte soll die Darstellung des Mahdi und seines Aufstandes untersucht werden. Haben die Werke darüber hinaus das Bild vom Orient und/oder Sudan beeinflusst? Wird das Phänomen des Gottesstaates wiedergegeben? Spielen imperialistische und kolonialistische Ansichten eine Rolle?
Auf Inhaltsangaben der Werke wird weitestgehend verzichtet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Mahdi-Aufstand historisch
1.1. Der Sudan
1.2. Die Rolle des Mahdi im Islam
1.3. Der Mahdi-Aufstand
2. Literarische Rezeption
2.1. Karl May
2.2. Winston S. Churchill
2.3. Arnold Höllriegel
2.4. A.E.W. Mason
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, in welchem Maße das Bild des Mahdi durch ausgewählte Werke der deutschen und angelsächsischen Literatur geprägt wurde und wie realitätsnah diese Darstellung ist. Dabei wird analysiert, wie vier spezifische Schriftsteller den sudanesischen Mahdi-Aufstand verarbeiteten und inwieweit dabei imperialistische, kolonialistische oder religiöse Vorurteile in die Erzählungen einflossen.
- Historische Grundlagen des Mahdi-Aufstandes im Sudan
- Die literarische Verarbeitung bei Karl May, Winston S. Churchill, Arnold Höllriegel und A.E.W. Mason
- Einfluss von kolonialen Sichtweisen und eurozentrischen Narrativen
- Das Spannungsfeld zwischen religiöser Mystik und politischer Realität
- Die Rolle der Literatur bei der Konstruktion des Orient-Bildes im 19. und 20. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
1.3. Der Mahdi-Aufstand
Der sudanesische Mahdi, Mohammed Achmed, wurde 1844 als Sohn eines Bootsbauers auf einer Nilinsel geboren. Seine Familie zählte sich zu den Nachkommen des Propheten. Mohammed Achmed durchlief eine Predigerausbildung und schloss sich 1861 einem Sufi-Orden an. Nach sieben Lehrjahren wurde er selbst zum Scheich ernannt und zog sich zusammen mit seinen Brüdern auf die Insel Aba zurück. Dort rühmte man ihn vor allem für seine Askese und Gelehrsamkeit. In Folge eines Streites mit seinem früheren Scheich baute Mohammed Achmed eine sich stetig vergrößernde Gemeinschaft aus Gläubigen und Händlern um sich herum auf.
Den entscheidenden Einfluss übte jedoch der Prediger Abdullah ibn Mohammed aus, indem er Mohammed Achmeds Gefolge beitrat und ihm die Rolle des Mahdi regelrecht antrug. Am 29. Juni 1881, im Fastenmonat Ramadan, verkündete Mohammed Achmed seine Mahdi-Schaft schließlich der ganzen Welt. Im Folgenden versuchte er immer wieder Parallelen zum Leben des Propheten Mohammeds herzustellen, so z.B. die gemeinsame Flucht mit seinen Anhängern, wie der Prophet es von Mekka nach Medina getan hatte und damit die islamische Zeitrechnung begann. Die alarmierten anglo-ägyptischen Truppen gingen gegen die nur mit Hieb- und Stichwaffen ausgerüsteten Mahdi-Anhänger jedoch zu sorglos vor und erlitten am 12. August 1881 eine erste Niederlage. In mehreren Scharmützeln und Schlachten konnten die Truppen des Mahdi immer wieder siegen und mehrten so den Ruf des wundersamen, allmächtigen Mahdi. Bis 1885 eroberte der Mahdi den ganzen Sudan, besonders hervorzuheben ist die Eroberung Khartums und die Ermordung des britischen Stadthalters Gordon.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die historische und mediale Bedeutung des Mahdi-Phänomens ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der literarischen Darstellung in den gewählten Werken.
1. Der Mahdi-Aufstand historisch: Dieses Kapitel liefert den nötigen historischen Kontext über den Sudan, die religiöse Bedeutung des Mahdi-Begriffs und den tatsächlichen Verlauf des Aufstandes.
2. Literarische Rezeption: Dieser Abschnitt analysiert die verschiedenen literarischen Annäherungen an den Mahdi und den Aufstand in den Werken von Karl May, Winston S. Churchill, Arnold Höllriegel und A.E.W. Mason.
Fazit: Das Fazit fasst die literarischen Ergebnisse zusammen und reflektiert über den Einfluss dieser Texte auf das europäische Bild vom Orient und dem sudanesischen Mahdi.
Schlüsselwörter
Mahdi, Mahdi-Aufstand, Sudan, Islam, Literatur, Karl May, Winston S. Churchill, Arnold Höllriegel, A.E.W. Mason, Kolonialismus, Imperialismus, Orient, Gottesstaat, Omdurman, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das historische Phänomen des Mahdi-Aufstandes im Sudan in der deutschen und angelsächsischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts rezipiert und verarbeitet wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Faktizität des Aufstandes, der religiösen Rolle des Mahdi im Islam sowie der kolonialen und eurozentrischen Sichtweise, die sich in literarischen Werken widerspiegelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, in welchem Maß literarische Texte das Bild des Mahdi und des Orients in Europa geprägt haben und wie realitätsnah oder polemisch diese Beschreibungen ausfallen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die die Texte mit historischen Fakten abgleicht und die erzählerischen Intentionen sowie Weltanschauungen der Autoren kritisch hinterfragt.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss des Mahdi-Aufstandes und eine detaillierte Analyse der Werke von Karl May, Winston S. Churchill, Arnold Höllriegel und A.E.W. Mason.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentral sind Begriffe wie Mahdi, Mahdi-Aufstand, Literaturrezeption, Kolonialismus, Orientbild und Islam, welche die fachliche Ausrichtung auf Kulturgeschichte und Literaturwissenschaft definieren.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Mahdi bei Karl May im Vergleich zu Arnold Höllriegel?
Während Karl May den Mahdi primär als Feindbild nutzt, um Polemik gegen den Islam zu betreiben, versucht Höllriegel eine historisch-poetische Annäherung, die jedoch von starken Rassismen und Vorurteilen durchzogen ist.
Welche Rolle spielt die Schlacht von Omdurman in der literarischen Aufarbeitung?
Sie dient in den untersuchten Werken oft als Kulminationspunkt, um die vermeintliche Überlegenheit westlicher Militärtechnologie oder den heldenhaften, aber ausweglosen Kampf der Mahdisten darzustellen.
- Arbeit zitieren
- Felix Strüning (Autor:in), 2006, Der Mahdi-Aufstand und seine literarische Rezeption bei May, Churchill, Höllriegel und Mason, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/112407